Konvertor - und Freebass Akkordeons

von polifonico, 11.07.17.

  1. polifonico

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    Erstellt: 11.07.17   #1
    Hier im Forum tummeln sich gerade einige Musiker, die mit dem Gedanken spielen, sich ein Konvertor oder Freebass Akkordeon zuzulegen.

    Einige andere haben schon ein solches Instrument , bzw. haben schon Erfahrungen damit gemacht.

    Mein Vorschlag wäre verschiedene Modelle vorzustellen , um Neueinsteigern den Anfang etwas übersichtlicher zu machen.

    Akkordeons mit Melodietönen in der linken Hand gibt es schon länger , es war immer ein Versuch das Instrument konzertanter zu machen.Akkordeons mit Stradellabass lassen ja auch schon Einzeltöne zu , jedoch gibt es nur eine Reihe von 12 Tönen (alle Halbtöne) , die Tonleitern ist nicht endlos aufsteigend, sondern wird durch einen Basssprung (bei mir zwischen E-Es) unterbrochen.
    Oft lässt sich das kaschieren , jedoch wirken Tonleiterbewegungen über Akkordskalen,
    wie z.B. bei Bach oft zerhackt. Zudem sind diese Grundtöne bei den meisten Instrumenten nur mehrchörig zu spielen, was dann vielleicht die Melodiestimme in der linken Hand sehr dominiert.
     
  2. polifonico

    polifonico Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.07.17   #2
    Bei den Instrumenten mit Melodiebass gab es sehr verschiedene Ansätze .
    Die ganz frühen Modelle versuchten, das Griffbild in der linken Hand für den Pianisten verständlicher zu machen,
    es gab aber immer noch nur 12 Einzeltöne : hess_6.jpg

    Die technische Herausforderung lag zum ersten darin, ein passendes Griffmanual zu erfinden , mit dem sich die Melodietöne sicher greifen lassen
    und dieses MIII Manual im Bass zu integrieren (sodaß der Spieler es auch greifen kann)

    Bei den Freebass Akkordeons war die Lösung schnell gefunden,
    jeder Bassknopf bedient eine einzige Klappe , bei geöffnetem Bassverdeck sieht es fast genauso aus, wie bei der Diskantseite eines Knopfakkordeons.
    Auch die Griffweise wurde bei vielen Freebassinstrumenten dem Knopfinstrument entliehen. Viele Freebassakkordeons haben links drei-oder vierreihig
    chromatische Tonfolgen in C oder B Griff .

    Möchte man jedoch Melodiebass und Stradellabass wahlweise zu spielen.
    bleibt die weit größere Herausforderung ist jedoch zunächst unsichtbar ,
    es musste eine aufwändige Mechanik erfunden werden hier umzuschalten.

    Seit den 50er Jahren gibt es einige Hersteller die über den normalen Stradellabass mit 6 Reihen das Griffbrett mit zumeist 3 Reihen Melodiebässen erweitern.
    Das nennt sich dann das "vorgelagerte MIII. Wie beim Freebass gibt es hier auch C+B Griff .
    Für das MII änder sich zunächst mal nichts , manche Hersteller lassen jedoch aus Platzgründen die unterste Reihe mit den verminderten Akkordeon weg um das MIII vierreihig aufzubauen.
    Für das MIII muß die linke Hand seine gewohnte Position verlassen und sich bis weit übers Handgelenk durch den Bassriemen schieben , um die Töne zu erreichen.
    Spieltechnisch auf jeden Fall eine Herausforderung ! Musiker wie Stefan Hussong oder Manfred Leuchter spielen das in einer bewundernswerten Leichtigkeit und Perfektion ...
    Ich habe mich selbst daran versucht , muß aber leider gestehen, daß mir diese Spielweise nicht liegt.
    --- Beiträge zusammengefasst, 11.07.17 ---
    Etwas jünger sind die Konvertor Akkordeons,
    die sich zunächst optisch nicht auffällig von den Stradella Instrumnten unterscheiden.
    Ein unscheinbarer Registerschalter bewegt eine komplizierte Bassmechanik, die wahlweise
    die Melodiebässe oder die Stradellabässe einschaltet.
    In der Regel liegt dann das MIII Manual da , wo das MII Manual die Akkorde spielt,
    also in den unteren vier Reihen. Die Grundbässe des MII bleiben auch in MIII spielbar.
    Das MIII ist dann zumeist vierreihig in C+B .

    Es gab und gibt hier verschiedene Systeme , die vierreihige C+B version ist hier in Mitteleuropa am geläufigsten.
    Die Russen spielen da noch ein anderes System , in Amerika dagegen hat ist der Quintbass üblicher.
    Vielleicht gibt es dazu noch Beiträge von andere Forumsmitgliedern.

