Wiedereinsteiger - Skalen auf Gitarre - wie ist die beste Herangehensweise um sich diese anzueignen?

von MetpleK, 04.07.19.

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  1. MetpleK

    MetpleK Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.07.19   #1
    Hallo Freunde,

    ich bin zurück in der Welt der Musiker und ich habe sie unfassbar vermisst. Früher, vor ca. 10 Jahren, war ich hier im Board sehr aktiv, doch durch diverse Lebensumstände habe ich das Musizieren leider nicht mehr wirklich akiv betreiben können.
    Nun bin ich zurück und möchte dieses mal die Sache richtig angehen! Was meine ich damit?

    Ich weiß Eigenlob stinkt, aber ich war früher ein ganz guter Gitarrist und habe viel Metal gespielt. Wie die meisten wollte ich einfach nur Shreddern. Die Theorie dahinter hat mich nie interessiert. Hauptsach laut und schnell! Wie jung und dumm ich doch war...:D

    Jetzt möchte ich wieder anfagen zu spielen und dieses mal möchte ich die Sache richtig angehen! Ich bin mir sicher, dass ich die Techniken usw relativ schnell wieder draufbekomme, aber dieses mal möchte ich mich auch viel mit der Theorie auseinander setzen.
    Ich möchte Skalen verstehen, verstehen warum ich was spiele und wie ich am besten improvisiere. Dazu habe ich mir einige Videos angeschaut und mir das Buch "Rock Guitar Secrets" von Peter Fischer zugelegt, in dem er Pentatonik, Dur und Moll Skalen ganz ok erklärt. Zusätzlich wird viel Wert drauf gelegt das Griffbrett sehr gut zu kennen. Schnell ableiten zu können welcher Bund welchen Ton hat.

    Ich bin extrem motiviert mir diese Sachen anzueignen, allerdings ist das alles schon echt ein riesiger Haufen Arbeit. Und ich fühle mich von der Masse irgendwie erschlagen....Was an sich nicht das Problem ist. Doch ich weiß einfach nicht was der beste Weg ist das ganze langfristig anzugehen. Soll ich einfach die Positionierungen der Skalen nach und nach ausweniglernen? Es sind halt gefühlt tausende ...:D

    Oder muss ich das Griffbrett und die Töne so gut kennen, das ich mir diese "sofort" im Kopf ableiten kann? Oder soll ich diese einfach rauf und runter spielen? Ich hoffe ihr versteht meine Problematik und könnt mir weiterhelfen. :)

    LG

    MetpleK
     
  2. Avalanche

    Avalanche Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #2
    Beppo der Straßenfeger hat einmal gesagt...
    schau dir nicht die Lange Straße an sondern fege ein Blatt nach dem anderen, dass ist nicht so schwer.
    irgendwann bist du am Ende.

    Aber die Strasse der skalen ist nur so lang wie du sie haben möchtest.
    Lieber eine Skala gut können als keine so richtig, sag ich immer...
    Wenn du einen Ton änderst oder an einem anderen beginnst ist das doch auch nicht sooo schwer und schon hast du aus einer Skala viele Babies gemacht.
     
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  3. Dr Dulle

    Dr Dulle Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #3
    Wirkt so als ob du es wieder nicht richtig angehen wirst/kannst ......??

    Willst du a) nur ganz gut Gitarre spielen oder möchtest du b) Musik /musikalische Fortschritte machen ?

    Fall a) weisst du ja Bescheid
    Fall b) um Musik zu machen lernt man Songs, Songs und nochmal Songs

    Lerne also Songs unterschiedlicher Stilistiken von vorne bis hinten
    Lerne die Akkorde die dazu nötig sind (und nicht nur Powerchords) !!
    Lerne unterschiedliche Rhythmen, die dazu nötig sind die Songs zu spielen
    Lerne daraus welche Akkorde wie zusammen gehören und => was man deshalb darüber spielen kann


    Und wie Avalanche sagt eines nach dem anderen.
    Skalen sind übrigens überbewertet !!
     
