Machen Amateure den Markt/die Preise kaputt?

  • Ersteller MarkFrisch20
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Ich zum Beispiel :)
Und in letzter Zeit überlege ich ernsthaft, das künftig auch nur noch so zu machen. Nur noch aus Spaß gigs annehmen, nur wenn ich Bock drauf habe, Bezahlung ist egal. Und vom Unterrichten zu leben. Denn Unterricht möchten bzw. brauchen nach wie vor viele, da ist die Nachfrage ungebrochen und miese Stundenhonorare durch Quantität an Schülern auszugleichen, wäre kein Problem.

Apropos Unterricht - sorry fuers OT...
Wir haben im Board ja ein feines deutsches Verzeichnis bezgl Gesangsunterricht. Wo fang ich zu suchen an, wenn ich in Wien was brauche? Google erschlaegt mich mit einem Haufen Links, die ich nicht bewerten kann.

cu
martin
 
wie war das weiter oben?
Bittschön, es zwingt Dich niemand, Musik zu machen, die sich nicht verkaufen läßt!
...aber nach der wurde vom Starter auch nicht gefragt.

Du verstehst meine Aussage überhaupt nicht, oder? Ich WILL gar kein geld mit Musik verdienen! Ich möchte mir und anderen Fans meiner Musikrichtung ermöglichen Musik live zu erleben. Da stellt sich die Geldfrage überhaupt nicht. Wenn ich dabei meine Unkosten rein bekomme, gerne, aber ich habe auch kein Problem damit ein bisschen drauf zu zahlen, weil es einfach Spaß bringt. Und da ist auch schon ne Antwort der Frage des TE drinne. Warum sollte ein Veranstalter für vielGeld einen Musiker oder eine Band ranholen, die das Ganze als Arbeit ansieht und man ihr das evtl. sogar noch anmerkt, wenn er stattdessen Amateure bekommt, die vielleicht genau so gut sind, aber für weniger bis garnichts spielen, weil sie einfach Bock drauf haben und es ihnen Spaß bringt? Da wüsste ich als Veranstalter genau wen ich auswähle. Und ehrlich gesagt habe ich als Besucher auch lieber die Amateure, die Spaß haben. Aber vielleicht ist die Fragestellung des TE auch einfach nicht definiert genug, denn für die meisten Genres die ich so kenne passt der Vorwurf des Lohndumping einfach nicht, weil die Bands oder Künstler einfach eine komplett andere Einstellung zu dem Thema haben. Wenn es hier nur um Tanzmucker und ähnliches geht, dann sollte es vielleicht im Startpost etwas präzisiert werden ;)
 
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Warum sollte ein Veranstalter für vielGeld einen Musiker oder eine Band ranholen, die das Ganze als Arbeit ansieht und man ihr das evtl. sogar noch anmerkt, wenn er stattdessen Amateure bekommt, die vielleicht genau so gut sind, aber für weniger bis garnichts spielen, weil sie einfach Bock drauf haben und es ihnen Spaß bringt?

Das ist aber nichts weiter als eine Unterstellung und schlicht und ergreifend unwahr.
Seit wann darf Arbeit keinen Spaß machen ?
Warum soll Profis das Musizieren keinen Spaß machen ?
Für mich war die Bühne immer schon ein Lebenselixier, ich hab mit Herzblut und sehr viel Freude gesungen. Ebenso, wie meine Profi-Kollegen mit Spaß und Begeisterung spielen.
Abgesehen davon wärst du als Profi ganz, ganz schnell weg von Fenster, wenn das Publikum Lustlosigkeit konstatieren würde ....
Manchmal kann ich echt nur den Kopf schütteln über diese Vorurteile.
 
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Das ist aber nichts weiter als eine Unterstellung und schlicht und ergreifend unwahr.
Seit wann darf Arbeit keinen Spaß machen ?
Warum soll Profis das Musizieren keinen Spaß machen ?
Für mich war die Bühne immer schon ein Lebenselixier, ich hab mit Herzblut und sehr viel Freude gesungen. Ebenso, wie meine Profi-Kollegen mit Spaß und Begeisterung spielen.
Abgesehen davon wärst du als Profi ganz, ganz schnell weg von Fenster, wenn das Publikum Lustlosigkeit konstatieren würde ....
Manchmal kann ich echt nur den Kopf schütteln über diese Vorurteile.

