Braucht man wirklich noch irgendwelche "Boutique Pickups" oder sonst noch so etwas

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Es war vor ca. 30 Jahre in Wien. Ich ging da mal zufällig in einen Gitarreladen rein, um mal so zu sehen, was da gerade läuft.
Da kam ein auffällig dicker Herr mit platinblondem Haar rein, ging schnurstracks zum "sale of the day" eine billige GTX Strat mit Amp und Gigbag für nach heutiger Währung ~100€, stöpselte sie an den nächstbesten Amp und spielte paar heiße Funkrhythmen auf ihr. Als er zur Kassa ging, fragte ich ihn verblüfft, ob er Lehrer sei und die Gitarre für einen Schüler kaufte?
Er verneinte lapidar: Er kauft sie für sich selber! Er versteht es nicht, warum so viele tausende Schilling (damalige AT Währung 1€=~ 14 Schilling) für irgendwelche Edelteile rausgeben. Er hat ein tolles Rack, das ihm alle Wünsche erfüllt, und er spielt einfach die Gitarre so lange sie ihm taugt, dann wirft er sie weg und kauft sich eine neue. Das käme ihm viel billiger als sie jedesmal für ein Schweinegeld von einem Edelgitarreguru warten lassen zu müssen.
Er bezahlte, auf Amp und Gigback verzichtete er. Ich sah ihn noch ins Auto steigen und die Gitarre achtlos auf den Beifahrersitz werfen.
Auf Youtube kann man jetzt viele Vergleiche von Edelgitarren vs. Billig Chinakracher sehen, und auch da muss ich ehrlich sagen, viele Billigteile scheinen da auffallend gut auf.
Mir wäre das auch egal, soll jeder das bezahlen, was er will, aber seit mich diese koreanische "Macled" Gitarre mit ihren billigen Noname Humbucker derartig packt, komme ich doch ins Grübeln.
Machen wir uns nicht irgendetwas vor? Brauchen wir wirklich die teuersten Edelteile mit den feinsten (von Mdme Ibarra) "handgewickelte" Tonabnehmer?
Viele sogar 100€ Klampfen und Bässe haben heute eine derartig gute Qualität und die Verstärkertechnologie ist einstweilen so gut geworden, dass es heute eigentlich wurscht ist, mit welcher Preisklasse man spielt
Was sind eure Erfahrungen mit billig vs sündteuer?

View: https://www.youtube.com/shorts/DKHSeS6PkWY
 
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:popcorn2:
 
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Tja, da sagst Du was!
Ich habe eine Strat und eine Tele die aus Billigteilen selbst zusammengebaut wurden (klingen Super - für mich).
Außerdem habe ich eine LP Special DC mit P90, die komplett selbst gebaut wurde - leider nicht von mir, sondern von einem guten Freund (klingt ebenfalls Super - möchte sie nicht missen)
Ich bin mit diesen Gitarren sowohl spieltechnisch als auch Soundtechnisch sehr zufrieden. Allerdings sind gute PickUps verbaut.
Das unterstreicht Deine Aussage, das es nicht immer der teure Kram sein muss.
Von mir aus kann da gerne Jaffa-Orange auf der Kopfplatte stehen, wenn das Ding klingt und gut spielbar ist, dann ist alles ok.

Nun ist es aber so, das ich, neben einer ES335 Heritage und einer FGN Expert, bedingt durch meinen damaligen Job bei Gibson auch eine echte LP habe und was soll ich sagen, die klingt einfach am geilsten.
Diese Soundstruktur bekomme ich bei keiner meiner anderen Gitarren - auch nicht mit der FGN und der Heritage.

Also was nun?

Es hat alles sein für und wider. Für das eigene Ego ist für mich der Sound der Gibson unschlagbar aber für die Bühne (wo die Soundfeinheiten so gar nicht beim Publikum ankommt) reichen auch die anderen.

