Sowohl Berg, als auch Schönberg und Webern hatten auch nach ihrer bahnbrechenden Entdeckung der Zwölftonmusik nicht die traditionelle Formgebung und den Gestus abgestreift.
Das ist auch nichts verwerfliches. Es ist viel mehr sehr interessant, wie die Komponisten immer noch tradition in ihrer völlig neuen Theorie aufkeimen ließen.
Weberns Konzert Op. 24 zeigt am besten wie trotz der 12-Tonreihe immer noch auf die ein oder andere Art "periodisch" gearbeitet wird.
Was die Ästhetik betrifft, würde ich Schönberg nicht in einen Topf mit Webern und Berg stecken wollen...
Zu deiner Version:
Mir gefällt sie recht gut. Gegen die Chromatik habe ich nichts, ich mußte eher über die #6-Akkorde schmunzeln, da hatten wir hier am Board mal einen recht netten Thread, wo man meine Meinung als recht merkwürdig ansah, als ich meinte, es gäbe auch #6-Akkorde, die man nicht unbedingt als Dom7 ansehen muß...
Vielleicht hättest du das h-Moll noch etwas besser tonal etablieren können, das wäre meine "Kritik", was aber sicher nicht leicht ist - ich hatte ja eine A-Moll-Version versucht und da hatte ich das gleiche Problem.
Von der Idee her an sich und von der Andersartigkeit her betrachtet finde ich dein Satz wunderbar.
Na das ist doch super, dann sind wir uns ja einig, das man nicht nur Negativ Regeln verletzen kann, sondern auch Positiv eigene/andere anwenden kann!
Man sollte sie aber auch sinnvoll anwenden, und nicht stumpf...
Nun, die Passage in Takt 11 klingt zumindest für mich nicht gerade schön, aber das liegt wohl am Kontext. Genauso wie in - ich glaube es war Takt 5 - diese progression von Dur nach tonifiziertem Grauen (da fallen mir deine Socken ein

). Aber hättest Du dein Stück komplett auf der Ganztonleiter aufgebaut, hätte es vielleicht stimmiger geklungen

Aber ich habe mir gedacht, das dies alles auch so von Dir beabsichtigt ist, und deshalb auch nicht kritisiert
Chromatik auf der einen Seite, Ganzton auf der anderen...
Takt 5 ist ein lupenreiner Dur-Akkord an einer exponierten Stelle, und danach mußte ich das wieder zerstören, sonst wäre der
Sinn meiner Version entstellt - Hell gegen Dunkel, das Janusgesicht usw. - und das Dunkle gewinnt scheinbar, aber nicht wirklich, denn der "Schlußakkord" sagt gar nichts darüber aus, wer er ist...
Moll7/b5-Derivate haben nun mal die Eigenschaft, daß sie zu den dunkelsten Akkordtypen gehören, aber das weißt du selbst. Selbst der Akkord in Takt 7 ist zweideutig, er hat sowohl den Charakter der Tonika als auch der Dominante...
Die Stelle in Takt 11 mit der GT sollte man auch so spielen, wie sie dasteht, ich habe nicht umsonst die Bögen geschrieben, dann klingt es nämlich auch, besonders, wenn man auch den nachfolgenden Takt beachtet.
Man legt sich Beschränkungen auf wie z.B. das verwenden von Kadenzen, und schaut, was man daraus machen kann.
Kadenzen???
Man könnte höchstens sagen, die Harmonik ist anders.
Wobei man sich aber schon bewußt sein sollte, daß es ein "natürliches" Harmonieempfinden gibt und ein strukturelles Hörempfinden, wobei sich Letzteres meist erst nach wiederholtem Hören einstellt.
Weshalb es dann recht schwierig ist, harmonisch klingende Stücke zu schreiben, wenn das natürliche Hörempfinden konsequent getäuscht wird.
Und wer nur nach vergangenen Regeln Musik schreibt, die nach bereits zigfach gehörtem klingt, kann ebenfalls nicht von allen Seiten Beifall erwarten. Von mir schon mal gar nicht

Und von Dir ebenso wenig, ich kann mir Dich schlecht vorstellen wie Du dem neuesten DSDS-Endprodukt Beifall spendest
Ich habe nicht den Eindruck, daß L.A.'s Version oder auch meine erste Version - trotz Verwendung von bekannten Regeln nach zigfach Gehörtem klingt...
Auch diese Beschränkung zu umgehen, kann durchaus reizvoll sein, wie die Beispiele belegen.
Was ich nicht verstehen kann, weshalb man so verkrampft sein muß, etwas überaus Neues erschaffen zu wollen. Ich denke, daß es besser ist, etwas künstlerisch Wertvolles schaffen zu wollen als ums Verrecken krumme Akkorde aneinanderreihen zu wollen. Ob's und wie es gelingt, steht auf einem anderen Blatt, aber das ist ja immer so...
Aber wie gesagt - das ist Geschmackssache...