Bereit für die erste Performance?

von saxycb, 05.04.07.

  1. saxycb

    saxycb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.04.07   #1
    Hallo!

    Es gibt ja bereits elendslange Abhandlungen darüber, wie der erste Auftritt war.
    Meiner Frage ist allerdings: woran erkennt man, dass man bereit ist für den ersten Auftritt, um in einem Stück Lead zu singen?!

    Ich muss dazu sagen, ich bin kein Neuling auf der Bühne (Sax) - sehr wohl aber mit Gesang.
    Beim Sax stellte sich allerdings nie die Frage. Ich war jung - und irgendwann stellte man mich einfach auf die Bühne.

    Nur jetzt als Erwachsener - mit einem ausgeprägtem Maß an Selbstkritik - sehe ich mich plötzlich hilflos dieser Frage gegenübergestellt.

    Wann bin ich gut genug? Muss jeder Ton zu jeder Tages- und Nachtzeit sitzen? Muss der Ausdruck perfekt sein? Muss ich mir den Song zu eigen gemacht haben? Muss ich das Gefühl haben, schon mit einem Micro in der Hand geboren worden zu sein?

    Gesangsausbildung dauert lange - und vermutlich ist diese auch nie abgeschlossen. Aber ab wann ist man bereit für die Bühne?

    Ich weiß, es gibt Leute, die können nichts und stellen sich hin, als gäb's kein morgen. Aber so bin ich nicht.
    Und ich befürchte, es kommt irgendwann der Moment, ab dem ich mir selbst im Wege stehe.

    Liebe Grüße
    saxycb
     
  2. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 05.04.07   #2
    Eine schwierige Frage.

    Wenn ich heute darüber nachdenke wie meine ersten Aufnahmen klingen: Oiweh!
    Und das hatte ich dem Publikum zugemutet? Na ja... besser als Otto-Normal-Quietscher habe ich damals schon gesungen. Und missen möchte ich die Zeit auch nicht. Irgendwie war "damals" alles viel entspannter. Die Ansprüche an mich selbst noch nicht so hoch.

    Ich bin mit meiner Stimme extremst selbstkritisch... habe aber den Vorteil, dass meine Chorleiterin mich mit einem neuen Solo dann auf die Bühne prügelt, wenn sie glaubt, dass es so weit ist. Ich selbst würde immer noch gerne zuwarten. ...wohl zu lange.

    Das Mikro in der Hand hört erst jetzt allmählich auf ein Fremdkörper zu sein (nach... eh... gottogott... sieben Jahren)

    Wenn ich aus meinen Erfahrungen ein Fazit ziehen muss: Du hast Bühnenerfahrung und weißt daher, wie man mit Lampenfieber umgeht.
    Wenn Du Text und Melodie kannst - nicht perfektestens zu jeder Tages- und Nachtzeit aber eben doch so, dass Du Dir sicher bist, würde ich einen Versuch wagen.

    In ein paar Jahren wirst Du wahrscheinlich zurückblicken wie ich und Dich fragen, wieso Du dem Publikum das angetan hast, aber je länger Du wartest, desto höher wird der Erwartungsdruck an Dich selber. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass Du gleich den ersten Auftritt Deiner Ansicht nach so verpatzt, dass Du nicht mehr vor Publikum singen willst.
     
  3. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 05.04.07   #3
    Eigentlich nicht so schwierig.

    "Bereit" bist Du dann, wenn Du Dich auf die Bretter traust...

    Wenn Du wartetst, bist Du "gut genug" bist - und darunter verstehe ich "den eigenen Ansprüchen zu genügen" - dann bist Du wahrscheinlich - wie Ice schon sagt - nie bereit. Ich kenne zumindest wenige, die mit dem, was sie tun, durchweg zufrieden sind.... mich eingeschlossen (obwohl mir wenigstens das Mikro in der Hand wie ein verloren geglaubter und wiedergefundener eigener Körperteil erscheint)

    Auch wenn "gut genug" bedeutet, "dass jeder Ton zu jeder Tages- und Nachtzeit sitzt" ist man wohl selten gut genug... denn jenseits von der Tageszeit spielen noch so viele Unmengen anderer Faktoren eine Rolle: die Technik, die Aufregung, die Klangsituation im Raum, , die Menschen, die einen heute ganz anders ansehen als gestern´, die Begleitung, die einem plötzlich auf der Bühne so fremd erscheint, obwohl man das Lied doch eben erst zum 100sten mal zusammen geprobt hat.