    Giulietti hat sehr viel experimentiert und ganz verschiedene Convertortypen produziert.
    Er war seiner Zeit und der Nachfrage etwas voraus und ist damit Pleite gegangen. Heute werden diese Instrumente zu Höchstpreisen gehandelt.

    giulietti.jpg
     

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  3. polifonico

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    Erstellt: 11.07.17   #3
    Eigentlich alle noch verbliebenen Hersteller bieten heute Konvertor Akkordeons an ,
    lange Zeit waren das absolute Solisteninstrumente und wurden somit mit bestem Stimm-Material
    oft in Kombination mit dem Cassotto angeboten.
    Das natürlich zu Preisen eines Mittelklassewagens ,
    was vielen Interessierten den Zugang nicht gerade erleichterte.

    Anfang der 80er Jahre war es vor allem Victoria und Pigini ,
    die auch Schülerinstrumente mit Convertor- oder Freebass bauten.
    Heute fangen viele Schüler im Kindesalter mit freebass an, weil sich
    das Instrument so intuitiver erlernen lässt.

    Mein Einstieg war auch mit einem kleinen Victoria Akkordeon mit freebass :
    victoriapaganini.jpg
    Trotz des relativ kleinen Gehäuses und des geringen Tonumfangs ein super Instrument.
    Diskant und Bass zweichörig (16"+8") bzw (8"+4") mit einem ganz klaren Ton.
    Der Bass hat 33 Melodietöne, mein erstes Modell war dreireihig, das zweite dann vierreihig.
    (die vierte reihe wiederholt die erste - das vereinfacht manche Tonfolgen und macht das Spiel flüssiger)
    Viele vergleichbare Instrumente sind jeweils nur einchörig , viele neuere sind gleich als Knopinstrument angelegt,
    da bis auf die Form der Knöpfe , die Lage der Töne symetrisch ist . ( Intuitives Lernen....)

    Für mich war das der ideale Einstieg, weil man mit dem Wechsel zu MIII ein ganz neues Instrument lernt.
    Die Diskantseite kennt man ja schon, aber der Bass hat es wirklich in sich !
    Da werden auf einmal alle Synapsen aktiviert , bis sich langsam ein inneres Bild von den Tonfolgen formt.
    Ich hätte zeitgleich die Möglichkeit auf einem geliehenen großen Convertor zu lernen,
    was ich aber recht verwirrend fand , da die linke Hand recht planlos herumsucht...

    Diese kleine Schülerinstrument war die Konzentration pur !
    Schon bald lassen sich auch recht komplexe Stücke mehrstimmig spielen - eine Offenbarung.

    Klangbutter hat hier natürlich wesentlich mehr Erfahrung .
    Da er viel mit jungen Schülern arbeitet, har er viele dieser Freebass Akkordeons ausprobiert
    und von einigen auch Testberichte mit Klangbeispielen eingestellt.
     
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  4. polifonico

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    Erstellt: 11.07.17   #4
    Jetzt wird es gleich merklich teurer ,
    wer MII+MIII spielen möchte und wem das vorgelagerte MIII nicht liegt,
    sucht ein Convertorinstrument.

    Auch hier gab und gibt es einige gute Einstiegsmodelle ,
    vor allem von Pigini und Victoria (letztere auch oft unter Paganini angeboten)
    Diese beiden Firmen bauen seit den 80er Jahren Convertor Instrumente auch für Schüler. studioc.jpg

    Hier eine kleine STUDIO (Pigini) , ein Schülerakkordeon mit 60 Stradellabässen oder umschaltbar 30 Melodiebässen.
    Von Victoria gab es fast die ganze Produktpalette wahlweise mit oder ohne Convertor.
    victoria5.jpg

    Auch Weltmeister experimentierte schon früh und brachte ein Schülerakkordeon namens Toccata heraus :


    toccata.jpg

    Auch eine recht erschwingliche Alternative für den Einstieg !

    Ich unterbreche hier mal , die Arbeit ruft ....
    Vorweggreifend möchte ich noch anfügen,
    daß ich selbst kein Convertor spiele.
    Die großen Instrumente, die für mich erschwinglich gewesen wären,
    haben nicht wirklich die klanglichen Eigenarten meiner anderen Instrumente vereinen können.
    Die Registerbelegung bei Convertor ist oft im Stradellaspiel sehr basslastig ,
    die Grundtöne waren mir oft zu "brummig".

    Ich komme ganz gut mit beiden Akkordeontypen parallel zurecht,
    also freebass und Stradella.
    Meine große Victoria mit Cassotto und 66 Melodiebässen ist wirklich einmalig
    und lässt sich auch durch die etwas versetzte Position der Bassreihen sehr angenehm spielen.




    akkordeon_5.jpg

    Ich freue mich auf weiterführende Beiträge,

    Dank+Gruss,

    Ludger
     
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  5. Bernnt

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    Erstellt: 11.07.17   #5
    Ich spiele eine Pigini, genauer gesagt eine Pigini P37 Cassotto. Standardmäßig wird sie geliefert, wie sie neben den anderen Konvertermodellen in diesem Produktblatt beschrieben wird: http://www.pigini.com/wp-content/uploads/2017/02/PIGINI_2016_scheda_tecnica_CONVERTOR.pdf. Freilich hat meine drei Kinnregister.

