Was macht eine Band erfolgreich? -> Bandgründung mit Konzept

Jawien
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Hallo zusammen,

dieser Thread soll sich an alle die richten, die schon Erfahrungen im Band- und Musikbusiness gesammelt haben und an einer konstruktiven Diskussion zum Thema "Was macht eine Band erfolgreich?" im Hinblick auf das Thema "Bandgründung mit Konzept" interessiert sind. Es soll hier nicht um konkrete Marketing-Strategien oder dergleichen gehen. Dafür gibt es genügend andere Threads. Aber lest am besten selbst was ich meine.. :)

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Jeder der schon einige Zeit entweder selbst mit einer Band unterwegs ist oder mit Bands zu tun hat, fängt wahrscheinlich irgendwann an sich Gedanken darüber zu machen, was eine Band denn eigentlich dazu bringt "Erfolg" zu haben. Sei es nun die aufstrebende lokale Band, die auf einmal auf allen Festivals in der Umgebung spielt, scheinbar ständig neue Konzerte ankündigt und immer größere und coolere Bands supportet oder eine der ganz ganz großen, die seit Jahren Stadien füllen und Headliner auf jedem Festival sein könnten. Irgendwas müssen all diese Bands, die sich von dem Überangebot der kleinen, lokalen Bands abheben gemeinsam haben. Und damit meine ich nicht die beste Marketing- oder Social-Media-Strategie, sondern das Grundlegendste überhaupt, was alle Bands, die irgendwie erfolgreich werden von denen abhebt, die es nicht sind.

Denkt man an große Bands wie Muse, Linkin Park, Foo Fighters, Rammstein, Coldplay, 30 Seconds To Mars, Die Toten Hosen oder wie sie alle heißen, fällt einem zu jeder dieser Bands sofort etwas ein, was man mit dieser Band verbindet. Und genau das ist es doch, was diese Bands grundlegend "erfolgreich" macht. Nicht etwa die abgefahrene Social-Media-Kampagne o.Ä. (auch wenn diese mit Sicherheit ihren Teil dazu beiträgt).

Meiner Meinung nach ergibt sich das meist aus drei grundlegende Dinge:
- sie haben ein gutes und einmaliges Konzept
- sie sind zu 100% authentisch
- es sind ambitionierte und ausreichend fähige Musiker, die bereit sind sich den Arsch aufzureißen für das, was sie erreichen wollen.

Diese Punkte möchte ich etwas genauer erläutern.

"KONZEPT" beschränkt sich nicht auf den Musikstil, die Bühnenshow oder den absolut abgefahrenen Merch. Es kann alles sein. Mit "Konzept" meine ich das Gesamtpaket, was in sich stimmig ist und so wie es ist, einmalig ist. Mit "Konzept" meine ich außerdem, dass Bands ganz genau wissen was, und wofür sie etwas tun. Dass man sich erreichbare Ziele steckt und gemeinsam überlegt wann und wie man diese am Besten erreichen kann. Und, dass jeder einzelne in der Band mitzieht und seinen Teil dazu beiträgt.

"AUTHENTIZITÄT". Vor allem in der lokalen Szene fällt jedem mit Sicherheit mindestens ein Beispiel für eine Band ein, die sich ein wirklich abgefahrenes Konzept ausgedacht hat (zB eine imposante Bühnenshow, einzigartigen Merch oder lyrisch höchst anspruchsvolle Texte), der man das Ganze aber irgendwie nicht so wirklich abnehmen kann. Was ich sagen will ist, dass es nichts bringt sich auf Teufel komm' raus irgendwas ausgefallenes und einmaliges auszudenken, wenn das am Ende im Zusammenhang mit der Musik und den Leuten die sie machen nicht authentisch ist.

Der dritte Punkt spricht für sich, auch wenn es mit Sicherheit keine Leichtigkeit ist, solche MUSIKER zu finden und unter einen Hut zu bringen.

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Was ich mich nun frage ist, wie man es anstellt die drei oben genannten Punkte schon bei der Gründung einer Band unter einen Hut zu kriegen, bzw. ob das überhaupt möglich ist.