    Die Routine, einen Song zu jeder Zeit und an jedem Ort und jeder Situation perfekt zu intonieren, bekommt man als "Normalbürger", der nicht den Luxus hat, sein Programm täglich unter "Real-Gig-Bedingungen" zu studieren, selten.

    Insofern: Du bist bereit, sobald Du dort stehst und anfängst zu singen... den Text und die Einsätze solltest Du allerdings können.
     
  4. Franzie

    Franzie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.04.07   #4
    ....hm... vollkommen abhängig von der persönlichkeit. ein extrem schüchterner mensch kann ein lied noch so sauber eingeübt haben, auf der bühne wird er dann trotzdem vor aufregung keinen ton treffen. ein sehr selbstbewusster sänger hingegen, muss nicht jeden ton treffen, um das publikum von seiner show zu überzeugen- er wird einfach loslegen und wegfegen.

    überleg mal, zu welcher art von mensch du gehörst.... dann wirst du vielleicht rausfinden, ob es wirklich sinn macht, noch länger mit dem ersten auftritt zu warten. und hör dir eine aufnahme von deinem gesang aus dem proberaum an... dort hattest du ja auch menschen um dich rum und warst vielleicht etwas aufgeregt- viel besser oder schlechter als dort wirst du auf der bühne für ungeübte ohren eines publikums kaum klingen. und wenn du selbst damit einigermaßen zufrieden bist, sind die leute vor der bühne mit den gläsern in der hand das allemal ;-) also ran an den speck, bevor das leben wieder 10 jahre kürzer ist.
     
  5. Scorpiosa

    Scorpiosa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.07   #5
    Ich würde sagen, Du bist dann bereit, wenn Du einfach so richtig Lust drauf hast, Deine Songs live zu präsentieren... Ich habe grade heute den ersten größeren Auftritt hinter mir und habe sicher ein paar Töne versemmelt, aber insgesamt bin ich total stolz auf das, was ich mit meiner neuen Band in dem letzten halben Jahr auf die Beine gestellt habe und hatte wirklich "einfach Lust, das mal anderen zu zeigen" - und dann ist das meiner Meinung nach der richtige Zeitpunkt, wenn man raus aus dem Proberaum will... Ich habe extrem hohe Ansprüche an mich und hab auch während des Auftritts schon einige Fehler mitbekommen, aber das gibt dann wiederum noch mehr Ehrgeiz, an den Schwächen zu arbeiten bzw. - wie in meinem Fall - es waren in erster Linie ziemlich verkrampfte Ansagen, durch mehr Auftritte mehr Erfahrung und Souveränität in dem Punkt zu erlangen. Fazit: ich denke, Du merkst es selber, wenn Du soweit bist :great: Vertrau einfach auf Dich, Dein Talent, Dein Können und vor allem auf Dein Bauchgefühl!!!
     
  6. saxycb

    saxycb Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.07   #6
    Hallo

    also wenn ich eine "Rampensau" wäre, dann hätte ich diesen Thread wohl nicht eröffnet...
    Ich bin sehr selbstkritisch - manche behaupten sogar "zu sehr".
    Mir ist klar, dass die ersten Auftritte wohl ziemlich mies werden - zumindest nach meiner Selbstbeurteilung. Ich will jedoch der Gefahr vorbeugen, dass ich's soo schrecklich finde, dass ich dann nie wieder vor anderen Leuten singe... (Ice hat das ja auch schon erwähnt...)

    Derzeit bin ich noch meilenweit davon entfernt, "bereit" zu sein für die Bretter, die die Welt bedeuten. (Das weiß ich definitiv!) Ich hoff nur, ich verpasse nicht den richtigen Moment, wenn er mal da ist...

    Aber vielleicht habe ich ja das Glück, dass mich jemand, wenn's soweit ist, einfach auf die Bühne prügelt, ich dort oben dann Angst und Wasser schwitze, aber dann irrsinnig froh und stolz bin, dass ich's getan hab...
    Naja, wenn's so "einfach" wär...

    Jedenfalls ein großes Danke für die lieben Comments :)

    Liebe Grüße
    saxycb
     
  7. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 06.04.07   #7
    Wenn Du das Ticket zahlst, übernehme ich gerne diesen Job :) ... wollte schon immer mal nach Wien...
     