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  4. MetpleK

    MetpleK Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #4
    Meine Formulierung war evtl etwas unglücklich. Ich möchte definitiv musikalische Fortschritte machen. Songs aus verschiedenen Stilen zu erlernen ist genau das was ich all die Jahre getan habe. Allerdings habe ich diese Riffs und Solis einfach nur "stumpf" nachgespielt und nie hinterfragt warum sie so entstanden sind wie sie sind bzw. wie der Künstler diese anhand von theoretischem Wissen zusammengebastelt hat. Und genau da möchte ich jetzt ansetzen und mir eben genau dieses Wissen aneignen. Der erste richtige Schritt (so habe ich zumindest gedacht) wäre es die Skalen zu erlernen. Meine Aussage war darauf bezogen, dass ich aufgrund der immensen Menge des zu erlernenden Stoffs nicht genau weiß wie die klügste und langfriste erfolgreichste Herangehensweise ist mir all das anzueignen.
    --- Beiträge zusammengefasst, 05.07.19, Datum Originalbeitrag: 05.07.19 ---
    Das hast du aber echt schön gesagt. :) :great:
     
  5. Dr Dulle

    Dr Dulle Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #5
    Ok ich bleibe dabei Skalen sind überbewertet aber dann lerne zuerst die Königin der Skalen = die Dur Skala

    Es geht darum
    a) sie in verschiedenen Lagen und Tonarten aufs Griffbrett zu bringen
    b) zu verstehen wie sich aus den 7 Tönen 7 Akkorde ableiten, die ein System = die Diatonik bilden

    Indem man aus Tönen der Dur Tonleiter durch Terzschichtung 7 Akkorde ableitet

    In C Dur ergiebt das zum Beispiel

    C Dur (Cmaj7)
    d Moll (7)
    e Moll (7)
    F Dur (Fmaj7)
    G 7 (dom7)
    a Moll (7)
    h moll (7/b5)

    Solange ein Song nur daraus besteht und C Dur ist ,kann man die ganze Zeit in C Dur solieren.

    Das gefressen zu haben ist mMn der erste Schritt!!
    ;)
     
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  6. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #6
    Fange mit der Dur-Skala an.

    Zerrlege sie in überschaubare Module.

    3 4 - 5
    7 1 - 2
    wäre der erste Fingersatz.

    2 - 3 4
    6 - 7 1
    der zweite

    7 1 - 2 -
    - 5 - 6 -
    - 2 - 3 4
    der dritte.

    Zwischen der G- und H-Saite verschiebt sich der Fingersatz um einen Bund.

    - 2 - 3 4 - 5
    6 - 7 1 - 2

    Achte immer auf die kleinen Sekunden, denn diese sagen dir, wo der Grundton der Durtonleiter ist (1)
    - 3 4 -
    - 7 1 -

    1 2 3 4 5 6 7 (besser j7) 1
    sind die Intervalle der Durtonleiter.
    z.B.
    C D E F G A H C
    oder
    Bb C D Eb F G A Bb
    oder
    D E F# G A H C# D
    etc.

    Mit den 3 Modulen erarbeitest du dir die 5 Hauptskalen in Dur und spielst / improvisierst ein wenig in Dur.

    Damit kannst du auch modal spielen, wenn du einfach ein anderes Intervall zum Grundton erhebst.

    Beispiel in G-Dur
    Interval / 7er-Akkord / Modus
    1 = Gj7 = ionisch (normales Dur)
    2 = Am7 = dorisch (für 2-5-1-Verbindungen in Dur)
    3 = Bm7 = phrygisch
    4 = Cj7 = lydisch
    5 = D7 = mixolydisch
    6 = Em7 = äolisch = natürliches Moll
    7 = F#m7b5 = lokrisch (für 2-5-1-Verbindungen in Moll)

    All dies lässt sich mit den oben genannten Fingersätzen spielen.

    Fange mit einfachen Songs in Dur an.

