Woran hakt es? Warum Audio-Produktionen bescheiden klingen

  • Ersteller FeuerUndFlamme
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Ich bin auch der Meinung, auch Autodidakten können grosses Potential haben.

Aber, ich glaub das wurde noch nicht angesprochen: Der Kunde.

Wenn ich als Kunde keine Ahnung hab, und mein Song abmischen lassen will, an wen wende ich mich da, wenn ich keinen kenne? Da müssen gewisse Referenzen vorhanden sein. Entweder viel Anhörungsmaterial, oder eben: Eine Ausbildung. Ansonsten würde ich den nicht buchen.
 
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Ich möchte zum Thema meine eigenen Erfahrung teilen:

Es ist imho nicht zielführend, Musikern/Bands, die gerne professioneller klingen und erfolgreicher sein wollen, zu empfehlen sich mehr in die Technik einzuarbeiten, wie man abmischt und so weiter.
Bei den Verlagen, bei denen es eben so toll professionell klingt, machen das Toningieure. Also Leute die das von Grund auf gelernt haben, inklusive Gehörtraining und entsprechender Ausrüstung.
Und deswegen klingt das auch so.

Es verhält sich wie mit Youtubern; wer davon lebt, gibt seinen Quatsch zum Schneiden, Farbabstimmung etc. extern ab.
Kein professioneller, bekannter Musiker produziert seine Musik selbst. Ausnahmen gibt es, sind aber sehr selten.
Ein Beispiel?
Interview auf SWR mit Peter Schilling zu seinem neuen Album. Moderator fragt, wie denn die Arbeit im Studio war.
Peter Schilling: "Da war ich nicht dabei. Ich habe das Stück eben das erste mal fertig produziert gehört. Haben die gut hingekriegt im Studio!"

Oder anderes Beispiel: Befreundete Rockband, ließ sich ihre Platte von einem Tonstudio für viel Geld abmischen.
Es war irgendwie OK, aber imho irgendwie auch zu steril.
Einer aus der Band lernte später per Zufall jemanden aus einem Tonstudio kennen, die für die großen Medien produzieren; der hatte sich die CD angehört und gemeint: wenn sich jemand bei uns bewirbt, dann ist das der allerunterste Level den wir noch irgendwie akzeptabel als Bandvorstellung annehmen."

Und da kommt das große, beinahe unüberwindliche Paradoxon ins Spiel:
Ist man Profi und verdient damit Geld, wird die Produktion über das Label von entsprechenden Toningenieuren übernommen.
Will man Profi werden, muss man aber Arbeit oder Geld investieren in die Produktion alleine des Vorstellungsmaterials, obwohl genau das hinterher nie wieder eine Rolle spielt.
 
Ach und noch ein Spruch eines meiner Professoren aus meiner Maschinenbau Ausbildung war: „Wir können euch in der Ausbildung nur das ‚Vokabular‘ beibringen, erst im Berufausüben selbst werdet ihr die notwendigen Fertigkeiten erlernen“. Meiner Erfahrung nach kann man das auf viele,wenn nicht alle,Tätigkeitsgebiete anwenden.
:great:
 
ein sehr schöner Beitrag von dir Nick, aber ich möchte da eher anmerken das es aus meiner Sicht weniger an den Tools liegt, sondern mehr an den Fertigkeiten und dem KnowHow. ...
Tja, so ist das dann wohl, wenn jemand selektiv liest.
Denn sowohl in meinen vorangegangenen Beiträgen zum Thema als auch im letzten steht:
... Aber klar, auch hier spielen Wissen und Fertigkeiten eine Hauptrolle: ...
Sprich: Das Geschilderte ist m.E. lediglich ein Aspekt.
 
hallo nick,
du hast recht, ich hab das komisch formuliert, ich hätte das anders umschreiben müssen, ohne dem aber im ersten Satz, damit es klar ist das ich deiner Meinung bin und das auch nochmal unterstreichen möchte, sonst hätte ich ja auch nicht deinen Beitrag geliked
:prost:
 
Was aber imho eher für das Drumrecording als für die Gitarrenaufnahmen eine Rolle spielt, denn mit einer der besseren AmpSims bekommt man heute auch als ambitionierter Hormrecording-Gitarrist die feinsten Studio-Sounds hin. ...
Leuchtet mir ein. Wenn dank der moderner Amp/Boxen/IR/Synth-Simulationen der Aspekt verfügbares Equipment/zeitlicher Aufwand eine geringere bis keine Rolle mehr spielt, ok.

