Dazu möchte ich mich dann doch einmal kurz äussern ...
Die Röhren sind durchaus untereinander austauschbar
6V6, 6L6, 7027a, KT66,6550, KT77, KT88, KT90, KT120, KT150 ...
Dabei ist nur zu beachten von links nach rechts zu gehen ...
Man kann also eine 6V6 durch eine 6L6 ersetzen - aber eben nicht umgedreht.
Bedingt wird dies durch die maximale Anodenverlustleistung ( Pa ) die von links nach rechts zunimmt. Die Röhren werden auch größer von links nach rechts ...
Selbst innerhalb der 6L6 gibt es verschiedene Unterarten ...
6L6...........Metall, (Pa=19W)
6L6 G........Glas, (Shoulder-Type, dicker Domkolben, Pa=19W)
6L6 GA......Glas, (verkleinerter Domkolben, Pa=19W)
6L6 GB......Glas, (zylindrischer Kolben, Pa=19..21W)
6L6 WGB...Glas, (kompakte Bauform, Neukonstruktion mit Pa=23W)
6L6 GC......Glas, (moderne Konstruktion mit höherer Pa=30W)
Jetzt kommt das "aber" während eine 6V6 nur mit 0,45 A Heizstrom läuft, braucht eine 6L6 schon 1,1 Ampere und eine 6550/KT88 schon 1,6 Ampere. Die KT120 will 2 Ampere und die KT150 am Ende sogar noch ein bischen mehr.
Das kann dann schon zuviel werden für den Netztrafo ....
zum zweiten gibt es ein Platzproblem ... In einem Marshal VBA400 passen keine KT120/150 - die Glaskolben sind zu groß.
In einem 400 HIWATT ist das kein Problem.
Nehmen wir mal an, die 6550 wird eingesetzt anstelle der 6L6. Wenn die 6550 mehr Verlustleistung verträgt als dioe 6L6, aber die selbe Anodenspannung bekommt, so müsste der Anodenstrom ansteigen, damit auch tatsächlich eine höhere Leistung entstehen könnte. Um den höheren Strom fliessen zu lassen muss folglich der Arbeitswiderstand reduziert werden, sprich es müsste ein anderer Trafo rein.
Dann könnten wir tatsächlich mehr Leistung heraus holen.
Bleibt der selbe Ausgangstrafo drin, so bleibt die Abschlussimpedanz gleich und damit auch der mögliche Strom. Dabei ist es jetzt unerheblich, ob die Gittervorspannung höher oder tiefer sein muss, um den richtigen Arbeitspunkt zu erreichen. Wir können ja sicher die Röhre über den ganzen nötigen Bereich aussteuern.
Wenn aber der Strom gleich bleibt und die Betriebsspannung sowieso (weil wir am Netzteil mit dem Umstecken des Glüheumels nichts ändern), so bleibt die Leistung gleich.
Was sich ändert ist das Verhalten im Grenzbereich - da die Röhre später in die Sättigung geht.
Und was ist mit der EL 34 ???
Ganz wichtiger Unterschied : die EL34 ist eine PENTODE im GEGENSATZ zu den oben genannten Röhren ( das sind alles TETRODEN) .
D.H. die EL 34 hat ein weiteres Steuergitter ( eigentlich Bremsgitter ) das die Nichtlinearität durch Raumladungseffekte einer TETRODE verhindert.
Auf die Pentoden hatte Phillips seit 1926 ein Patent, und um dieses zu umgehen wurde die Power Beam Tetrode von EMI in England erfunden, die ebenfalls den Raumladungseffekt verringert.
Das Bremsgitter der EL34 liegt am Röhrensockel auf PIN 1 und muss in der Regel mit PIN8 verbunden werden damit das Bremsgitter korrekt beschaltet ist.
Bei der 6L6 im Metallgehäuse ( auch bei allen anderen Typen mit Metallfuß ) sind diese metallischen Bauteile mit PIN1 verbunden. Diese Metallteile würden nun die Spannung der Kathode führen wenn z.B. eine 6L6 im Metallgeäuse in eine EL34 Schaltung eingesetzt würde.
Umgekehrt muss eine Drahtbrüche von PIN1 nach PIN8 verlegt werden, damit eine EL34 sauber als Ersatz für eine 6L6 funktioniert.
Bei manchen Verstärkern ist dies vorgerüstet - z.B. YBA 300 von Traynor. Der läuft mit 6L6 oder EL34 ...
Das Pentode / Tetrode Dingens ist auch (Haupt-) Ursache des Klanunterschiedes zwischen 6L6 ( und deren Verwandten ) zur EL34 und EL84 ( echte Pentoden ) . Die Tetrode bleibt im Grenzbereich länger klar, verzerrt aber dann um so härter. Die Pentoden gehen etwas früher in die Sättigung, verzerren dann aber weicher.
Versteht ihr nun den Eigenklang des VOX AC30 ??? ( Mit EL84!!!)
Marshall hat früher die Amps für die USA mit 6L6 ausgerüstet und die Amis haben sich immer gewundert warum die Europa - Marshalls anderst geklungen haben.
Zwei Röhren verdienen hier besondere Erwähnung: die 7027 A und die 7591
Die 7027A ( sofern es keine umgelabelte 6L6 ist ) klingt deutlich anderst als eine 6L6 und hat eine geringfügig geänderte Pinbelegung. Sie hat eine deutlich höhere Ausgangsleistung ( Pa=35W) . In den alten Ampeg V4 und V2 konnte man durch eine andere Röhrenbestückung ( mit 6550) 30 % mehr Leistung herausholen ( weil diese Umrüstung im Design vorgesehen war ) .
In manchen Ampegs ( z.B. B15) war dies nicht möglich, da PIN 1 der 7027a verwendet wurde ...
Die 7591 ist eigentlich eine 6L6 im 6V6 Gehäuse, braucht nur wenig Heizstrom und könnte damit eine 6V6 oder 6L6 ersetzen wenn nicht die Pinbelegung anderst wäre ... Klanglich ist Sie auf jeden Fall der 6V6 überlegen. Die besten 7591 kamen übrigens von Toshiba Japan und Mazda Frankreich...
Die 7591 wird nur in wenigen Amps ( z.B. Roland Bolt 30 ) eingesetzt, ist aber im HIFI Bereich oft anzutreffen