Fachsimpeln und Beratung: E-Drums im erfahrenen Schlagzeugerzuhause

Bacchus#777
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Ihr lieben,

der Tag, an den ich nie geglaubt habe, ist gekommen: ich denke darüber nach, mir ein E-Set zum Üben im neuen Zuhause zu beschaffen. Mein Leben lang finde ich E-Drums zwar ganz witzig, aber bin in der Regel Verfechter echter Drums, echter Becken, echtem Sound. Die unter euch, die mich kennen, wissen auch, dass ich eigentlich ein totaler Gear-Nerd bin. Heute suche ich eure Fachsimpelei und gerne auch ein wenig Beratung bei diesem Unterfangen. Und gerne erzähle ich auch ein wenig meine Geschichte dahinter und sorge für Unterhaltung, wenn ihr mögt. Aber halt, wie konnte es soweit kommen?

Das neue Zuhause

Meine (inzwischen) Frau und ich haben kürzlich ein Haus gebaut. Unsere Oase des Friedens, mit viel Raum und in grüner Idylle. Zum Studio sind es nun 15-20 Minuten mehr Fahrt, aber dennoch ist das der primäre Ort meines Mapex Saturns und aller Hardware, Snares und Becken, die ich so liebe und spiele. Primär wird das Studio inzwischen jedoch kommerziell genutzt und ich verbringe dort eigentlich nur Zeit mit meiner Band, um zu proben. Ich möchte aber unbedingt wieder einen zugänglicheren Ort zum regelmäßigen Üben und einfachen Spielen haben. Das fehlt mir ein wenig und ich möchte ein wenig meine tägliche Begeisterung für Drums wiederfinden.

Eine Sache, die parallel weiterverfolgt wird: es gibt bei uns im Ort mit großer Sicherheit ziemlich geeignete und verfügbare Räume, in denen ich ein akustisches Set unterbringen könnte, wahrscheinlich sogar in fußläufiger Entfernung. Dennoch reizt mich der Gedanke, etwas (wie in meiner Jugend) in den eigenen vier Wänden zu haben.

Tatsächlich könnte ich sogar ein akustisches Set aufstellen, mit großer Sicherheit sogar. Selbst ohne akustische Ausbauten könnte ich das Set wahrscheinlich einfach spielen, ohne Nachbarn zu stören, da viel Platz zu den umliegenden Häusern ist. Klar, im Haus ist es sicher etwas lauter, aber meine Frau supportet mich bedingungslos. Mit ein bisschen Akustikausbau würde es wahrscheinlich sogar sehr gut gehen, verändert aber den Raum direkt sehr. Für einen Keller im Neubau hat die Kohle leider nicht gereicht. Was früher bei meinen Eltern in den Neunzigern auf der Baustelle geklärt wurde ("Wollen Sie nicht einen Keller für 10.000 Mark extra haben? Ist doch nützlich...") kostet heutzutage zwischen 80.000 und 130.000 Euro mehr beim Bau eines Einfamilienhauses. Weiße Wanne, Erdarbeiten, Abdichtung, bla bla bla - ein Zeichen für den Fortschritt, oder doch was anderes? Ich drifte ab...

Die Idee

Trotz der sehr günstigen Umstände und der guten Aussicht auf einen Raum in der Nähe, juckt da etwas in mir. Das Jucken nach etwas neuem, etwas, woran ich mich laben und ausleben und etwas neues erleben kann. Ich fing an zu überlegen: Wie kann ich mein Musikzimmer gestalten und all meine Leidenschaft hier gut ausleben? Selbstverständlich kenne ich E-Drums der Roland Flaggschiff-Klassen relativ gut und weiß, wie sie sich anfühlen, wie die Sounds im Modul sind, etc. - das war für mich erstmal kategorisch ausgeschlossen. Einerseits wegen des meiner Meinung nach überteuerten Preises, andererseits aber auch einfach, weil ich kein besonderes Flaggschiff-Modul für Sounds und sonstiges brauche, da ich wahrscheinlich meine weitreichende Drum-Library Sammlung um GGD und Co. per MIDI ansteuern würde. Aus Mangel der Erkenntnis habe ich also erstmal von der Idee eines E-Sets Abstand genommen. Ein günstigeres E-Set, um einfach alles auf MIDI anzusteuern? Fiel für mich raus, da diese meist sehr kleine Drumpads und Cymbals haben. Es muss schon ein bisschen was von Drumset-Feeling haben - auch, was die Größe und das Spielgefühl angeht.

