[Guide] Richtig Üben

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Hallo Community

Ich möchte sozusagen als Start meiner aktiven "Forumskarriere" mich an einem kleinen Guide zum Thema "Wie übe ich richtig" versuchen.
Als kurze Einleitung möchte ich mich vorstellen und meine Motivation hierfür darlegen

Ich heiße David, werde im Mai 23 Jahre alt, wohnhaft im wunderschönen Wien
Angefangen hab ich mit 6 Jahren mit Trompete, mit 10 kam Bariton dazu, und mit 12 Posaune, welche ich ursprünglich lernen wollte (musste aber erst reinwachsen ;) ) und die hab ich auch bis 19 gespielt, 3 Jahre im Verein.
Mit 15 kam die gute E- Gitarre dazu, hab aber auch immer eine Akkustische gehabt.

Wie komme ich nun zu der Anmaßung, mit meinem fast noch kindlichen Alter mich an einem derart komplexen Thema zu beschäftigen, welches euch zugegeben vermutlich die hälfte der hier aktiven Forumsuser besser nahbringen könnten?
Und das auch noch, wenn er anscheinend ein Blasmusiker ist......
Naja eins mal vorweg: Ich bin zwar definitiv deutlich näher am Anfang als am Ende meines Wegs (so es ein Ende überhaupt gibt), aber ich spiele auf jeden Fall besser Gitarre als ich die Posaune zu meinen besten Vereinszeiten beherscht hab.

Nun, das ist aber noch nicht lange so. Wie schon erwähnt hab ich mit 15 begonnen, war bis 18 ein ganz normaller unterdurchschnittlicher (weil selten geübt) Musikschüler und mit dem Auszug Richtung Wien hab ich ohne Lehrer weitergemacht. Hab so alle 1-2 Tage ein bisschen gespielt, aber nie defnitiv geübt. Vor einem 3/4 Jahr hab ich dann das Hotel Mama verlassen und bin mit einem Kumpel in ne WG gegangen. Dann durfte ich vor einem knappen halben Jahr zusehen, wie mein Mitbewohner sich innerhalb eines Tages Paschendale von Iron Maiden einverleibt hat - natürlich ohne Soli und irgendwie, aber am Abend hat er den iPod vom Anfang bis zum Ende ganz passabel begleiten können.

Das hat in mir einen derartigen Motivationsschub ausgelöst, dass ich nochmal ganz von vorne angefangen hab. Jeden Tag Üben. Bücher kaufen. Internet. und üben, üben , üben. Die ganz dämlichen Anfängerübungen - 1 Std. jeden Tag.
So, und ich hab mir im Laufe der Monate einen echten Spass draus gemacht, die Effizienz des Übens so hoch wie möglich zu treiben - mit mMn erstaunlichen Erfolgen. Nun hab ich nicht nur spielerisch dadurch enormes Selbstvertrauen gewonnen, sondern auch begonnen, hier im Forum hin und wieder ein paar Töne auszuspucken - unter anderem in diesem Thread:
https://www.musiker-board.de/einsteigerbereich-e-git/522345-spiele-2-jahre-egitarre-kann-nichts.html

Tja, und aus ein paar Zeilen wurden ein paar Textblöcke, und die wuchsen weiter - naja irgendwann kam ich zu dem Schluss "Das könnte allgemein von Interesse sein" - wenn nicht möge man mir es sagen, auch schlechte Kritik ist gute Kritik ;)


Es geht nämlich um die ewige Fragestellung "Warum kann ich nix - ich spiel ja viel". Und genau deswegen bin ich so vermessen, mich an einem Thema zu versuchen, wo man normallerweise getrost sagen kann "am besten können dir das erfahrene Musiker erklären" - weil ich meine mich in diesem Aufwind zu befinden, den sich Max Mustermann wünscht, wenn er bei Onkel Google "Wie lerne ich Gitarre" eingibt. Also niveautechnisch bin noch lange kein Profimusiker, aber ich meine, einen Weg gefunden zu haben, wie ich ziemlich sicher ein guter werden könnte - und >>Überraschung<< es ist natürlich mit harter Arbeit verbunden und es ist natürlich ists auch nichts neues.