Es sagt ja auch keiner das Profis keine Lust auf Musik machen haben, aber die Ambition Gigs zu spielen ist ein wenig anders. Die einen Leben finanziell davon und die andern nicht. Da haben doch beide Gruppen andere Erwartungen. Ich Spiel auch für Lau, warum auch nicht? Deswegen prob ich doch um den Leuten zu zeigen was ich fühle und um Emotionen zu vermitteln.
Wer Musik studiert muss einfach mit der Konkurrenz derer Leben die das "selbe" machen. Fakt ist doch, verlange ich zu wenig regen Profis sich auf das nix mehr gezahlt wird, verlang ich zu viel spiel ich keine Gigs mehr. Tja was schadet mir, meiner Band und meiner Musik wohl mehr?
 
Jetzt drehen wir uns im Kreis. Letzten Endes verdient niemand mehr etwas, der Profi nicht, der Amateur auch nicht, und wir geben Konzerte alle nur noch als Hobby. Ist ja fast schon Realität geworden. Das Erstaunliche an der Debatte ist, daß sich Amateure und Profis genremäßig doch eher selten in die Quere kommen.
Das hiesige Jugenzentrum, das nächsten Monat ein Metalfestival mit lauter Thrash-, Speed- und Deathmetalbands (die keine Gage bekommen) organisiert, wird meine Combo nie zu Gesicht bekommen. Ebensowenig wie der Nachwuchs-Deathmetalsänger, der bei mir Unterricht hat, jemals (für gutes Geld) auf einer Hochzeit oder Galaveranstaltung singen wird.
Bei den 0815-Coverbands mag es anders ausschauen, da kommt man sich durchaus in die Quere. Einfach weil´s halt nicht so schwer ist, Sweet home Alabama oder Summer of 69 zu spielen.
Es hat generell der Wert abgenommen, dem Musik beigemessen wird - Musik soll überall verfügbar sein, und möglichst billig oder umsonst zu haben sein. Und was nichts wert ist, darf auch nichts kosten. Das wird wohl künftig für alle gelten. Hoffentlich haben die Musikschulen das mittlerweile auch mitbekommen.
 
Bell, ich habe ja nicht gesagt, dass Arbeit keinen Spaß bringen soll, es gibt aber schon Leute, auch aus dem Musikbereich, denen sieht man genau an, dass sie eigentlich gerade keine Lust haben. Das ist ein Fakt, den ich so schon auf Veranstaltungen erlebt habe und ja, ich bin auch mal auf Veranstaltungen, die mit Metal nichts am Hut haben ;)
Du hast jetzt aber auch nochmal einen schon von mir erwähnten Punkt angesprochen, es gibt ganz klar einen Unterschied zwischen Genres, trotzdem wird pauschalisiert, dass die Amateure den Profis das Wasser abgraben. Warum habt ihr denn alle was zu jammern, wenn die Profis doch fast nie auf die Amateure treffen? Sind dann vielleicht doch eher die Profis unter sich schuld? Wenn es nicht schwer ist Sweet Home Alabama oder Summer of 69 zu spielen, warum sollte man dem dann einen besonderen Wert beimessen? Ich persönlich habe kein Problem Geld für Musik auszugeben, aber auch nur dann, wenn sie mir gefällt und qualitativ was taugt. Ob nun Live oder auf Platte ist da erstmal egal. Gerade im Metal ist dieser Trend sehr stark zu spüren und ich denke mal, auf die Menge an Fans gerechnet wird dort mehr verkauft, als im Pop Bereich oder so. Da bekommen dann Amateure, zumindest was CD-Käufe angeht, eine ähnliche Aufmerksamkeit wie etablierte Bands. Vielleicht hat ja auch die Qualität nachgelassen oder die Leute sind einfach nur übersättigt? Dann muss man entweder versuchen was zu ändern oder sich rar machen.
 
