Jetzt muss ich doch mal was erzählen,... könnte in den Gedankenthread passen, aber weils mehr so allgemein ist und sich hier praktisch die gleichen Leute tummeln, mach ich es hier:
Bei uns in der nächstgelegenen Kleinstadt gibt es und gab es schon immer (seit Menschengedenken) einen kleinen Musikalienhandel. Ein Laden, der immer von gerade gelieferten Instrumenten voll stand. Auch, wenn mal grad nichts geliefert wurde, war der Laden mit 5 oder 6 Kunden eigentlich voll. Man trat/tritt sich fast auf die Füße.
Zu der Zeit, als ich anfing mit Gitarre spielen, war Thomann nicht viel größer. Da verkaufte der Sohn im Wohnzimmer seines Vaters ein paar Blasinstrumente und Notenmaterial und ein wenig Krimskrams. Ich war mit meinem Freund öfter dort, allerdings ohne was zu kaufen. Wir kauften immer in unserem kleinen Laden (heute Local Dealer genannt), weils einfach von der Anfahrt bequemer war.
Und bei unserem Local gabs wirklich alles. Er wurde betrieben am Schluss von einer über 60 jährigen überaus netten und durchaus kompetenten Dame.
Immer wenn wir Spezialwünsche hatten, griff sie IMMER in die unterste Schublade ihres Tresens und holte das gesuchte Teil hervor. Es war unglaublich.
Z.B. wollte ich für eine damals schon 40 Jahre alte Framus einen PU-Wahlschalter (so ein kleiner Schiebeschalter) und sie holte ihn aus dieser Schublade. Jahre später ging ich hin und fragte, ob sie für ein Fender Tele ein Pickguard bestellen könnte. Da fragte sie, welches solle es denn sein?... Ich hätte gern ein helles Perlmutt auf meine schwarze Tele ... unterste Schublade... ihr wisst schon....
Ich war dort und fragte nach einem WahWah,... da ging sie ins Nebenzimmer und holte ein CryBaby im Originalkarton. Ihre Preisschilder waren mit Bleistift handgeschrieben. Das Pedal kostete laut Liste 160 DM (glaub ich) und war mit 110 DM ausgezeichnet. Ich hab sie darauf hingewiesen und sie zwinkerte nur und meinte das passt schon, war mein Fehler.
Mit den Preisen nahm sie es nie so genau, wenn mal mehr als 5 Artikel auf dem Tresen lagen, hatte sie immer nur geschätzt. Immer zu unser Gunsten. Man ging, egal, was man kaufte, immer mit einem super Gefühl hinaus.
Als sie dann vor wenigen Jahren verkündete, dass sie in Rente gehe, waren alle Musiker der Stadt vor ihrem Laden, hatten nen riesengroßen Blumenstrauß und sangen und spielten ihr ein Ständchen.... ich glaub, wir hatten alle ein paar Tränchen wegdrücken müssen.
Nun, es fand sich tatsächlich in den Reihen der Musiker einer, der das Wagnis auf sich nahm und den Laden übernahm.
Ein zweimal im Jahr bin ich dort und kauf meine Saiten, Kleinteile usw. und soll ich euch was sagen? NICHTS hat sich geändert. Heut (deswegen schreib ich das alles) war ich dort, brauchte 2 Sätze Saiten, er hatte nicht meine Marke, egal, nehm ich andere. Achja und ich will mal ein stärkeres Plek probieren (liest man so im Musiker-Board) und achja bei meiner Western ist ein Pin zum Saitenbefestigen abgebrochen... ja, und? Welches brauchst du denn??
Schwarz mit schwarzen Kopf und weißen Punkt oder Schwarz mit braunen Kopf und schwarzen Punkt? Oder braun mit braunen Kopf ohne Punkt?
Ich sag euch, ich war so baff... ich stammelte gib mir einen ganz schwarzen ... UND, wo fand er den?????
Genau: in der untersten Schublade
Er hatte auch noch ein Werbeangebot: einen Satz Zakk Wylde Saiten für umsonst, wenn man Waren im Wert von 18 Euro kauft. Ich nahm einen mit und war froh, dass mich niemand dabei sah

Er erzählte mir, dass er froh sei, dass ich wenigstens Gitarre spiele und einmal oder zweimal im Jahr vorbeischaue, weil ich ein paar Kleinteile bräuchte, aber heut vormittag hatte er ein Akkordeon verkaufte Den Typ seh ich vielleicht in 15 Jahren mal wieder
Mein Aufruf: unterstützt die kleinen Läden, wenn der Service stimmt