Der Einfachheit halber bzgl. der Akustik und auch aufgrund meiner Ignoranz des restlichen (neuen) Drumset-Markts überlegte ich also zunächst, mein altes Dixon Set in ein E-Set umzuwandeln. Simple Conversion Kits wie von Rtom gibt es schon für knapp 600€, günstige Trigger-Module, um das ganze in MIDI zu übersetzen gibt es genug. Hardware habe ich doppelt und dreifach und eigentlich müssen nur Becken her. Easy und günstig, oder?

Nun, da habe ich dann mal im Detail drüber nachgedacht. Preislich käme ich wahrscheinlich mit 3 Becken und Hihat inklusive der oben genannten Kits und Module vielleicht mit 1500-1800€ hin und habe ein tolles Set. Aber ist das wirklich so?

Der Fortschritt

Irgendwann verflog der Nebel der initialen Begeisterung, wie einfach und cool das doch alles sein kann, und ich fing an, alles etwas rationaler zu betrachten. Die Trigger würden sicher gut funktionieren, sind aber nur Single-Zone Trigger. Rimclicks? Nur akustisch. Rimshots? Können nicht registriert werden und klingen im Raum ohne alles auch bescheiden und sehr laut. Die Becken? Deutlich kleiner und zusammengewürfelt zu dem Rest des Drumsets. Optisch auch nur so halb passend alles. Es kam mir zwischendurch noch die Idee, die Becken einfach a la 66Samus akustisch zu belassen und nur ein E-Shellset zu betreiben und den Rest per Mikrofon abzunehmen. Das Equipment und Know-How habe ich und vor allem die echten Beckensounds wären super, aber dann ist es auch wieder nur halb bodenständig. Ganz weg bin ich von dem Gedanken nicht, weil ich vor allem Beckensounds liebe, aber es fühlt sich noch nicht richtig an.

Irgendwie haben alle Zeichen darauf gestanden, sich doch nochmal weiter umzuschauen. In gegenseitigem Einverständnis mit meiner Ignoranz und Arroganz, beide abzulegen, sah ich also, wie sehr sich der E-Drum-Markt abseits von Roland weiterentwickelt hat. Andere Hersteller als Roland waren mir zwar immer ein Begriff, aber ich habe nie tiefer reingeschaut. Die größte Erkenntnis für mich war, dass inzwischen fast jeder ernsthafte Anbieter von E-Drums auch eine High-End Variante mit echten Holzkesseln in tollen Größen (14" - 10" - 12" - 14" und Becken in 16" oder größer) anbietet, die das Feeling nach Lesen vieler Reviews und schauen einiger Videos sehr positiv in Richtung echtes Drumset beeinflussen. Gerade auch die großen Bassdrums (20") einiger Sets würden denke ich das nervige Pad-Spielgefühl der Bassdrums von Standard-E-Sets positiv beeinflussen, so denke und lese ich zumindest.

Wonach suche ich eigentlich?

Von Efnote über DW, Yamaha, Roland, Alesis und Co. - ich hab einfach mal alles durchgescrollt. Ich wusste ja aber auch gar nicht wonach ich suche. Also habe ich erstmal ein wenig Introspektive betrieben. Was ist mir eigentlich wichtig, und was ist mir nicht wichtig?

Wichtig ist mir vor allem, dass ich schnell und einfach üben kann. Hinsetzen und los. Gerne mit guten Sounds an Board, aber sonst über MIDI in Logic und GGD. Im Detail:
  • realistische Größen
  • realistisches Spielgefühl, vor allem bzgl. der Bassdrum
  • Cymbal Artikulationen und Chokes
  • eine vom Gefühl halbwegs realistische Hihat (ich glaube immer noch mit das schwerste bei E-Sets)
  • eine stimmige Optik
  • mir ist nicht wichtig, dass alle Sounds perfekt sind und die Library an Board riesig ist
Mit diesen und noch ein paar mehr Aspekten in der Tasche schaute ich also nochmal durch alles durch. Ich spare euch die Details des Shoot-Outs in diesem initialen Post, aber die Quintessenz war, dass Roland mit passenden Größen nur ab 4000€ drin ist, Efnote mir nur so halb vom Style und Konfiguration gefällt (wenn auch mit coolen Becken-Optionen für Splashes etc.), Yamaha gar nicht meins ist und Millenium nichts für meinen Anspruch hat.

Alesis, echt?