Üben =/= Üben !!

Es gibt viele Tipps zu dem Thema, im Wesentlichen läufts häufig auf "beobachte dich selbst und merk dir, was am besten funktioniert" - (man kann vieles auch gut auf "Sei ehrlich zu dir" reduzieren)
Aber da spielt unglaublich viel hinein - z.B.:

-) eine Selbstbelohnung nach dem Üben (wenn das Hirn seine Dopamindosis nicht bekommt machts nunmal keinen Spass - im besten Fall ist das Üben selbst die Belohnung, da muss man ehrlich zu sich sein)
Meine etwa war lange Zeit ein Onlinespiel - habs früher viel und gern gespielt, aber dann nurnoch als Selbstbelohnung für braves Üben verwendet. Inzwischen ist das Spielen selbst Belohnung genug;)


-) wann übe ich: in welcher Verfassung, denk ich den halben Tag nur dran, wie ich Riff XY spielen könnte, wenn ich endlich heimkomme - und wenn nicht, kann ich vielleicht etwas machen, dass es so wird?
Oder greif ich die Gitarre eher nur an aus Pflichtgefühl gegenüber den Bandkollegen/ (Unterricht bezahlenden) Eltern?
Tag/Nachtmensch (ich lerne Vormittags mMn leichter, nur hab ich da selten Zeit zum üben)


-)wie übe ich - setz ich mir Ziele oder hab sonst eine Art von Einteilung; sorge ich dafür, dass ich ungestört bin; sorge ich dafür, dass Ersatzsaiten da sind; bin ich mir gegenüber ehrlich wenn ich sage "jetzt kann ichs"; oder aber ists mit "Naja ich setz mich halt eine Stunde hin und mach das, was der Lehrer letzte Woche gesagt hat" getan?


-) Übe ich in der richtigen Reihenfolge - hier ist ein Lehrer unglaublich wertvoll - man kann bestimmte Techniken erst lernen (bzw. ist es erst sinnvoll), wenn bestimmte andere Techniken sitzen, z.B.
Bendings ganz am Anfang tun einfach nur weh - schmerzen die Finger beim normalen Akkordspiel muss man erstmal harte Fingerkuppen kriegen
>>Der Klassiker (wars zumindest lange bei mir)<< -Fokus zuerst auf rechte Hand, wenn die sitzt, linke Hand (kp oder umgekehrt, aber auf keinen Fall gleichzeitig!!) wenn etwas koordinatorisch nicht klappt - auf jeden Fall auf einen Fokus setzen und nicht einfach weitermachen - wenn Weg A nicht geht B probieren
Tapping nach HammerO/PullO - bei mir hat das Tapping (das ich als Van Halen- Verehrer natürlich von Anfang an versucht hab) erst richtig geklappt, nachdem ich Ho/Po blind mit allen Fingern konnte (und auch da muss man sich, wenn man zwar seit 6 Jahren spielt, aber eine einzelne Technik nie lange und ausführlich gesondert geübt hat 1 Woche hinsetzen und jeden Tag seine Übungen machen)
etc.
(Damit will ich nicht sagen, dass man es nicht probieren soll - es ist aber einfach dmotivierend, wenn man nicht weiß, dass man leider von Anfang an das Plektrum falsch hält und Solo XY einfach nicht gehen will - man weiß ja nicht, dass in drei Tagen der "Heureka wenn man das Ding so hält gehts"-Moment kommt)

Wenn einer vorhanden ist unbedingt mit dem Lehrer reden. Der hat hier die Aufgabe zu sagen:" Da musst du vorher das lernen"/ "Hey jetzt wo du das kannst können wir dieses versuchen".....
Da kommt auch wieder die Struktur ins Spiel, übe ich eher nach "Hmm heute hab ich Lust auf [was auch immer], also üben wir das" oder hab ich zumindest grob einen langfristigen Plan wie "Die Woche jeden Tag eine Stunde [was auch immer], dann das,...,.. und in 3 Monaten will ich damit [was auch immer] probieren" - oder hab ich sogar einen Plan wie "Ich mach jeden Tag Übung XXX, dann übe ich Stück XX, dann Übung A,B,C, dann..." (genau diese Struktur hat man, wenn man entweder einen guten Lehrer und entsprechende Motivation hat oder WIRKLICH KONSEQUENT ein gutes Gitarrenbuch durchackert).


