frage zu moll und zu den kirchenmodi

von sunflower, 19.05.05.

  1. sunflower

    sunflower Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.05.05   #1
    ich hab da mal eine frage:


    wenn die rede davon ist, dass man etwas in moll spielt - zum beispiel a-moll - heißt das dann natürlich, harmonisch oder melodisch? :confused:

    das ist mir im moment irgendwie nicht ganz klar...

    ach ja und wenn ich kadenzen übe - läuft das in moll genauso ab wie in dur? oder muss ich da andere dinge bedenken?





    und noch eine wichtige frage:
    ich hab viele jahre (mit mehr oder weniger freude) klassischen klavierunterricht gehabt und mir wurde das weltbild "dur & moll" verpasst. tja, und plötzlich stolper ich über lydisch, phrygisch, und dieses ganze zeug.... ich weiß schon, nennt sich "kirchenmodi" und das sind halt verschiedene tonleitern und die unterscheiden sich in den halbtonschritten, blabla.... theoretisch weiß ich also, was es ist, aber ich kann damit PRAKTISCH überhaupt NICHTS anfangen!!
    und ich weiß nicht ganz, wozu ich das nun brauche... die ganzen jahre, wo ich meine netten klassischen liedchen gespielt hab (die mir übrigens schon zum hals raushängen) bin ich immer mit der einteilung dur und moll ausgekommen.
    also wozu nun genau die kirchenmodi, wenn ich jetzt ein lied schreibe oder spiele? ich dachte immer, ein stück ist entweder in dur und in moll. basta. zumindest hat man mich jahrelang in diesem falschen glauben lassen. :mad:
     
  2. Heike

    Heike HCA Bass Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 19.05.05   #2
    Solange es nicht weiter spezifiziert wird kann es alles davon sein.

    Wie meinst Du das? Die Stufen sind natürlich dieselben, nur stehen entsprechende andere Akkorde drauf.

    Für das unten erwähnte Skalenrepertoire gelten jedoch teilweise spezielle Regeln (nachzulesen in irgendwelchen älteren Postings von Cudo, Hans und meiner Wenigkeit, oder auf Papier etwa in Persichetti's immer noch sehr empfehlenswerter Harmonielehre), um deren spezifischere Charakteristika hervorzuheben und für das europäisch "fehlerzogene" Ohr nicht nach dem notorischen Dur/Moll Standard umkippen zu lassen.

    Das ist leider in dieser Weltgegend keine Seltenheit.

    Wie seit dem 19. Jh. gebraucht ist das ein geschlossenes und komplettiertes System von Stufenskalen. Früher hat man die zum einen nicht alle gebraucht, andererseits aber tatsächlich ursprünglich modal statt funktionsharmonisch gespielt.

    Klar, wo soll's auch herkommen?!

    Aber als Pianist kannst Du z.B. mal bei Bartók in den Mikrokosmos kucken, da sind ein paar Stücke, die diese Skalen verwenden, drin, angefangen schon mit ziemlich simplen für den Einstieg.

    Als Erweiterung Deiner Ausdrucksmöglichkeiten. Und gerade wenn Dir der alte Kram zum Hals 'raushängt, sollten die Dir willkommen sein.
     
  3. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 20.05.05   #3
    @Threadsteller: Man hat Dich nicht im falschen Glauben gelassen. Das "Problem" ist: wenn man ewig bestimmte Dinge spielt (und sei es noch so gut), weiß man damit noch nicht automatisch, was man da harmonielehretechnisch eigentlich macht. Denn Du hast in dieser Zeit spielen gelernt, nicht aber Harmonie- und Kompositionslehre.

    Ein Beispiel: Meine Mutter hatte 10 Jahre Klavierunterricht, war anschließend auf dem Konservatorium und spielt dementsprechend hervorragend Beethoven, Mozart, Schumann etc. Nur, wenn ich ihr 5 ausgeflippte Akkorde vorgebe und sage: Spiel mal was dazu, steht sie im Wald.

    Du stehst jetzt also vor der schweren aber lohnenden Aufgabe, die Kiste von der anderen Seite zu sehen: "Was muss/ kann ich tun, um diese oder jene Klangwirkung zu erzielen, wenn ich mir Melodien ausdenke oder improvisiere"

    Speziell, was Deine Frage nach "Moll" angeht, kannst Du ja mal in meine FAQ schauen. HIer habe ich beispielhaft 6 aus der Theorie abgeleitete Möglichkeiten zusammengestellt, über einen Moll-Akkord zu improvisieren:

    https://www.musiker-board.de/vb/showthread.php?t=52625

    Ansonsten findest Du in unsrere Knowledge Base mehr zum Thema Modi:

    https://www.musiker-board.de/vb/article.php?c=20

    Lass Dich von der Vielfalt nicht verwirren. Jeder einzelne Modus will erarbeitet und verinnerlicht werden.

    "Kirchentonarten" klingt immer etwas altbacken - sie sind jedoch - mehr oder weniger ausgeprägt- fester Bestandteil von Jazz, Rock etc.
     
  4. fontana

    fontana Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.05.05   #4
    Nur ein kleiner Anschnitt zum Verständnis des obigen.

    Wenn ich (wie könnte es anders sein) C-Dur habe, wäre meine Dominante G-Dur.

    Der Dominant-Akkord von G ist aber der G7 sprich G/H/D/F.

    Bekannter Weise ist in G-Dur aber leider fis und nicht f enthalten.

    Wenn ich jetzt über die V.Stufe in C-Dur, also die Dominante, also G7 improvisiere und ein fis spiele, was in G-Dur ja richtig wäre, so ist das hier leider falsch.

    Eine G-Tonleiter mit f statt fis ist aber nunmal G-mixolydisch. Und schon spiele ich eine Kirchentonart.

    Das ist jetzt alles sehr stark vereinfacht, aber ich glaub um einen kleinen Einblick zu kriegen ganz gut.
     
  5. derspieler

    derspieler Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.06.05   #5
    auch mal zum probieren:

    spiel einen F-Dur akkord und spiel danach einmal die c-dur tonleiter aber von f nach f .....

    da fällt dir bestimmt was auf :)
     
  6. rockforce

    rockforce Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.06.05   #6
    was die kirchenmodi angeht ist das wirklich vom klang her etwas.....ja..eigendartig! ist halt nicht umgebingt so schon harmonisch für unser ohr! soviel ich weiß kommen die auch noch aus dem mittelalter!wenn du jetzt deine klampfe oder was auch immer nimmst und spielst z.B. e-lokrisch klingt das teilweise brilliant zu metal! man brauch halt die passenden akkordfolgen!du kannst sie als gitarrist anwenden wie die pentatonik!muss halt nur zum stück passen;)!
     
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