Man muß ja auch mal die ganzen Zusammenhänge betrachten.
Es gibt immer mehr Musiker und Bands im Hobby und Amateurbereich, das liegt zum einen daran das auch Instrumente immer billiger werden.
Da wagen Eltern eher mal zu dem Experiment ihre Kinder an die Musik ranzuführen.
Es gibt wesentlich mehr Liveclubs und JuZes als z.B. vor 20 Jahren noch, mittlerweile sind in meiner Heimatstadt jeden Wochentag bis zu 20 Veranstaltungen, früher vielleicht 5 in der Woche.

Musik, vorallem individuelle Musik ist immer mehr Massenkompatibel, immer verfügbar, live wie Konserve.
Und jeder der Musik macht möchte auch irgendwann mal auf die Bühne und so wird das Angebot für Veranstalter und Konsument einfach riesengroß.
 
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Vielleicht hat ja auch die Qualität nachgelassen oder die Leute sind einfach nur übersättigt? Dann muss man entweder versuchen was zu ändern oder sich rar machen.

Ja, da sagst du was. Übersättigt = ganz bestimmt. Ich könnte z.B. in dieser Kleinstadt, die bekannt dafür ist, daß hier nicht gerade die Kuh fliegt, bald jeden zweiten Abend auf ein Konzert gehen.

- - - Aktualisiert - - -

Und jeder der Musik macht möchte auch irgendwann mal auf die Bühne und so wird das Angebot für Veranstalter und Konsument einfach riesengroß.

Und jeder, der Musik hört, möchte irgendwann auch mal Ruhe davor haben, oder was ganz anderes machen.
Es ist vielleicht wirklich die Omnipräsenz, aber dann müßte ja Darwin´s law irgendwann greifen und nur die Besten würden überleben. Der Rest der Musikerpolpulation würde auf ein Normalmaß zurückschrumpfen...
 
Im übrigen habe ich mir längst schon eine musikalische Nische gesucht, in der eher wenig Amateure zugegen sind - weil sie es in der Regel nicht können (Jazz spielen). Und das Publikum ist anspruchsvoll, noch dazu in aller Regel gut betuchte Mittelschicht - aber selbst da ist die Übersättigung so groß, daß man um jeden Euro Gage feilschen muß. Wie gesagt, ich hab es eh demnächst hinter mir und bin irgendwie auch froh darüber.



Eigentlich ist es doch nicht überraschend, dass gerade diese 'Nische' total überlaufen ist, oder? Jedes Jahr kommt eine Schar von Musikern aus den Hochschulen, die bis auf wenige Ausnahmen leider ziemlich austauschbar sind und sich um ein fast nicht vorhandenes Publikum streiten. Sind das Profis? Nur, weil sie Jazz spielen und eine Ausbildung haben? Sicherlich nicht. Ich kenne wesentlich mehr Profis, die keine studierten Jazzmusiker sind - letztere haben meistens das Berufsziel 'Musiklehrer', Bühnenauftritte sind da irgendwann eher Liebhaberei.


So richtig kann ich die ganze Diskussion auch nicht nachvollziehen. Was soll diese Trennung zwischen Amateur und Profi? Entweder habe ich ein Publikum, oder ich habe keins. Ist der Amateur so gut, dass er Aufträge bekommt, ist er vielleicht irgendwann kein Amateur mehr.

Für einen Veranstalter zählt nur der Umsatz bei einer Veranstaltung - irgendwie nicht überraschend. Das hat auch nichts mit der Musikrichtung zu tun, Coverrock, Jazz, eigene Musik ... völlig egal - wenn genug Leute kommen, verdient man auch als Musiker. Jeder muss sich sein Publikum erarbeiten und schauen wo seine Nische ist, egal ob Amateur oder Profi, egal ob Metaller, Alleinunterhalter oder Jazzer ... wer am Ende des Abends den Laden voll gemacht hat, hat recht - irgendwo muss die Gage ja her kommen. Das ganze steht und fällt mit dem vorhandenen Publikum, und nicht mit einem vermeintlichen Profi-/Amateurstatus, und natürlich ist es gerade heutzutage nicht einfach, sich sein Publikum zu erspielen. Aber die Chancen stehen gut, dass die 'für-umme-spielende' Band auch kaum zahlendes Publikum zieht - sonst würde sie nicht Lau spielen. Damit ist sie aber auch keine Konkurrenz für etabliertere (Profi-)Bands.

