blue notes beispiel?

von m43rius, 07.04.08.

  1. m43rius

    m43rius Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.04.08   #1
    hallo,
    könntet ihr mir anhand von einem beispiel erklären was blue notes sind? ich ham von musik-theorie echt keine ahnung..sonst könnt ich das ja selber irgendwie machen.
    wär echt nett :)
     
  2. cinhcet

    cinhcet Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.04.08   #2
    pentatonik sagt dir was? wenn nich, du gugge wikipedia
    beispiel c moll pentatonisch mit blue note auch c blues scala genannt.
    c es f ges(blue note) g b c

    kpaiert?
     
  3. kwz

    kwz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.04.08   #3
    Hallo m43rius,

    ein Beispiel für Blues Notes kann man eigentlich höchstens vorspielen, in Textform finde ich das sehr schwer zu beschreiben. Hier zum Beispiel der WIKI Artikel zum Thema Blues Notes, das stimmt zwar sicher, aber erklärend finde ich es persönlich nicht, wenn man nicht schon ungefähr weiß was gemeint ist.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Note

    Für Dein Referat in der Schule würde ich den Blue Note Effekt einfach mal vorführen. Es geht ja darum an bestimmten Stellen im Notenmaterial gezielt Dissonanzen (Reibungen) zu erzeugen. Als ich mir den Unterschied zwischen Dur- und Moll-Tonleiter-Improvisation aneignen wollte, habe ich mir einen quasi minimalistischen Backing Track zusammen gestellt.

    Einfach stur einen Dur Akkord (oder den Septakkord) mit Achteln oder Vierteln in der Schleife laufen lassen, zum Beispiel MIDI Klavier oder auch deine eigene Gitarre.

    Dann spielst Du einfach erst mal abwechselnd die Moll- und Dur-Tonleiter rauf und runter. Dann einfache Tonsequenzen, Läufe oder Deine Lieblingslicks, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das vor dem Backingtrack anhört. Anders kann man das meiner Meinung nach nicht vermitteln. Den kompletten Beispieltrack kannst Du natürlich auch vorbereiten und dann einfach nur noch abspielen.

    Meistens sind Bluenotes nicht der Tonleiter angehörende Töne. Wenn Du zum Beispiel die C-Dur Tonleiter nimmst:

    C - D - E - F - G - A - H - C'

    besteht der C-Dur Akkord aus C - E - G.

    Die drei üblichen Bluenotes sind dann:

    * die Mollterz Es. Die reibt sich mit der simultan gespielten Durterz E. Das Tongeschlecht (Moll oder Dur) wird damit "gestört" und unklar. Ich wüsste nicht, wie man das besser beschreiben sollte, hörs Dir einfach an. Der Gegensatz dazu wären zum Beispiel die Powerchords (C5 = C - G), da lässt man die Terz absichtlich ganz weg, damit ist das Geschlecht unspezifiziert.

    * der Tritonus zwischen Quarte und Quinte (Fis). Der Ton klingt schon ziemlich schräg und liegt genau in der Mitte zwischen dem C und dem C', je drei Ganztöne davon entfernt.

    * die kleine Septime B (das deutsche B, ein Halbton unter H). Passt im Blues eigentlich ziemlich gut, häufig wird die Begleitung deshalb auch nicht als Durakkord sondern als Septakkord, in diesem Fall C7 gespielt.

    Dabei ist zu beachten, dass im Blues eigentlich etwas andere Töne gespielt werden, die nicht der exakten westlichen Intonation entsprechen, oft auch als "dreckig" oder "verschmutzt" bezeichnet, also etwas zu hoch oder zu niedrig. Das kriegt man gerade auf der Gitarre oder ähnlichen Instrumenten gut hin, auf dem Klavier eher weniger, da greift man dann zu dem Kunstgriff den Zielton zu umspielen oder beide umgebende Töne simultan zu spielen.

    Wieso schreibe ich jetzt "Meistens sind Bluenotes nicht der Tonleiter angehörende Töne"? Naja, Du kannst Dir natürlich die Tonleiter passend machen und umdefinieren. In C-Mixolydisch hast Du zum Beispiel schon mal die kleine Septime passend und in C-Dorisch auch noch zusätzlich die kleine Terz. Dann bleibt als einzige nicht so leicht einzufügende Note der Tritonus. Die gäbe es zwar in C-Lydisch, aber dann passen Terz und Septime wieder nicht.

    Die Bluestonleiter wird zum Beispiel gerne auch beschrieben als die Moll Pentatonik (in diesem Fall C-Moll) plus die Dur-Terz plus Tritonus, das wären C-Es-F-G-B plus E und Fis. Warum man grad eine Pentatonik als der Bluestonleiter nimmt, hat noch andere Gründe, das ist nicht nur im Blues so, sondern allgemein sind Pentatoniken bei echten Volksliedern weltweit stark verbreitet. Du kannst im Blues problemlos auch die None dazu nehmen (D), 9th Chords sind grad in jazzigerem Blues gern verwendet und auch die Sext (A) kommt in der klassischen Shuffle Begleitung immer wieder vor. Diese beiden Töne passen aber im Gegensatz zu den anderen Tönen in der Bluestonleiter nicht über jeden Akkord des Standardbluesschemas, da muss man mehr aufpassen, wann und wo man diese beiden Töne einbaut.

