(Klassik) Koloratur notieren - wie macht Ihr das?

von Silvieann, 03.02.17.

  1. Silvieann

    Silvieann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.02.17   #1
    Hallo zusammen,
    bei manchen Stücken stimmen die Noten ja überhaupt nicht damit überein, was die meisten Sängerinnen singen.
    Bei den meisten Stücken, die ich mir bisher angesehen habe, waren das nur einige wenige Takte, wo etwas anderes gesungen wurde.
    Jetzt schaue ich mir gerade "Una voce poco fa" an, weil ich es so schön finde, habe auch einen Klavierauszug für Mezzo vor mir liegen, aber was ich da von diversen Sängerinnen höre, das steht alles nicht so in den Noten.
    Wie notiert Ihr Euch diese Koloraturen?
    In meinem Klavierauszug ist da irgendwie nicht genügend Platz dafür da ... dann ist es auch nicht so wirklich leicht herauszuhören,
    deshalb wollte ich mal fragen, wie denn andere das machen.

    Grüße,
    Silvieann
     
  2. Tonja

    Tonja Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.02.17   #2
    Ich nehme an, du meinst Kadenzen oder die Verzierungen in den Wiederholungen der barocken Arien und ähnliches(?)

    Gar nicht ;), denn diese Verzierungen sollen ja die Virtuosität des Sängers belegen und spontan während der Aufführung "komponiert" werden :D

    Nein, ernsthaft: glaube nicht, dass sich das heute noch viele getrauen! Es wird meistens voreinstudiert sein. Aber am besten ist natürlich, wenn man selber Ideen zum Verzieren hat, diese muss man dann ev. tatsächlich nicht reinschreiben, weil, was natürlich entsteht, bleibt meist auch gut im Gedächtnis! Oder man notiert es sich zur Sicherheit auf einem separaten Notenblatt.

    Alles in die Originalnoten reinschreiben kann tatsächlich mühsam sein, v.a. bei Barock-Wiederholungen wo sehr viel hinzugefügt und verändert wird. Da wird es dann total unübersichtlich, wenn man alles in die Noten schreibt, v.a. weil man beim ersten Mal singt, was steht und dann in der Wiederholung die Verzierungen. Allenfalls kann man für den Wiederholungsteil eine Kopie der Noten machen, wo man dann alle Verzierungen reinschreibt, falls möglich grad in die gedruckten Noten einfügen oder sonst unmittelbar darüber und die gedruckten Noten streichen. Oder du überklebst an den betreffenden Stellen die gedruckten Noten und schreibst dafür die Verzierung rein. Mir wäre letzteres allerdings zu viel Aufwand, weil erfahrungsgemäss kann man es über kurz oder lang eh auswendig und braucht dann die Noten nur noch marginal.

    Was natürlich super wäre, die Noten einscannen und dann eine Datei draus machen die man mit einem Notenschreibprogramm nach seinen Wünschen verändern kann. Weiss aber nicht, ob so was möglich ist?
     
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  3. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.02.17   #3
    Bist Du sicher? :o Ich schaffe das irgendwie nie, zumindest eine "Skizze" muss ich mir malen :) Andererseits, wenn ich ein Stück gut kenne, klappt's auch "online".
    Ja, ist es. Ich habe es das letzte Mal vor einigen Jahren gemacht; da war es schier genauso viel Aufwand, wie die Noten gleich digital abzuschreiben, weil es doch immer wieder Fehler gibt.
     
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  4. Tonja

    Tonja Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.02.17   #4
    Vielleicht ist dein ":o" ja auch ganz fehl am Platze, weil einfach ich so einfallslos bin, dass mir bei der gleichen Stelle auch immer wieder die gleiche (und einzige) Verzierung einfällt :D

    Aha, danke für die Info. Gut zu wissen, dass sich das also nicht unbedingt lohnt!
     
  5. Silvieann

    Silvieann Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.02.17   #5
    Ja, speziell für "Una voce poco fa" - da singt jede Sängerin tatsächlich etwas anderes. Einige Änderungen zu dem Notensatz, der mir vorliegt, machen sie aber alle ...

    Hier die Beispiele:
    Elina Garanca


    Joyce DiDonato


    Kathleen Battle


    Cecilia Bartoli


    Maria Callas


    Von Maria Callas hab ich mir unterschiedliche Versionen angehört, die unterscheiden sich ziemlich.
    Aber ich vermute, dass die Sängerinnen auch bereits bei den Proben zu den Aufnahmen dieselben Verzierungen gemacht haben, dass die nicht so spontan kommen.
     
  6. lil

    lil Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.02.17   #6
    das kommt drauf an ...
    ich nutze Capella bzw. Capella Scan; da geht es ganz gut, wenn einige Bedingungen erfüllt sind:
    - gedruckte Noten (nix handschriftliches)
    - nur eine Melodielinie pro Notensystem (also nix polyphones)
    - entweder Violin- oder Bassschlüssel (keine "exotischeren" Schlüssel, kein Schlüsselwechsel innerhalb einer Zeile)
    Die zweite und dritte Bedingung sollte bei Gesangsnoten ja einigermaßen einzuhalten sein, wenn dann noch die erste dazukommt, ist das Einlesen einer PDF-Datei schneller als das Neu-Eingeben. Aber nur wenn wirklich alle drei Bedingungen eingehalten sind. Und ich kenne nur Capella ...
     
  7. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 04.02.17   #7
    Notfalls habe ich noch meinen GL, dem fällt immer was gutes ein ;)
    Das war vor einigen Jahren; vielleicht hat es sich inzwischen verbessert. Gut gedruckte Noten ohne Notizen waren auch damals schon besser zu behandeln, nur wann hat man die schon? :o
     
  8. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.02.17   #8
    @Silvieann,

    vielen herzlichen Dank für die 5 Videos - eine tiefe Frauenstimme ist an Erotik nicht zu übretreffen! :great:

    Trotzdem habe ich meine Urteilskraft so gut es ging behalten. Klar, die Koloraturen kamen jeweils anders. Aber andererseits haben es alle 5 wunderbare Sängerinnen doch gleich gemacht - jede hat die Koloraturen so gestaltet, dass sie die Stärken der jeweiligen Stimme unterstreichen.
    Die Garanca und die DiDonato haben wuchtige Stimmen mit starken Tiefen- und Mittelbereich, die sie richtig heraushauen können; die Battle hat eher eine tiefe Mädchenstimme, und sie betont ihre Leichtigkeit und Süße. Die Bartoli is vielleicht die ausgewogenste und zeigt, dass sie alles kann; bleibt die Callas, die ich als Sopranistin mit guten Tiefen sehr bewundere, die aber hier in der falschen "Gewichtsklasse" boxt und deshalb ihre Flexibilität in der Höhe zeigen muss.

    Ich denke, diese Vielfalt gehört zu dieser Art Musik dazu - schließlich ist die Musik eine zu wichtige Sache, als dass man sie ausschließlich den Komponisten überließe!

    In deinem Fall würde ich eine Prima Donna mit einer ähnlichen Stimmanlage aussuchen, wie du, und deren Koloraturen als Vorbild nehmen.

    Cheers,
    Jed
     
  9. Silvieann

    Silvieann Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.03.17   #9
    Ja, das ist plausibel. Trotzdem ist das manchmal gar nicht so einfach zu notieren. Aber vielleicht notieren das viele auch gar nicht, sondern merken sich das so.

    Von "Una voce poco fa" habe ich noch eine ganz tolle Version (finde ich) gefunden:

    Mir geht das leider zu hoch, aber ich find's sehr schön.
     
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