Warum das Gleiche dann allerdings nicht für Drums gelten soll, erschließt sich mir nicht.
Es gibt doch sehr aufwendig-ausgefuchste Drum-Sample-Bibliotheken
- behaupten zumindestens die dieszügliche Reklame und die wenigen Testberichte, die ich dazu gelesen habe.
Und eine echtes Schlagzeug mit Triggern auszustatten, um die jeweiligen MIDI-Steuersignale aufzuzeichnen,
sollte doch ebenfalls kein großes Problem mehr sein.
Plus digitaler Raumsimulationen, IRs, whatever -> "feinste Studiosounds".
Oder übersehe ich da etwas?

(Bleiben tut sowohl bei Amp/Boxen/Synth-Simulationen wie auch gesampelten Drums etc.:
Da die einstellbaren Parameter Legion sind, besteht die Gefahr,
dass die User nach der Devise "Use the defaults." verfahren.
Warum auch nicht? So sparen sie Zeit und "verschlimmbessern" nichts.

Aber wenn viele ähnliche oder gar die gleichen (weil "amtlichen") Simulationen oder Samples benutzen,
ohne sie a) individuell und b) "richtig-gut" zu tweaken, klingen sie am Ende alle ähnlich bis gleich.)
Beitrag automatisch zusammengefügt:

@exoslime
Schon ok, aber es fühlte sich schon merkwürdig an,
mein Plädoyer für "Mangelnde Kenntnisse und Fertigkeiten als primärem Einflussfaktor"
unter den Tisch gefallen zu sehen.
 
Die Mikrofabnahme eines Schlagzeugs und eines mässigen Drummers war für mich ein Albtraum;-)))
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja, da gibt es einen Spruch, der fast schon als Bauernweisheit durchgehen könnte: "kaum macht man es richtig, funktioniert es auch". Klar ist dass für eine gute Aufnahme immer viele Komponenten zusammen spielen müssen. und auch wenn es schwierig ist, ein Instrument akustisch abzunehmen, sei es ein Drumset, ein Flügel oder was auch immer, wenn der Raum, das Instrument, der Musiker oder die verwendeten Mikros (wobei letzteres den wenigsten Einfluss auf das Ergebnis haben werden) nicht optimal ist, so ist der Einsatz von Samples auch nicht geschenkt. Das muss auch mal gut programmiert sein, und dann müssen die Samples zusammen stimmen, man muss dafür Sorge tragen, dass die Einzelsamples zu einem homogenen Gesamt-Gefüge verschmelzen. Und dann muss das auch wieder einer spielen, der nicht in die Kategorie "mäßiger Drummer" fällt.

Keiner hat gesagt, dass es leicht sein wird, ein gutes Endergebnis zu erzielen. Das es machbar ist, zeigen halt viele Produktionen in der Vergangenheit, die ein Erfolg waren auch wenn die äußerlichen Rahmenbedingungen nicht nur von "professioneller Produktionstechnik" geprägt waren. Ich denke es hatte Bruce Swedien (der z.B Thriller aufgenommen hat) mal in einem Interview gesagt, dass kein Mensch aus einem Schallplattengeschäft (ja, ja, so etwas gabs mal) kommt und sich denkt "Boah habe ich heute eine geile Aufnahme gekauft, die auf einem Harrison/SSL/Neve/Whatever Pult aufgenommen wurde". Die Technik wird belanglos, wenn die Musik gut ist. Finde ich z.B.
 
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Mir hat so ein E drum immer besser gefallen, schön knackig,keine Pegelprobleme,keine Mikroprobleme,früher bei Oldieband
 
"Boah habe ich heute eine geile Aufnahme gekauft, die auf einem Harrison/SSL/Neve/Whatever Pult aufgenommen wurde". Die Technik wird belanglos, wenn die Musik gut ist. Finde ich z.B.
..ganz genau so 🤘

Ich denke allerdings auch, dass ein guter Tontechniker auch die Fähigkeit besitzen sollte gute Stimmung im Studio zu verbreiten. In meiner Zeit als Musiker habe ich es nicht selten erlebt, dass der Tonmeister ganz wichtig in der Gegend herumspringt, immer irgendwie gestresst wirkt und die Musiker nicht wirklich in den Prozess einbindet. Bis dann alles richtig eingestöpselt ist kühlt die Stimmung richtig ab. Und wenns dann ans Aufnehmen geht, will man nur noch fertig werden. Eine gute Performance kommt so sicher nicht zustande.