  8. Lucilius

    Lucilius Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.04.07   #8
    Ich denke mal, es kommt natürlich auch auf dich drauf an und wie weit du schon bist. Aber auch das Publikum, dem man sich zuerst präsentiert, spielt eine Rolle. Was ist/wäre das für eins, dein erstes Publikum? Eine Ansammlung von Freunden, Bekannten, Verwandten? Oder Fremde? Oder beides?
    Das hat für jeden eine andere Bedeutung - wir wissen ja, jeder ist anders. Ich singe lieber vor Fremden als vor Bekannten. Lieber vor mehr als vor weniger. Und es gibt Leute, bei denen ist das genau umgekehrt.

    Solange man sich nicht bis auf die Knochen blamiert, denke ich, ist es besser, lieber einen Tick früher auf die Bühne zu gehen. Warum denn auch nicht?? Man tut schließlich niemandem ernsthaft weh damit, selbst dann nicht, wenn man etliche schiefe Töne herbeizaubert.
    Natürlich sollte man beim ersten Gig schon versuchen, so "professionell" wie möglich zu sein, aber das klappt meistens überaupt nicht. Also bei mir zumindest hat es nicht so dolle geklappt. Ich war richtig aufgeregt, was sich in der Performance niederschlug...

    Aber ich glaube es ist wurscht, wie gut man sich aufs erste Mal vorbereitet und wie oft man probt; wenn man ne Aufnahme davon hört, wird man mit dem Gedanken spielen, Gurkenverkäufer zu werden und nie wieder den Mund aufzumachen (außer zum Schreien aufm Markt). Ging mir zumindest so.
    Aber: Das spornt an!! "Das nächste Mal mach ichs besser!!"
    Denn: Ich, der ich EINEN Gesangsauftritt hatte bisher (naja gut, ein paar mehr Theaterauftritte... da isses ja ähnlich), wage einfach mal zu behaupten, dass man mit jedem Auftritt lernt. Und deswegen sollte man denke ich so früh wie möglich, ABER auch so spät wie nötig damit anfangen. Zum Beispiel auf einem halboffiziellen Vocalstreffen. Nur mal so dahingesagt.

    Ich glaube nicht mal, dass man eine Rampensau sein muss, um eine gute Performance hinzulegen. Is natürlich Geschmackssache.
    Aber wenn man in der Lage ist, ein Lied wirklich überzeugend rüberzubringen, so, dass die Leute einem auch abkaufen, was man da tut, dann ist man bereit. Hugh.

    @Scorpiosa, spielt ihr auch mal in Kiel, wenn du schon von da kommst?!?
    Und, noch viel wichtiger: Kennst du ZUFÄLLIG jemanden, der gerade einen Proberaum frei hat oder der jemanden kennt, der einen Proberaum frei hat oder der Untermieter dulden würde??? Suche händeringend... :-)
     
  9. Scorpiosa

    Scorpiosa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.04.07   #9
    @Lucilius: Na, ich hoffe doch, dass wir auch bald mal in Kiel spielen werden ;) Bezüglich Proberaum werde ich mich mal umhören, wir proben im Schützenwallbunker und da ist ja ein fröhliches Kommen und Gehen, vielleicht ist ja was frei...

    Und zurück zum Thema: Ich denke auch, dass man mit jedem Auftritt lernt und was wichtiger ist: man kann schließlich nur lernen, wenn man weiß, in welchem Punkt man sich verbessern kann und das findet man nur beim ersten Auftritt raus... also rauf auf die Bühne und losgerockt! Ich könnte mir auch vorstellen, dass man den Zeitpunkt leicht verpasst, wenn man sich zu lange mit der Frage quält, ob man denn auch wirklich schon soweit ist... wir standen auch fünf Minuten vor dem Auftritt hinter der Bühne und haben uns gefragt, ob wir nicht besser noch hätten warten können und ob wir uns nicht ein entspannteres Hobby ohne Lampenfieber hätten suchen können :D
     
  10. Lucilius

    Lucilius Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.04.07   #10
    Ja das mit dem Zweifeln kurz vorm Auftritt kenn ich auch. Aber nur vom Theater, wenn man dann hinterm Vorhang auf Position steht und der Vorhang geht nich auf und geht nich auf und geht nich auf... da fragt man sich dann echt, ob man nich vielleicht n anderes Hobby hätte nehmen können...