    Mache mit Natürlichem Moll weiter
    (Here without you, Summerwine)
    und starte da jeweils mit der 6

    Mache mit der dorischen Mileniums-Progression weiter
    Em G D A (D-Dur liegt zugrunde, aber Em, bzw die 2. Akkordstufe hat das Ruder übernommen)
    (Boulevard of broken dreams)
    und starte mit der 2

    Dann die Countdown-Progression
    Dm7 G7 C Fj7 | Hm7b5 E7 Am A7

    Stil got the blues / Europa ...

    Hier schmuggeln sich bei E7 und A7 einige mixolydische Skalen ein, die du dir (wenn du soweit bist) genauer unter die Lupe nimmst.

    Bei den mixolydischen Skalen hast du erstmal eine modale Skala, aber vom Dur7-Akkord kommt die Durterz (große statt kleine Terz) oder eine kleine Septime (7) statt einer großen (j7).
    Bei der ursprünglichen Skala ändert sich nur ein Ton, so dass sie genau oder so ähnlich wie die mixolydische Slala aussieht.

    Oder anders betrachtet: die mixolydische Skala behält noch einen Ton der ursprünglichen Modalen Skala bei.

    Letzteres geht schon ins Eingemachte, aber daraufhin bewegst du dich zu.
    Die Grundlagen legst du dir aber mit der Durskala, womit du dich gut einen Monat beschäftigen solltest.
    (5 Hauptformen + Grundton mittels Skalen ermitteln. )
    Mit Rhythmus und Anwendung auf zig Lieder solltest du gut beschäftigt sein.

    Gruß Mjchael
     
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  7. michael2018

    michael2018 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #7
    Hallo Metplek,

    wenn du Songs und Solos schon nachspielen kannst, sollte es mit ein wenig Theorie möglich sein, dass du die Solos auch verstehst.
    Ich hänge an dem Problem, dass ich ein wenig Theorie verstanden habe und es mir aber unheimlich schwer fällt irgendetwas halbwegs flüssig vom Blatt nachzuspielen.
    Das drückt auf die Motivation ;(
    Ich wäre froh, wenn ich schon etwas flüssig spielen könnte und mich erst dann damit auseinander setzen könnte das zu verstehen.

    Mein Tipp als Anfänger:
    Versuche das zu vertsehen, was du schon spielen kannst.
    Dann hast du ein Fundament und kannst von da aus weiter gehen.

    Gruß

    MIchael
     
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  8. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #8
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  9. MetpleK

    MetpleK Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #9
    Ich möchte mich bei euch für die hilfreichen Antworten sehr bedanken. Nun habe ich natürlich einiges zu verdauen und zu studieren, aber ich habe große Lust drauf!
    Ich freue mich echt sehr wieder in dieser hilfsbereiten Community zurück zu sein . :)

    Euch allen noch einen schönen Freitag bzw. schönes Wochenende!


    Gruß

    MetpleK
     
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  10. B.B

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    Erstellt: 05.07.19   #10
    Gute Griffbrettkenntnis ist immer vorraussetzung und daran sollte immer gearbeitet werden.

    Abgesehen davon musst du vor allem den Zusammenhang von Harmonik und Skalen verstehen. Selbst wenn du hauptsächlich Solospielen willst, spielst du die Solos ja nicht im Luftleeren Raum, sondern nimmst dabei auf die Harmonik bezug. Es ist also wichtig dass du die Skalen nicht auswendig lernst, sondern sie zu bestimmten harmonischen Situationen zuordnen kannst. Dann wirst du auch feststellen dass Skalen und Akkord im Prinzip das gleiche Konzept sind, einmal horizontal und einmal vertikal. Einmal erklingen dabei Noten gleichzeitig und einmal hintereinander, der Vorrat aus dem du Schöpfen kannst ist dabei aber Prinzipiell der gleiche. Wenn du dich nur mit Skalen beschäftigst ohne ein fundiertes Harmonikwissen zu haben, wird es nicht klappen. Das ist das absolut essentielle dabei...Es gibt keinen Weg drum rum.