Daraus kann man aber auch lernen ;) ..deswegen ist gute Stimmung im Studio meiner Meinung nach ein zentraler Faktor:hi5:. Alle technischen Einstellungen sollten (zumindest gefühlt) immer nebenher laufen. Und es ist auch wirklich egal ob ich die besten Preamps und die Dickste Konsole habe, wenn kein Bier im Kühlschrank ist wird es am Ende auch ganz sicher nicht rocken
:opa::prost:
 
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Bäh,
E Drum usw ja gar nicht meins. Zwar einfach ins Pult , aber langweilig...
Weil es (fast) immer das gleiche ist, jeder Schlag auf die Snare klingt gleich, evtl. In der Lautstärke variiert. Ausnahmen gibt es nur in den deutlich Hochpreisigen z.B. Pearl /DDrums. Ein Drummer variiert mit dem Ort am Fell den Sound.
Bei Rock stört es mich , weil es unnatürlich "tot" klingt, gerade bei der Snare find ich das sehr wichtig.
Mein Trick bei EDrums und Rock:
Minimal etwas Chorus auf die Snare, aber nur einen Hauch, dann wird es schon etwas lebendiger.


Zurück zum Grundthema:
Ich stimme dem Bisherigen zu.

Ich sehe den Schwerpunkt zum guten Sound allerdings vor allem bei dem Menschen am Pult.

Das verwendete Equipment ist nicht so gravierend ausschlaggebend, wie oft behauptet .
Ich habe mit einfachsten Mitteln und einem 8Spur Kassettenrekorder mehrfach Ergebnisse erzeugt, die ungläubiges Staunen Verursachten.
Was ist das wichtigste beim Mischen?
Das Hören!!!

Was beeinflusst beim Mikrofon den Klang?
Der Abstand und die Position.
Ein T-Bone kann an den Drums geiler Klingen als ein E Voice, wenn das T Bone optimal ausgerichtet ist und das E Voice nur einigermaßen.
Bei der Gitarre verändert sich elementar der Sound, wie ich das Mik auf den Speaker ausrichte hat entscheiden Einfluss.

Probiere aus , suche Schwächen des Mik und seine Stärken.
...

Beim Mischen mußt Du eigentlich nur ZWEI FRAGEN STELLEN:

WAS STÖRT?
WAS FEHLT?

Und das immer wieder.
Das sind meine 2Grundregeln.

LG Rebel
 
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Ich denke allerdings auch, dass ein guter Tontechniker auch die Fähigkeit besitzen sollte gute Stimmung im Studio zu verbreiten. In meiner Zeit als Musiker habe ich es nicht selten erlebt, dass der Tonmeister ganz wichtig in der Gegend herumspringt, immer irgendwie gestresst wirkt
Ein ganz, ganz wesentlicher Punkt! Und einer der Gründe, warum z.B. ich als Möchtegerntonmann scheitere. Eine DAW rein technisch zu bedienen, kriege ich hin. Einen geschmackvoll stimmigen Mix zu bauen, da wird es bei mir schon dünn. Wenn es aber dann noch darum geht einen Musiker so zu pushen und zu supporten, dass er seine beste Performance abrufen kann - da bin ich ein Vollfail.
Daher leuchtet mir auch durchaus ein, warum es vollkommen sinnvoll sein kann, dass scheinbar simple Aufgaben auf mehrere Köpfe einer Studio-Crew verteilt werden.
 
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Beim Mischen mußt Du eigentlich nur ZWEI FRAGEN STELLEN:

WAS STÖRT?
WAS FEHLT?

Und das immer wieder.
Das sind meine 2Grundregeln.
sehr schön gesagt, nach diesem Grundmotto arbeite ich auch immer
 
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Hier scheint sich ja eine gewisse Mehrheit für die Auffassung herauszukristallisieren,
dass die mit der Aufnahme und dem Mischen befassten Menschen (Wissen, Fertigkeiten, Erfahrung etc.) der Hauptfaktor sind,
welcher darüber entscheidet, ob eine Produktion eben "professionell" klingt.

Da ich gerade darüber gestolpert bin und es schlicht schön fand,
hier ein Video über einen m.E. wichtigen materiellen Baustein zu einer "professionell" oder "gut" kingenden Produktion:
Den Raum, in dem aufgenommen wird.
In diesem Fall die Räume der Funkhaus Studios in Berlin.
Wer die halbe Stunde also erübrigen mag: viel Vergnügen.