    Echt das wär der Hammer, wenn de dich mal umhören könntest!! Bin dir ewig dankbar, in echt!!!!!!!!!!
     
  11. Basselch

    Basselch MOD Recording HCA Mikros Moderator HCA

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    Erstellt: 08.04.07   #11
    Hallo,

    ich würde mich antipasti anschließen: Wenn Du wartest, bis Du selbst Dir sagst, jetzt bin ich wirklich gut genug, wirst Du vermutlich nie singend auf der Bühne stehen. Ich selbst bin auch jemand, der eher zuviel denkt statt einfach auf die Bühne zu hüpfen und loszulegen. Man ist selbst eigentlich eher zu krititsch mit der eigenen Leistung und blockiert sich dadurch. Einmal auf der Bühne, könnte das für Dich die Initialzündung sein... vielleicht betrachtest Du eventuelle Schwächen dann so: "Kann ich besser - und das zeige ich beim nächsten Mal!". Probiere es einfach mal aus. Als "Zuvieldenker" kann ich aus jüngster eigener Erfahrung noch etwas beisteuern: Bei einem Gesangsklassenkonzert mit Arien aus Oper und Operette habe ich die eine Sarastro-Arie ("In diesen heiligen Hallen") absolut geschlachtet - es war halt nicht mein Tag (die Generalprobe war sehr gut...). Trotzdem haben viele Zuhörer ernsthaft gesagt, sie hätten den Vortrag schön gefunden, und auch die Lokalpresse war nett zu mir (na ja... die Fachkritik kam dann von meiner Lehrerin - aber auch sie fand immer noch ein paar Sachen, die gut waren!). Fazit: Dein Publikum hört viel weniger genau - oder gar nicht!! - , was Du an Deinem Gesang nicht gut findest. Außerdem kommen die Leute nicht, um Dich 'runterzumachen, sondern, um Dich zu hören. Wenn Du den Song sicher beherrschst und Dir auf der Bühne nicht mehr Gedanken machen mußt, welche Note nun als nächstes kommt, dann sollte Dich nichts davon abhalten, den Song auch zu singen. Schiefgehen kann nicht viel - und wenn, dann ist's live. Bei allem Lampenfieber, das ich immer noch vor jeder Solo-Aktion habe: Mir macht es Spaß, solo zu singen - das möchte ich nicht mehr missen. Und wenn doch mal ein Ton klemmt: Der nächste Auftritt kommt bestimmt...

    Toi, toi, toi, viele Grüße
    Klaus
     
  12. lunaberlin

    lunaberlin Guest

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    Erstellt: 08.04.07   #12
    Hallo Saxy,

    gutes Thema, da fühle ich mich gleich angesprochen.

    Ich stimme auf jeden Fall meinen Vorschreibern zu - wenn du drauf wartest, dass du perfekt bist, dann wirst du vermutlich nie auf der Bühne stehen, irgendwas gibt es ja immer auszusetzen, zumal wenn man eher selbstkritisch veranlagt ist (zu diesem Typ gehöre ich definitiv auch!) - also Augen zu und durch.

    Ich hätte fast das Singen ganz an den Nagel gehängt, weil ich so Schiß hatte, vor Publikum zu singen... und bin froh, dass ich dann doch irgendwann über meinen Schatten gesprungen bin.

    Da Gute ist, man lernt jedes Mal ein bisschen dazu und löst sich so peu à peu von dem Gedanken, dass alles immer perfekt sein muss.
    Manchmal läuft es toll, manchmal überhaupt nicht gut, ab und zu vergisst man mal seinen Text :eek: oder gerade bei Jam Sessions muss man evtl. auch damit klarkommen, dass sich die Rhythmusgruppe über das zu spielende Stück nicht ganz einig ist und es muss dann irgendwie trotzdem weitergehen. Man lernt, was passiert wenn man falsch einzählt (wie es mir gerne mal passiert) - und man sein schön swingendes Uptempo-Stück auf einmal als Ballade singen muss oder die geplante Ballade auf einmal mit 180 bpm daherkommt :D
    Gerade im Jazzbereich ist es ja auch spannend, dass halt oft spontan was ganz anderes entsteht, als was man eigentlich so geplant hatte... davon lebt die Musik ja auch und wenn man sich drauf einlässt, dann erst entstehen wirklich besondere Momente (ich arbeite gerade auch dran, nicht mehr so ein Controlfreak zu sein in der Hinsicht... gar nicht so einfach, aber lohnenswert)