    Es gibt zwar scheinbar viele Skalen, aber du musst die nich alle auswendig lernen. Im Bestfall kannst du sie dir "herleiten" , wenn du die Konstruktionsprinzipien verstanden hast. Tatsächlich kann man, wenn man das ganze mathematisch betrachtet, alle gewöhnlichen Akkorde (genau genommen alle Akkorde, in denen nicht 3 Töne unmittelbar einen Halbtonschritt zueinander eingehen) aus insgesamt 6 Skalen ableiten.

    Diese sind:

    Durtonleiter
    melodisch Moll
    Harmonisch Moll
    Harmonisch Dur
    Ganzton Halbton
    Ganzton

    Wenn du diese 6 Leitern und deren Modi lernst, hast du eigentlich ALLES was du brauchst.

    Ich würde die ihrer Wichtigkeit nach geordnentso abstufen:

    Durtonleiter (beinhaltet auch die sehr oft genutzten Modi: Molltonleiter, Mixolydisch, Dorisch, Lydisch )
    melodisch Moll ( beinhaltet als Modus auch die alterierte Tonleiter)
    Ganzton Halbton ( für verminderte und bestimmte alterierte Akkorde)
    harmonisch Moll (vor allem für Dominanten in Moll-Stücken wichtig )
    Ganzton ( für übermäßige Akkorde und bestimmte alterierte Akkorde )
    harmonisch Moll ( braucht man so gut wie nie... ;)

    Das heißt mit 3-4 Skalen und deren Modi bist du eingentlich bestens aufgestellt. Es ist also nicht eine Frage des auswendiglernens vieler Skalen, sondern eine Frage des Verstehens von Zusammenhängen, und das wird dir NUR mit einem harmonikbezug gelingen. Das möchte ich gern nochmal betonen.

    grüße B.B.
     
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  11. floydish

    floydish Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #11
    Kurze Zwischenfrage (mit gerne auch ausführlicherer Erklärung): warum gibst Du der melodisch moll sowie GT/HT den Vorzug vor harmonisch Moll?
     
  12. B.B

    B.B Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.07.19   #12
    gern...

    für melodisch Moll sehe ich folgende (Haupt-) Einsatzmöglichkeiten:

    über moll Akkorde, eh klar....

    der 7 Modus von melodisch Moll =alteriert, also für alterierte Septakkorde ( mit b9,#9, #11, b13 bzw b5 und #5 je nachdem wie mans nenne will)

    der 4 Modus von melodisch Moll = mixo#11 bzw lydisch Dominant als Skala für SubV-Dominanten oder Septakkorde die sich nicht regulär auflösen ( z.b. als Verbindungselement von einer IV7-Stufe in einem Blues, zurück nach I7 )

    Die 3 nehme ich Regelmäßig her.

    GT-HT und HT-GT betrachte ich als "eins"

    Funktioniert für verminderte Akkorde und für Akkorde mit einer Mischung aus alterierten und nicht alterieten Tensions (b9,#9, aber "natural"13).

    Für harmonisch Moll fällt mir persönlich nur der eine Einsatzzweck ein, nämlich der 5.Modus als Dominantskala für alterierte Septakkorde, mit b9,#9 und b13 , aber mit nicht-alterierter 4 und 5. Als eigentsändige Moll-Farbe setze ich die eigentlich kaum ein. Daher von meiner Warte aus eher eine Spezielle Art, alterite Dominanten in Moll zu spielen, für die aber in den meisten Fällen auch altiert (abgeleitet von melodisch Moll) funktioniert.

    macht das für dich Sinn?
    ist sicherlich auch ein Stück weit subjektiv

    grüße B.B.
     
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  13. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #13
    Versuch einer Antwort:
    Das melodische Moll
    (Beispiel Am)
    A B C D E F# G# A
    wird viel häufiger verwendet als das harmonische Moll.
    A B C D E F G# A

    Die übermäßige Sekunde von F nach G# hört sich orientalisch an, und ist schwer zu singen, so dass man den Melodie-Verlauf durch die zusätzliche Erhöhung vom F zum F# glättet.

