elmehr geht es mir um die Frage, was eigentlich von einem angeblichem Kräftemessen zu halten ist, dass sich auch viele Jahrzehnte später immer noch an "Waterloo" aufgeilen muß. Mehr zählbares an wirklich in Erinnerung gebliebenen Songs gibt es da eigentlich kaum. Die anderen, an die man sich erinnert, glänzen eher duch ihre Peinlichkeit (Dschingsikhan, Ein bißchen Frieden usw.)
Naja, es ist halt die Frage, ob es dir darauf ankommt, wie viele Beiträge der ALLGEMEINHEIT in Erinnerung bleiben - da würde ich mal behaupten, das wären seit 2006 Lordis "Hard Rock Hallelujah", Alexander Rybaks "Fairytale", Lenas "Satellite", Jesse Matadors "Allez Olla Ollé" wegen seines WM-Faktors, Loreens "Euphoria" und wohl auch (zumindest im Moment noch) Emelie de Forests "Only Teardrops" - oder welche dir PERSÖNLICH in Erinnerung bleiben. Darauf basierend würde ich entscheiden, ob es mir wert ist, den ESC weiterhin Jahr für Jahr anzusehen.
Ein paar Bekannte von mir z.B. haben sich auch nach Jahren noch an Paula Selings & Ovis "Playing with Fire" erinnert und es auch immer noch gehört, weil sie es eben damals kennen gelernt haben.
In einer meiner ehemaligen Bands war Milan Stankovics "Ovo je Balkan" der absolute Running Gag (zumal wir auch jemanden dabei hatten, der den Text verstand ^^).
Und da wir den 2011er-ESC mit versammelter Mannschaft auf einer Geburtstagsfeier gesehen haben, war Zdob si Zdubs "So Lucky" (die mit den spitzen Hüten ;D ) nachher die große Shout-Hymne.
Ich persönlich nehme auf die Art fast jedes Jahr vom ESC eine Band oder einen Solokünstler mit, von dem bzw. denen ich mir danach dann noch viele andere Songs anhöre oder gar zulege, die ich aber ohne den ESC niemals kennen gelernt hätte. Dazu gehören natürlich auch mal wieder Lordi, aber auch 2007 die tschechische Hard Rock-Truppe Kabát, oder 2008 die finnischen True Metaller Teräsbetoni, über die ich dann auch zu den Northern Kings gefunden habe, weil der Leadsänger da mitmacht (neben den bekannten Nasen von Nightwish, Sonata Arctica & Charon).
Und das ganz nationalistische Punkte Hin- und Hergeschiebe ist natürlich abstoßend,
Das wird jedes Jahr immer wieder angeführt, ganz verhindern lässt sich das wohl auch nicht aufgrund ähnlicher Musikgeschmäcker, aber man muss doch sagen, dass
die Punkteschieberei dieses Jahr im Vergleich zu den vorangegangenen erstaunlich gering ausfiel. Nicht nur, dass
Deutschland kaum Punkte von seinen Nachbarländern bekommen hat - das sind wir ja gewohnt und daran war vermutlich mal wieder eher hauptsächlich die Auswahl des Liedes schuld - und auch nicht nur der geringe Punkteaustausch zwischen
Russland und Ukraine (der war halt dieses Jahr eindeutig politisch bedingt); es waren außerdem auch
kaum Balkanländer vertreten, und bei denen ist die Punkteschieberei halt meist am größten, weil es so viele davon gibt, die alle eben die komplette Palette der 12 Punkte verteilen dürfen und die Sprachen und Musikgeschmäcker so ähnlich sind.
Letztes Jahr war zwar kein einziges Balkanland im Finale, aber die ganzen rausgeflogenen durften natürlich weiterhin abstimmen. Diesmal war es noch extremer, weil von den "wirklichen" (ex-jugoslavischen) Balkanländern nur Montenegro und Mazedonien überhaupt mitgemacht haben und davon nur Montenegro es ins Finale geschafft hat. Also konnten die gar nicht groß Punkte schieben.
Es gab aber z.B. auch
keine Punkteschieberei zwischen Italien und San Marino,
Portugal hat Spanien keinen einzigen Punkt gegeben,
Belgien keinen einzigen an
Frankreich, und
Irland auch nur 4 an
Großbritannien.
Normalerweise kennt man das ja eher so, dass, wenn es bereits einen klaren Sieger-Trend gibt, der Favorit halt die 12 Punkte abstaubt, die 8 und die 10 Punkte aber weiterhin auf Freundschaftsstimmen verfallen (z.B. hätte Irland dann nach wie vor 12 an Österreich gegeben, aber eben entweder 8 oder 10 and Großbritannien). Dieses Jahr gab es halt drei sehr starke Songs, die immer wieder von allen Seiten Punkte gegeben haben, und eigentlich bestand der einzige Hauptunterschied zwischen den Punktevergaben der meisten Länder nur darin, in welcher Reihenfolge die 8, 10 und 12 Punkte nun den drei Ländern Schweden, Holland und Österreich zugeordnet wurden.
Das eigentlich Paradoxe ist: Das Jury-System wurde damals wieder eingeführt als Reaktion auf die vermeintlich extreme Punkteschieberei 2007 beim Sieg von "Molitva" (ich gehe auch hier wieder eher davon aus, dass halt alle, die die Sprache verstanden haben, von dem Lied selbst so fasziniert waren, weil man von deren Seite immer wieder gehört hat, es seien z.B. in dem Text "ganz tolle Worte benutzt worden").
Im Endeffekt hat imho die Wahl der Jury jetzt einen viel größeren Einfluss auf das Punkteergebnis als die vermeintliche Schieberei, die sie verhindern sollen. Großer Juryeinfluss war ja z.B. der Grund, warum es diesmal eine Abweichung zwischen dem deutschen Publikumsfavoriten Österreich und dem Jury-Favoriten Dänemark gab, oder warum 2013 Cascada statt La Brass Banda nach Malmö fahren durften (wobei ich das in dem Fall unterstützt habe, weil mir "Glorious" beim Vorentscheid noch ganz gut gefiel). Ganz verstanden habe ich den Sinn des Jury-Systems sowieso nie; ich finde sogar, eine Jury von ein paar Personen, die dazu in ihrem Land einen gewissen Einfluss haben, macht das Punkteschieben sogar noch wahrscheinlicher.
Also, weg mit der Jury von selbsternannten "Musikexperten", und dann halten wir's wieder wie im diesjährigen britischen Song propagiert: "Power to the People"

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(Wobei ich mich speziell bei dem Song gefragt habe: Ist es nicht eigentlich beim ESC verboten, politische Parolen in die Lieder einzubauen? Da war doch was, dass Georgien 2009 nicht in Russland antreten durfte, weil sie als Reaktion auf den Kaukasuskonflikt ein Lied hatten schicken wollen mit dem Titel: "We don't wanna put-in"

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