    Bei dir scheint es ja nicht so sehr das Lampenfieber zu sein, sondern eher die Frage, ob du als Sängerin schon gut genug bist.
    Und da würde ich sagen: Du hast auf jeden Fall schon eine gute Basis, die sich durch regelmässige Auftritte bestimmt noch ausbauen lässt.
    Warte nicht zu lange damit, dich vor Publikum zu stellen - denn womöglich baut sich die Angst davor dann immer mehr aus...und dann müssen wir womöglich wirklich alle irgendwann nach Wien reisen und dich auf die Bühne prügeln... :rolleyes:

    Nimm einen Song, den du gerne hast und bei dem du dich sicher fühlst und dann mach dich auf die Suche nach einer guten Gelegenheit, den mal öffentlich vorzuführen.
    Es gibt ja diverse Möglichkeiten, bei kleineren Gelegenheiten zu singen, wo keiner von einem erwartet, dass man schon perfekt ist. Z.b. Musikschul-Abschlusskonzerte, Open Stages - sogar Karaokebars eignen sich super zum Ausloten seiner eigenen gesanglichen Fähigkeiten (wie ich letztes Jahr in Hannover erfahren durfte - da gab es ein wirklich dankbares Publikum, dank hohem Alkoholpegel vermutlich :D ) - und nicht zuletzt natürlich unser berühmtes Vocals Treffen 2007 :great:
    Da kann man sich in Ruhe mal ausprobieren, hat garantiert kein überkritisches Publikum und es wird auch nicht allzu viel von einem erwartet.

    Also - leg los!! Und berichte dann, wie´s war!
    Liebe Grüsse
    Luna
     
  13. saxycb

    saxycb Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.04.07   #13
    Ach herrje,

    ich prügelt mich ja quasi schon jetzt verbal auf die Bühne ;)

    Ja, ich weiß ja selber, dass es nicht der richtige Weg sein kann, auf die absolute Perfektion zu warten... Nur sich zu früh trauen und dann als Gurkenverkäufer am Markt verenden - das kann's ja wohl auch nicht sein.

    Man sagt ja ein Auftritt ist so viel wert wie zehn Proben. Und wie Lucilius schon sagte, mit ein paar schiefen Tönen tut man ja niemandem weh... - außer eben sich selbst vielleicht. Und darum möchte ich nicht im falschen Moment...

    Die Vortragsnachmittage bzw -abende in der Musikschule wären ja an sich eine ideale Möglichkeit zum Ausprobieren. So unter lauter Schülern aller Altersklassen... Nur leider habe ich da mein "persönliches Problem": Es gibt dicke Luft mit einer Person vom Lehrkörper. Und ich hab das Gefühl, ihr was beweisen zu müssen.(Jaaa, ich sollt dieses Gefühl nicht haben - aber was tun, wenn's nicht weggeht?!??) Tja, und würd ich mir dann nur 10-fach Druck machen... Also doch keine so gute Idee.

    Aber vielleicht legt sich das ja irgendwann wieder... Momentan bin ich eh noch nicht so bereit fürs Publikum. Aber ich ahne, nach den vielen kleinen Fortschritten der letzten Zeit, kommt dann auch der Moment, an dem ich damit raus will aus den eigenen vier Wänden...

    An das Vocalstreffen habe ich tatsächlich auch schon gedacht. Denn vielleicht habe ich ja bis Herbst technisch schon wieder ein paar Schrittchen vorwärts gemacht. Und ein paar Vocaleros kennen mich ja schon vom Impro-Workshop.
    Darum habe ich auch nachgefragt, ob's öffentlich ist oder "nur" für die Vocaleros. Nur da es ja doch eine öffentliche Sache ist und dieses Jahr sogar noch mehr Publikum anziehen soll...

