Hier scheint es manche zu geben, die sich für Ästhetik in der Verstärkertechnik erwärmen. Das geht ja in Ordnung. Nicht abgestritten werden soll auch, daß sich ein ptp handverdrahteter Amp bisweilen besser reparieren läßt. Oder daß die großen Hersteller mittlerweile bei jedem Millimeter Kabel geizen u.s.w. Kompetente Leute äußern sich hier dazu.
Kehrseite der Medaillie dürfte aber sein, daß große Hersteller, die große Kapazitäten haben, ihre Produkte nicht nur in Sachen Sparsamkeit zu Lasten des Kunden zweifelhaft "optimieren", sondern auch zu deren Vorteil. Immerhin stehen sie im Wettbewerb und die Entwicklungen begründen neue Anforderungen. So wies ich bereits beim AC 30 darauf hin, daß beim handverdrahteten Amp die Wattzahl nicht einstellbar ist. Und wenn ich einen AC 30 mit Platine kaufe und die Finger davon lasse, ihn einfach nur spiele und korrekt bediene, womöglich kaum rumschleppe. Dann darf ich hoffen, daß er lange hält und mich ein kurzes Kabel, welches keinen Spielraum mehr läßt, überhaupt nicht juckt. Ich weiß nicht mal davon. Ist halt ein Amp, den man allenfalls zum Röhrenwechsel aufschraubt...So schön die ptp Verkabelungen aussehen. Sie befinden sich im Inneren und sind in der Regel unsichtbar.
Wenn es allein um den Sound geht, glaube ich immer noch nicht an einen höhren Gebrauchswert. Rein technisch auf´s Sounddesign geschaut, erscheint es mir also sinvoller, einen Platinenamp von der Stange zu nehmen. Die renommierten Hersteller werden kaum Leitungen zulassen, die sich ungünstig auswirken. Ein höherer Verschleiß mag beabsichtigt sein, man kann dies aber nicht auf die Spitze treiben, weil dann der Ruf drunter leidet.
Ökonomisch kann man das verschieden sehen. Die einen wollen den Amp für´s Leben und das ist gar nicht dumm. Habe vor 10 Jahren einen alten Yamaha G 50 Transitoramp verkauft. Clean war der sehr gut. Ich sah ihn sogar in einem Jazzladen als Hausamp. Ab und an vermisse ich ihn, er fehlt. Aber ich denke halt letztlich ökonomisch anders: Nehmen wir an, ein Amp mit Platine geht nach 15 Jahren kaputt. Bringe ich einen 700 Euro Amp zur Reparatur und zahle 300, oder schaue ich, was die neuesten Entwicklungen hergeben? Vielleicht sind in den nächsten 15 Jahren Direct Out und andere Features weiter voran geschritten.
Ansonsten ist "Gebrauchswert" offenbar eine sehr subjektive Angelegenheit. Denn wer sich an einem ptp handwired Amp ergötzt -ich mag mich selbst nicht frei davon machen- hat ja auch einen lange währenden Konsumgenuß.
Also beide Einstellung haben ihr für und wieder.
Die Berufung auf "Handarbeit" als solche überzeugt mich indessen nicht:
Handarbeit hat einfach einen gewissen Nimbus.
Handarbeit geht idR einher mit Exklusivität, geringerer Stückzahl, Einzelstück etc.
Ein Lob aufs Handwerk-egal welches. Das kostet eben ein wenig mehr, man weiß aber in der Regel, was man bekommt. Egal was man da nimmt. Brötchen vom Bäcker - Discounter Bremsklotz
Ein Lebensmitteltechniker, der mal Bäckereien in Bezug auf Zusatzstoffe beriet, äußerte mal ungefähr folgendes: "Man tut so als wäre Handarbeit eine tolle Sache. Aber viele kleine Bäckereien punchen mehr Chemie in ihre Produkte, als die großen industriellen Hersteller."
Da bleibt ja nichts außer Handarbeit.
Ein wenig wird das auch so sein, daß kleine Anbieter aus der Not eine Tugend machen.