Was sind Eure Gedanken dazu? Vor allem im Hinblick darauf, wie man mit diesem Wissen (bzw. dieser Einstellung insofern Ihr sie denn teilt) am Besten eine Band gründet ohne dabei zu vorbestimmt an die Sache heran zu gehen? Oder habt ihr vielleicht eine andere Meinung oder gegenteilige Erfahrungen gemacht?

Ich freue mich auf eine konstruktive Diskussion. :)

Cheers! Jacques
 
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Du versuchst, Erfolg planbar zu machen. Das halte ich für unmöglich. Natürlich kann man mit jeder neuen Band einige Fehler der Vergangenheit umgehen, aber dafür werden neue Fehler gemacht.

Ein Bekannter von mir hat es schon zweimal versucht, eine Band mit einem Konzept und professionellem Anspruch zu starten. Konzept, Repertoire, technische Umsetzung - eigentlich war an alles gedacht. Es scheiterte beide Male, weil nicht genügend Musiker zusammenkamen. Ich weiss noch, wir haben wirklich monatelang gesucht, und das im weiteren Umfeld von München, wo es wirklich jede Menge guter Musiker gibt.

Auch ich habe in meinem Hinterkopf fertige Konzepte für ein knappes halbes Dutzend Bands - wenn man dafür die richtigen Musiker fände, der Erfolg wäre quasi vorprogrammiert. Leider habe ich keine Zeit, mich um all dies zu kümmern, da ich bereits mit meinen jetzigen Projekten mehr als ausgelastet bin.

Einmal im Leben ist es mir gelungen, meine Wunschband zu gründen - eine lokale Supergroup, bestehend aus lauter Cracks von Bands, die ich gemischt hatte. Die verstanden sich dann auch ich gut, und wir komponierten wie wild. Selbst meine musikalische Vorstellung - Progressive - haben wir verwirklicht. Für Licht & Ton hatten wir nicht wirklich ein Konzept, ausser "Wir lassen's krachen!" Und das klappte ganz gut, wir hatten ein technisches Team, die dafür sorgten, dass das gut umgesetzt wurde. Nur was passierte dann? Nach ca. drei oder vier Jahren erkrankte die Sängerin ernsthaft und musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Die Nachfolgerin war technisch spitze, aber irgendwie auch "zu normal" - wir hatten mit der Umbesetzung einige wichtige Ecken und Kanten verloren und drohten, eine Coverband zu werden. Als dann immer mehr Leute nach dem Studium der Arbeit wegen die Gegend verlassen haben, haben wir das Projekt beendet. Traurig, aber ich erinnere mich immer gerne an diese fünf Jahre zurück.
 
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Du versuchst, Erfolg planbar zu machen. Das halte ich für unmöglich.

Erfolg auf den Punkt genau planbar machen funktioniert nicht. Allerdings kann man unter bestimmten Voraussetzungen die Chance auf Erfolg stark erhöhen.

Gehen wir mal davon aus, dass die Musik "gut" ist und den Geschmack der Leute findet.

- Du musst ne Truppe zusammen haben, die sich "den Arsch aufreist" um Erfolg zu haben.
Da scheitert es mMn am häufigsten. Ab einer individuellen Schwelle wird der Spaß des Hobbymusikers zu echter Arbeit. Wenn man Erfolg haben möchte, muss man auftreten, auftreten, auftreten. Das haben auch alle Bands, die oben im Eingangspost aufgeführt sind gemeinsam. Die haben (wenn man den Dokus und Interviews glauben kann) in der Anfangszeit über Monate/Jahre getourt und teilweise dabei 3, 4, 5 Gigs/Woche gespielt (für kleines Geld). Nach dem Gig mit Leuten/Veranstalter/Leuten aus dem Musikerumfeld reden und am besten direkt den nächsten Gig klar machen, Aufbauen, Abbauen, im kleinen Tourbuss/Bulli auf dem Weg zum nächsten Gig neue Songs schreiben, kaum soziale Kontakte außerhalb der Band, mit streitigkeiten innerhalb der Band umgehen können,.... ja, da wird der Spaß zur Arbeit, für ersteinmal wenig Kohle.

Da gibt es natürlich auch die Fraktion, die der Meinung ist, mit nem guten Song und Youtube kann man auch erfolgreich werden. Ich persönlich denke aber, dass das eher die Erfolgschancen eines 6ers im Lotto hat.
 