    Wie gesagt, einfach mal vorspielen, das erklärt es am besten. Wenn Du einen Monochordblues suchst, dessen Basis-Riff quasi nur aus der Bluestonleiter besteht, hör Dir mal Smokestack Lightnin' von Howlin' Wolf an, zum Beispiel hier bei Youtube http://www.youtube.com/watch?v=_LNt5J0Cesc

    Viele Grüße
    kwz
     
  4. kls

    kls Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.09.13   #4
    Hallo kwz.

    Seit 50 Jahren mache ich (nicht besonders vituous, dafür fehlt mir die Disziplin und der Ehrgeiz), Musik von Beathoven über Dylan bis Beatles oder Radiohead, halt immer die Musik, welche mich irgendwie anmacht. Noch nie hat mir jemand die 'Blue Notes' in solch nachvollziehbarer Form erklärt, was wiederum erklärt, warum ich bis heute vom Fis (für C) als einzige Blue-Note ausgegangen bin. Hört sich ja auch am Klavier echt gut an, Fis - G - C.

    Dafür möchte ich ein ausdrückliches Dankeschön loswerden. Zurzeit bemühe ich mich, 'For ever Autumn' in eine Hardrockversion zu programmieren - und scheitere grandios. Wenn Nightwish doch aus dem 'Phantom der Oper' so ein geiles Hardrockstück batiken konnten, warum klappt das mir nicht bei 'Forever Autumn'?

    Bitte beantworte die letzte Frage nicht, sie ist auch rein rhetorisch gemeint.

    Schade, dass ich mich erst anmelden musste, um dieses Dankeschön loszuwerden...kls...
     
  5. emptypockets

    emptypockets Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.10.13   #5
    Allgemein wird auch "Dark was the Night, Cold was the Ground" (eines der ergreifendsten Stücke nicht nur der Bluesgeschichte!) von Blind Willie Johnson als klassisches Beispiel für die emotionale Wirkung der Blue Note bezeichnet. ZIemlich dreist, aber in Top - Sound, abgekupfert von Ry Cooder in "Paris, Texas".
     
  6. cyril

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    Erstellt: 09.10.13   #6
    Hallo m43rius

    Die Antwort von KWZ umfasst eigentlich alles, was man über die Blue Notes (musiktechnisch) wissen muss. Ob du damit aber Blue Notes spielen oder singen kannst, bleibt dahingestellt. Das Vertrackte daran ist nämlich, dass die Blue Notes aus dem Blues-Feeling herauskommen müssen. Mit diesem Feeling kannst du eigentlich aus jedem Ton eine Blue Note machen, obwohl die drei Ur-Blue Notes (kleine Terz, verminderte Quinte und grosse Septime) eigentlich immer die klassischen Blue -Töne sind und bleiben.
    Wie es nicht geht, kannst du immer wieder hören, wenn du zu einer "Rock meets Classic" Veranstaltung gehst. Da spielen die Orchestermusiker sehr genau die Blue Notes und es hört sich einfach falsch an. Daran erkennst du am deutlichsten, was die Blue Note von anderen Tönen unterscheidet.
     
  7. Sponge Bob

    Sponge Bob Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.13   #7
    Hmmm. Ich dachte immer, dass die b3, b5 und b7 in unserem Tonmatrial streng genommen eigentlich nur ein "Workaround" sind, da die Blue Notes ja streng genommen gar nicht in unserem westlichen Tonmaterial vorkommen - sind doch irgendwo aus dem Afrikanische her. Die Intonation liegt doch so dachte ich jeweils zwischen dem kleinen und großen Intervall. Auf der Gitarre kann/soll/darf/usw. man deshalb die b3, b5 und die b7 leicht um nen Viertelstep "anbenden".
     
  8. cyril

    cyril Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.10.13   #8
    Hi Sponge Bob
    Nach dem, was ich so gelernt habe, kommen die Blue Notes nicht wirklich aus Afrika. Von dort kommt die Pentatonik. Die hat es eigentlich auch schon immer hier gegeben, aber sie hat gegenüber den westlichen Tongeschlechtern nicht die allergrösste Bedeutung.
    Die Blue Note stammt meines Wissens nach vom Zusammenprall der westlichen Tonleitern und der afrikanischen Pentatonik. Die Schwarzen des frühen Jazz im städtischen Bereich (New Orleans) wollten so etwas wie Marschmusik spielen, kamen aber mit den Tonleitern nicht klar und fügten gewisse Zwischentöne ein, die dann zu Blue Notes wurden.
    Die Schwarzen auf den Baumwollfeldern hatten ihre ursprüngliche Pentatonik und fügten langsam und allmählich westliche Einflüsse hinzu, also der umgekehrte Vorgang.

    Diese Blue Notes haben meiner Meinung nach nicht allzu viel mit Bending zu tun, (sie werden wohl oft und kräftig gebendet), weil ja, wenn es so wäre, ein Pianoman gar keinen Blues spielen könnte. Er tut es aber. Das Bending ist eine weitere Blue Note - Technik, die das Blues Feeling noch deutlicher zum Ausdruck bringt.
    Ich selbst spiele unter anderen Instrumenten auch Posaune und weiss, was ich da in der Gegend herumbende, aber, ich könnte Blue Notes auch spielen, wenn ich die posauneneigene Glissandotechnik nicht zur Verfügung hätte.
    Noch einmal mein persönlicher Hinweis: Die Blue Note hängt immer, egal, wie man sie spielt, zu 100% am Feeling.
     
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