    Die Ganzton-Halbton-Skala ist bei den meisten Skalen ausschnittsweise enthalten.

    A - B C - D - E F - G - A - B C ...

    A - B C - D
    D - E F - G

    Daneben gibt es noch Ausschnitte der Ganztonskala

    F - G - A - B
    C - D - E

    Jetzt die richtige Ganzton-Halbton-Skala
    A - B C - D Eb - F Gb - A
    Ausschnitte dieser Skala könnte man Tonarten zuordnen. Aber nichts ist Eindeutig. Man schwimmt zwischen verschiedenen Tonarten hin und her, ohne dass einer besonderen den Vorzug gegeben würde. Also eine geeignete Skala um die Tonart zu wechseln.
    Funktioniert genauso bei der Ganztonskala.

    Ob man den Skalen jedoch den Vorzug gegenüber des harmonischen Moll geben soll, kann ich nicht beurteilen.

    Kommt wohl eher darauf an, was für Musik man machen will.
     
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  14. floydish

    floydish Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.07.19   #14
    teilweise.
    Über nen Mollakkord, klar, das wäre quasi die modale anwendung. Ob man melodisch oder harmonisch bevorzugt ist wohl geschmacksache.

    Ok, ich gebe zu hier versteh ich nur noch Bahnhof, mit solchen Geschichten habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Ich habe auch Schwierigkeiten mir darunter praktisch was vorzustellen also ein konkretes Stück/Harmoniefolge.

    Mein Gedankengang war eher pragmatischer Natur: "wieviele Stücke kennst Du in harmonisch Moll und wieviele in melodisch Moll?"
    Melodisch Moll fällt mir nix ein, harmonisch Moll aber doch einige Sachen. Oder anderrum: mit melodisch Moll habe ich mich kaum beschäftigt weil ich keine praktischen Anwendungen in Form von Songs/Harmoniefolgen kenne.
     
  15. Keyborg

    Keyborg Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.19   #15
    Alleine wenn man sich das aneignet was @mjchael geschrieben hat (wovon ich ab der Hälfte schon nix mehr verstanden habe) hat man glaube ich schon ne Menge gewonnen.
    Ich habe die Dur Skala in den letzen Jahren sträflich vernachlässigt.
    War wohl ein Fehler.
     
  16. Dr Dulle

    Dr Dulle Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.19   #16
    Praktische Anwendung:
    Was der Kollege meint ist Melodisch Moll über einen Dominant 7 Akkord zu spielen der zur Tonika führt.

    Und zwar einen Halbton darüber => z.B. F melodisch Moll über einen E7 Akkord => E7 (alt) / A /
    Das ergibt einen alterierten Sound (b9 #9 b5 #5), klingt also jazzig, über eine V dom7 / I Verbindung.
    Michael Landau streut sowas z.B. öfter mal ein. Ganze Songs in Melodisch Moll kenn ich auch nicht.
    ;)
     
  17. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.19   #17
    Das mit den Modi und Kirchentonleitern ist einfacher, als man im ersten Moment denkt.

    Zumindest, wenn man nicht vorhat, alte Kirchenmusik oder sonst was uraltes originalgetreu zu spielen. Das behalten wir den Musikstudenten vor.

    Man hat immer das Tonmaterial einer Durtonart, was auch bedeutet, dass man die selben Dur- und Mollakkorde der Durtonleiter verwendet.

    Beispielsweise sehe ich im Notensystem ein Kreuz und denke erst mal: G-Dur.
    Ich rechne also mit den Tönen
    G A B C D E F# G
    Aus diesen Tönen lassen sich folgende Akkorde bilden:
    C G D(7) Am Em Bm (F#7b5)

    Mögiche Akkordfolgen in G-Dur
    G C D7 G
    G Em C D
    G D Em C
    G D Em Bm . C G Am D

    Ganz klar, G-Dur.