Was ich aber auf keine Fall mitmache sind die übertriebenen Preise für Sondermodelle oder "geagete" oder gar für eine echte von irgendeinem Künstler.
Ich bin weder berühmt noch muss ich von der Musik leben. Ich mache das alles aus Spaß und da müssen die Verhältnisse stimmen. Ich bin halt "Gebrauchsmusiker". :giggle:

Gruß
 
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Brauchen wir wirklich die teuersten Edelteile mit den feinsten (von Mdme Ibarra) "handgewickelte" Tonabnehmer?[/URL]
Nein, brauchen wir nicht. Das Schöne an der E-Gitarre* ist in der Tat, dass man schon für wenige hundert Taler sehr viel Spaß haben kann. Für die letzten 10-20% hat man schon immer überproportional viel bezahlt. Muss jeder selbst entscheiden ob es einem der Preis wert ist.

IMHO ist der Unterschied offensichtlich wenn man im Laden einfach mal 30 Minuten investiert und jeweils 10 "Billig Chinakracher", 10 "Edelgitarren" und 10 Gitarren aus dem mittleren Preissegment in die Hand nimmt. I.d.R. sieht, spürt und hört man sehr schnell, für was man mehr Geld ausgibt. Das bedeutet nicht, dass auch mal eine Edel-Gurken dabei ist - und das ist dann natürlich besonders ärgerlich und z.T. auch peinlich für den Hersteller. Umgekehrt gibt es natürlich auch mal einen besonders tollen Chinakracher - ist doch super.

Der eigene Vergleich im Laden schlägt jedes click bait YouTube Video.
 
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Wer billig kauft kauft zweimal…..

…ah,Super
 
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Moin.
Es gibt günstige Gitarren die gut sind, und teure Gitarren die nicht gut sind.
Es gibt günstige Gitarren die nicht gut sind, und es gibt teure Gitarren die gut sind.
Und so ergibt sich das es für Jeden Gitarren gibt. Man muss nur die "Richtige" finden. Jeder nach seinem Ermessen.....

Der eigene Vergleich im Laden schlägt jedes click bait YouTube Video.

Das unterschreibe ich sofort.
 
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Eine Gitarre, egal in welcher Preislage, klingt immer so lange ganz toll, bis man eine andere spielt/hört, die in den eigenen Ohren noch eine Nuance besser klingt.

Ach und dann kommen noch ganz viele Emotionen dazu. Der per Hand im Mondschein von 40 Jungfrauen gewickelte P90 MUSS doch einfach besser klingen, als ein P90 von der Stange.

Und eine 69€ Gitarre wird in der Hand eines Profis besser klingen, als eine 10k Murphy Lab in der Hand eines Spielers, der noch nicht so lange dabei ist.

Die Vergleiche könnte man jetzt stundenlang weiterführen.
 
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Ich würde erstmal zwischen "brauchen" und "haben wollen" unterscheiden. ;-)
Rein klanglich muss sicher nicht alles immer zwingend superteuer sein.

Lohnt es sich denn wirklich darüber noch großartig zu philosophieren?
Wäre ja auch kein wirklich neues Thema? ;-)
 
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  • #10
Oh schön, ein neuer Klangvoodoo Thread :) aber gehören Themen zum Klangglauben nicht eher in den Biergarten?
Pubst Elonsius der Nullte fragt für Togodeihowo, den Tongott der im Holze wohnt. Na ja, hier jetzt meinetwegen auch im Draht.
 
  • #11
Ja, ab jetzt Biergarten(y).
 