Was sollen das dann für Veranstaltungen sein, wo Bands für Umme spielen und 'Profibands' das Wasser abgraben? Um welche Branche geht es denn da? Cover, Hochzeit, Bierzelt, Gala? Mir persönlich ist diese Konkurrenz noch nie aufgefallen.

These: Das Überangebot an Musikern ist ein Wohlstandsproblem. In einer schlechten wirtschaftlichen Situation lernen die Leute eher etwas 'sicheres', und haben kein Geld für Unterricht/Instrumente/usw.
 
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Eigentlich ist es doch nicht überraschend, dass gerade diese 'Nische' total überlaufen ist, oder? Jedes Jahr kommt eine Schar von Musikern aus den Hochschulen, die bis auf wenige Ausnahmen leider ziemlich austauschbar sind und sich um ein fast nicht vorhandenes Publikum streiten. Sind das Profis? Nur, weil sie Jazz spielen und eine Ausbildung haben? Sicherlich nicht. Ich kenne wesentlich mehr Profis, die keine studierten Jazzmusiker sind - letztere haben meistens das Berufsziel 'Musiklehrer', Bühnenauftritte sind da irgendwann eher Liebhaberei.

Na ja, ganz so ist es auch nicht. Ich kann jetzt natürlich nur von der hiesigen Jazz-Szene sprechen, da kenne ich fast alle lokalen Größen, aber es würde mich wundern, wenn´s woanders nicht ganz ähnlich wäre.
Ungefähr zwei Drittel der Szene besteht aus studierten Musikern, das übrige Drittel aus Quereinsteigern/Autodidakten (so wie auch meine Wenigkeit). Und beileibe nicht alle spielen Jazzstandards; die will (und kann) heutzutage fast kein Mensch mehr hören. Da gibt´s jede Menge Genre-Wechsel und Crossover. Manche spielen argentinischen Tango, andere Chanson und Musette, andere wiederum Klezmer, Flamenco oder Latin ... oder Electro, oder Prog Rock, oder klassisches Songwriting; gemeinsam ist aber allen, daß sie ihr Handwerk beherrschen. Besser gesagt, beherrschen müssen, denn das Niveau ist schon ziemlich hoch. Ebenso die Ansprüche des Publikums, das meistens ziemlich viel Ahnung von Musik und entsprechend gute Ohren hat.
Unterrichten tun auch nicht alle. Viele sagen, sie könnten das gar nicht, hätten keinen Nerv und nicht die Geduld dazu. Und da sie dann sehr flexiblel sein müssen, damit die Kohle reinkommt, spielen sie heute abend in einem Swingorchester und morgen abend in einer Salsaband. Und, ja, genau deshalb sind das Profis. Ich bezweifle einfach, daß ein Amateur so flexibel sein kann. Aber er muss es doch auch gar nicht!


These: Das Überangebot an Musikern ist ein Wohlstandsproblem. In einer schlechten wirtschaftlichen Situation lernen die Leute eher etwas 'sicheres', und haben kein Geld für Unterricht/Instrumente/usw.

Das mag sein - es gibt ja schon ein Überangebot an Ausbildungsstätten. Die vielen Jazz-und Pop-Studiengänge an den Musik-Unis entlassen tatsächlich jedes Jahr zig Leute in eine sehr ungewisse Zukunft.
 
Wenn Profi-Musiker angst davor haben, dass ihnen Amateuere die Preise kaputt machen, dann sollte sie es am Besten unterlassen den Amateueren auch noch Unterricht am Instrument zu geben.
Die Profis bilden doch die Amateure aus.

Besser wäre es da, wenn der Profi-Musiker zu einer abgeschlossenen Kaste werden würde. In die man nicht aufgenommen werden kann sondern nur hineingeboren wird. Von Generation zu Generation. Die Kinder üben das Handwerk ihrer Eltern aus....
:eek:
 
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Ja nee is klar. Und die ganzen Tutorials bei Youtube werden auch gelöscht nachdem alle Lehrbücher verbrannt wurden ;-)
Ich schätze mal, dass ein Drittel der Live-Profis unterrichtet, um sich über Wasser zu halten....
 
