Hank III - Rebel Within (2010)

von Blue Gator, 03.06.10.

Sponsored by
Gravity Stands
  1. Blue Gator

    Blue Gator Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    02.07.07
    Zuletzt hier:
    22.06.10
    Beiträge:
    1.457
    Kekse:
    5.383
    Erstellt: 03.06.10   #1
    Nach einer längeren Auszeit vom Forum möchte ich mich nun zurückmelden - und Euch gleich eine Neuerscheinung vorstellen.

    Hank III - Rebel Within (2010)
    Label: Curb
    Genre: Alternative Country

    Wie es sich für eine Rezension gehört, zunächst die Tracklist:

    1. Gettin' drunk and fallin' down
    2. Rebel within
    3. Lookin' for a Mountain
    4. Gone but not forgotten
    5. Drinkin' ain't hard to do
    6. Moonshiner's Life
    7. #5
    8. Karmageddon
    9. Lost in Oklahoma
    10. Tore up and loud
    11. Drinkin' over Momma

    "Damn right, Rebel proud" - so hieß 2008 das vorletzte Country-Werk von Berufs-Bürgerschreck Hank III. Nun ist der Enkel des legendären Hank Williams als "Rebel within" zurück. Zwei ähnlich klingende Albumtitel hintereinander. Nichts Neues also? Nicht ganz!

    Hank III erfindet sich auf "Rebel within" sicherlich nicht neu. Die Songs kreisen wieder um bekannte Themen des Hellbilly-Universums: Alkohol, unglückliche Liebe (welche manche Leute zum Alkohol greifen lässt), allgemeiner Weltschmerz (wogegen Alkohol auch mehr oder weniger hilft) und natürlich das "rebellisch sein" an sich (wozu Alkohol auch ebenfalls gut passt - ähm, hatten wir das nicht schon?).

    Die Botschaft - so man denn von einer solchen sprechen will - ist also nicht neu. Bekanntlich macht aber der Ton die Musik. Und der ist im Vergleich zum Vorgänger "Damn right - Rebel proud" doch ein wenig anders. 2008 ließ der Mann mit der brüchigen Stimme ganz gezielt keine Gelegenheit zur Provokation aus. Er sagte gleich zu Beginn des Albums, was er von der "Grand Ole Opry" hält - nämlich nichts. Er veralberte gnadenlos die Trucker-Country-Szene ("H8 Line") und ließ Redneck-Randale hochleben ("Long and close calls"). Dazu das bitter-zynische "Candidate for Suicide" (Hank in der Rolle einer ausgebrannten Prostituierten), "Three shades of black", wo im Country-Gewand Metal-Stereotypen gehuldigt wurde und schließlich "P.F.F:" (ja, das stand für "punch, fight, f…k").

    Nun, zwei Jahre später, gibt sich Hank III wesentlich gelassener. Keine wilden Hass-Tiraden auf "Trashville" mehr, kein ständig erhobener Mittelfinger. Man kommt fast in Versuchung, Hank III als "gereifter" oder gar "erwachsener" zu bezeichnen. Was bei dem enfant terrible der Country-Szene freilich ein Widerspruch in sich wäre.

    Die an den Texten ablesbare Tendenz, alles ein wenig relaxter zu sehen, spiegelt sich auch in der Musik wider.

    Kurz gesagt: "Rebel within" ist neben "Lovesick, broke and driftin'" (2002) Hanks "purstes" Country-Album.

    Klassische Country Music, eher sparsam instrumentiert und mit einem vorwiegend "akustischen" Grundgefühl. Mitunter wirkt das Ganze schon fast ein wenig retro (was zumindest Leute wie ich durchaus als Kompliment verstehen).
    Die meisten Stücke bewegen sich eher im entspannten Midtempo-Bereich. Richtig Gas gegeben wird eigentlich nur in drei Songs: "Rebel within", "Tore up and loud" (der Titel sagt alles) und am Ende des balladesk beginnenden "Drinking over Momma". "Rebel within" ist dann auch die einzige Nummer, in der die berüchtigten Screams, die Hank mit seiner Metal-Band "Assjack" so ausgiebig zelebriert, zu hören sind. Irgendwo auf dem Album muss man ja schließlich konservativen Country-Kreisen einen kleinen Schrecken einjagen…

    Ansonsten dürften auch Leute, denen die Bewahrung der Counry-Tradition ein echtes Herzensanliegen ist, an "Rebel within" ihre Freude haben. Hank III ist es erneut gelungen, hochkarätige Mitmusiker zu verpflichten. Herausgehoben seien hier nur Billy Contreras (Fiddle), Andy Gibson (pedal steel) und Chicken-picking-Gott Johnny Hiland. Als gestandene und hochgeschätze Nashville-Profis haben diese Herren es selbstverständlich nicht mehr nötig, sich in den Vordergrund zu spielen oder sich sonstwie durch exzessive Fingerakrobatik zu beweisen. Alle drei agieren insgesamt zurückhaltend und geben einander (und der rauen Stimme Hanks) viel Raum.. Sie verleihen den Songs, die vom Grundmuster her betont "pure and simple" gehalten sind, hier und da kleine Highlights. Darüber hinaus zeigen sie ihre Meisterschaft gerade dadurch, dass sie ihr Spiel ganz in den Dienst der jeweiligen Stücks stellen.

    So entstehen unprätentiöse, herrlich relaxte Country-Nummer wie "Lookin' for a Mountain" oder die melancholische Ballade "Gone but not forgotten." Zu "Drinkin' ain't hard to do" weinen wohl auch weniger progressive "heart broke Country Boys" gerne in ihr Bier. Und das swingende "Lost in Oklahoma" würde sich nahtlos in die Setlist von Klassizisten wie den Derailers einfügen.

    Eine für Hank III ungewöhnliche emotionale Tiefe bietet schließlich "#5", für mich DIE herausragende Nummer des Albums. In einfachen, aber eindringlichen Worten zeichnet er hier die Gemütslage eines Junkies nach, der sich vom Heroin verabschieden will, der nicht als Nummer fünf vier bereits an der Droge verstorbenen Freunden folgen will. Nur noch ein letzter Schuss… Wieviel Autobiographisches in dieser musikalisch ganz, ganz klassischen Country-Ballade enthalten ist, mag jeder selbst entscheiden. So ernst und ohne jegliche aufgesetzte "bad boy-attitude" hat man Hank jedenfalls lange nicht (um nicht zu sagen: noch nie) gehört.

    Hank III ist, so könnte man am Ende des Albums zusammenfassen, der Alte geblieben - und doch wieder nicht. Fans, die den Berufs-Outlaw vor allem wegen seines provokanten Auftretens schätzen, werden mit "Rebel within" vielleicht nicht ganz auf ihre Kosten kommen. Aber für diese Klientel gibt es ja auch noch sein Metal-Projekt "Assjack".

    Freunde traditionellerer Country Music hingegen, die sich von permament erhobenen Mittelfingern eher abgestoßen fühlen, bekommen mit "Rebel within" Gelegenheit, Hank III als das warzunehmen, was er - bei aller Provokation - eben auch ist: Ein exzellenter Musiker, der tief im klassischen Country verwurzelt ist. Wobei "betont retro" in Zeiten, wo "New Country" die Szene beherrscht, ja auch schon fast wieder rebellisch ist...

    Have fun,

    der Gator