-)Beachte ich das Umfeld? Gitarre spielen endet nicht am Ende der Gitarre, Stichwort Haltung
Mir wars die meisten Zeit egal, inzwischen ists so: Ich spiele, stelle den Gurt ein. Mein Mitbewohner kommt, nimmt die Gitarre, hängt sie um, 1sec drauf "Du hast heut schon gespielt oder" - er stellt den Gurt nämlich etwa 20 cm länger - ergo hängt die Gitarre etwa 10 cm tiefer - kann so nicht spielen stellt den Gurt um (bzw. will so nicht spielen, weils sich irgendwie ungewohnt anfühlt). Wenn ich dann das nächste mal die Gitarre nehm, mach ich auch keine 3 Anschläge bevor ich den Gurt wieder entsprechend raufstelle.
(irgendwie werd ich manchmal das Gefühl nicht los, das ihm einfach nur die Optik der tiefhängenden Gitarre gefällt :D aber mir ists definitv ein Stückchen zu tief)


-) Wie schauts mit meinen theoretischen Kenntnissen aus? "Gitarre spielen ohne Noten" hin oder her, je besser du dich theoretisch auskennst, umso besser - es ist auf jeden Fall ein Vorteil.


-) Was übe ich alles? Klar kann ich einen Fokus auf Technik XY setzen, aber 2 Stunden künstliche Flagoletts üben ist zwar toll, die Ausdauer und Präziosion bekommt man aber von dien verdammten E: 1-2-3-4, A: 1-2-3-4, + Variation davon, einmal täglich Barrets schrubben und für Metalliebhaber einmal täglich Quinten in möglichst schneller Abfolge produzieren.




Ich könnte da noch ewig weitermachen, aber ich denke es ist klar, worauf ich hinauswill - es ist durchaus möglich, dass Gitarrist A im Schnitt die zehnfache "Ausbeute" wie Gitarrist B aus einer Stunde üben hat, so man das direkt messen könnte (behaupte ich). Natürlich spielt da der Faktor Mensch, auf den man keinen Einfluss hat, auch hinein - keiner kann sich Gene und Erziehung aussuchen. Aber auf alles andere hat man einen Einfluss und den sollte man nutzen.



So und jetzt kommt die >>>BOMBE<<<< Das war eigentlich alles bis jetzt Einleitung, der Guide beginnt hier und ist eigentlich nur ein paar Zeilen lang:eek::

Das alles eben gesagt wird einem jeden, der das liest, weil er besser spielen will, wahrscheinlich nicht derart helfen, wie es mir geholfen hat, dass ist nämlich MEIN ÜBUNGSSTIL :D

Also im wesentlichen dient all das vorhin beschriebene nur als Leitfaden - wie das genau aussieht muss jeder für sich selbst herausfinden - bei vielen Sachen ist es sicher sinnvoll, rein logisch zu entscheiden, welche Vorgehensweise die beste ist - man kann auch einfach nur herumprobieren, aber egal wie, letztlich geht es immer nur um die Konsequenz, bewährtes beizubehalten und nicht bewährtes zu verwerfen - AUCH WENN DAS NICHT IMMER LUSTIG IST.

Ich verfüge leider nicht über die Fähigkeit, einem jeden beliebig zu sagen, was bei ihm zum Erfolg führt - deswegen kann ich nur aufzeigen, wie ich es geschafft hab.
Eigentlich kann man das alles wieder ziemlich auf den Anfang zurückführen und in wenigen Sätzen zusammenfassen:

-) Jeden Tag üben
-) Immer Standardübungen/ E: 1-2-3-4; A: 1-2-3-4;- Variationen/Barrets zusätzlich zu was auch immer man übt.
-) Und alles andere kann man eigentlich auf "Macht euch alles, was euch schneller macht zur Angewohnheit und macht es euch zur Angewohnheit, alles was euch langsamer macht zu vermeiden" - aber mit aller Konsequenz.