Alesis war mir auch immer ein Begriff, aber ich kannte Sie immer nur als Nachzügler und habe sie nie großartig ernst genommen (da war sie wieder, die Ignoranz). Dann habe ich mich erinnert, dass meine letzten Erfahrungen mit Alesis ca. 15 Jahre her sind und sich auf ein E-Set der Einsteigerklasse bezogen. Erfahrung direkt für die Tonne. Ich fand das Alesis Strata Prime.

Alesis Strata Prime E-Drum Kit


Es sieht cool aus, hat viel Hardware dabei und die positiven Reviews überschlagen sich. Und das zu einem Preis von unter 3.000€, not bad.

Über die letzten Tage habe ich viele Videos zum Set geschaut und aktuell bin ich fast darauf eingeschossen, mir das Strata Prime zu gönnen. Alle Reviews sprechen von einem tollen Gefühl hinter dem Set (was Größen und Spielgefühl angeht). Von eine nicht zu überladenen und nützlichen, guten Soundlibrary mit der positiv konnotierten und freien BFD Sound-Engine. MIDI-Kompatibilität und ein modernes, schnelles Drummodul (macht auch den Nerd in mir happy), das gut genug ist, das Set im Zweifel auch Standalone zu nutzen. Ich weiß nicht, was es ist, aber hier fühlt es sich für mich an, als ob das Gesamtpaket stimmt.

Negative Punkte, die ich bislang gefunden habe, sind gelegentliche Fehltrigger des Moduls, welche jedoch angeblich immer mal bei allen Modulen und Herstellern auftreten können. Angeblich wurde das Modul auch eher etwas "am Markt getestet", anstatt es tried and true auf den Markt zu bringen. Dadurch jedoch wieder positiv ist, dass wohl regelmäßig Softwareupdates kommen, die etwaige Bugs beheben und auch die Fehltrigger zuletzt wohl deutlich verbessert haben.

Der Weg vorwärts

Ich habe noch keine 100% Entscheidung getroffen, aber bin aktuell wirklich begeistert von dem, was ich vom Strata Prime gesehen habe. So sehr, dass ich auch einfach mal wieder Lust auf eine Forendiskussion und weitere Tipps oder Alternativen habe. Im Frühjahr würde ich den Raum gerne einrichten und habe demnach auch noch einiges an Zeit, aber ich bin sehr gespannt, was ihr zu sagen habt. Vielleicht gibt es noch geile Conversion-Kits oder gut funktionierende Selbstbasteleien, um doch mein altes Dixon zu konvertieren? Andere E-Set Diamanten, die ich nicht kenne? Eure Erfahrungen, vielleicht ja sogar auch mit dem Strata Prime oder anderen Alesis Sets? Ich freue mich auf regen Austausch, und wenn es einfach nur Fachsimpeln und Spaß an der Sache ist. Vielleicht nutze ich den Thread auch, um dann ggf. nach einem eventuellen Kauf hier meine Erfahrungen zu teilen. Mal sehen, was noch so kommt. :)

Ich freue mich auf euren Input.

Herzliche Grüße,
Bacchus
 
Zuletzt bearbeitet:
Guck' 'mal, wenigstens für die BD, nach Schaltern statt Fußpedal mit Schlegel: E-Drums "wollen" da oft mehr Wumms, als ein schwingender Zimmerboden/Zimmerdenke gut finden.

Das ist die größte Lärmquelle (Bass-Fuss, wenn's kein Pedal ist). Sieht nicht so toll aus, spielt sich aber gut. Und Nein, Drumpodeste, Tennisballraiser usw. bringen nichts. Schalter und gut ist.

Nächste Lärmquelle sind die mit Sticks traktierten Becken. Tok-Tok-Lautstärke im Bereich einer lauten Stereoanlage. Da reicht idR eine geschlossene Zimmertür. (Und das ist alles OHNE Strom gemeint: DAS hören Deine Mitbewohner sowieso.)

1771337758208.png


Bei den übrigen Schlagflächen musst Du einmal sehen. ICH bin empfindlich auf mechanischen Gummikontakte (Feder spannen auf seeehr kurzem Weg), mit Muskelzerrungen usw als Folge. Meshes sind da angenehmer.

Auf alles andere mit Mehrzonen kann man ggf. auch verzichten. Man fährt am Besten, denke ich, eine E-DRUM als ein eigenes Instrument mit eigenen Vorzügen, Möglichkeiten und Nachteilen anzusehen, nicht als A-Drum-Ersatz. Dann macht's auch Spaß.

Und schon drängt zur E-Drum ein Notebook, mit DAW, MIDI-Spuren und VSTs usw. ... :D
 

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