    Klingen tut sie wie eine Pigini eben klingt, eher hell statt dunkel-gedeckt. Manchen gefällt das, manchen nicht, sie finden den Pigini-Klang zu spitz oder manchmal auch nicht durchsetzungskräftig genug. Manche sagen auch, dass das Instrument nicht das "gewisse Etwas" hat. Kritisiert wird auch der Standardbass, "zu stark", "brummig" sind dann Wörter, die fallen. Ich hingegen mag das 8-Fußregister im Diskant, das im Cassotto liegt und ich als sehr edel empfinde. Mir gefällt auch, dass das Instrument nicht so schwer ist und gut auf Vibratoeffekte reagiert. Die Bassmechanik ist piginitypisch leichtgängig, die Register sind ohne Nebengeräusche leicht schaltbar. Die Knopfgeräusche beim Spielen fallen praktisch nicht ins Gewicht.

    Im Video kann man ein einfacheres Pigini-Schülerinstrument (eine P37 ohne Cassotto) in Aktion sehen. Der Wiedergabe des Klangs ist durch die Nachbearbeitung des Videos mit Hall natürlich verändert, der Charakter der Pigini-Instrumente geht aber gut hervor:



    Die Kosten für mein Cassotto-Instrument mit HA2-Stimmplatten lagen inklusive Koffer und Riemen bei ca. 7.500 EUR - ein Nachteil, unglaublich eigentlich, weil es sich wie gesagt um ein Schüler-Akkordeon handelt. Ein zweiter Nachteil war, dass ich das Instrument schon drei Monate nach dem Kauf nachstimmen lassen musste. Insbesondere die Melodiebässe hatten es bitter nötig. Jetzt ist es in Ordnung, bisher hält es seine Stimmung - nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ich das Akkordeon täglich auch mal mehrere Stunden spiele. Gelegentlich fällt auch der Riemen auf der Bass-Seite zu eng aus, das aber kann man schnell beheben lassen.

    Die Konverter-Instrumente von Bugari finden sich hier: http://bugari.de/Bayan.html. Auf der Liste sieht man, wie die Preise für die Konverter angezogen haben. Ähnliche wie bei Pigini sind die Preise auch für die Schülermodelle unverschämt hoch.

    In der Hand hatte ich bisher die 37-Tasten-Konverter und ein zwei Mal auch 41-Tasten-Instrumente. Das o.g. 37-Tasten-Instrument von Pigini derselben Preisklasse fand ich hochwertiger - Cassotto sei Dank. Irgendwie liegen mir die Bugari-Instrumente auch nicht so recht. Die Maße passen bei mir einfach nicht. Bei anderen Spielern mag das anders sein. Die Lehre für mich daraus ist klar: Ein Instrument nur nach Liste bestellen geht eigentlich nicht. Man muss seinen Schatz schon einmal in den Arm genommen haben.

    Gibt's hier einen Bugari-Converter-Freund, der sein Instrument in diesem Thread vorstellen will? Jemand aus der Gebraucht-Fraktion?
     
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  6. tomklapalg

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    Erstellt: 12.07.17   #6
    Mit Bugari kann ich leider nicht dienen. Neben meiner Giulietti Super Continental mit vorgelagertem MIII (siehe oben im Beitrag von Polifonico) möchte ich hier meinen "Exoten", ein Konverter-Modell von Euphonia (Tiranti Fisarmoniche, Castelfidardo) vorstellen. Super Preis-Leistungsverhältnis, Umsetzung individueller Wünsche möglich. Netter kleiner Familienbetrieb.

    Das Akkordeon ist vierchörig, 16' und 8' im Cassotto, im Diskant 13 Register, drei Kinnregister, Masterdrücker, 45 Tasten; 120 Standardbässe umschaltbar auf vier Reihen Einzeltöne, sechs Register und Oktavkoppel im Bass.

    Nähere Informationen gerne per PN.

    Die legendäre Qualität von Giulietti kann man nach wie vor unter dem Namen Zero Sette bekommen. Giulietti war eigentlich nie eine "richtige" Fabrik, sondern hat nach Vorgaben von Julio Giulietti bei verschiedenen Herstellern in Italien bauen lassen. Zunächst in Stradella, später in Castelfidardo. In den letzten vier Jahrzehnen kamen die Instrumente immer von Zero Sette, einer der sieben Gründer von Zero Sette war ein enger Verwandter von Julio Giulietti. Julio ist in die USA ausgewandert und hat dort einen großen Marktanteil unter den hochwertigen Instrumenten errungen. Wie von Polifonico schon angemerkt, war er seiner Zeit wohl in mancher Hinsicht voraus. Die Produktion von Zero Sette erfolgt nun in den gleichen Räumlichkeiten wie Bugari, die Unternehmen haben sich produktionsmäßig zusammengetan, sind aber meines Wissens wirtschaftlich noch getrennte Firmen.
     

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