Warum bring ich dann so ein ausführliches Beispiel?
Man bedenke:: Jeder einzelne der Punkte bringt für sich wenig, aber jeder einzelne kann einen Fortschritt - wenn's blöd kommt. - total unterbinden.
ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen egal welcher Punkt es ist, irgendwann ist man in seiner Entwicklung an einer Stelle, wo dieser Punkt ein Problem wird. Deswegen wird die Größe des Übungspensums immer größer und es wird immer aufwendiger, dass Niveau zu halten (dass merke ich schon nach diesem kurzen halben Jahr) - man muss sich dessen bewusst sein, dass auch das dazu gehört, wenn man "gut werden will".


MMn lernt man mit der entsprechenden Erfahrung nicht nur ein besseres beherrschen des Instruments, sondern man lernt auch, sich selbst besser zu beherschen - also "besser zu üben". Das ist natürlich sehr individuell - das oben alles angeführte etwa ist wie schon erwähnt total auf mich persönlich zugeschnitten, ich merk sehr, wie schnell ich im Vergleich zu früher Techniken und Stücke lernen kann - und ich halte mich noch für weit unterm Niveau, dass ich erreichen kann.
Und nochmals, mit "früher" meine ich ein paar Monate, hab lange "herumgeklimmpert" ohne Strategie, aber seit dem kleinen Motivationsschub (zugegeben, den braucht man) hab ich angefangen, es wirklich konsequent anzugehen und das oben erwähnte hat sich bis jetzt aus dieser Konsequenz entstanden. Das Ergebnis, nämlich das ich inzwischen auf einem Niveau bin, wo ich mich vor kurzer Zeit noch nichtmal in Jahren gesehen hätte, motiviert natürlich sehr zum weitermachen :) (sozusagen ein umgekehrter Teufelskreis)


An der Stelle sei auch an alle jungen Leser gesagt: Ich gehe jetzt mit bald 23 da anders ran als noch vor 2 Jahren und natürlich gänzlich anders als vor 5 (und bin natürlich schwer gespannt, was da noch kommt, statistisch zumindest hab ich ja noch ein paar Jährchen;) ) Ich kann natürlich nur mutmaßen, aber ich denke zumindest bei mir hat der Faktor Abschluss/Uni/Auszug vom Hotel Mama schon einiges bewirkt (es ist ein gänzlich anderes Gefühl, wenn man sagen kann "ich üb jetzt, weil ich Zeit hab und es will" - ich persönlich nehm das viel stärker war seit ich gänzlich auf eigenen Beinen stehe) - also wenn ihr so 16-17 ist, feststellt, ihr kommt nicht weiter, Jahrelang nichts macht und es dann irgendwann neu entdeckt - genau so ists bei mir gelaufen.


(Anm.: Ich selbst schätze mein Niveau atm sehr durchschnittlich ein - es ist nur in kurzer Zeit enorm gestiegen - man will nicht wissen, wie ich vor einem halben Jahr gespielt hab, grottenschlecht, dafür das ich damals schon über 6 Jahre Gitarre gespielt hab:rolleyes:)


An der Stelle mal Danke an das gesamte Forum, vieles hab ich in der Zeit hier gelernt (oder aber zumindest nen Tipp gesehen, wo ichs lernen kann) - vermutlich erklärt das auch, warum ichs so ausführlich mache, war eigentlich immer stiller Leser (gibt ja eh nix, was noch nicht diskutiert wurde und google findet alles :D) und nun kann ich auch wieder was zurückgeben - auch wenns am Anfang mal nur eine über- überausführlich Schilderung meiner Übungsparameter ist :cool:
Aber ich denke ich hab da einen Weg gefunden, den viele Glauben zu suchen - naja das sind die Konsequenzen.
Und um endlich mal was konkretes reinzuschreiben: Der Gewinn ist (in meinem Fall)--> vor nem halben Jahr: "Juhu, ich schaff Paranoid durchgehend - beim Solo treff ich zwar immer nur mit Glück die ersten 3 Töne, aber was solls"
--> heute: "Ich schaff the Unforgiven, Solo geht schon halbwegs- größeres Problem macht geerade das verflucht schnelle Umschalten innerhalb des Solos von Clean auf Verzerrt - WEIL ICH ES NOCH NICHT RICHTIG AUSFÜHRLICH GEÜBT HABE (und ein neues Effektgerät hab aber ich hätte mit dem alten auch meine Schwierigkeiten)" - ich verlier atm noch fast jedesmal den Rythmus. Stairway to Heaven schaff ich inzwischen bis zum Solo (inkl. Plektrum - KeinPlektrumwechsel im Spiel)
UNd das sind nur die 2 bekanntesten Beispiele.