(Aber auch diese Räume wurden natürlich von Menschen entsprechend ihres Wissens, ihrer Fertigkeiten und Erfahrung gestaltet und erfordern Menschen, die mit ihnen umgehen können und wollen.
Damit schließt sich der Kreis dann wieder.)
 
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... Menschen (Wissen, Fertigkeiten, Erfahrung etc.) der Hauptfaktor sind,
welcher darüber entscheidet, ob eine Produktion eben "professionell" klingt.

... wichtigen materiellen Baustein zu einer "professionell" oder "gut" kingenden Produktion:
Den Raum, in dem aufgenommen wird.
Der Baustein Raum ist aber auch nichts ohne seinen Meister, der weiß wen er wo mit welchem Mikro an welcher Position aufstellt. Somit ist es dann doch wieder der Mensch, der den Hauptfaktor macht.
Heutzutage haben wir ja sogar viele Werkzeuge, die die Bedeutung des Aufnahmeraums reduzieren. Es gibt richtig gute Sample Bibliotheken für Drums / Piano, Gitarren-Amp-Modeller, etc, die es möglich machen in den Rock/Pop Generes den Löwenanteil professionell klingender Aufnahmen ganz ohne Mikro zu erzeugen. Gut, für Vocals braucht man immer noch ein Mikro und dann spielt der Raum auch immer mit eine Rolle. Er muss aber längst nicht mehr das Gewicht haben, wie noch zu Zeiten rein analoger Aufnahmetechnik.
 
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Es gab da mal so ei " Wettbewerb " der von einem Pult Hersteller ins Leben gerufen wurde. Da ging es darum in kürzester Zeit einen Mix zu machen.
Die Aufnahmen sind von Telefunken als live mitschnitt im Studio gemacht worden und als mehrspur verfügbar, hier der Telefunken mix auf u tube

View: https://m.youtube.com/watch?v=cpdO2zKBIfw&pp=ygUoc21lbGxzIGxpa2Ugc2V4IGFuZCBjYW5keSByZW1lbWJlciBqb25lcw%3D%3D

Aufgrund diese Wettbewerbes gibt es viele Versionen von dem gleichem Ausgangsmaterial.
Mixe finden sich in der soundclud und in der Tube.

Das Material finde ich sehr gut zum lernen, weil es nicht Perfekt ist. Hab jetzt keine Zeit zum suchen, wer was findet kann gern ein paar links hier posten.


Worauf ich hinaus möchte:
Selbes Material, unterschiedliche Mischungen mit gänzlich anderen Klang und Prioritäten.

Evtl sollte man diesen Post dann aber abtrennen und einen eigen Thread draus machen. Denke aber das es zum Thema passt.

LG Rebel
 
Hab jetzt keine Zeit zum suchen, wer was findet kann gern ein paar links hier posten.
Naja, zwei Minuten waren da schon notwendig:

die verlinkte Aufnahme ist aus Season 3.

auch ganz brauchbar ist diese Sammlung:
 
Der Baustein Raum ist aber auch nichts ohne seinen Meister, der weiß wen er wo mit welchem Mikro an welcher Position aufstellt. Somit ist es dann doch wieder der Mensch, der den Hauptfaktor macht. ...
Sicher, schrieb ich ja auch. Da sind es dann die Menschen, die diese Räume gestaltet haben, und die, die damit umgehen können.
Ich stimme auch sofort zu, dass Aufnahmeräume heute nicht mehr die Rolle spielen, wie noch vor 3x Jahren.

Wir werden m.E. aber immer wieder dabei herauskommen, dass Menschen den Unterschied machen.
Denn:
... Heutzutage haben wir ja sogar viele Werkzeuge, die die Bedeutung des Aufnahmeraums reduzieren. Es gibt richtig gute Sample Bibliotheken für Drums / Piano, Gitarren-Amp-Modeller, etc, die es möglich machen in den Rock/Pop Generes den Löwenanteil professionell klingender Aufnahmen ganz ohne Mikro zu erzeugen. ...
Wenn denn alle die mehr oder weniger gleichen Samples/Profile/Modelle/Simulationen nutzen, kommt es wieder auf den Menschen an.
Weiss der Mensch, welche Parameter er/sie da wie einstellen könnte/müsste, um diesen oder jenen Sound zu erreichen?
Oder weiss der Mensch das nicht?
Und wenn nicht, nimmt er sich die Zeit, es auszuprobieren, es zu lernen oder bleibt es bei "Use the defaults"?
 

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