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Hallo Zusammen
Hui - ganz schön temperamentvoll dieser Thread ;-)

ich habe einige Zeit gebraucht, um diesen Thread anzuklicken, denn die Überschrift klang mir auf den ersten Blick elitär ambitioniert.
Natürlich geht das Thema nicht an uns Profis vorbei und es ist gut, wenn man seine Prioritäten setzt. Ansonsten bekommt man ja auf Dauer ein Magengeschwür vom Schwarzärgern. Als Lena den Grand Prix gewann, fragte sich meine Frau (studierte Pianistin und Opernsängerin), warum sie eigendlich studiert und die Studiengebühren abgestottert hat. Das Können meiner Frau und das von Lena macht den Unterschied von einem Lamburgini zu einem Karusselpferdchen aus. - Aber das ist der falsche Denkansatz. Der macht nur auf Dauer krank und verdirbt einem wohlmöglich die Freude an der Musik.

Es geht darum, seine Nische zu finden. Dazu braucht`s mehr, als ein Studium. Das geht nur, wenn du dich selber immer wieder neu erfinden kannst. Dann spricht auch nichts dagegen, kommerziell zu denken.

InTune hat anfangs etwas gesagt, das ich sehr logisch und weise finde:
"Am Ende muss die Leistung stimmen. Kauft der Veranstalter/Schüler zu billig/schlecht ein, bekommt er eine entsprechende Leistung.
Verlangen "Profis" zu viel für das, was sie bieten, sind sie zu teuer."


Also ärgert euch nicht - erfindet euch (neu) ! Das ist unser Job.

Liebe Grüße, Ron
 
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Wenn Profi-Musiker angst davor haben, dass ihnen Amateuere die Preise kaputt machen, dann sollte sie es am Besten unterlassen den Amateueren auch noch Unterricht am Instrument zu geben. Die Profis bilden doch die Amateure aus.

Die Tendenz geht allerdings eher dahin, Musiklehrer so schlecht zu bezahlen, dass immer mehr unstudierte Musiker unterrichten. Daher kann man nicht mehr so eindeutig sagen, dass Profis die Amateure ausbilden.

Besser wäre es da, wenn der Profi-Musiker zu einer abgeschlossenen Kaste werden würde. In die man nicht aufgenommen werden kann sondern nur hineingeboren wird. Von Generation zu Generation. Die Kinder üben das Handwerk ihrer Eltern aus....:eek:

Die Ironie habe ich wohl verstanden, aber die Realität war und ist schon immer die, dass in der Tat die kulturell bewusste Gesellschaftsschicht sich reproduziert. Musik wurde immer von den Teilen einer Gesellschaft gehört und gemacht, die sich so einen Luxus zeitlich und wirtschaftlich leisten konnten. Von Generation zu Generation. Musik insgesamt hat sich durch Popularmusik vielleicht etwas demokratisiert, aber nicht vollständig. Auch in Rockmusik wird man hineingeboren, oder man wird es eben nicht. Es ist nicht gerade eine abgeschlossene Kaste, die hier in der westlichen Welt Musik macht und hört, aber doch eine beschreibbare Gesellschaftsschicht.

Harald
 
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Mal ganz provokant andersherum gefragt: Wofür brauchen wir überhaupt so viele Profi-Musiker, wie an den Musikhochschulen ausgebildet werden? Offenbar reichen ja für mittelmäßige Unterhaltungsmusik und mittelmäßigen Unterricht auch (gut ausgebildete) Amateure oder irgendwelche Konserven, und 7/8 der Bevölkerung sind damit zufrieden, so es entsprechend billiger ist. Das Problem scheint tatsächlich eher zu sein, dass es zu wenig Bedarf an hochkarätiger Musik und richtig qualitätsvollem Unterricht gibt, um alle Profis zu ernähren und sie deshalb auch auf einfachere Engagements angewiesen sind - Eben in Konkurrenz zu Hobbymusikern und DJs. In anderen Bereichen, wo die Zahl der (begeisterten) Qualifizierten die der potentiellen Jobs weit übersteigt, sind die Alternativen doch oft noch viel schlechter bezahlt - 2/3 aller Vergleichenden Religionswissenschaftler und Klassischen Philologen studieren mehr oder weniger auf "Taxifahrer" oder "Servicekraft"...

