[Effektreview] Boss AD-2

von unixbook, 14.12.16.

  1. unixbook

    unixbook Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.12.16   #1
    Boss AD-2 - gutes Pedal mit postfaktischer Bezeichnung

    Seit kurzem hat Boss ein neues, speziell für Akustikgitarre konzipiertes Pedal auf dem Markt, das Boss AD-2. Es wird derzeit für knapp 120 € angeboten.

    Produktinformation des Herstellers: http://www.boss.info/us/products/ad-2/

    FullSizeRender-1.jpg

    Das Pedal kommt in der von Boss bekannten Qualität und Bauweise daher, und dürfte damit auch für den langjährigen Bühneneinsatz taugen. Es verfügt über drei Potis für Acoustic Resonance, Ambience und Notch. Zudem ist der Fußschalter nicht nur zum aktivieren des Effekts zu gebrauchen, sondern auch um das Signal zu muten. Es stehen ein Eingang mit einer Impedanz von 10 MOhm und zwei Ausgänge zur Verfügung. Einer der Ausgänge ist mit einer Impedanz von 1 kOhm zum Anschluss an einen Akustikverstärker gedacht. Der andere Ausgang ist als symmetrischer Klinkenausgang mit einer Impedanz von 600 Ohm zum Anschluss direkt in das Mischpult vorgesehen. Sonst gibt es nur noch den obligatorischen 9V DC Anschluss. Wie bei Boss üblich kann das Pedal auch per 9 V Batterie betrieben werden. Mein AD-2 kam inklusive der benötigten Batterie. Laut Hersteller benötigt das Gerät 55 mA. Weitere Regler sind nicht zu finden.

    Wie bitte? Laut Boss handelt es sich hier um einen „Acoustic Preamp“. Ein Preamp ohne Gainregler, ohne Lautstärkeregler und ohne EQ? Was soll das? Entweder sind die Entwickler wahnsinnig geworden oder genial. Oder wählte Boss hier, dem Zeitgeist folgend eine postfaktische Produktbezeichnung? Ich wollte mich nicht in Vorurteile versteigen, und habe mir eines zum Ausprobieren kommen lassen.

    Das Acoustic-Resonance-Poti soll den Piezoklang akustischer Gitarren natürlicher im Sinne von mikrofonischer klingen lassen. Es liegt also ein ähnlicher Anspruch vor, wie ihn z.B. das BodyRez von tc electronic (vgl. https://www.musiker-board.de/threads/kurzbericht-tc-electronic-bodyrez.620492/#post-7599115) erfüllt. Hier drängt sich also ein direkter Vergleich mit dem BodyRez auf.

    Zunächst jedoch sei gesagt, dass das AD-2 von Boss es tatsächlich schafft, eine piezoierte Gitarre sanfter, runder, weicher und insgesamt akustischer klingen zu lassen. Das gilt für Gitarren mit Stahlsaiten und solche mit Nylonsaiten gleichermaßen. Mir persönlich gefallen die Ergebnisse ab einer Potistellung von ca. 12 Uhr an. Ab 15 Uhr empfinde ich das Resultat als etwas „too much“. Für mich persönlich geht dann zu viel Brillanz verloren.

    FullSizeRender-2.jpg

    Im direkten Vergleich mit tc electronics BodyRez fällt auf, dass das Boss-Pedal stärker zu Werke geht. Die 15-Uhr-Stellung am AD-2 entspricht ungefähr der Maximalstellung des BodyRez. Der für mich brauchbare Bereich des AD-2 ist deutlich kleiner als bei dem Mitbewerber der Dänen. Aber auch klanglich kommt das AD-2 für meinen Geschmack nicht ganz an das BodyRez heran. Letzteres verfügt über den gesamten Regelbereich über mehr silbrige Höhen, die ich an dem hier vorgestellten Pedal im direkten Vergleich vermisse.

    Bei dem Ambience-Poti handelt es sich um einen für akustische Gitarren optimierten Hall. Dieser Hall weiß zu gefallen. Er bleibt über lange Strecken des Potis subtil bis dezent. Erst ab ca. 15 Uhr wird er etwas deutlicher. Stets ist er wohlklingend und zu akustischen Gitarren passend.

    Der Notchfilter arbeitet gut. Im Rahmen seiner Möglichkeiten gelingt es ihm, rückkoppelnde Frequenzen zu eliminieren, ohne das Klangbild des Instruments unangenehm zu verändern.

    Aber was haben sich die Entwickler bei Boss gedacht, einen Preamp ohne Gainregler, ohne Lautstärkeregler und ohne EQ auf dem Markt zu werfen? Diese Frage bleibt mir ein Rätsel. Durch den Einsatz von Doppelpotis wäre es durchaus möglich gewesen, diese Funktionen zu integrieren. Ein angemessener Aufpreis wäre zu rechtfertigen, wenn man dann tatsächlich nur noch ein Pedal auf der Bühne bräuchte.

