LostLover schrieb:
Ne, nur galt Erle schon immer als besser, weil einer damit angefangen hat und alle es nachmachten...
Dass andere Hölzer genauso taugen, sieht man an kleinen Gitarrenbauern, die einfach mal so mit Kirsche oder Nussbaum herumspielen und exzellente Ergebnisse erzielen. Es lässt sich nur schwer durchsetzen, weil Erle Esche Mahagoni Ahorn halt Kult sind.
Linde lasse ich gerade noch gelten, aber Pappel wird erst im Gitarrenbau verwendet, seit die Stückzahlen so angewachsen sind, dass man richtiges Holz nicht mehr zu vernünftigen Preisen bekommt.
Anfangs wurde bei Fender (für die Käufer übrigens mehr oder weniger unhörbar) Erle durch Pappel ersetzt, weils in der Tat noch billiger war. Dann aber wurde Pappel wieder teurer, Erle wieder verfügbar, und dann wurde es wieder umgedreht. Selbst die Mex-Pappel-Modelle gingen dann wieder Richtung Erle. Heute wechselt es hin und her, je nachdem, was man billiger bekommt.
Der Preis sagt aber auch nicht zwangsläufig was über die Qualität des Materials aus. Ne Strat aus Gold wär sicher teuer, aber in Sachen Attack wären ein Goldhals und -body sicher schlechter als das billigste Holz
Zwischen Anfang 90 und Mitte 90 wurden massenweise US Strats aus Pappel gefertigt, und Tausende spielen seelenruhig auf pappel und denken, es wäre Erle.
Wenn DU das hörst, gehörst du wohl zu den wenigen, die auch 57 von 60 Malts eines Blend Scotch Rausschmecken
Ich glaub das erst, wenn mir das einer in 9 von 10 Fällen raushören kann. Von mir aus unplugged, ohne Effekte, ohne Zerre, ohne alles. Da sollte es ja möglich sein.
Ich kanns net, und ich weiss bis heute nicht genau, ob meine End-94er US-Strat Erle oder pappel ist, obwohl die Farbe im E-Fach für Erle spräche.
Die specs von pappel sind Erle übrigens verdächtig nahe. Spezifisches Gewicht im Schnitt identisch, Elastizität sogar leicht drüber, Härte ganz leicht drunter.
Pappel hatte von Anfang an nur erst mal keine Chance, weils einfach ziemlich kacke aussieht. Und in den Zeiten, da man überwiegend sunburst, natur und butterscotch lackierte, wo man ne halbwegs gescheite Maserung braucht, war das nix.
Dass man Pappel-Bodys bei einigen (meines Wissens aber verdächtig wenigen)Signature-Modellen bekommt, weiss ich. Vielleicht haben sich die genannten Endorser ja gesagt: Wenn mein Signatur-Modell billig zu produzieren ist, können meine Lizenzeinnahmen höher sein.
Ob die drei Dollar Holzersparnis ne Jackson Randy Rhoads billiger gemacht haben?
Burton hat seine tele afaik in mehreren Holzvarianten durchgehört und sich am Ende bewusst für Pappel entschieden.
(Ich gehe jede Wette ein, dass Vai und Satriani mehr Geld von Ibanez überwiesen bekommen, als von ihren Plattenfirmen. Vermutlich veröffentlichen die ihr langweiliges Gegniedel überhaupt nur noch, damit sich die Gitarren weiter verkaufen.

)
Könnte man auch über Endorser sagen, die auf Mahagoni spielen. Ich glaube aber generell nicht, dass die paar Kröten, die man effektiv für die 5 oder 10 Original-Signature-Modelle des Endorser-Gitarristen ausgibt, wirklich ne Rolle für die Firma spielen. Und für den Musiker genausowenig. Die meisten von denen haben Originale rumstehen, die mehr wert sind als die gesamte Signature-Reihe.
Viel häufiger findet man dieses Abfallholz aber bei den alleruntersten Preiskategorien, made in China, Indonesien und Vietnam. Schlechtere Eigenschaften hat eigentlich nur noch Birke oder Balsa (bei Gibson haben die das deswegen auch "Chromyte" genannt, als die ihre Studio-Modelle damit ausgestopft haben

).
Also bitte. Balsa hat ja nun wirklich ganz andere Eigenschaften als pappel. Meines Wissens wird es auch nur für Sustainblocks in Semi-Acoustics verwendet, eben weil es leicht ist und dazu noch Schwingungen ohne Ende schluckt.
Pappel dagegen hat Werte wie Erle oder weiches Mahagoni.
Hast Du Dir man eine Pappel aus der Nähe angesehen? Das sind diese hohen, schlanken Bäume, die wie die Zinnsoldaten aufgereiht am Rande von Kanälen stehen und so schön rauschen, wenn der Wind durch die Blätter geht. Die wachsen in einer Irrsinnsgeschwindigkeit und saugen Wasser aus dem Boden wie eine Feuerwehrpumpe. Wenn man einen Ast abschneidet, läuft der Saft da literweise raus.
Hast du schon mal Sumpfeschen aus der Nähe gesehn? Auch so schön dürre, schlanke Bäume, die oft so eine hässlich dreckiggrauweissliche Farbe haben und nicht nur am Rand, sondern sogar IM Wasser rumstehen.
Aus dem Zeug kann man Apfelsinenkisten oder Erdbeerkörbchen bauen - aber keine hochklassigen Musikinstrumente!!!
Ich wär ja mal auf einen Blindtest gespannt. Ne Burton Tele gegen eine American Standard...
PS: extra für dich, eine dicke Pappel