    Naja, aber vielleicht kann ich ja wirklich mal dann und wann eine Karaoke-Bar aufsuchen. (Bzw. in Wien haben wir ja sogar ein Lokal mit "Live-Karaoke", dh zwei Musiker begleiten live). Denn beim Karaoke erwartet ja wirklich keiner, dass man's kann. Und selbst da könnte ich ja vorher mal eine Lokalrunde schmeißen, um den allgemeinen Alkoholpegel vor Ort zu steigern. ;)

    Liebe Grüße
    saxycb

    PS: @ alle: Vielen, vielen Dank für die lieben Beiträge.
    PPS: @ Lucilius: Aus Erfahrung weiß ich ja mittlerweile, wie mein Publikum am Besten sein soll: fremd und nicht zu klein ... und natürlich vollauf begeistert ;)
     
  14. Bell

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    Erstellt: 10.04.07   #14
    Hallo saxycb,
    gerade aus dem Osterurlaub zurück und eeeendlich wieder Internet .... hab gar nicht soviel Zeit, um mir die ganzen neuen threads durchzulesen und hab auch diesen mehr so überflogen... ist eigentlich auch nicht wirklich mein Thema, weil ich schon so lange auf der Bühne stehe, dass ich Dir nicht wirklich was Erhellendes sagen kann. Aber verstanden habe ich - Du weisst, Thema Saxophon, ich hab keine Ahnung, wann ich mich das jemals öffentlich trauen werde ;) - jedenfalls, so etwas wie das Vocals-Treffen wäre ein super guter Einstieg. Du kennst viele Leute, weil Du dich hier mit ihnen austauschst, Du kannst Dir ein (zwei, drei ??) Stücke aussuchen, die Dir liegen, es wird wahrscheinlich besser laufen, als Du dir jetzt vorstellen kannst - ja, und dann hast Du Blut geleckt und willst wieder live singen und neue Gelegenheiten finden. So fängts an.
    Übrigens - öffentliche Sessions (z.B. auf Partys) sind auch ein guter Einstieg !
    schöne Grüße
    Bell
     
  15. Doc Wahlers

    Doc Wahlers Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.07   #15
    Hi saxycb,

    du fragst, ob jeder Ton zu jeder Tageszeit sitzen muss....?
    Ich denke, dass hängt davon ab, wieviel Du bereit bist für deine Musik zu geben!
    Ich für meinen Teil glaube, dass es niemanden gibt, der auch nur annähernd perfekt ist (habe ich sogar bei Madonna schon erlebt).

    Auch musst du nicht zwangsweise mit Mikro auf die Welt gekommen sein.
    Es ist eine Frage des Willens und der eigenen Kritikfähigkeit sich selbst gegenüber und von anderen. Man muss aber auch filtern können zwischen angebrachter Kritik und ungerechtfertigter. Soviel Gesäß sollte man in der Hose haben.

    Das einzige, was wirklich dasein sollte, ist das Verschmelzen mit dem Song - sonst kann man ihn für meine Begriffe nicht verkaufen. Das Ohr des Publikums ist nun einmal biologisch auf menschliche Stimmen geschult und merkt sowas.
    Hast Du einmal einen Song verinnerlicht, und hauchst ihm Deine Seele ein, kann das auch in die andere Richtung gehen.

    Gruß
    Doc.
     
  16. saxycb

    saxycb Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.05.07   #16
    Hallo,

    um mich mal selbst zu zitieren:
    Unverhofft kommt's oft...
    Heute war's soweit. "Musikschule in Concert". Ein Stück. Mit Rockband. Vier Gitarren (oder waren's gar fünf?!) im Rücken zur Verstärkung.
    Überlebt!

    Sie haben mich auf die Bühne geprügelt (verbal... blaue Flecken hab ich keine ;)). Kalt war mir. Und dann wieder heiß. Zittrige Hand. Und diese eeeeelends lange Ansage – ich dachte mir, je länger die Ansage dauert, umso mehr vergesse ich von meinem Text. Hilfeee – wie geht die erste Zeile? Was mach ich hier überhaupt?