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Es gibt gewisse Rezepte die einem Erfolg helfen können oder überhaupt erst möglich machen. Da kann man sich z.B. auch bei Peter F. Drucker bedienen der das Unternehmertum und den Unternehmer wissenschaftlich untersucht hat, vor allem hat er versucht herauszufinden, was eigentlich erfolgreiche Unternehmen ausmacht. Dabei sind recht praktisch umsetzbare Informationen entstanden. Macht man also seine Hausaufgaben kann man einen Rahmen schaffen indem Erfolg stattfinden kann. Es kommt also der Punkt wo alles (hoffentlich richtig) getan wurde und man muss es laufen lassen. Den eigentlichen Erfolg kann man aber nicht planen, den bekommt man von anderen.... oder eben nicht.
 
Denkt man an große Bands wie Muse, Linkin Park, Foo Fighters, Rammstein, Coldplay, 30 Seconds To Mars, Die Toten Hosen oder wie sie alle heißen, fällt einem zu jeder dieser Bands sofort etwas ein, was man mit dieser Band verbindet. Und genau das ist es doch, was diese Bands grundlegend "erfolgreich" macht.
Hmmm...
Ich kenne von keiner dieser Bands die Geschichte (und auch sonst von keiner). Aber ich möchte bezweifeln, dass die bei (oder schon vor) der ersten Probe wussten, "genau so und nicht anders", damit jeder uns damit in Verbindung bringt und wir unverwechselbar werden. Ich denke, auch die erfolgreichsten Bands fingen damit an, dass ein paar Jungs (dabei sind die Mädels auch inbegriffen) sich zusammentaten, um Musik zu machen. Und alles andere entwickelte sich.
Das Gegenteil sind die Bands, die durch Castingshows entstanden sind. Da stand das Konzept im Vordergrund, der Spaß an der Musik war zweitrangig. Wie viele dieser Bands sind heute noch aktiv oder gar erfolgreich?
 
Wie viele dieser Bands sind heute noch aktiv oder gar erfolgreich?
oder haben sich entwickelt - weg vom reinen Produkt.
Und hier sehe ich das Problem beim Ansatz "geplanter Banderfolg".
Um das wirklich konsequent zu machen, wird eine Band und alles drumherum zu einem Produkt.
 
Meiner Meinung nach ergibt sich das meist aus drei grundlegende Dinge
Das sind alles Voraussetzungen, die eigentlich normal sein sollten, machen aber noch keinen Erfolg.
Eine wichtige hast du imho vergessen.
Langen Atem und unerbittliche Penetranz.
Das heisst, Ego ausschalten, alles und immer wieder mitnehmen. Spielen, was das Zeug hält. Ein Gig pro Woche ist nett, aber zu wenig. 2-3 sollten schon drin sein. Und dabei immer auf neue/größere Auftritts-Möglichkeiten schauen, die ergeben sich im Laufe der Zeit quasi von selbst. Die Penetranz und ständige Wiederholung macht es. Meistens trennt sich dann auch Spreu vom Weizen, wer von den Band mates wirklich bereit ist dafür. So was macht man nicht so einfach nebenbei, das ist ein zweiter Hauptjob. Familie, persönliches Umfeld usw. muss das auch mit tragen können.

Spaß...ja Spaß soll es auch noch machen. Ich würde aber von vorn herein davon ausgehen, dass es nicht immer nur Spaß ist, vor allem bei der x-ten Wiederholung :)
Einen ganzen Samstag bis in die Nacht zu opfern, um am Ende vor 20 Leuten zu spielen....ja, wer's es trotzdem macht, liebt es, Musiker zu sein.
 
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Macht man also seine Hausaufgaben kann man einen Rahmen schaffen indem Erfolg stattfinden kann.
Sehe ich auch so.
Den eigentlichen Erfolg kann man aber nicht planen
Wobei sich die Frage stellt, was man als Erfolg definiert. Im unternehmerischen Kontext ist das einfach (zumindest in einem primären Sinn): Gewinn machen, wirtschaftlich erfolgreich sein.

Wenn man sich hier im Bandbereich und in seiner eigenen Vergangenheit umschaut, gibt es hier hingegen sehr unterschiedliche Vorstellungen von Erfolg: Selbstverwirklichung, sich an seinem Instrument entwickeln, von Musik leben können, Musik leben zu können, Star zu werden ... (um mal: "mit netten Freunden gemeinsam Musik als Hobby machen" auszulassen).

