Trotzdem finde ich die 59er im Vergleich zu meiner Les Paul nicht so bluesig. Sie bleiben sehr lange sehr klar, erst wenn ich den Toneregler auf 2 oder 1 zurückdrehe kommt der etwas wärmere/dumpfere, aber trotzdem artikulierte Sound. Bei meiner Maybach Lester kommt dieser dreckige/warme Sound schon bei ca. der Hälfte des Tonereglers. Da singt er schön ohne die Höhen.
Hi,
wenn ich Dich richtig verstehe, geht es also weniger um mehr Output, als darum, den typisch holzig-akustischen, aber auch mittigen Ton zu finden, den man mit einer 335 verbindet. In dem Punkt halte ich den SH-4 wie viele andere hier für ungeeignet, weil er vieles eben doch einfach plattmacht.
Der SH-1 bzw. '59 hat aus meiner Sicht tatsächlich das Problem, dass es ihm schon sehr an Mitten fehlt. Für Clean- und Crunchsounds an der Bridge nicht unbedingt verkehrt, weil dort schon positionsbedingt mehr passiert. Trotzdem klingt er mir da ab Werk immer ein bisschen zu "leer" für die rockigeren Sachen. In der Halsposition (die eigentlich immer ein paar höhere Mitten für die Definition brauchen kann) kommen dann noch die recht mächtigen Bässe dazu, die ihn bei Zerre auch gerne mal matschen lassen.
Den SH-2 Jazz würde ich in dem Zusammenhang auch eher aus dem Rennen nehmen, ich finde ihn dafür einfach zu klar und nüchtern. In einer ES habe ich ihn zugegeben noch nicht gehört, aber in einer Gitarre, in der mir der SH-1 schon zu klar klingt, würde ich ihn gar nicht erst probieren.
Den '59 mag ich bei weitem lieber mit anderen Magneten, und die kann man ja auch tauschen. Wenn Du es Dir zutraust, die Kappen zu entfernen, musst Du vielleicht nicht mal die PUs ablöten. Meine Favoriten in Deinem Fall wären ein A8 an der Bridge und ein A2 am Hals. Kostet wenig, aber hat für mich den '59 überhaupt erst verwertbar gemacht. Bei meiner Tokai bin ich am Hals übrigens bei A4 gelandet, aber ich wollte da auch eher einen transparenten Sound mit viel "Flöten" in den Mitten, der A2 ist im Vergleich noch etwas runder und die Mitten sitzen einen Hauch tiefer im Spektrum. Mit diesem Magneten ist der '59 Neck sogar einer meiner Lieblings-NeckHB, und wie gesagt konnte ich vorher mit ihm eigentlich gar nichts anfangen. Am Steg gibt der A8 ein bisschen mehr Wumms in Sachen Output und Mitten.
Eins muss man noch dazu sagen: Nach dem Magnettausch dauert es immer erst ein bisschen, bis sich der endgültige Sound einstellt. Denn magnetisiert werden ja indirekt die Schrauben und Polstücke, und die "speichern" den Magnetismus erstmal bzw. bleiben auch ohne eingebauten Permanentmagnet eine Weile magnetisch. Oft ändert sich im ersten Moment nicht viel, und es dauert über Nacht oder sogar einen weiteren Tag oder so, bis man die Gitarre wieder anschließt und denkt: hm, das klingt jetzt aber doch ein ganzes Stück anders...
Wenn ein Tausch für Dich nötig ist und Du den Einbau auf Dich nehmen willst: Ein Tipp für ES-Typen ist für mich auch immer das von Dir erwähntete Gibson Pärchen '57 Classic / Classic Plus. Sie klingen (nicht zuletzt durch die symmetrisch gewickelten Spulen runder und mittiger als die Burstbucker, erst recht als die SH-1, und bringen den Sound, den man bei einer 335 im Ohr hat, wirklich gut rüber. Mit denen kann eigentlich nix falsch machen, und sie sind auch gebraucht ganz gut zu bekommen. Das wäre aus meiner Sicht der sicherste Weg, sozusagen Brot & Butter unter den PUs.
Die neueren, "authentischen" PAFs wie Burstbucker, aber auch Seth Lover sind dem Zeitgeist folgend vor allem auf Transparenz getrimmt, und sie brauchen mMn auch etwas Poti-Arbeit, um die "alten" Sounds zu erzeugen. 50s Wiring und .022µF-Folienkondensatoren ermöglichen das wesentlich besser. An der Stelle wird das Umlöten in einer Semi natürlich noch mehr eine Pest, denn da müssen ja die Entfernungen zwischen den Potis schon vor dem Einbau möglichst genau stimmen. Belohnt wird man allerdings mit sehr schönen, resonanten Klängen - die Magie kommt für mich da erst, wenn man die Volume- und/oder Tonpotis auch mal ein bisschen runterdreht.
Der Whole Lotta HB sei auch noch kurz erwähnt. Das ist ein echter Rock-PAF, und den könnte ich mir für Deine Zwecke schon auch gut vorstellen. Er ist aber schon auch ein bisschen schärfer in den Höhen, er würde für die bluesigen Töne sicher auch vom 50s Wiring profitieren.
Der Pearly Gates Bridge hat auf jeden Fall genug Mitten, ist aber untenrum recht schlank und damit auch etwas spezieller. Am Steg hat mir bei ihm immer etwas Fundament gefehlt, und bei mir werkelt er sehr erfreulich am Hals meiner GIbson LP Studio. Die hat am Steg übrigens den '57 Classic Plus mit einem A8 und ist mehr so meine Rock-Paula.
Gruß, bagotrix