Antikes Klavier. L. Schmidt, Berlin / O. Szczypinski, Thorn

von SirQuick, 09.04.12.

  1. SirQuick

    SirQuick Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.12   #1
    Hallo,
    ich habe ein altes Klavier geerbt und kenne mich überhaupt nicht aus. Ich habe es mal fotografiert und hoffe auf eure Hilfe.
    Wer kann mir etwas über dieses Klavier sagen?
    2.jpg 3.jpg 4.jpg 5.jpg 13.jpg 11.jpg
     
  2. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.12   #2
    Guten Morgen und herzlich Willkommen im MB :)

    bei Deinem Instrument handelt es sich um ein ziemlich altes Schätzchen ;) Die Firma L. Schmidt wurde 1865 in Berlin gergründet, hat sich vom ersten Weltkrieg nicht mehr richtig erholen können und stellte die Produktion 1928 ein. Anhand der Serinenummer, die sich entweder hinter der Mechanik auf dem Resonanzboden, an den inneren Gehäuseseiten, oder auf den Gehäusekanten befindet, könnte ich Dir das genaue Herstellerdatum ermitteln.
    Bei diesem Modell handelt es sich um einen sogenannten kreuzsaitigverspannten Oberdämpfer mit einer angestemmten Gußplatte. Kreuzsaitig verspannt bedeutet, dass die Saiten über Kreuz verlaufen. Oberdämpfer bezeichnet die Mechanikkonstruktion. Die Oberdämpfermechanik ist der "Vorläufer" der heute immer noch verwendeten Unterdämpfermechanikkonstruktion. Die Gußplatte eines Klavieres hat den Zweck die enormen Zugkräfte der Saiten auszuhalten. Heute gibt es Vollpanzerplatten, die den Stimmstock (der Teil aus Holz, wo die Wirbel zum stimmen der Saiten sind) mit einschließen und diesem zusätzlich Stabillität verleihen.
    Nach den Bildern zu urteilen, befindet sich das Instrument noch in seinem Originalzustand.
    Wichtig für Dich wäre herauszufinden, wie gut die Klanganlage erhalten ist. D.h. wie fest die Wirbel sind, auf welcher Tonhöhe sich das Instrument derzeit befindet, ob Resonanzboden- oder Stegrisse vorhanden sind. Wenn das alles in Ordnung sein sollte, dann müsste man sich die Mechanik und die Klaviatur genauer anschauen.
    Dies alles sollte ein gelernter Klavierbauer tun. Am besten wäre es, wenn Du jemanden in Deinem Bekanntenkreis hättest, der Dir einen Klavierbauer empfehlen kann.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich lohnt bei einem alten Oberdämpfer noch was brauchbares zu erreichen ist allerdings gering, und es kommt letztendlich auf Deinen Anspruch an, was Du meinst, was das Instrument noch "leisten" muss. Allerdings gibt es immer wieder Instrumente, die einen in Erstanen versetzen können. D.h. die man mit einem geringen Aufwand wieder spielbar machen kann. Aber wie gesagt, das kann nur Klavierbauer vor Ort erkennen und Dir sagen.

    Gruß,

    Paul
     
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  3. SirQuick

    SirQuick Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.12   #3
    Hallo Paul,
    vielen Dank für deine Antwort. Im Klavier befindet sich eine gestempelte Nummer 8444 (glaube ich).
    da ich kein Bezug zu Klavieren habe, wollte ich es eigentlich verkaufen. Weißt du zufällig was dieses Klavier wert ist?
    Wenn ich die Tasten drücke kommen gute Töne heraus, jedoch als Laie weiß ich nicht ob diese Richtig sind.

    ---------- Post hinzugefügt um 16:43:40 ---------- Letzter Beitrag war um 16:39:52 ----------

    Mir wurde auch gesagt, daß die Klaviatur aus Elfenbein ist?!
     