Im musikalischen Kontext stellt sich für mich immer die Kardinalfrage, sich überhaupt gemeinsam auf ein Ziel zu einigen, zumindest eine Priorität von Zielen.
Und das ist schon schwer genug.

Denn nicht selten steckt man in unterschiedlichen Lebensphasen oder es ist einem selbst noch nicht klar, was man eigentlich in erster Linie will etc.

In diesem Sinne wäre "Klarheit schaffen" das erste Ziel in einer Band bzw. vor Gründung einer Band.
Ob der Erfolg dann auch kommt, steht auf einem anderen Blatt.
Und planbar ist nur das, was man auch selbst in der Hand hat. Das ist nicht wenig, aber auch nicht alles.

x-Riff
 
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Hmmm...
Ich kenne von keiner dieser Bands die Geschichte (und auch sonst von keiner). Aber ich möchte bezweifeln, dass die bei (oder schon vor) der ersten Probe wussten, "genau so und nicht anders", damit jeder uns damit in Verbindung bringt und wir unverwechselbar werden. Ich denke, auch die erfolgreichsten Bands fingen damit an, dass ein paar Jungs (dabei sind die Mädels auch inbegriffen) sich zusammentaten, um Musik zu machen. Und alles andere entwickelte sich.
Das Gegenteil sind die Bands, die durch Castingshows entstanden sind. Da stand das Konzept im Vordergrund, der Spaß an der Musik war zweitrangig. Wie viele dieser Bands sind heute noch aktiv oder gar erfolgreich?

Und hier sehe ich das Problem beim Ansatz "geplanter Banderfolg".

Da gebe ich Euch vollkommen Recht. Ich habe versucht das Thema in meinem ersten Post durch die "Authentizität" mit einzubringen. Ich denke auch, dass es nach hinten los geht, wenn man sich von Anfang an hinsetzt und versucht alles aufs Detail genau zu planen.
Ich denke aber schon, dass man von Anfang an einiges bedenken und richtig machen kann, solange die Grundvoraussetzungen (nämlich der Spaß an der Musik und die Authentizität) gegeben sind. Und, dass die Chancen auf Erfolg dann um ein Vielfaches höher sind, als wenn man sich einfach zusammen setzt und auf gut Glück mal loslegt.
Vielleicht haben viele der o.g. Bands zwar so angefangen.. Der Punkt an dem sie dann wirklich erfolgreich wurden war aber mit Sicherheit auch der, an dem sie sich hingesetzt haben und überlegt haben, wie sie das mit dem Erfolg denn am besten anstellen.
Klar gibt es bestimmt auch Ausnahmen, aber die gibt es ja bekanntlich überall.

Was ich sagen will: Meiner Meinung nach, muss beides gegeben sein und miteinander quasi verschmelzen. Ein gemeinsamer Plan mit gemeinsamen Zielen (oder auch ein "Konzept") und die richtigen Musiker, die diesen Plan nicht nur umsetzen, sondern ihn zu 100% verkörpern und leben und dafür alles notwendige in Kauf nehmen. Und diese Musiker müssen auch noch miteinander harmonieren..

Vielleicht ist es aber der falsche Weg, sich ein fertiges Konzept auszudenken und dann nach den Musikern dafür zu suchen. Vielleicht ist es die bessere Variante, sich erstmal mit Leuten zusammen zu tun, mit denen man harmoniert, die in etwa das Selbe anstreben und über ausreichend Fähigkeiten verfügen und erst dann gemeinsam über ein Konzept (zumindest im Ansatz) nachzudenken.

Wie auch immer... einfach ist das alles mit Sicherheit nicht. Das ist mir und ich denke auch allen anderen hier klar. Und auch, dass man eben nicht alles genau planen kann.
Und planbar ist nur das, was man auch selbst in der Hand hat. Das ist nicht wenig, aber auch nicht alles.
:great:
 
Vielleicht ist es aber der falsche Weg, sich ein fertiges Konzept auszudenken und dann nach den Musikern dafür zu suchen. Vielleicht ist es die bessere Variante, sich erstmal mit Leuten zusammen zu tun, mit denen man harmoniert, die in etwa das Selbe anstreben und über ausreichend Fähigkeiten verfügen und erst dann gemeinsam über ein Konzept (zumindest im Ansatz) nachzudenken.
Ich würde hier nicht von einem richtigen oder falschen Weg reden.
Aus meiner Sicht gibt es für beide Wege Beispiele, wo es funktioniert und Beispiele, wo es nicht funktioniert.

