Im Grunde ist eine einzelne wissenschaftliche Studie so gut sie qualitativ auch sein mag, trotzdem immer angreifbar.
Man müsste eigentlich mehrere, am besten fünf, zehn oder zwanzig solcher Studien von verschiedenen Instituten haben,
um sich ein objektives Bild machen zu können.
Wichtig ist auch, dass solch eine Studie immer doppelblind durchgeführt wird. Das war bei Zollner augenscheinlich
nicht der Fall.
Ohne ihm etwas unterstellen zu wollen:
Es kommt oft vor, dass sich in wissenschaftlichen Studien das Bild bestätigt, mit dem der Durchführende die
Studie begonnen hat - eben weil er manchmal unbewusst in eine bestimmte Richtung forscht.
In Disziplinen wie der Pharmakologie weiß man das, deshalb zieht man hier immer mehrere Studien zu rate
und vergleicht sie miteinander.
Alles andere wäre unlauter.
Leider ist die Beschaffenheit von E-Gitarren nicht ein so relevantes Thema, was der Grund sein mag, warum es
nur die Zollner-Studie gibt.
Aus meiner Erfahrung:
Ich habe eine Gibson SG in hauchdünner Faded-Lackieung. Wenn ich sie kräftig anschlage, breitet sich durch den Korpus ein
deutliches Vibrieren aus, das sich natürlich auch in der Schwingung der Saiten abbildet.
Berühre ich nach dem Anschlagen der Saiten die Bridge der SG, merke ich deutlich in meinem Finger wie die Bridge die Vibration
des Korpus überträgt - und auf der Bridge liegen nunmal die Saiten mit Druck gespannt auf, also überträgt sich diese
Vibration auch auf sie, genau wie auf meinen Finger bei der Berührung.
Nehme ich hingegen meine Fender Mustang und schlage einen Akkord an, schwingt der Korpus kaum.
Die gesamte Bridge-Konstruktion ist von viel mehr Metall umgeben, die Saiten sind in das zigarrenförmige Tailpiece über dem
Korpus eigenhängt und dementsprechend ist der Klang härter, metallischer, höhenreicher, spitzer.
Fasse ich bei der Mustang die Bridge nach dem Anschlag an, merke ich, dass sich die Vibration erheblich von der Vibration in der Bridge
meiner oben genannten SG unterscheidet bzw. kaum vorhanden ist.
Auch ohne den Filter bzw. die Resonanzüberhöhung im Frequenzband, durch den jeweiligen Tonabnehmer, bildet sich
die eindeutige Klangfarbe des jeweiligen Instruments heraus.
Der Tonabnehmer ist ja quasi nur ein Notch-Filter, der bestimmte Frequenzen bei der Übertagung anhebt und daraus seine individuelle Charakteristik bezieht.
Er generiert den Ton aber nicht. Daher hört man auch den individuellen Klang der jeweiligen Gitarre und ihrer Konstruktion immer noch heraus.
Mir ist klar, dass diese Beschreibungen meiner Wahrnehmung keiner wissenschaftlichen Untersuchung gleich kommen, aber diese
sensorische Wahrnehmung des Hörens und des Fühlens beim Anfassen und Spielens der Gitarre ist doch nicht komplett auf Esoterik aufgebaut.
Wie ich oben schon schrieb:
Zollners Ansatz und gute Leistung in allen Ehren - richtig spannend würde es erst beim Vergleich mehrerer Studien werden.