Lokrischer Modus in Songs

  • #141
Hallo Malinek,

die von Dir gemeinte Skala ist als Lokrisch 9, Locrian natural 9 oder Locrian natural 2 bekannt.
Sie tritt als 6. Modus von Melodisch Moll auf.
Die Bezeichnung Lokrisch #9 wäre falsch, weil es sich ja ganz einfach um die große None (bzw. aus Skalensicht die große Sekunde über dem Grundton) handelt und nicht um ein übermäßiges Intervall.

Die leichtere Nutzbarkeit kommt unter anderem dadurch zustande, dass es bei Lokrisch 9 nun zwei Tritoni gibt. Der eine liegt wie bei Lokrisch, der andere wie bei Aeolisch (in Deinem Beispiel wäre das der Tritonus C# - G im Verhältnis zum Grundton H).
Nun ist es bei den diatonischen Skalen so, dass der Tritonus zusammen mit einem beliebigen anderen Ton die Skala bereits eindeutig festlegt.
Das ist dann auch in unseren westlichen Hörgewohnheiten so verankert.
Und deshalb ist Lokrisch 9 stabiler als das normale Lokrisch.
Zwar können wir es über den 1. Tritonus (H - F) als Lokrisch-Variante hören.
Der 2. Tritonus (C# - G) lässt es uns aber auch wie eine Aeolisch-Variante hören.

Unabhängig von dieser Betrachtung aus Tritonus-Sicht ist Lokrisch 9 auch ganz einfach ähnlicher zum vertrauten Aeolisch als das normale Lokrisch (mit 6 statt 5 gemeinsamen Skalentönen). Dadurch gibt es auch mehr "vertraute" Stufendreiklänge oder -vierklänge.
So hat Lokrisch 9 vier gemeinsame leitereigene Dreiklänge und drei gemeinsame leitereigene Vierklänge mit Aeolisch.
Beim normalen Lokrisch dagegen gibt es nur zwei gemeinsame leitereigene Dreiklänge mit Aeolisch und nur einen gemeinsamen leitereigenen Vierklang.
Natürlich fühlt sich Lokrisch 9 auch dadurch harmonisch vertrauter an.

In melodischer Hinsicht können wir bei Lokrisch 9 durch die größere Übereinstimmung mit Aeolisch auch mehr melodische Wendungen (wieder-)verwenden, die von Aeolisch her bekannt sind und die in Lokrisch 9 auch noch "funktionieren".
Auf der Gegenseite entfällt bei Lokrisch 9 allerdings der fallende Leitton b2, der beim normalen Lokrisch zur Stabilisierung des Grundtons genutzt werden kann.
 
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  • #142
... was ich glaube herausgefiltert zu haben, ist, dass man bei einer auf H beginnenden lokrischen Skala besser harmonisch klarkommt, wenn man die zweite Stufe „c“ auf „c#“ erhöht.

Ist ja bereits beantwortet worden - wobei sich am eigentlichen "lokrischen Problem" allerdings nichts ändert, denn das besteht in der verminderten Quinte über dem Grundton (H-F), mit der sich keine schlussfähige konsonante Tonika bilden läßt.
Wenigstens in Schlussklängen das F kurzfristig zum F# hochzualterieren, ist eine Notlösung, bringt aber nur etwas, wenn man das F im unmittelbaren Umfeld vermeidet. Dadurch geht aber das "typisch lokrische" verloren, und der Salat klingt bestenfalls nach einem verunglücktem H-Phrygisch - oder eben (mit II#) "irgendwie aeolisch".
 
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  • #143
ich finde lokrisch hat was so schön bedrohliches und unbekanntes an sich.
eine sehr interessante tonart für abschreckende, geheimnisvolle songs.
 
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  • #144
Kannst Du mir einen Beispielsong nennen ?
Der würde mich brennend interessieren.

Lg, - Thomas
 
  • #145
mein letzter song habe ich in A# lokrisch gespielt. ich weiß jetzt nicht, ob das gelten tut, aber das solo ist schon etwas schräg:
 
  • #146
Aber dieser Song ist weder in A#, noch lokrisch (die notwendige b5 fehlt).

Thomas
 
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  • #147
Es wird b gesungen und auch auf der Gitarre gespielt:
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  • #148
Schon, schon.
Aber das ist nicht der hörbare Grundton.
 
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  • #149
Nun, ich kann in C-dur mit dem FDur Akkord beginnen, und bin trotzdem in CDur spielen.
Sonst würden ja alle lieder wie alle meine Entchen klingen.