Die Beatles haben den drummer genommen, der ihnen sympathischer war, wo die Chemie stimmte und nicht den drummer, der der versiertere Musiker war. Hat ja geklappt - jedenfalls so lange wie die Beatles zusammen waren.

Die monkeys waren eine klassische Konzept-Gruppe, am Reißtisch entworfen und zusammengestellt. Hat als Label funktioniert - bis die Mitglieder tatsächlich musikalische Ambitionen entwickelten ...

Ich denke allerdings, dass es hilfreich ist, selbst zu schauen, was man für ein Typ ist oder was einem mehr liegt oder für einen taugt.

x-Riff
 
Moin,

also aus meiner Sicht wurde der wichtigste Faktor für Erfolg noch nicht genannt. Man muss bewusst oder unbewusst die Bedürfnisse des „Marktes“ kennen und/oder treffen. Sprich, man hat entweder Glück, dass das was man macht gut ankommt. Aber das ist nicht planbar. Oder man macht gezielt etwas, das erfolgversprechend ist. Dann ist in der Regel nichts mehr mit Authentizität. Dann natürlich Durchhaltevermögen bis der Erfolg sich einstellt, das wird schon hart. Noch härter wird es, wenn sich der Erfolg eingestellt hat, denn dann gilt es konkrete Erwartungen immer wieder auf Konopfdruck professionell bedienen zu können. Ich würde gerne noch behaupten, dass gute Musik wichtig sei, aber die ist zwar nicht hinderlich, aber auch leider nicht erforderlich.

Helen Fischer macht aus meiner Sicht sicher keine gute Musik. Was ich gehört habe, würde sie auch viel lieber „richtige“ Musik machen. Aber sie hat ein Management, das genau weiß, was sie zu tun hat. Sie setzt es sehr professionell um. Null Authentizität, aber viel Erfolg. Ähnlich sehe ich übrigens die Kostümaffen von KISS....

Ich bin froh, nicht erfolgreich sein zu müssen, und rein zu Spaß zu spielen, was mir auch gefällt - mehr wäre ehrlich gesagt bei mir auch garnicht drin...

Gruß,
glombi
 
Oder man macht gezielt etwas, das erfolgversprechend ist. Dann ist in der Regel nichts mehr mit Authentizität.

Guter Einwand, aber ich denke, dass es sehr wohl möglich ist etwas zu machen, was den Geist der Zeit trifft, die Leute begeistert und trotzdem authentisch ist und zu einem passt.
Nichts anderes tun ja viele der aktuell aufstrebenden Bands vor allem auf dem Deutschen Markt.
Ob das nun den persönlichen Geschmack trifft oder nicht.

Ich verstehe aber was du meinst und sehe auch eine große Gefahr darin, sich zu sehr auf den Markt zu konzentrieren und dabei den eigentlichen Draht zur Musik zu verlieren.
 
Na ja - wenn wirtschaftlicher Erfolg das erste Ziel ist, wird automatisch Musik zum Zweck. Dann ist es auch eher nicht authentisch. Authentisch ist es dann, wenn man es eh macht, egal ob es wirtschaftlich erfolgreich ist.

Das schließt allerdings nicht aus, dass das, was man macht, weil man es mag und dahinter steht, zumindest eine Zeit lang wirtschaftlich erfolgreich ist. Das war ja beispielsweise bei Kurt Cobain und Grunge der Fall. Die waren ganz überrascht davon, dass das plötzlich die neue Welle und schwerstens angesagt war. Überrascht und eher angewidert.

Sex Pistols finde ich ein gutes Beispiel. Jonny Rotten traue ich zu, dass der das bewußt als Marke gesetzt hat bzw. alle Register gezogen hat, um eine Punk-Band richtig erfolgreich zu machen. Inklusive provozierender songs, Auftritten etc. Auf jeden Fall war der clever. Ob das auf die ganze Band zutrifft, weiß ich nicht.
Und in gewisser Weise haben die schon ihr Ding gemacht.

