Von eigner Musik leben

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murmichel
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Ich habe als Zuhörer, Zuschauer und reiner Hobby-Musiker wenig Einblick darein, wie es (möglich) ist, von der eigenen Musik zu leben. Das meine ich als Abgrenzung zu Musikunterricht, Cover-Band, Musical, Kirchenmusik und was es sonst noch gibt.

Wenn jemand allein oder mit Band regelmäßig neue Musik schreibt, diese aufnimmt und produziert und auf Tour geht. Wie viele CD-Verkäufe, Streams, Konzertbesucher sind nötig, damit alle Beteiligten davon leben können? Nicht nur knapp über der Armutsgrenze sondern halbwegs sorglos.

Geht das überhaupt? Oder ist das wenigen Stars vorbehalten?
 
Signalschwarz
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Kommt darauf an, was die CDs und die Tickets kosten und durch wieviele Nasen geteilt werden muss. Streams bringen eh nix Nennenswertes in die Kasse.
 
Hauself Zwo
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Ich glaube nicht, dass es dazu absolute Zahlen gibt. Es dreht sich fast immer um die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben.

Beispiel 1: Ein Singer/Songwriter, der mit Gitarre und kleinem Equipment auf Tour geht und Locations zwischen 100 und 300 PAX bedient, hat wenig Ausgaben. Er kann sein Zeugs wahrscheinlich in einem Sprinter transportieren, braucht nicht viel Personal, einfaches Bühnenbild, .... ,. und der geht halt abends mal noch essen und eins trinken. Nur so als Hausnummer mal Reinhard Mey, der ist ja recht bekannt.

Beispiel 2: Eine Metal-/Rock-XY-Band, die mit 5 oder mehr Personen auf der Bühne steht. Die haben Tonnen von Ton- und Lichtequipment, pyrotechnische Effekte, Super-Bühnenbild mit Drumraiser und was weiß ich noch alles, und Wacken ist logischerweise das Highlight - "do simme dabei"! Mehrere Sattelschlepper, eine Armee von Roadies und Technikern, Management, Catering, Security ... das alles muss bezahlt werden.

Quintessenz: Beispiel 1 wird weniger Umsatz haben müssen (und letztlich sein Geld wohl leichter verdienen / eher davon leben können) als Beispiel 2.
 
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Domo
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HFU
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Klar geht das. Aber es ist alles andere als "straight forward". Im Grunde ist so eine Band oder ein Musikprojekt wie ein Unternehmen zu betrachten, in das man sehr viel Zeit und Geld investieren muss, bevor auch nur ein einziger Euro zurück kommt. Damit man eine Reichweite erzielen kann braucht man neben einem guten Produkt (gute Songs, eine gute Show) auch die richtige Infrastruktur (hier kommen dann Labels, Verlage, Agenturen ins Spiel). Ein Produkt zu erschaffen (Songwriting, Produktion, Vervielfältigung) kostet Geld. Und auch alle, die infrastrukturell beteiligt sind, wollen ihren Teil vom Kuchen ab haben. Damit du überhaupt ein Publikum aufbauen kannst, muss Geld in Marketing und Promo fließen. Dann fährst du auf Tour, vom Ticketpreis fließt die Hälfte an den Laden, 20% geht an die Bookingagentur, vom Rest musst einen Bus mieten, Sprit zahlen, Techniker bezahlen, pipapo. All diese Kosten müssen gedeckt sein, erst danach fängt das Geld verdienen an.

Dass man mit Streaming kaum Kohle verdient, ist kein Geheimnis. Ein anderes Thema sind Radio-Airplays und Sync-Deals in Werbung, Film und Fernsehen. Wenn man dort gut aufgestellt ist, kann man über die Gema schon einiges an Zubrot verdienen. Aber das ist natürlich auch kaum planbar und von einem guten Netzwerk und viel Glück abhängig.

