Consulting im Bereich Musik

von engineer, 29.07.06.

  1. engineer

    engineer HCA Recording HCA

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    Erstellt: 29.07.06   #1
    Da es hier so viele ambitionierte Musiker gibt, die ihre Songtexte und Werke schützen möchten, gehe ich mal davon aus, daß nicht wenige ihre Musik für wertvoll halten und vermarkten möchten, bzw dies im Rahmen von Auftritten auch fleissig tun.

    Wie aber sieht der umgekehrte Weg aus?

    Was ist denn der Musiker bereit, für Dienstleistungen zu zahlen?

    Ich sehe mich zu der Frage veranlasst, da sich über das Musikerboard immer wieder Leute melden, die Beratung für die Gestaltung ihres Musikzimmers und sogar eine Studiovermessung möchten, aber am liebsten alles umsonst hätten. :rolleyes:

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  2. kizm

    kizm Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.07.06   #2
    also aus meiner erfahrung heraus würde ich sagen, dass musiker im prinzip für nichts zahlen wollen oder wenn nur sehr wenig (ist aber in der ganzen gesellschaft inzwischen so - geiz ist geil).

    ich erlebe immer wieder, dass dann versucht wird alles alleine zu machen und es durchaus auch in kauf genommen wird, dass das ergebnis nicht sonderlich gut wird.

    mit dem internet ist dies alles natürlich einfacher geworden.
     
  3. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

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    Erstellt: 30.07.06   #3
    Wenn ich jetzt sarkastisch oder unterschwellig "böse" sein wollte, dann könnte ich Dir ZUSTIMMEND antworten:
    Die Masse der Musiker hat das schönste HOBBY der Welt - OHNE ES ZU WISSEN!

    Kapiert vielleicht mancher erst beim zweiten Mal lesen!

    Dass Menschen "alles umsonst" haben möchten, ist ja nunmal nichts Neues und auch nichts ungerwöhnliches.

    Aber sich dann aufregen, wenn jemand einen Auftritt anfrägt und forsch sagt: könnt ihr da auch für lau spielen?

    Will heißen: alles Gute hat seinen Preis! Aber von sich schließt man halt nur schwer auf den Rest der Welt und auch der Services & Dienstleistungen.

    Wir, das Rock.Büro SÜD sind ohnehin eine gemeinnützige und überwiegend aus öffentlichen Geldern getragene Einrichtung. Entsprechend gibt es vieles, was dem Gemeinwohl dient auch kostenlos oder wesentlich verbilligt (weil keine Gewinnerzielungsabsicht).

    Wir machen u.a. seit vielen Jahren Musikbranchenworkshops (Verträge, Booking, Eigenmanagement, Tonträgerproduktion/Studiovorbgereitung, Songwriting, Bühnenpräsentation, Steuern & Abgaben...). Da kostet ein Abend mit hochkarätigen Dozenten aus dem Musikbusiness pro Nase 35,- €. Ich könnte Bände füllen mit den Kommentaren von Muckern, denen das zu teuer ist. Aber schnell mal zwei Tage im Studio mangels Vorbereitung versemmelt - und es regt sich keiner auf. Oder 10 Songs eingespielt für eine Promo-CD, von der sich Entscheider ohnehin maximal nur drei Songs anhören. Oder unbedingt eine CD produziert, weil man die haben müsse, die sich aber nicht verkauft und später wie Beton im Keller liegt. All solche unsinnigen Geldausgaben können diese Workshop ersparen - und vieles mehr.

    Da regt sich aber keiner auf! Dabei ist es allgemein bekannt, dass der Anteil des musikalischen Könnens einer Band am ERfolg gerade mal ein Drittel ausmacht. Zwei Drittel sind auf das Umfeld im Musikbusiness und darauf, wie sich eine Band darin bewegt, zurück zu führen.

    Würden wir die gesamten Grundkosten (PR, Admin etc.) der Workshops z.B. hinzu addieren, läge unser Break bei rund 100 € pro Teilnehmer. Die Differenz fangen wir durch Sponsoren und Fördermittel auf.

    Und trotzdem maulen manche wie eine ganze Kuhherde.

    Aber die, die maulen, haben ohnehin meistens keine Marktchancen. Wohingegen die Mucker, die es gerafft haben und wissen, wie der Hase richtig läuft sagen, dass alles seinen Preis hat: die eigene, gute Musik UND die externen Dienstleistungen.

    lg.
     
