Meine Perspektive ist in erster Linie die eines Menschen hinterm Mischpult in kleineren Locations. Für mich gibt es in der Frage Monitoring über Gitarrenlautsprecher, Bühnenmonitore oder IEM kein eindeutiges besser oder schlechter. In jeder Variante kenne ich unproblematische und herausfordernde Situationen.
Ein negatives Beispiel für Gitarrenlautsprecher sind die Hochtonschneisen, die aufs Publikum oder noch schlimmer auf mich gerichtet mir das Leben schwer machen, während bei den Musikanten zu wenig ankommt, was dann mit Pegel kompensiert wird. Deswegen versuche ich es bei von mir betreuten Bühnen immer, die Gitarrenboxen links und rechts zur Bühnenmitte hin auszurichten und nicht nach vorne. Dann habe ich auch kein Problem mit 412er, die haben wenigstens eine halbwegs vernünftige Höhe um in Richtung Ohren zu strahlen.
Leider sind auch mikrofonierte Gitarrenboxen kein Garant für ein gutes Signal im Mischpult. Gerade wenn in Festival-Situationen alle über gemeinsam genutzte Backline-Boxen spielen, kann das Ergebnis auch nach hinten losgehen. Ich habe es auch schon erlebt, dass Gitarristen ihre Amps zu leise gefahren haben, sodass auf dem Mikro am Ende zu viel Schlagzeug war (das sowieso immer zu laut ist). Um sich zu hören sollte die Gitarre dann so laut auf den Monitor, dass es tatsächlich zum Feedback über das Gitarrenmikro kam. Die Gitarristen waren dann recht verwundert, als ich sie aufforderte, ihre Amps lauter (!) zu machen.
Mittlerweile sind die simulierten Ausgänge dank IR und ähnlichem so gut, dass ich sie meistens der Mikrofonabnahme vorziehe. Die Sounds sind konstanter. Die Chance, dass die Musikanten den Sound in einer vergleichbaren Abhörsituation eingestellt haben, ist größer und damit auch die Chance, dass ich weniger am Sound bearbeiten muss. Und jedes offene Mikrofon auf der Bühne weniger macht den Sound besser, weil jedes Mikro ein unerwünschtes Overhead für das Drumset ist.
So ziemlich die schlechtesten Erfahrungen habe ich mit den sogenannten "FRFR"-Boxen gemacht, die für mich nur anders beworbene Bühnenmonitore aus der untersten Schublade, teils auf den technischen Stand des letzten Jahrtausends sind. Das war dann "worst of both worlds", kein gewohnter Gitarrensound, keine kontrollierte Abstrahlung und viel Lautstärke.
Das Problem der fehlenden PA-Abdeckung in den ersten Reihen ist real und leider in kleinen Locations auch nicht so einfach zu lösen. Wir reden von Situationen, in denen es keinen Bühnengraben gibt, sondern die erste Reihe quasi genauso nahe am Gesangsmikro steht, wie die Bühnenakteure selbst. Nearfills müsste man für eine gute Funktion auf oder knapp über der Kopfhöhe der ersten Reihe platzieren. Sonst wird der Hochton (und um den geht es in erster Linie) direkt wieder von den Wassersäcken absorbiert. Es sollte anschaulich klar sein, dass das in der beschriebenen Situation schwer umzusetzen ist. Man kann stattdesse mit links/rechts platzierten Infills arbeiten. Aber dabei gilt es zu bedenken, dass man damit den Pegel erhöht, der von der PA auf der Bühne ankommt und damit auch das Feedbackrisiko, insbesondere bei mobilen Vocalisten.
Es wird alles einfacher, wenn eine Band einen in sich stimmigen Sound liefert. Aber meiner Erfahrung nach gibt es einen Unterschied zwischen einen ausgewogenen Mix und einem optimalen individuellen Monitormix. Man selbst möchte sein Instrument in der Regel ein paar bis einige dB lauter haben, als dies aus Sicht des allgemeinen Mixes angebracht wäre. Und das lässt sich über individuelle IEMs natürlich viel einfacher und besser umsetzen, als es mit Lautsprechern der Fall ist.
Wenn ich aktuell mit ein paar Kollegen Musik mache, dann spiele ich einen Modeller über einen Bühnenmonitor, der aber ein gewisses Qualitätsniveau erfüllt (DIY, 2-Wege aktiv, Setup über Messung eingestellt). Das funktioniert für mich gut, aber wir reden auch nicht über Bühneneinsätze oder irgendwelche Ambitionen. Das ist nur ein Feierabendprojekt mit wechselnder Besetzung. Für ein ernsthaftes Bandprojekt wäre IEM mein bevorzugter Weg. Aber ich bin auch bereit, die Zeit und das Geld dafür zu investieren und bin in der Lage, die Technik entsprechend zu bedienen.