Ihr Ding hat auf jeden Fall auch Madonna gemacht. Kann sein, dass sie gerne andere Musik gemacht hätte, aber es war garantiert ihre Entscheidung, das so zu machen und sie hat sich - auch bzw. gerade als Frau - nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Während ich im Fall von Pink sagen würde: sowohl als auch. Das ist auch authentisch, würde ich sagen. Wobei das einfach mal eine Einschätzung von mir ist.

Aber eigentlich geht es ja um die Phase, bevor man erfolgreich ist. Und die Frage, ob man das so plant oder planen muss, um erfolgreich zu sein. Es gibt halt Beispiele, dass Bands oder Leute wie Kurt Cobain Erfolg hatten, ohne dass sie es direkt drauf abgesehen haben. Gut bzw. sehr gut waren sie, besessen waren sie und sie wußten, was sie wollten und wollten genau ihr Ding machen. Sie hatten halt Glück, dass sie die Musik, die sie machen wollten, zur richtigen Zeit gemacht haben. Das Glück hat nicht jeder. Es gibt in jeder Sparte verdammt gute Musiker, die das, was sie machen, richtig gut machen, die besessen sind und sich voll reinhängen und die auch keine großen Fehler machen oder sich nicht im Weg rumstehen. Die aber trotzdem nicht groß raus kommen.

Die aber - um den Bogen zu schließen - auch mit keinem anderen tauschen wollen und ihr Ding so oder so machen.
Leidenschaft, Besessenheit, wissen, was man will. Auch cool.

x-Riff
 
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Das war ja beispielsweise bei Kurt Cobain und Grunge der Fall. Die waren ganz überrascht davon, dass das plötzlich die neue Welle und schwerstens angesagt war. Überrascht und eher angewidert.
Naja, Ich weiß nicht. Wenn ich etwas mache, andere (viele) finden es gut und das kotzt mich dann an ... da läuft aber eine ganze Menge schief und das Musikbusiness ist mit Sicherheit der falscheste Ort meines Tuns.
Ich sehe das immer wieder in meinem Umfeld, ich als reiner Hobbyist, wie (semi)professionelle Ambitionen auf eine Schiene geraten, wo dann der Spass an der Sache vorbei ist.
 
Naja, Ich weiß nicht. Wenn ich etwas mache, andere (viele) finden es gut und das kotzt mich dann an ... da läuft aber eine ganze Menge schief und das Musikbusiness ist mit Sicherheit der falscheste Ort meines Tuns.
Ich glaube nicht, dass es der Fakt war, dass anderen Leuten ihre Musik gefallen hat. Es war meines Erachtens der Fakt, dass Leute ihre Musik als Unterhaltung aufgefasst haben - und das hat zumindest Kurt Cobain nicht begeistert. In gewisser Weise ist es frustrierend, wenn ein song wie "Smells like teen spirit" die seichte, kommerzielle Unterhaltung auf´s Korn nimmt, aber als seichte, kommerzielle Unterhaltung konsumiert wird.
Man kann auch seine Musik machen wollen, ohne sich "dem Musikbusiness" oder seinen Mechanismen ausliefern zu wollen.

Es gibt eben Musiker, die keinen Bock auf das Musikbusiness bzw. eine bestimmte Variante davon (nämlich die, welche die Musik nur als Ware betrachtet) haben - und davon gibt es nicht wenige.
Selbst die Beatles hatten keinen Bock, sich dem Musikbusiness und großen Labels auszuliefern und haben deshalb ihr eigenes Label gegründet.

Und wie man denen oder auch an Bob Dylan, Neil Young und anderen sieht, kann man auch erfolgreich sein, ohne sich großen Labels und "dem Musikbusiness" auszuliefern.