Tja und jetzt kommt das, was man immer sagen muss und viele nicht so gerne höhren: Es ist nunmal so, dass nichts geschenkt wird. Wenn es großartig klingen soll, erfordert das genauso großartige Hingabe - alles andere ist Gewäsch. Das ist der eigentliche Sinn hinter diesem Beitrag - viele hier im Forum haben das sicher schon viel weiter perfektioniert, als ich es momentan auch nur erahnen kann. Aber ich glaub, ich hab ziemlich genau das geschafft, was sich viele auf meinem Niveau wünschen - schaffen kann das jeder, aber man muss es nicht nur wollen, man muss daran arbeiten.

Also ran an den Speck, dann habt ihr das Glück des Fleißigen ;)

Gruß
David

P.S.:
Kritik natürlich erwünscht
 
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Maxx is

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sehr netter Beitrag, ich kann vieles, was du da geschrieben hast, unterschreiben. ich selbst habe mit 14 mit E-gitarre angefangen, dann mit 17 aufgehört weil ich mein Geld in Führerschein etc investiert habe und dann kein Interesse mehr hatte und dann Ende 2011 mit 21 (werde ebenfalls jetzt im Mai 23) wieder eingestiegen, aber dann viel ernsthafter als zuvor. Durch die Pause dachte ich, ich hätte viel verloren, aber ich denke nach spätestens 2 Monaten war ich wieder auf dem selben Stand wie zuvor.
Ich habe festgestellt, dass man, wenn man keinen Lehrer hat (Ich habe zwar einen, aber das beschränkt sich zu 90% auf Jazz, Blues etc, insgesamt etwa 90% Theorie, 10% Praxis), höllisch aufpassen muss, sich nichts falsches anzugewöhnen und seine Techniken sehr genau analysieren sollte. Ich neige immer dazu, schlampiges Spielen zu ignorieren und muss mich dann immer dazu zwingen, mich selbst aufzunehmen und somit viel objektiver mit den Gespielten auseinanderzusetzen.
Wenn man sich immer sagt: "Das passt schon", dann passt es halt leider meistens nicht.
Zudem kann ich noch dazu raten, sich nicht selbst zu betrügen indem man mit mehr Gain Spielfehler verwischt. Lieber etwas weniger und dafür sauber als im Ultrakanal den Hebel auf 15 Uhr und niemand erkennt mehr irgendwas.
Wie schon festgestellt wurde ist es einfach ein unglaublich befriedigendes Gefühl, wenn man Fortschritte an seinem Spiel erkennen kann, da kommt Freude auf und das motiviert nur noch mehr.
Und als letztes: Bitte benutzt ein Metronom, immer!
 
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jokizzle

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Das ALLER ALLERWICHTIGSTE, was aber nie jemand hören will:
LANGSAM üben. Beim Üben sollte man 100% Präzision und Kontrolle anpeilen, damit im Ernstfall zumindest noch 70-80% davon übrig sind.
Wer die richtigen Bewegungsabläuge LANGSAM übt, übt viel schneller als die meisten anderen. Nichts ist schlimmer und langwieriger als Fehler wegzutrainieren
 
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Palm Muter

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Hi und danke mal fürs erste Feedback

