Warum sind sogenannte "Anfängerstücke" oft so schwierig?

Pianoteq
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Ich mag diesen Klavierlehrer aus Australien sehr gern und schaue ihn mir immer wieder gern an.


View: https://youtu.be/icxNcdM1-lY?si=lx2uoQLCLvxyiYCo

Ich finde, hier in diesem Video spricht er eine wichtige Sache an, die viele Anfänger auch sehr schnell wieder dazu bringt aufzuhören. Weil ihnen gewisse Stücke als "Anfängerstücke" oder "easy piano" verkauft werden, die es gar nicht sind. Viele Leute, die nicht Klavierspielen können, hören so etwas wie "Amélie" und wollen es spielen. Es klingt auf den ersten Blick recht einfach, ist es aber nicht. Wenn man nicht Klavierspielen kann, kann man das aber nicht beurteilen.

Klar, wenn man sagt, spiel Czerny oder Burgmüller, wissen sie erstens nicht, was das ist, und sie wollen es auch nicht spielen. Sie wollen das spielen, was sie aus Filmen oder Serien im Kino oder TV kennen. Und das ist eben so etwas wie "Amélie". Und auf YouTube gibt es genügend Leute, die ihnen das dann Taste für Taste beibringen. Wobei sie sich dann die Finger verrenken oder ein Karpatunnelsyndrom einhandeln, weshalb sie dann nie wieder ein Klavier anfassen möchten (oder wegen der Schmerzen nicht können) und enttäuscht und frustriert aufhören oder sogar aus medizinischen Gründen aufhören müssen.

Ich habe Czerny und Burgmüller gespielt und Hanon und dann natürlich Bach, und das sind teils so wunderschöne Stücke, die aber für Anfänger spielbar sind, dass ich mich manchmal frage, warum das anscheinend so aus der Mode gekommen ist. Andererseits liegt die Antwort auf der Hand. Es ist eben alles eine Mode. "Amélie" ist ja nun auch schon alt, und ich nehme an, heutzutage wollen die Leute schon wieder was ganz anderes spielen. Das, was sie auf Spotify oder YouTube hören und was sich fast jeden Tag ändert.

Auf jeden Fall fand ich es mal interessant, dass Jazer Lee in seinem Video darauf hinweist, was man eigentlich für Fähigkeiten auf den Tasten haben muss, um diese sogenannten "Anfängerstücke", die als solche verkauft werden, überhaupt spielen zu können. Ich bin am Anfang nämlich auch darauf reingefallen. Ich dachte, ich könnte das spielen, was ich höre und was mir gefällt. Das geht aber nicht von einem Tag auf den anderen. Und Taste für Taste ... das fand ich unmöglich. Ich habe mir die Noten genommen und wollte danach spielen. Ist aber kein Unterschied, was die Schwierigkeit angeht. Ob nach Noten oder nach Gehör oder Taste für Taste, wenn einem die grundlegendsten Klavierspieltechniken fehlen, geht einfach gar nichts.

Die Techniken habe ich dann im Laufe der Zeit von meinen verschiedenen Klavierlehrer:innen gelernt, und jetzt, nach etlichen Jahren, merke ich, dass ich einiges kann, wenn ich mich ans Klavier setze. Mir fehlt nur oft die Übung, weil ich in letzter Zeit wenig Zeit hatte. Aber das, was man mal gelernt hat, prägt sich merkwürdigerweise mehr ein, als man denkt, selbst wenn man zwischendurch nicht übt. Man muss es nur mal geübt HABEN.

Das habe ich jetzt beispielsweise mit Erstaunen festgestellt, als ich nach langer krankheitsbedingter Pause wieder anfing. Man fängt nicht bei null an. Damals, als ich viel geübt habe und regelmäßig Unterricht hatte, habe ich viel gelernt, und ich konnte jetzt zwar nicht auf demselben Niveau starten, aber vieles kam doch sehr schnell zurück. Noch erstaunlicher war, dass ich Stücke, die ich damals nicht oder nur schlecht spielen konnte, jetzt auf einmal spielen kann. Das ist aber ein anderes Thema. Dass das Gehirn quasi "weiterübt", wenn man eine Weile aussetzt. Dazu habe ich gerade ein sehr interessantes Buch gelesen. Wusste ich bis vor kurzem nicht.
 
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ich hatte als anfänger gymnopedie gute 6 monate geübt, bis ich einigermaßen spielen konnte.
 
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen dass es in jedem Bereich so ist, dass Profis sehr sehr oft kein Auge mehr dafür haben, was für Anfänger einfach ist, was sie überfordert, warum, und wie die Sicht eines Anfängers ist, nicht nur in der Musik.

Als mir mein Vater mal Skat erklären wollte (und er hat durch Kartenspiele mal Geld verdient...jaja, die 1970er...) fing er so an: "Die Buben sind Trumpf. Als erstes wird gereizt. Du zählst mit und ohne Buben, Ass zählt 11, bla..."
Und ich so: "????? Wieviele Karten bekommt man? Wann hat man gewonnen?" - das sind für einen Anfänger immer die ersten Fragen.
Ebenso halt in der Musik. In der Mathematik (und anderen naturwissenschaftlichen Bereichen) ist es oft die Verwendung von Fachbegriffen, die meist komplett unnötig sind um erstmal den Sachverhalt zu erklären, alte Lehrer schaffen es aber gar nicht mehr ohne Fachbegriffe diese zu erklären.
Und genauso ging es mir beim Gitarre lernen, wo ich Workshops fand die allen ernstes nicht mit Em und Am anfingen. Sondern mit C und G, für Anfänger sehr schwierige Akkorde bis man mal die Finger soweit hat.
Jedenfalls, ich habe die Erfahrung gemacht dass mit genügend Energie dahinter man als Autodidakt meist langsamer aber sicherer vorankommt, als an schlechten Lehrern oder Workshops zu verzweifeln und dann entmutigt aufzuhören.
 
Grund: hässliches Wort korrigiert
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Weil ihnen gewisse Stücke als "Anfängerstücke" oder "easy piano" verkauft werden
Naja, das ist halt der Unterschied zwischen lernen mit YouTube oder mit einem Lehrerin... :nix:
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ich habe die Erfahrung gemacht dass mit genügend Energie dahinter man als Autodidakt meist langsamer aber sicherer vorankommt, als an schlechten Lehrern oder Workshops zu verzweifeln
Wie wär's mal mit 'nem guten Lehrer? 🙂
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spricht er eine wichtige Sache an, die viele Anfänger auch sehr schnell wieder dazu bringt aufzuhören.
Hm, wenn ich "viele" lese, frage ich mich gleich wieder, wie man das wissen will. Was sind denn für Dich viele, und woher weißt Du das?

Oder meinst Du nur Deine eigene negative Erfahrung?
Ich bin am Anfang nämlich auch darauf reingefallen.
 
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dass Profis sehr sehr oft kein Auge mehr dafür haben
wird wohl so sein, bei Profis die keinen Bezug mehr zu Anfängern haben. Aber von Profis die Anfänger unterrichten oder Klavierschulen herausgeben sollte man das schon erwarten können.
 
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