  4. Navar

    Navar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.07.06   #4
    Im Musikbereich ist ja meistens so, dass man sehr teure Produkte und Dienstleistungen an Leute verkaufen muss die in den meisten Fällen einfach weniger haben. Das fängt beim Standard Musikalienladen an und geht bis in die High - End - Tonstudios.
    Und gerade Know - How ist in diesem Bereich schon fast "unbezahlbar". Soll heißen einen Tontechniker bezahlt man nicht nur für seine reine Arbeitszeit sondern auch für die Jahre an Erfahrung und persönlichen Einsatz.
    Gerade dem Hobby - Musiker der mit seiner Musik kein Geld verdient fehlt oft der Bezug dazu. Aber wenn man erstmal einen großen Teil der Arbeit selber gemacht hat und irgendwann die Dinge einfach aus der Hand geben muss weiß man was das Wert ist.
    Ich habe es mitterlebt wie jemand in einen Musikalienladen (Einzelhandel wohlgemerkt) gegangen ist und sich darüber aufgeregt hat, dass eine Gitarre 5€ mehr als bei Thomann gekostet hat, nachdem er sie eine Stunde lang angespielt hat. Dabei handelte es sich um einen Verkaufspreis >1000€. Viele Leute sind da einfach sehr dreist und schon arg unverschämt. Aber diese Leute ecken dann auch in anderen Bereichen an.
    Sicher, wenn eine Booking Agentur einem in einem Jahr nur 1-2 Auftritte verschaffen kann ist man nicht bereit hunderte von € zu investieren aber für gute Arbeit bezahlt man auch einen guten Preis.
    Es ist in der Musik eben auch oft nicht getan, dass der Dienstleister brav seine 8 Std. pro Tag arbeitet und dann nach Hause geht, da steckt oft noch viel mehr Einsatz hinter als der Musiker im ersten Moment sieht.
    In meiner bisherigen Tonstudio - Erfahrung habe ich auch noch kein Soundtechniker - Team erlebt, dass pünktlich die Rechner runterfährt wenn wir als Band gerade unsere "Sternstunde" haben und eindeutig eine Menge verlieren würden, wenn wir an der Stelle aufhören würden, ganz im Gegenteil.
    Das ganz große Problem einiger Musiker ist es, dass sie sich über den ganzen "externen" Kram keine Gedanken machen wollen aber auch nicht bereit sind dafür Geld zu bezahlen, dass ein Anderer sich die Gedanken macht.
    Aber in einigen Fällen relativiert sich das auch irgendwann. Nämlich dann wenn man die Arbeit selber macht und merkt was das für ein Aufwand ist oder wenn man sie nicht macht und die Sache irgendwann stagniert.
     
  5. engineer

    engineer Threadersteller HCA Recording HCA

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    Erstellt: 01.08.06   #5
    Zum Thema "im internet gibt's die Info" von oben:

    Klar, kann man sich alles erst anlesen. Die Frage ist, welchene aufwand man treiben möchte und kann, und wieivel man sich dann einspart. Ich mache bekanntlich Tonaufnahmen und brauche bestenfalls 1h dafür, mir einen Raum anzusehen und anzuhören, ein Konzept für reflexionsarme Aufnahmen einfallen zu lassen und Mikroaufstellungen festzulegen. Wollte ich jemandem dasselbe Knowhow per Internet transferieren, damit er es selber kann, bräuchte ich Tage. Das sehen die meisten eben nicht, wenn sie in Foren oder per mail wissen wollen, wie man dies oder dies aufnimmt. Am Ende wird dann irgendwas gemacht. Zudem haben in Foren die Laien die Übermacht und was da oftmals geraten wird ....:o

    Im Bereich Studioplanung ist es noch extremer: Statt sich einen erfahren Ingenieur zu holen und mal einen Hunni zu investieren, wird Halbwissen zusammengetragen und die baulichen Fehler von Generation fortgeführt. Da sind dann die gesparten Euros rasch futsch - Dank Fehlinvestition in Geräte und Material. Bei Hobbimusikern kann man es ja noch verstehen, aber wenn einer Tausende ausgibt für Technik, oder gar 10.000de für Baumassnahmen?

    Das Ende vom Lied ist, daß die meisten Profis mit erlerntem Wissen sich aus dem Gebiet zurückziehen, und sich lukrativere Betätungsfelder suchen, wo noch etwas zu verdienen ist. Damit domieren dann die Hobbyisten und die Qualität sinkt.

    Geiz ist keineswegs geil, sondern einfach nur qualitätstötend.
     
  6. Der D?nsch

    Der D?nsch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.08.06   #6
    Ich glaube nicht, dass Musiker generell wenig Geld für gute externe Arbeit ausgeben wollen. Sie können es schlicht und ergreifend nicht... Zum Beispiel Ich lebe z.Z. von 350 Euro davon 200 weg für Miete, 30 für Proberaum, bleiben 120 Euro fürs Leben. Meinen Bandkollegen gehts ähnlich. Einnahmen (Gewinn) der Band belaufen sich in etwa auf 500 Euro pro Jahr. Wie sollen wir uns denn bitte Equitment, Beratung oder Agenturen leisten, von denen hier gesprochen wird, auch wenn wir es wollten (übrigens: wir wollen!!!)? Und ich glaube nicht, dass ich ein Einzelfall bin, da ich jede Menge Leute kenne, denen es ähnlich geht. Qualität hat ihren Preis und den kann nicht jeder zahlen...

    Jemandem zu unterstellen, dass er kein Geld ausgeben möchte, nur weil er etwas umsonst haben will, ist nicht richtig. Wir machen unsere Aufnahmen auch umsonst bei einem befreundeten Tontechnikerstudenten, der das ganze dann als Projekt in der Musikhochschule anrechnen lassen kann. Wenn wir diese Möglichkeit nicht hätten, könnten wir auch keine qualitativ hochwertige Aufnahmen machen. Bei Studium und Band kommt die Arbeit und damit das Geld eben zu kurz.

    Das stimmt allerdings. Wenn man das Geld für den Ingenieur hat, dann sollte man es auch ausgeben.

    Und zum Thema "qualitativ minderwertige Aufnahmen im Internet" hab ich auch noch was zu sagen. Mir soll mal einer sagen, was an den besagten Aufnahmen so schlimm ist? ENDLICH können Schüler/Hobby-Bands ihre Sachen ohne Probleme veröffentlichen und sich der "Welt" präsentieren. Was soll daran bitte schlimm sein? Wenn man die Songs nicht gut findet, muss man sie sich auch nicht anhören oder man kann seinen Senf dazu geben, wie scheisse die Aufnahmen doch seien. Aber die Möglichkeit der Veröffentlichung ist doch toll. Ich würde auch keine Fisherprice Aufnahmen mehr ins Internet stellen, aber wenns jemand machen will, wieso nicht??
     
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