@Max
Das mit dem vielen Gain ist ein super Beispiel zur Selbstehrlichkeit ;)
Das ein Metronom immer mit dabei sein sollte ist sicher wichtig - ich hab bei meiner Aufzählung, auf was ich inzwischen alles achte einfach irgendwann abgebrochen, weil nachher dann ohnehin der Part " So siehts bei mir aus, aber das ist mein Übungsstil...." kommt - ich glaube nämlich, dass muss man selbst entwickeln - auch wenns auf den ersten Blick seltsam anmutet, weil eigentlich ists ja "eh logisch" - nur wars bei mir zumindest folgendermaßen: Mein Lehrer, den ich anfangs hatte, hat mir ja brav gesagt und gezeigt "Sitz so"/"Halt das Plek so"/"mach die Übung jeden Tag"/..... und ich habs auch meist gemacht - aber halt ungenau (das weiß ich aber erst jetzt) - weil ich mit meinen 15 Jahren damals zwar rein logisch Verstanden hab "Wenn ich mal wie [insert famous guitar player] spielen will muss ich das nunmal machen" (irgend so einen Vorsatz hat ja jeder, wenn er in Jugendtagen anfängt:D) , aber was das wirklich heißt, eben dieses "Dann muss ich das nunmal machen" das - glaube ich - fange ich gerade an zu verstehen.
(aber trotzdem irgendwie peinlich, dass ich über die Länge der Gurteinstellung herumfasel und sowas grundlegendes wie das Metronom vergesse ;) )


@ jokizzle
Bin ich natürlich 100% bei dir - spielt eigentlich (abgesehen vom "Selbstehrlichkeitsfaktor", den ohnehin alles hat) ganz gut in den "Übungsreihenfolgenpunkt" hinein - es macht keinen Sinn, etwas in Tempo 150 zu spielen wenn ich bei 120 Probleme hab.
Einzig würde ich anmerken: DASS ALLERWICHTIGSTE ist es nicht - ich halte nicht viel davon, in einem derart kompexen Thema einzelne Sachen so herauszuheben. Es ist essentiell,grundlegend, gar keine Frage . Aber auch nicht mehr grundlegend als etwa die Selbstehrlichkeit, die Technik, ..... - und wenn ich noch so langsam übe, werd ich Stück XY nicht hinbringen, wenn es einfach zu weit über meinem Niveau ist. Ich kann auch noch so langsam üben, wenn ich Bendings nicht behersche kann ich ein Stück, das welche hat auch so langsam üben, wie ich will - bevor ich meine Bendingtechnik nicht ausgeübt hab wirds nicht funktionieren.

"Nichts ist schlimmer und langwieriger als Fehler wegzutrainieren" würd ich sogar noch erweitern:
"Nichts ist schlimmer als falsch antrainierte Angewohnheiten - erstmal muss man sie mal als solche erkennen (allein da scheiterts schon oft) und dann hat man das langwierige (und demotivierende) Vergnügen...."



Mal schaun was noch kommt ;)
Danke euch beiden
Gruß
David
 
My Brain Hurts

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Ich glaube du verwechselst da "allgemeines Üben" mit "Songs üben".
Auch wenn man neue Techniken übt, oder besser gerade dann, sollte man möglichst langsam spielen und absolute 110% in Genauigkeit und den eigentlichen Bewegungsablauf investieren. Ich denke das ist auch das, was jokizzle meint.

Der eine nennt es "langsam Spielen" der andere nennt es "bewusst Spielen", aber gemeint ist letztendlich doch das Gleiche. ;)
 
ChristiansHowTo

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Schöner "Guide" hast dir viel Mühe gegeben.
 
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Ich finde es grade für Anfänger wichtig sich vernünftig und intensiv mit Rhytmusdiktat und dem zählen von Takten zu beschäftigen. Es bringt nichts wenn man der superschnelle 16tel Schredder ist, aber die 16tel neben den Zählzeiten liegen. Ich bekomme da als Recordingmensch immer die Krise wenn ich sowas höre.
 