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  • #12
Meine Erfahrung mit edel/teuer vs. Budget (…und ich habe und spiele sowohl Squier CVs als auch Gibson CS) hat was von:
Braucht man eine Rolex, um zu wissen wie spät es ist? und Gutes Werkzeug ärgert halt nur an der Kasse.
Beides sind valide Gesichtspunkte und beides kann man auch gut unterschiedlich sehen und sogar mal so und mal so.
Ich bin nicht davor gefeit, auch mal etwas edles, teures, luxuriöses haben zu wollen, weil es eben edel, luxuriös und dann eben in der Konsequenz auch teuer ist.
Ich mag es aber auch, der Muckerpolizei den Stinkefinger zeigen und mit einer (gepimpten) Squier Strat einen geilen Sound zu machen.
Letzteres funktioniert aber erst so richtig mit „Schachmatt“, wenn da auch noch eine 3000+€ PRS* auf der Bühne steht, weil die immerwährende Flanke: „Die hohen Traube sind auch nicht süßer, als die, an die ich hier unten ran komm…“, dann nicht da ist.
So viel zu „Ich“ und „Aussenwirkung“ einer Gitarre.
Was die tatsächliche Qualität und dann gar noch Sound angeht, ist es IMO allem Mimimi zum Trotze so, dass vielleicht nicht unbedingt die allerteuerste die Nase auch am allerweitesten vorne hat, aber meine Oberklasse Gitarre sind generell doch „besser“ als sie „günstigeren“. Sei es was Potis, Schalter (Haltbarkeit), oder Loocking Tuner, Case, Tremolo, Halsbearbeitung (Bünde und Griffbrettkanten) oder auch Optik, Haptik und auch Sound angeht.
Dabei trennt sich bei mir schon im Laden die Spreu vom Korn und dort werden alle „schlechten“ Instrumente bereits aussortiert, egal ob günstig oder teuer! Was dann bleibt, ist in einem sehr engen Korridor, der sicherlich nicht rechtfertig, dass CS 5-10 mal so teuer ist, wie CV. Wenn ich aber dieses „Mü“ mehr möchte, muss ich die vielen Scheine mehr auf den Tisch legen.
Je nachdem, wie solvent ich bin, kann ich mir überlegen, ob es mir das wert ist oder nicht.

Dann wird da oft noch das Thema „Wertanlage“ ins Feld geführt. Das ist dann da IMO noch mal eine ganz andere Baustelle, die auch so oder so gesehen werden kann. …und ja meine Gibson R7 hat keinen Wertverlust, ich könnte wohl sogar Gewinn machen, wenn ich sie verkaufe. Das ist aber eine völlig hypothetische Rechnung, weil ich die Gitarre ja gekauft habe, weil ich sie spielen möchte, sie mich immer wieder begeistert und mir Freude macht. Sie zu verkaufen wäre für mich immer ein Verlust…
 
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  • #13
Gutes Werkzeug ärgert halt nur an der Kasse.
Werkzeug und Gitarren lassen sich nicht unbedingt vergleichen, denke ich. Ich bin Typ "gutes Werkzeug" und meine Frau hat mir damals den "wer billig kauft, kauft zweimal" Spruch reingedengelt (bevor ich sie kennengelernt habe, hatte ich genau einen Akkuschrauber aus dem Discounter). Mit guten Maschinen spart man einfach auch Zeit, kann wiederholgenau arbeiten und kann sie in zehn Jahren auch wie am ersten Tag nutzen. Und was noch viel wichtiger ist, man bekommt über viele Jahre Ersatzteile und das Ding fällt nicht nach dreimaliger Nutzung auseinander. Klar hab ich auch zwei oder drei Sachen von Parkside hier, die brauche ich aber nur einmal im Jahr.

Ein 3:40 Minuten Song ist nicht in 3 Minuten gespielt, nur weil die Gitarre teurer bzw hochwertiger ist. Auch erzielt man keine besseren Ergebnisse. Aber, und da lasse ich einen Vergleich zu, man hat bei der Benutzung einfach ein ganz anderes Gefühl. Und vielleicht bildet man sich dann ein, mit einer teuren Gitarre kreativer zu sein. Oder dieses Gefühl fördert die Kreativität. Oder oder oder.


Das könnte wieder ein spannender Thread werden. 😅
 
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  • #14
Das habe ich tatsächlich anders wahrgenommen. Als ich meine American Fender* Deluxe Strat (mein erstes „Profi-Instrument“) bekommen habe, hatte ich instant das Gefühl: Das ist ein Instrument, mit dem man sofort auf Tour und in jedes Studio nehmen kann. Einfach zuverlässig und „gut“.
 
