Jazzimprovisation - Einstieg

von JohannG, 04.10.07.

  1. JohannG

    JohannG Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.10.07   #1
    Hallo,

    Ich spiele Gitarre und möchte in die Jazzimprovisation einsteigen.

    Dazu nun folgende Fragen am Beispiel der Vorgabe einer I-VI-II-V Verbindung (Cmaj7, am7, dm7, G7) und Verwendung von C-ionisch als Skala für die Improvisation:


    1) Muss ich nach jedem Takt auf den nächsten Akkord bzw. Akkordgrundton wechseln?Also z. B. 1 Takt Cmaj7, dann sofort weiter mit am7? Oder kann ich einfach 4 Takte lang sozusagen beliebig auf der C-Dur Skala improvisieren und die Akkorde werden nur durch die Begleitung hörbar.

    2) Wenn ich nicht nach jedem Takt der Improvisation gezielt den nächsten Akkord anspiele dann sehe ich das Problem, überhaupt richtig mitzubekommen, wieviel Takte schon abgelaufen sind. Besonders wenn nicht 4 Takte, sondern z. B. 8 Takte für eine I-VI-II-V Sequenz vorgesehen sind.

    3) Wenn ich andererseits jeden Akkordwechsel genau für die Improvisation nachvollziehe dann fühle ich mich eingeschränkt und habe nicht mehr das Gefühl, improvisieren zu können.

    4) Ich lese häufig die Angabe "...improvisiere über einen xxx-Akkord"). Ist damit gemeint, dass nur die Akkordtöne gespielt werden, oder das Arpeggio des Akkords, oder Arpeggio + sonstige Töne der Basis-Skala, welche sich gut anhören?

    Ich hoffe, dass mir ein erfahrener Jazz-Gitarrist bei diesen Anfängerfragen weiterhilft.
    Jedenfalls vielen Dank im Voraus für deine Unterstützung.
     
  2. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 04.10.07   #2
    Im Prinzip reicht es, nur mit C-Dur Skala zu improvisieren. Du mußt auch nicht immer mit dem Grundton beginnen. Spannender klingt es, wenn Melodien taktübergreifend gespielt werden. Wenn du so improvisierst, ergibt sich der Skalenwechsel über den Akkorde quasi von selbst. Die Methode verleitet aber zu undifferenziertem Spiel, da man nur in C-Dur denkt.

    Erstelle dir besser erst mal ein play alone, nehme die Akkorde auf, über die du üben willst.
    Nur so kannst du nur so Melodienbögen entwickeln, die sich über mehrere Akkorde erstrecken, und hast auch die akustische Kontrolle, wie es klingt.

    Über jeden Akkord kann man theoretisch mehrere Skalen spielen. Die sind hier gemeint.
    Wenn du bewußt über die Akkorde improvisierst, hörst du wie sich die Farbe des selben Tones von Akkord zu Akkord ändert.

    Beispiel: e
    über Cmaj7 => Terz (3), wenig Spannung
    über Am7 => Quinte (5), keine Spannung
    über Dm7 => gr. None (9), viel Spannung
    über G7 => gr. Sexte (13), viel Spannung
    So hat jeder einzelne Ton in Abhängigkeit des gerade gepielten Akkordes ein ganz bestimmtes Spannungsniveau. Dieser Spannungen solltest du dir bewußt machen. Dabei sind die Modi hilfreich. Zum Kennenlernen der Klangfarbe eines Mode improvisiert man eben nur in diesem Mode über einen einzigen Akkord.

    Um sich z.B. die Unterschiede zwischen äolisch (moll) und dorisch bewußt zu werden, kann man gezielt die beiden Modi über dem selben Moll-Septakkord wechseln. (In dem Fall sollte dein play alone nur aus diesem Akkord bestehen.)

    Ziel sollte es sein, daß du mit der Zeit bei eine Akkordfolge wie Cmaj7 Am7 Dm7 G7 über den einzelnen Akkorden nicht mehr nur C-Dur hörst, sondern insbesondere die Klangfarbe des jeweiligen Mode.

    Gruß
     
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