Palm Muter

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Mal eine Forumsanfänger- Frage: kann ich den Thread nachträglich noch editieren? Der Bearbeitungs- Button ist nämlich weg.
(Würds natürlich mit Changelog und entsprechenden Verweisen auf Kommentar XY machen)

Wenn das nicht geht, sammel ich hier mal einfach weiter Statements und stell dann eine entsprechend überarbeitete Version hinein.
Das mit dem vergessenen Metronom wurmt mich bis heute, und das was Qrpheas sagt, kommt auch viel zu wenig rüber, ist natürlich essentiel, aber nicht wesentliuch mehr als mit "Die ganz stupiden ANfänger- Übungen, jeden Tag".....erwähnt - mag zum Teil auch daran liegen, dass ich einige Jahre im Blasmusikverein gespielt hab, als tiefes Blech muss man da einfach exakt sein - und da wir lange Zeit nur zu dritt "gegen" ein Heer aus Flöten/Klarinetten/Trompeten/Hörnern etc anspielen mussten, die eine exakte Basis brauchen, sonst geht da nunmal einfach nix war Rythmus halten für mich eigentlich kaum ein Tema mehr - gehört aber natürlich in so nen Guide unbedingt hinein.

@ My Brain Hurts
Eigentlich bezieht sich der Guide aufs Technik- Üben - was aber natürlich eine Differnzierung notwendig macht, die eigentlich gänzlich fehlt - also Danke ;)


Tja und schlussendlich hab ich auf den Guide auch schon eine Private Message gekriegt, aus dem sich auch noch ein paar interessante ANsätze ergeben haben - also nochmal die Frage: Kann man das nachträglich editieren? Wenn ja - wie? - Wenn nein - einfach weiterplaudern, ich werds dann entsprechend einarbeiten und neu veröffentlichen.

Gruß und danke frs Feedback
 
=Thunderbird=

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Ausführlicher Bericht, gute Sache, ich find allerdings, wenn du eine neue Form davon hochlädst kürz es ein wenig auf das Wesentliche und schau eher ein bisschen mehr nach Struktur. Nem erkennbaren roten Faden sozusagen. Versuch zu vermeiden ins Erzählen zu kommen, dann ließt es sich leichter und es bleibt mehr wichtige Information beim Leser hängen.
 
JerryCan

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Das ALLER ALLERWICHTIGSTE, was aber nie jemand hören will:
LANGSAM üben. Beim Üben sollte man 100% Präzision und Kontrolle anpeilen, damit im Ernstfall zumindest noch 70-80% davon übrig sind.
Wer die richtigen Bewegungsabläuge LANGSAM übt, übt viel schneller als die meisten anderen. Nichts ist schlimmer und langwieriger als Fehler wegzutrainieren

Zunächst einmal sehr richtig! Aber ich erlaube mir einmal die ketzerische Frage: Was ist Präzision? - Man liest das zwar oft; aber wie Präzision auf der Gitarre aussehen soll, wird nicht weiter erläutert. Also macht sich jeder seine eigene Vorstellung von "Präzision und Kontrolle" und am Ende macht jeder etwas anderes.

Ansonsten würde ich all dem noch die Lockerheit hinzufügen wollen. Beim Üben sollte man sich sehr genau beobachten, ob man nicht irgendwo Muskeln anspannt, die gar nicht gebraucht werden. Und das gilt nicht nur für die Hände sondern für den ganzen Körper.

MfG

JerryCan
 
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Zunächst einmal sehr richtig! Aber ich erlaube mir einmal die ketzerische Frage: Was ist Präzision? - Man liest das zwar oft; aber wie Präzision auf der Gitarre aussehen soll, wird nicht weiter erläutert. Also macht sich jeder seine eigene Vorstellung von "Präzision und Kontrolle" und am Ende macht jeder etwas anderes.

Ansonsten würde ich all dem noch die Lockerheit hinzufügen wollen. Beim Üben sollte man sich sehr genau beobachten, ob man nicht irgendwo Muskeln anspannt, die gar nicht gebraucht werden. Und das gilt nicht nur für die Hände sondern für den ganzen Körper.

MfG

JerryCan

für mich ist präzision, dass ich zum beispiel beim spielen von solos, licks oder melodien, auch wirklich die note treffe die ich brauche, dass sie sauber klingt und besonders bei highgain nebengeräusche vermeide.

@ PALM MUTER
Auch wenn es schon lange her ist, dein thread hilft sicher sehr vielen! DANKE dafür!!