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  • #15
Von A nach B kommt man auch mit einem 30 Jahre alten Polo. Selbe Strecke in einem neuen AMG, sitzt das Lächeln schon anders im Gesicht. Durfe ich diese Woche erfahren, im wahrsten Sinne 🙂.
Kann man sicher auch auf Equipment adaptieren?!
 
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  • #16
Das ist aber eine völlig hypothetische Rechnung, weil ich die Gitarre ja gekauft habe, weil ich sie spielen möchte, sie mich immer wieder begeistert und mir Freude macht.
Das „Wertanlage“-Argument empfinde ich oft eher als Rechtfertigung für sich selbst, warum es die „teure“ Gitarre sein muss(te).
Das muss aber meiner Meinung nach garnicht sein, und ist gefühlt auch so ein „deutsches“ Ding in einer durchaus neidgeprägten Gesellschaft.

Am Ende ist es schön, wenn mein Zeug den Wert hält oder sogar an Wert gewinnt, aber gerade bei Hobbyausstattung wie Gitarren, Rodel, Tennisschlägern, Rennrädern, AMG’s, usw. geht es doch um ganz andere Faktoren, als die reine Wirtschaftlichkeit.

Wenn rein die Wirtschaftlichkeit das wirklich Ausschlaggebende wäre, würde ich eine (!) Harley Benton* spielen, und mein gespartes Geld lieber am Kapitalmarkt investieren. Die Rendite wäre sicherlich wesentlich höher.

Und selbst wenn ich aus irgendwelchen Gründen lieber in eine Gitarre investieren würde, dann würde ich die in einen gut gesicherten Koffer legen, den in einen gut gesicherten Schrank einsperren, und die Gitarre wieder rausholen, wenn ich sie verkaufen will.

Auf keinen Fall würde ich meine „Wertanlage“ dann mit schwitzigen Fingern in Bier-verseuchter Umgebung spielen, wo sie gleichzeitig noch Kratzer von meiner Gürtelschnalle, dem Plektrum, oder einem angetrunkenen Schlagzeuger bekommt.
 
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  • #17
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  • #18
Ich sag mal so. Ich nehme eine Gitarre in die Hand und dann denke ich ähhhh oder genau das isses. Bei der genau das isses steht dann meistens Suhr, Gibson, Maybach, Fender* usw. drauf.
 
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  • #19
Auf die Themenfrage "Braucht man wirklich noch irgendwelche "Boutique Pickups" oder sonst noch so etwas" ist meine Antwort: Die Bezeichnung ""Boutique Pickups" oder sonst noch so etwas", und dann geht es ja im Start-Thread ganz anders um teure vs. billige Gitarren, was ich als "teure Gitarren" einbeziehe, liefern keinen gewünschten Klang, keine individuell gute Bespielbarkeit, sondern befriedigen in erster Linie einen Hype nach "Werterhalt" bis "Wertzuwachs".

Das soll heißen, dass "Wörter" und Preisschilder keine Garantie für ein bestimmtes (positives" Ergebnis sind. Daher kann man nur das oder alles in die Hand nehmen und testen. Wenn es passt und billig ist, um so schöner für das Budget, und wenn es nicht passt, hilft auch keine hohe Rechnung oder "Boutique-Gedönse", um es sich schönzureden.

Ich bin mir sicher, dass es da draußen massenhaft Gitarren gibt, die meine 7 Gibsons sound- und bespielbarmäßig zu gravierend niedrigeren Kosten ersetzen können. Ich hab aber ja, was ich will (einschließlich meiner persönlichen "Macke", Gibsons haben zu wollen) und konnte es bezahlen. Bei LP Junior und Tele war mir "Gibson" resp. "Fender" absolut nicht wichtig (ich bin ja gesättigt :D ), so dass ich "nur" noch bei Epiphone bzw. Squire gesucht habe, bis ich fündig wurde und ich bin zufrieden.

Fazit: Man nehme doch individuell das, womit man zufrieden ist :prost:
 
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  • #20

Stimmt...


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