    Jetzt sehe ich bei gleichen Vorzeichen (die erstmal G-Dur nahelegen) die Akkordfolge
    Em D C Em
    Hier ist der Fall einfach, es handelt sich um E-Moll.
    E ist die 6. Tonstufe und Em demnach die 6. Akkordstufe einer G-Dur-Tonleiter, aber es ist nicht mehr die Tonart G-Dur, sondern E-Moll. Der Modus ist E-äolisch, was etwas über die Melodieführung aussagt.
    Vereinfacht gesagt:
    Verwende das Tonmaterial der G-Dur Tonleiter, aber starte und ende mit dem E, und sorge dafür, dass sich die Töne und Akkordfolge um den Em-Akkord drehen.

    Nehmen wir die Akkordfolge
    Am C G D
    oder nur
    Am G

    Wieder arbeiten wir nur mit dem Ton- und dem Akkordmaterial der G-Dur Tonleiter, aber diesmal hat Am also die zweite Akkordstufe der G-Dur-Tonleiter die Leitung übernommen.
    Also liegt ein anderer Modus vor. A-dorisch.
    Eine sehr beliebte Tonart in der Folk-Musik.

    Andere Akkordfolge
    D C G D
    Oder nur
    D C
    wieder mit dem Tonmaterial der G-Dur-Tonleiter.
    Diesmal hat die 5. Akkordstufe der G-Dur-Tonleiter das Heft in die Hand genommen.
    Daher ist hier der Modus D-mixolydisch.

    Der lydische und phrygische Modus taucht in der reinen Form nur bei alten Kirchenliedern auf. In Rock und Pop gibt es nur ganz vereinzelte Beispiele für ganze Lieder in dem Modus, die man an einer Hand abzählen kann (gegenüber hunderte bis tausende Beispiele in den anderen Modis).

    Aber man muss ja nicht ein komplettes Stück in einem Modus spielen, man kann ja auch nur ein Solo, eine kurze Sequenzen oder so in einem Modus spielen.
    Beispielsweise Strophe im Lydischen Modus, der sich aber im Refrain nach G-Dur auflöst.

    C Em (She's like the Wind)
    ist C-lydisch und löst sich im Refrain nach G auf.

    C-lydisch sagt dir hier nur: "Pass auf, dass du das Tonmaterial der G-Dur-Tonleiter verwendest, und nicht aus Versehen C-Dur, nur weil das Stück mit C anfängt."

    Trotz aller Modi verwendest du immer das Tonmaterial und damit auch den selben Fingersatz der G-Durtonleiter.
    Daher ist das sichere Beherrschen der Durtonleiter bzw. der Dur-Skalen so wichtig.

    Wenn du die Dur-Skalen sicher beherrscht, kommst du in die anderen Modi schnell rein.
    Mitunter hast du schon andere Modi gespielt/ gesungen ohne es zu merken.
    Mixolydisch: Sweet home Alabama
    Dorisch: Mad World

    Wie gesagt, nichts wildes dabei.

    Die nächste Stufe ist, wenn mitten im Stück ein Akkord auftaucht, den man erstmal dort nicht erwartete.

    In der Mehrzahl der Fälle wird es eine Zwischendominante (ein Dur7-Akkord) sein.

    Hier verengt man den Modus-Begriff auf einen einzelnen Akkord (meist nur die vereinzelte Ausnahme)

    G G G [G7]
    C C G G
    D C G D7

    Erstmal ein Stück in G-Dur.
    Aber beim [G7] mit den Akkordtönen G B D F
    Taucht auf einmal der Ton F anstelle des F# auf, und unser gesamtes Tonmaterial sieht für einen Augenblick wie das einer C-Dur-Tonleiter aus.
    Der [G7] wird zur Zwischendominante, die zum C-Dur-Akkord weiterleit.
    G ist für einen Augenblick nicht mehr der Grundton der G-Dur-Tonleiter, sondern die Dominante (5. Akkordstufe) der C-Dur-Tonleiter.
    Für die Zwischendominante [G7] hast du kurzfristig die Tonart nach C-Dur gewechselt. Oben hast du gelernt: 5. Akkordstufe = mixolydisch.
    G7-Akkord über den du mit dem Tonmaterial der C-Dur-Tonleiter spielst =G-mixolydisch. Du verwendest hier weiterhin die gleichen Fingersätze die du vorher gelernt hast, nur auf einer anderen Position.