  4. Philipp Grey

    Philipp Grey Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.12   #4
    Hi,
    wenn das Klavier alt ist und lange nicht gespielt wurde ist es ziemlich wahrscheinlich verstimmt.
    Also solltest du es bevor du es verkaufst stimmen lassen, falls der Klavierbauer überhaupt irgendeinen wert darin sieht.
    Ansonsten kann ich dir echt nur empfehlen Klavierspielen zu lernen :)
    Auf dem normalen Markt findet man meistens Anbieter, die ihr altes Klavier wenn überhaupt für ein paar hundert Euro verkaufen,
    und dazuschreiben der Käufer soll die Transportkosten übernehmen.
    Das ist nämlich meistens mit Abstand das teuerste, je nachdem von wo nach wo das Klavier soll, und ob es eventuell in Etagenwohnungen
    transportiert werden muss.
    Hier im Internet nur an Hand von Bildern kann man nicht viel sagen, such dir einfach Bekannte die sich ein wenig mit Klavieren auskennen,
    oder Gutachter. Möglicherweise lohnt es sich garnicht mehr das Klavier repairieren oder transportieren zu lassen.
    Daher mein Tipp: Lass es begutachten, stimmen, und lern Klavier spielen.
     
  5. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.04.12   #5
    Dann dürfte das Instrument zwischen 1895 und 1900 genaut worden sein.
    Instrumente mit dieser Konstruktion und diesem Alter haben eigentlich gar keinen Wert mehr. Für viele Leute, die ein solches Instrument besitzen kann jedoch der ideelle Wet sehr hoch sein, allein dadurch, dass das Klavier sich seit Generationen im Familienbesitz befindet (2 Weltkriege überstanden, Opa als Kind schon drauf gespielt, zig mal mit umgezogen etc...) Diesen Wert wird aber niemand anders bezahlen wollen.
    Das kannst Du auch nicht wissen. "Gute Töne" ist natürlich auch ein denhnbarer Begriff. Wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass das Klavier auf Tonhöhe steht ist sehr gering. Eigentlich genauso gering wie die Wahrscheinlichkeit es wieder auf Tonhöhe (d.h. Kammerton A 0 440Hz) zu stimmen, ohne das Saiten reißen.
    Durchaus möglich. Konnte man auf dem Foto nicht erkennen. Du kannst es aber selbst überprüfen indem Du schaust, ob die Beläge zwei- oder einteilig sind und zudem eine Maserung aufweisen. Wenn es Elfenbein sein sollte, und Du es verkaufen möchtest, und das Klavier inserierst, darfst Du nicht mit der Elfenbeinklaviatur werben. Bei Ebay z.B. kann es Dir passieren, dass Deine Anzeige sofort gelöscht wird. Es darf nicht mehr mit Elfenbein gehandelt werden! Darunter fallen merkwürdigerweise auch die Klaviaturen alter Instrumente.

    Wenn Du es verkaufen möchtest, würde ich an Deiner Stelle nichts mehr in das Klavier investieren. Keine Stimmung, keine Begutachstung. Das Klavier müsste eh nach dem Transport wieder gestimmt werden. Vielleicht kriegst Du noch ein paar Euro dafür. Wenn Du Glück hast, und dem Käufer gefällt das Gehäuse sehr (für sehr viele immer noch eines der wichtigsten Kriterien :rolleyes:), dann kann es auch schon mal sein, dass Du um die 100 Euro dafür bekommen könntest. Gekauft wie gesehen an Selbstabholer. Keine beschönigende Anzeige! Ich kenne inzwischen nicht wenige Fälle, wo der Verkäufer das Klavier wieder zurücknehmen und die Prozeßkosten zahlen musste.
     
  6. Historie

    Historie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.10.15   #6
    Lieber SirQuick, lieber Mod-Paul
    natürlich, wieder zu spät, Entschuldigung. Zur Zeit schreibe ich die Firmenchronik von L. Schmidt, Berlin, und fand den Beitrag und kann die Erläuterungen zu L. Schmidt nur bestätigen.
    Denn, - die Piano- und Harmonium-Handlung von Oskar von Szczypinsky in Thorn wurde 1830 gegründet und bestand bis zum Tode des Inhabers am 27. Febr. 1912. Herrn O. von Szczypinsky wurde 66 Jahre alt.
    A. Bürger, ehemaliger Prokurist von C. Mand, eröffnete 1921 eine Pianohandlung und Reparaturwerkstatt. Sein Pianohaus wurde im Sept. 1944 total ausgebombt und hat an gleicher Stelle 1949 seine Geschäftsräume wieder eröffnet.
    Sein Schildchen in neueren Schriftzeichen könnte nach dem Zweiten Weltkrieg angebracht worden sein. Er hat lediglich das Klavier weiterverkauft.
    Seriennummer 8.444 deutet mehr auf 1895 hin. 1905 stellte L. Schmidt schon sein 13.000 Instrument her.
    LG Dieter
     
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