Und seien wir mal ehrlich. Die allermeisten Bands, die ihr Ding mit Ambition machen, werden den allergrößten Teil ihres Gewinns wieder reinvestieren, in weitere Musikproduktionen, Videodrehs, neues Bühnen-Inventar, etc. Bevor man also wirklich Geld mit nach Hause nimmt um davon leben zu können, gehen wahrscheinlich Jahre harter Arbeit ins Land (vorausgesetzt die Band landet nicht einen Megahit, die einen von null auf Tausend katapultiert - auch diese Fälle gibt es, aber ist natürlich wie ein Lottogewinn).

Die allermeisten Musiker in "mittelständigen" Bands spielen deswegen oft in mehreren Bands oder haben mindestens ein anderes finanzielles Standbein. Oft ist das irgendwas mit Musikbezug (Unterrichten, Musikproduktion, Marketing, etc.) oder auch irgendwas ganz anderes. Man muss aber auch kein Superstar sein, um mit eigener Musik einen Lebensunterhalt verdienen zu können.
 
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WilliamBasie
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... Nicht nur knapp über der Armutsgrenze sondern halbwegs sorglos...
das kannst Du Dir ja selber definieren, wie das aussehen soll.

Danach stellst Du Dir einen Businessplan auf (wenn nötig mit Hilfe von Fachleuten, RA, Steuerberater), dann überträgst Du das auf Dein Geschäftmodell und untersuchst, wie realistisch es ist.

Kannst Du vorab auch schon mal überschlägig machen, Steuern, Versicherungen, Altersversorung, Mobilität, Ausgaben für Wohnen, Essen, allgemeine Ausgaben. Ganz am Ende dann noch Instrumente, Proberaum, Büro nicht vergessen.
Eventuell noch Familie einplanen?

Ausreichend Sicherheiten einplanen, sowas wie Corona kann immer kommen, was auf jeden Fall kommt, ist das Alter. Ab 50 verliert man den Spaß, ab 60 wirds zur Quälerei wenn man ständig unterwegs sein MUSS.
 
murmichel
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Ich bin nicht ganz sicher, ob ich vielleicht falsch verstanden wurde. Ich habe nicht die Absicht mit Musik Geld zu verdienen.

Mich interessiert, wie (und ob überhaupt) das unterhalb von Chart-Platzierungen (welchen auch immer) und landesweiter Bekanntheit funktioniert. Mit Betonung darauf, dass der Lebensunterhalt tatsächlich aus Produktion und Spielen der eigenen Musik kommt.

Ist das etwas, dass nur wenigen Glücklichen gelingt? Oder ist es sogar weit verbreitet?
 
HaraldS
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Mich interessiert, wie (und ob überhaupt) das unterhalb von Chart-Platzierungen (welchen auch immer) und landesweiter Bekanntheit funktioniert. Mit Betonung darauf, dass der Lebensunterhalt tatsächlich aus Produktion und Spielen der eigenen Musik kommt.?

Ganz einfach kann man natürlich sagen: ich brauche 3500 brutto und will das mithilfe der Herstellung von Aufnahmen und dem Live-spielen von selbst ausgedachten Musikstücken erreichen. Das werden ein paar erreichen, z.B. Werbekomponisten, erfolgreiche Musikkabarettisten, Schlagerproduzenten.

Viele andere werden Abstriche gegenüber den von dir genannten Bedingungen machen: mal ist es nicht der volle Lebensunterhalt der so erwirtschaftet wird, mal ist es nicht die notwendige Höhe, mal ist es nicht durchweg eigene Musik, mal ist es nur Live oder nur Aufnahme. Kompromisse werden hier der Regelfall sein, zumindest in meinem Umfeld beobachte ich das.

Dadurch entsteht ein extrem vielfältiges und buntes Musikleben in Deutschland, das vielen Menschen ermöglicht, mit und durch Musik große Teile ihres Lebensunterhaltes zu erwirtschaften. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Bereich Musik in Deutschland im Jahr 2020 nach Berufen nur 52 Komponisten ausweist. Viele andere Komponisten stecken in dieser Statistik entweder gar nicht oder an anderer Stelle drin.
 
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