    Fazit

    Das AD-2 macht einen guten Job als dreifaches Effektgerät für akustische Gitarren. Es jedoch als Preamp zu bezeichnen halte ich für irreführend. Hierzu fehlen ihm die dafür entscheidenden Funktionen. In Kombination mit einem in der Gitarre verbauten und/oder externen Preamp kann es als einzig weiteres Pedal ausreichend sein. Ersetzen kann es einen Preamp nicht. Wer bereit ist, mehr als ein Pedal einzusetzen, der bekommt mit einem echten Preamp mit Notchfilter (z.B. dem Ashdown Acoustic Preamp Pedal, vgl. https://www.musiker-board.de/thread...wn-acoustic-preamp-pedal.651815/#post-8109499), dem BodyRez, beispielsweise einem HOF Mini und einer vernünftigen DI-Box bessere Ergebnisse hin. Allerdings ist dann deutlich mehr zu transportieren, es wird erheblich mehr Strom benötigt und um ein mehrfaches teurer wird solch eine Lösung auch.
     
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  2. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 14.12.16   #2
    Ich denke letzteres, also postfaktische Bezeichnung.
    Dank 10 MOhm Eingang eignet sich das Gerät natürlich auch für rein passive Piezos und vermutlich konnt dann hinten schon mehr raus - im Sinne eines Preamp.
    Allerdings lässt sich die Spanne zwischen passivem Piezo und starkem Preamp in der Gitarre glaub nur mit einer Kompromisseinstellung handhaben.
    Ja, ein Eingangsregler wäre sinnvoll.
    Das Vergleichsgerät BodyRez hat allerdings auch keinen Eingangsregler und ist ebenso für die Position hinter der Gitarre gedacht. Auch da wäre es nützlich.
     
  3. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.12.16   #3
    Richtig. Das BodyRez wird aber auch nicht als Preamp angepriesen.
     
  4. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 14.12.16   #4
    Wir hatten die Boss-Bezeichnung ja als postfaktisch eingestuft.
    Unabhängig von der Bezeichnung, rein funktional, sind beides Piezo-Klangverbesserer für die Position direkt nach der Gitarre.
    Und dort ist ein Eingangsregler nicht verkehrt, v.a. wenn das Gerät für passive und aktive Pickups geeigent sein soll.
    Wenn wir nur auf die angedachte Funktion schauen, ist das bei beiden ein kleiner Mangel.
     
  5. Corkonian

    Corkonian Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.12.16   #5
    ... da bleibe ich bei meinem Zoom A2.1u dass schon seit Ewigkeiten das wichtigste Pedal in meinem akustischen Aufbau ist. Manchmal versuche ich es ja noch mit dem A3, aber ich komme immer wieder reumuetig zum A2.1u zurueck.
    Das "verbessert" den Klang auch, hat auch hinreichend Effekte (Hall, Chrous ....) und ist zusaetzlich noch ein echter Preamp und eine DI. Herz, was brauchst Du mehr?
     
  6. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.12.16   #6
    Die ZOOMs sind ohne Frage interessante Teile, folgen aber auch einem gänzlich anderen Konzept. Hier ist die Bedienungsanleitung ein Muss. Intuitiv ist was anderes. Ich gehöre zu jenen, die simple Potis vorziehen und mag diese Multis deswegen nicht.
     
  7. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 16.12.16   #7
    Ja, die Mikro-Simulationen, die dafür gedacht sind, den Pickup zu schönenen, sind mMn eher der schwache Teil des Zoom A2.
    Ich hab auch so ein Teil, benutze es aber selten, auch wenn die Delay- und Reverb-Effekte wirklich was taugen.
    Letztlich lief es darauf hinaus, dass ich lieber mit dem Baggs Para Di einen richtig guten Preamp nehme und mir etwas Reverb an PA oder Verstärker drauf gebe.
    "Ein guter Sound und gut" ist mir auch sympathisch.
    Solche Effekte wie das BodyRez und das Boss AD2 müssen vermutlich auch zum jeweiligen Pickup passen, gerade, weil sie halt keinen Eingangsregler haben.
     
  8. Corkonian

    Corkonian Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.12.16   #8
    Also ich kann mich nicht er erinnern, wann ich die Presets das letzte Mal editiert habe. Ein Satz für Ovation, ein Satz für die Tanglewood, einer für die Yamsel und gut is'
    Kann man schnell durchschalten, ist logisch und ich hab' den Kopf frei.
    Allerdings verwende ich die Effekte sparsam und die Simulatoren nie.
    Das A3 ist einfacher in der Bedienung, hat bessere Effekte und viel bessere Simulatoren, aber ist weniger tauglich, da es kein Pedal hat.
     
  9. GEH

    GEH MOD A-Saiteninstrumente Moderator

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    Erstellt: 17.12.16   #9
    Ja, wenn wenigstens eines angeschlossen werden könnte wie beim A2 (ohne .1u) :rolleyes:

    Aber BTT
    Es geht hier im Review ja um eine "on trick pony" Pedal:
    Gitarre einstöpseln, ein bisschen drehen und schon klingt der Piezo angenehmer, so ist die Idee.
    Wer so etwas sucht und dann mit dem Klang zufrieden ist, der verzichtet gerne auf weitere Effekte.
     
  10. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.12.16   #10
    Fast. Dieser Gaul beherrscht immerhin drei Tricks. Das One Trick Pony ist eher das BodyRez.
     
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