    Wie's dazu kam?
    In der Musikschule gab's einen Rockworkshop, zu dem ich auch hinging. Aber ich klärte schon vorher ab: Ich komm mit dem Sax, denn: Ich – singen vor Menschen? Nee, neee...
    Aber am Vorabend meinte mein Lehrer (der auch den Workshop leitete) so ganz nebenbei: "Wir machen morgen 'Don't let me be misunderstood'. Das könntest ja auch singen, wenn Du willst..." "Nee, nee. Ich komm mit dem Sax."
    Aber irgendwie hat's doch keine Ruhe gelassen...
    Beim Workshop dann: "Und traust' Dich?" Tja, da hat er schön geschaut, als ich den Text ausgepackt hab, und ein Micro mit dem Kommentar "Wenn ich singe dann mit einem gescheiten Micro" und sogar ein 10-Meter-Kabel hatte ich dabei.
    Ich war ja selber ganz überrascht über mich. Ich hatte zwar das Zeugs "für den Fall der Fälle" einstecken, rechnete aber damit, dass ich dann ich die Frage "Traust Du Dich" mit Nein beantworten würde und dabei mein Sax fest umklammern würde. Aber irgendwie muss es da eine besondere Mondphase, Andromedanebel, Spuren von Pollen und Gräsern in der Luft, oder gar unerklärliche Phänomene gegeben haben... - denn ich stellte mich da mir nichts dir nichts vor die zwischen 9 und 46-jährige Meute, und legte los.

    Tja – und dann kam's:
    Lehrer: "Ich habe eine freudige Nachricht für Euch – wir werden das beim Musikschulkonzert spielen."
    Ich: "Ich nicht. Du weißt eh warum."
    Er: "Na, und wer soll dann singen?!?"
    Ich: "Du...??"
    Er verdreht die Augen...

    Die ganze letzte Woche hatte ich abwechselnd Halsweh, Stimme weg, Nase laufen, alles zusammen,... Ich sagte mir: Ein Zeichen Gottes – ich soll einfach nicht singen.
    Gestern: plötzlich Halsweh weg, Stimme da, Volumen da, gut aufgelegt. Wohl ein neues Zeichen...
    Also pilgere ich dann heute Richtung Auftrittsort. Voll gestylt – denn falls ich schon falsch singen sollte, wollte ich wenigstens cool aussehen ;)
    Und dann nach dem Soundcheck: Hals kratzt, Mund trocken, kalt,...
    Aber da gab's kein zurück mehr... (ich hab schon nen Fluchtweg gesucht...)

    Die ersten Töne schief, die vorletzte Zeile etwas umgetextet...
    Tja, wie schon eingangs erwähnt: Ich hab's überlebt. Und darum ging's. Und ich bin stolz auf mich :)

    LG saxycb
     
  17. TravelinLight

    TravelinLight Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.05.07   #17
    Herzlichen Glückwunsch, saxy! Freue mich für Dich, dass Du den Schritt hinter Dir hast!
     
  18. lunaberlin

    lunaberlin Guest

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    Erstellt: 07.05.07   #18
    Hey saxy - auch von mir herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Mutprobe!!

    Jetzt wo du den ersten Schritt getan hast, wird´s NIE WIEDER so schlimm werden - das war zumindest meine Erfahrung.
    Immerhin hast du jetzt schon den positiven Erfahrungswert, dass du es überlebt hast. :D

    Also - schön weitermachen (darf ich noch mal das Vocalstreffen erwähnen.... *pfeif* ;) )

    Liebe Grüsse
    Luna
     
  19. TravelinLight

    TravelinLight Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.05.07   #19
    www.germanwings.com ... wenn Du schon Samstag morgen abfliegen kannst und noch bis Montag Nachmittag Zeit hättest, kämst Du für 65 € inkl. aller Gebühren hin und zurück... ;-)

    Mich würd's freuen...
     
  20. saxycb

    saxycb Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.05.07   #20
    Hi Luna, es war tatsächlich mehr eine Mutprobe als schöner Gesang, tolle Performance und Freude am Spielen... :eek:
    Aber beim nächsten Mal dann ;)

    Freu mich wirklich, dass ich's gemacht habe. Und ich hab sogar die Videoanalyse ohne gröberes Schock-Herzstillstand-Herzflimmern-Atemnot-... überlebt :D

    Und mein Lehrer meinte, es war soweit okay u. ich "darf" von ihm aus wieder auf die Bühne. Habe quasi von ihm die Lizenz zum Töten... ähh Singen... ähhh... :screwy:

    Kann ich auf solche Postings denn auch noch irgendeine Ausrede finden...?!?

    Flug ist gebucht :) , geschätzte Mitstreiter und Mentoren. Ich werde ins Germanenland einreiten (äh... -fliegen...). ;)
    Und wehe, Ihr applaudiert nicht :p :D

    LG saxycb
     
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