    Wenn du alles soweit nachvollziehen kannst, soll es genügen. Die Sachen, wo jetzt vereinzelte Töne vom gelernten Fingersatz abweicht, darum kümmerst du dich, wenn die Durskala sitzt.
    So gehen viele Amateur-Cover-Bands vor.
    Zuerst ein Repertoir mit einfachen Tonarten und Akkordfolgen aufbauen, und nach und nach das Repertoire mit anspruchsvolleren Stücken erweitern.
     
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  18. floydish

    floydish Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.19   #18
    Wenn ich das richtig verstehe ist das also auch (nur) eine modale Anwendung. Genauso wie man über einen Durblues auch I mixo
    IV mixo und V mixo spielen könnte. Mmn stossen die Skalentheorien einfach schnell an ihre Grenzen, weil sie eigentlich nur im rein modalen Kontext uneingeschränkt funktionieren. In unserer westlichen (Popular-)Musik wechseln aber die Harmonien meist zu oft und zu schnell für modale Anwendungen, ich finde solche Konzepte da eher umständlich.
     
  19. Dr Dulle

    Dr Dulle Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.19   #19
    Nein das ist alteriert spielen (b9,#9,b5,#5) über eine Vdom7 I Akkordverbindung. Man baut Spannung auf,
    indem man die alterierten Töne über die V eines Turnarounds oder einer II V I Verbindung spielt und diese
    auf der I (Tonika) auflöst. Prinzip Spannung schaffen / Spannung auflösen. Ob die I Dur oder Moll ist
    ist dabei egal. Ist natürlich ein jazziger Sound !! geht auch im Blues über V I



    ;)
     
  20. floydish

    floydish Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.07.19   #20
    OK Danke Dir, ich glaube jetzt hab ichs gerafft :great:. Ist sicher ein interessantes Konzept aber doch eher speziell und fortgeschritten. Die Gelegenheiten zur Anwendung würde ich dennoch eher als rar einstufen, auch wenn Vdom7 - I Verbindungen quasi in vielen songs auftreten.

    Der Grund warum ich harmonisch vor melodisch Moll priorisieren würde ist wie gesagt dass es einige Stücke gibt, welche Akkordverbindungen verwenden, die der harmonischen Mollskala entspringen. Lustiger- oder sogar paradoxerweise taucht in diesen Stücken die harmonische Mollskala nur in seltenen Fällen in der Melodie oder in einem Solo auf. Die sind meist ganz profanes Moll oder sogar Mollpentatonik. Ich denke der Grund dafür ist wie von mjchael schon angedeutet der grosse Intervallsprung den diese Skala mit sich bringt und der dann doch ziehmlich exotisch klingt.
    Ähnliches gilt für Stücke die an die II-V-I Verbindung in Moll angelehnt sind, z.B. cosmic girl. Es gibt keine Mollskala die eindeutig über die Harmonien Im7 IIm7 V7b9 passt. Am ehesten lassen sich die Harmonien noch von harmonisch Moll ableiten, untersucht man die Gesangsmelodie so taucht dort aber kein harmonisch Moll auf.

    Was ich damit sagen möchte: es schadet sicher nicht sich mit Skalentheorien auseinanderzusetzen, man sollte sich aber im klaren sein, dass man damit nicht alles erklären kann. Oft besteht auch der Glaube, dass wenn man "interessant" spielen möchte man dazu irgendwelche obskuren Skalen oder exotische Akkorde lernen muss. Es ist mmn eher die Art wie die Einzelkomponenten Harmonien - Melodie - und Rhythmus! miteinander verzahnt sind, die ein Stück interessant klingen lassen, auch wenn sie isoliert betrachtet eher simpel oder reduziert daherkommen.
     
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