Ah ja - das mit dem LANGSAM üben - ich msus mich dazu auch immer zwingen und erwische mich immer dabei, alles gleich im originaltempo zu versuchen.

man muss sich immer klar machen, dass man anfänger ist und ein herr hammett das ja schon viel länger macht :) sonst droht verzweiflung und demotivation :D :D

LG
<3
 
G

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Neben Schnelligkeit sollte auf vieles mehr viel stärker geachtet werden:
- Vibrato
- Bendings/Pre-Bendings
- sauberes Spiel
- Anschlagsdynamik
-...

Dann kommt die Geschwindigkeit von ganz alleine!
Ich hatte niemals Probleme mit der Geschwindigkeit und die kam eigentlich auch von alleine. Bis auf ein paar Momente habe ich mich auch nicht so explizit damit beschäftigt, wie ich es hier im Board lese... :redface: Da waren mir o.g. Dinge wichtiger.

Ich habe oft über Übepläne nachgedacht, aber ein Über-Ding gibt es da nicht. Fällt auch sowieso für jeden anders aus und selbst für einen selber ändert er sich von Zeit zu Zeit. Ist eine ziemlich komplexe und individuelle Sache. Eine Auflistung, was man üben kann ist zwar gut, aber man muss sich das rauspicken, was einem persönlich weiterhilft. Da ist Zeitplanung eher ein wichtiger Faktor.
 
mknopfler

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Ich unterscheide mich in Sachen üben total von meinem älteren Bruder. Der spielt Bass und hat sich immer schon irgendwelche Übungspläne gemacht und sowas.
Ich habe manchmal 6 Stunden am Tag gespielt und manchmal eine ganze Woche nicht. Manchmal bin ich nachts aufgewacht und hatte Bock zum spielen, dann habe ich ohne Amp Skalen und Licks geübt.
Ich würde mich als sowohl technisch als auch vom Theoriewissen mitlerweile als fortgeschritten bezeichnen. Klar gibt es zig, die besser sind. Aber mein Punkt ist "alle Wege führen nach Rom".
Aber ich glaube, man sollte auf sein Herz und sein innerstes Gefühl hören. Wenn man glaubt, man braucht einen Übungsplan, um Fortschritt zu machen, dann braucht man auch einen.
Ich gehör eher zu dieser Kopf-in-den-Wolken-Fraktion an, mein Zimmer ist auch immer Chaos und das meines Bruders aufgeräumt gewesen. Er hat immer den Kopf geschüttelt, aber letztendlich jammen wir jetzt beide zusammen und ich versteh fast genausoviel von den Zusammenhängen wie er, obwohl er Jazzer ist.
Nur mal so ein paar Gedanken.
 
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Zisko

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Es gibt kein Patentrezept für das richtige Üben. Genauso individuell wie Menschen sind, sollten auch die Übungsmethoden ausfallen. Sucht mal nach dem Stichwort Binnendifferenzierung in der Didaktik.

Menschen lernen nicht nur unterschiedlich schnell, sondern auch in unterschiedlichen Stilen. Beispielsweise ist bei Instrumenten das haptische lernen weit verbreitet. Ein Lick lernen die meisten, indem sie Sich Takt für Takt auf dem Notenblatt angucken und spielen. Das ist bei Kindern <10 auch sinnvoll, da diese so oftmals am erfolgreichsten lernen. Mit den Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt bei vielen jedoch zum akkustischen oder optischen lernen.

Meine Wenigkeit lernt z.B. am besten mit einem Buch (optische Lernweise). Einen Lehrer suche ich mit Einzelstunden auf, wenn sich viele Frage aufgehäuft haben und/oder ich einen Blick auf die Technik werfen lassen will. Songs lerne ich in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit und spiele alles was unter 40 Takte ist noch am gleichen Tag und kann mich dann auf das richtige "Handwerk" konzentrieren. Würde ich das direkt an der Gitarre spielen - also Lernen des Stückes und üben der richtigen Spielweise - würde ich 2-3 Mal länger brauchen.

Das Lernen/Üben ist ein sehr komplizierter und individueller Prozess. Daher ist die wahl eines gutem Musikpädagogen wichtiger, als den Gitarrenlehrer der 64stel Triolen mit 400bpm spielen kann. Autodidakten sollten sich die Mühe machen das Lernen zu lernen, sich etwas in die Theorie der Didaktik einlesen um herauszufinden was der richtige Lernweg für sie ist.
 

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