Wie würde denn so ein Konzept ganz grob aussehen oder was wäre üblich, was man im Gitarrenunterricht, neben einem Song lernen, noch so an Techniken/Bausteinen lernt? I
Letztlich sollte ein Lehrer das an seinem Schüler orientieren und mal über Ziele reden.
Die können ja ganz unterschiedlich sein und das gestaltet dann eben auch den Unterricht.
Es ist ganz unterschiedlich ob ich nun
- den 5-jährigen Fritz unterrichte, der vielleicht einfach nur ein paar Melodien spielen möchte und dessen Eltern wichtig ist, dass er lernt sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren und auch mal durchzuhalten, wenn Dinge nicht sofort klappen.
- den 20-jährigen Stefan unterrichte, der nächstes Jahr die Aufnahmeprüfung für ein Musikstudium machen möchte und neben Technik und Interpretation auch noch Theorie büffeln mag.
- den 52-jährigen Hubert unterrichte, der sich gerade seinen Jugendtraum erfüllt endlich mal Gitarre zu spielen, ein paar Songs lernen möchte, aber auch daran interessiert ist zu erfahren wie die Musik da eigentlich funktioniert.
D.h. solche Konzepte können vollkommen unterschiedlich aussehen und Schwerpunkte können extrem voneinander abweichen.
Bei älteren Schülern kann man aber eigentlich relativ frei darüber kommunizieren: Gibt es einen schwierigen Song, der ein Ziel sein kann? Gibt es bestimmte Techniken, die gelernt werden wollen? Gibt es musikalische Stile die der Schüler bevorzugt? Es ist aber auch vollkommen legitim, wenn ein Schüler sagt, dass er einfach mal verschiedene Richtungen ausprobieren möchte.
Es ist also alles sehr individuell, an den Ansprüchen des Schülers orientiert, aber am besten immer an Zielen geleitet. (und das können ganze "einfache" Ziele sein, wie "ich möchte drei Fingerpicking Pattern für die rechte Hand lernen, die ich bei vielen Songs einsetzen kann" oder "ich möchte sauber Halbton- und Ganzton-Bendings quer über das Griffbrett lernen" oder "ich möchte Song X auf interessante Art begleiten und dazu singen")
Als ich noch Gitarrenlehrer war, bin ich mit den meisten Schülern zweigleisig gefahren:
Zum einen ein Lehrwerk, das eben sukzessive die Schwierigkeit steigert, neue Techniken einführt und auch einfach als Nachschlagewerk dient.
Begleitend dann Songs und Technik-Übungen je nach Interesse des Schülers.
So hat man auf der einen Seite sichergestellt dass man immer einen gewissen Lernfortschritt hat, aber man wird auch den Interessen des Schülers gerecht, übt an dessen Musikstil etc.
Ich weiß zwar nicht was so üblich ist, aber ich zahle bei meinem Lehrer derzeit Eur 60.- für die Stunde (eigentlich nur 45 Minuten).
Das klingt nach extrem viel. Hier im Ruhrgebiet liegen die Preise für 45 min Einzelunterricht (wöchentlich) bei 100-120€ im Monat.
Aber das sind dann eben auch 4 Stunden im Monat, wobei in den Ferien üblicherweise nicht unterrichtet wird.
Jetzt ist dein Modell natürlich etwas flexibler, was es auch teurer macht, aber es wäre halt auch doppelt so teuer wie hier im Umkreis.
Wenn das nicht gerade ein bekannter, renommierter Lehrer ist, dann ist der Preis schon sehr ambitioniert.
Das sind so Preise, die Lehrer aufrufen, wenn sie Musikstudierende an Unis unterrichten, wo das Grundniveau schon sehr hoch ist.
Mir stört es auch, dass er einen Schüler nach dem anderen hat.
Das wiederum ist absolut normal und du wirst nahezu keinen Gitarrenlehrer finden, wo das nicht der Fall ist.
Die Leute müssen auch irgendwie überleben und die Zeit in der Unterricht stattfinden kann, ist extrem begrenzt.
Als Gitarrenlehrer kannst du nur in Ausnahmen vor 15 Uhr sinnvoll anfangen zu unterrichten, weil Kinder zu Schule gehen und Erwachsene zur Arbeit.
Und später als 20 Uhr möchte eigentlich auch niemand mehr zum Unterricht kommen.
D.h. man hat 5 Stunden am Tag, die man dann mit so vielen Schülern voll packen muss, dass man damit genug verdient um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Da lässt niemand freiwillig große Lücken vor und nach jeder Unterrichtsstunde.
Aus eigener Erfahrung als Gitarrenschüler und Gitarrenlehrer sollte aber der Wechsel von einem Schüler zum nächsten insgesamt keine fünf Minuten dauern.
Der eine packt ne Minute vor Ende ein, dabei kann man kurz noch letzte Fragen klären oder nochmal darüber reden was zur nächsten Woche geübt werden sollte und der neue Schüler packt direkt aus, was auch nicht mehr als ne Minute dauern sollte und dabei kann man schon kurz darüber reden was es für Probleme gab oder ob alles gut lief mit den Übungen oder halt auch mal ne Minute nett ankommen und übers Wetter quatschen.