Ist aber sicher eine komplexe Thematik. Ich will hier auch keiner Naivität das Wort sprechen: wer sich bei einem Label bewirbt, muss damit rechnen, dass die auch was daran verdienen wollen. Aber zwischen "Ich bleib Hobby-Musiker" bis "Ich bin nur eine Gelddruckmaschiene für das Musikbusiness und habe sonst nichts zu melden" ist jede Menge Spielraum.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass man zum einen heutzutage mit dem Internet (Vermarktung) und zum anderen mit den Möglichkeiten, mit überschaubaren Kosten ziemlich professionelle CDs zu erstellen (Produktion), neue Wege gehen kann.

x-Riff
 
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(...) wenn ein song wie "Smells like teen spirit" die seichte, kommerzielle Unterhaltung auf´s Korn nimmt, aber als seichte, kommerzielle Unterhaltung konsumiert wird.
L'art pour l'art kann sein dass man dass man das möchte, nur ... wie sollte ich dem Publikum eintrichtern wie es mich zu sehen hat? Das führt dann auf seltsam neurotische Schienen, wie dem guten Roger Waters, der auch schon mal kleine Mädchen von der Bühne herab angespuckt hatte, weil sie in Begeisterung klatschte (oder sowas in der Richtung) und nicht seiner großen Kunst andächtig lauschte. Das ist dann eine nicht gerechtfertigte (IMHO!!) Überhöhung des "Musik-Machens" die etwas seltsam wirkt. Über die lächerlich-religiöse Würde mit der Musik im Klassik Bereich "begangen" wird, möchte ich mich jetzt nicht erst verbreitern ...:weird:

Wenn ich aus dem Ausgangspost zitiere:
die bereit sind sich den Arsch aufzureißen für das, was sie erreichen wollen.
Dann wird man zuerst definieren müssen was man will. Und was denn dieser "Erfolg" sein sollte? Wenn ich wie eben auch im Erstposting die Rockmusik hernehme wirds mit der "Hohen Kunst" eher mau aussehen, oder man bleibt über, kommerziell gesehen.
 
Wie gesagt: ein großes Thema.

Ich meinte nicht unbedingt die Position "Kunst um der Kunst Willen" und auch nicht den Unterschied zwischen Kunst und Handwerk oder Unterhaltung oder sonst etwas.

Sondern zwischen jemandem, der eine Botschaft hat und jemandem, dem das egal ist - ob das nun der Konsument ist oder das Musikbusiness.

Darauf kommt es mir aber in diesem Kontext gar nicht an - zumal ich mit den obigen Unterscheidungen sowieso recht wenig anfangen kann.

In diesem Kontext kommt es mir eher darauf an, dass man die Spielregeln kennen muss, wenn man erfolgreich sein will.
Und das gilt sowohl für den, der sich als Künstler versteht (und da gibt es ja auch noch mal eine große Bandbreite an Definitionen), als auch für den, der auf wirtschaftlichen Erfolg abzielt, als auch für den, der das, was er will (egal wie man das nun nennt), professionell machen will.

Ansonsten kann es sein, dass man sich als Musiker gut verkauft, sich den Allerwertesten aufreißt, eine professionelle Einstellung hat und möglicherweise noch authentisch ist - und trotzdem auf einem Berg von Schulden landet.
Soll etlichen Musikern so gegangen sein - und nicht nur naiven, jungen Hüpfern. Leonard Cohen hätte nicht mehr die Bühne betreten, wenn er nicht um sein Geld gebracht worden wäre - dass das musikalisch gesehen ein Glücksfall war, steht auf einem anderen Blatt.

x-Riff
 
Und wie man denen oder auch an Bob Dylan, Neil Young und anderen sieht, kann man auch erfolgreich sein, ohne sich großen Labels und "dem Musikbusiness" auszuliefern.
Aber auch die hatten sich doch den großen Labels ausgeliefert. Dylan hatte das Glück, dass er am Beginn seiner Karriere mit der Folkschiene so großen Erfolg hatte und Columbia ihm offenbar daraufhin viele Freiheiten gegeben hat. Neil Yound hat zwischendurch Scheixxplatten gemacht, um seinen Vertrag mit Geffen zu erfüllen.
Und allen gemeinsam ist, dass sie, wie oben schon angesprochen, am Beginn ihrer Karriere einfach viel live gespielt haben und eigentlich kaum davon leben konnten.
Und Kurt Cobain ist wohl an dem Erfolg zerbrochen - so würde ich seinen Selbstmord deuten.

Planen lässt sich das alles nicht, bei vielen ist auch eine Portion Zufall und Glück dabei. Denn nicht jede Band die viel spielt wird auch erfolgreich. Und manche Bands haben bald nach ihrer Gründung großen Erfolg (siehe zB Rolling Stones, die nicht die Ochsentour der Beatles gemacht haben).
 

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