Es gibt doch keinen Zwang in einer Tonart auf der 1. stufe zu beginnen. So wie ich es verstehe, benutzt man das Tonmaterial der Tonart in beliebiger Form.
 
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  • #150
Es gibt doch keinen Zwang in einer Tonart auf der 1. stufe zu beginnen.
Eh nicht.
Aber es gibt in jeder (tonalen) Musik einen hörbaren Grundton. Und der ist in Deinem Fall nicht B, sondern Eb.

Thomas
 
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  • #151
das verstehe ich nicht.
in CDur kann ich doch Gdur-Fdur-Dm spielen, ohne jemals den grundton zu treffen und bin trotzdem in C dur?
 
  • #152
Der Song ist Eb Phrygisch .... klingt übrigens gut
 
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  • #153
in CDur kann ich doch Gdur-Fdur-Dm spielen, ohne jemals den grundton zu treffen und bin trotzdem in C dur?
Theoretisch ja.
Aber konkret läßt sich das nur von Fall zu Fall beurteilen, und auch nur, wenn man den harmonischen Rhythmus und die Melodie mit ins Kalkül nimmt.
Entscheidend ist immer, was man (als Grundton) spürt/fühlt.

Thomas
 
  • #154
Der Song ist Eb Phrygisch .... klingt übrigens gut
Nein, die Tonart ist Eb-Phrygisch Dominant. Unterschied: Eb-Phrygisch hat ein ges, Es-Phrygisch Dominant hat ein g. Der Song hat ein g und kein ges.

Andere Namen der gleichen Tonleiter: HM5 (≙ Abm-harmonisch), Phrygisch Dur, spanisches Phrygisch, Misheberakh Ahava Raba (Klezmer), Mixolydisch b9/b13.

Die beiden Hauptakkorde sind Eb-Dur und Fb-Dur und würden den beiden letzten Akkorden der Andalusischen Kadenz in Ab-moll entsprechen: Abm - Gb - Fb - Eb.

Viele Grüße,
McCoy
 
Grund: Fehler korrigiert: Ahava Raba statt Misheberakh
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  • #155
nun im gesang kommt stellenweise ein E und f# vor, als auch manchmal ein F und G. je nach stelle wechsel ich da ab.
 
  • #157
nun im gesang kommt stellenweise ein E und f# vor, als auch manchmal ein F und G. je nach stelle wechsel ich da ab.
Ja, bei ca. 2:18 ist der Akkordwechsel Eb und Db. Beim Db-Dur Akkord hört man kurz einen Ausschnitt der Db-Dur-Tonleiter.

Dein e ist musiktheoretisch korrekt ein fes (siehe mein letzter Beitrag), dein fis ist ein ges.

Viele Grüße,
McCoy
 
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  • #158
Nein, die Tonart ist Eb-Phrygisch Dominant. Unterschied: Eb-Phrygisch hat ein ges, Es-Phrygisch Dominant hat ein g. Der Song hat ein g und kein ges.

Andere Namen der gleichen Tonleiter: HM5 (≙ Abm-harmonisch), Phrygisch Dur, spanisches Phrygisch, Misheberakh (Klezmer), Mixolydisch b9/b13.

Die beiden Hauptakkorde sind Eb-Dur und Fb-Dur und würden den beiden letzten Akkorden der Andalusischen Kadenz in Ab-moll entsprechen: Abm - Gb - Fb - Eb.

Viele Grüße,
McCoy
Habe nur kurz rein gehört und dazu gespielt, habe noch gedacht könnte auch Dominant sein ;) bzw. Harmonisch Moll. ;)
 
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  • #159
Es gibt doch keinen Zwang in einer Tonart auf der 1. stufe zu beginnen. So wie ich es verstehe, benutzt man das Tonmaterial der Tonart in beliebiger Form.
so sehe ich das auch, man kann das Shape des Lokrisch, also den Fingersatz, anwenden, offenbar ist das aber dann nicht auf den Grundton gespielt. Darüber stolpere ich auch oft, auf den Grundton spielen ist mir nicht geläufig. Wenn ein Modus passt, dann nimmt man das, ob erste Stufe oder sonstwas. Bin aber auch nicht der Theoretiker.
 
  • #160
man kann das Shape des Lokrisch, also den Fingersatz, anwenden
Die Modi und deren Namen sind aber kein spieltechnisches Konstrukt, sondern ein prinzipielles.
Deswegen spielen spieltechnische Besonderheiten bei ihrer Beurteilung keine Rolle.

Thomas
 
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