By the way: Meine Kammermusiktruppe spielt normalerweise umsonst, aber zu Anlässen, an denen es sonst eben keine Musik geben würde (sozialer Bereich, Feiern im kleinen Kreis). Der Veranstalter muss Programm (max. 45 min), Besetzung (evtl. 4 Flöten, 2 Geigen, 3 Saxophone und Akkordeon) und Qualität (wechselnd...) nehmen, die wir anbieten können, Flexibilität ist eben nicht. Wer wirklich Wert auf gute Musik legt, muss Profis anheuern, ist normalerweise aber auch bereit, entsprechend dafür zu bezahlen. Wir würden uns nicht getrauen, für unser Angebot Geld zu nehmen, erst recht nicht zu einem "realen" Stundensatz. Gefallen hat es bisher aber immer, die Ansprüche an Hintergrundmusik sind normalerweise nicht wirklich hoch! Alle von uns haben dabei mindestens 10 Jahre gut bezahlten Unterricht bei Profis gehabt, oft an mehreren Instrumenten gleichzeitig. Wenn wir auftreten und mit unserer Musik Freude bereiten können, dann sehe ich das durchaus auch als Ziel und Sinn dieses Unterrichts. Meine alte Lehrerin sieht es genau so, auf die Idee, uns als preisdrückende Konkurrenz anzusehen, kam sie noch nie.

Provokant zusammengefasst: Was ist das Ziel von professionellem Unterricht wenn nicht (auch) öffentliche Auftritte der Schüler? Wäre es nicht völlig unlogisch, wenn diese Schüler die gleiche Gage einfordern würden wie studierte Musiker? Weshalb braucht man Profis für unspektakuläre Gebrauchsmusik?

Ich bin übrigens die allerletzte, die einer studierten Kraft ein angemessenes Gehalt nicht gönnen würde, aber die Argumentation in diesem Thread finde ich teilweise etwas unrealistisch. Ohne konkurrenzfähige Alleinstellungsmerkmale kommt man heute wohl leider in keinem freien Beruf mehr aus, und die Lizenz zum Gelddrucken gibt es traditionell in eher langweiligen Geschäftsfeldern mit geringem Leidenschaftfaktor (Stichwort "Banklehre").
 
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Mal ganz provokant andersherum gefragt: Wofür brauchen wir überhaupt so viele Profi-Musiker, wie an den Musikhochschulen ausgebildet werden? Offenbar reichen ja für mittelmäßige Unterhaltungsmusik und mittelmäßigen Unterricht auch (gut ausgebildete) Amateure oder irgendwelche Konserven, und 7/8 der Bevölkerung sind damit zufrieden, so es entsprechend billiger ist. Das Problem scheint tatsächlich eher zu sein, dass es zu wenig Bedarf an hochkarätiger Musik und richtig qualitätsvollem Unterricht gibt, um alle Profis zu ernähren und sie deshalb auch auf einfachere Engagements angewiesen sind - Eben in Konkurrenz zu Hobbymusikern und DJs.

Die Musikhochschulen beschließen doch nicht: wir bilden jedes Jahr x Profimusiker aus und dann sollen die mal zusehen, wo sie unterkommen. Sie haben einfach eine bestimmte Anzahl von Studienplätzen, für die sich Leute einschreiben, die eben Musiker werden wollen. Weil sie z.B. für eine Banklehre ungeeignet sind (auch das soll´s geben). Daß die wirtschaftliche Unsicherheit für ausgebildete Musiker sehr groß ist, dürfte den meisten Studierenden klar sein; sie wollen es halt trotzdem. Das ist aber nicht das Problem der ausbildenden Institutionen.
Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist doch das Meiste, das musikalisch geboten wird, mittelmäßig - egal, ob es von einem (studierten) Profi oder einem ambitionierten Amateur dargeboten wird. Und zwar in jedem Genre. Ich kenne jedenfalls eine Menge ziemlich mittelmäßiger klassischer Sänger/innen, Rockgitarristen, Keyboarder.... nur ab und zu blitzt Genialität auf, und du hörst jemandem zu, der dir den Mund offen stehen läßt. Oder der deine Seele berührt. Welche Ausbildung derjenige hat (oder ob überhaupt), ist dann zweitrangig. Aber es ist das, was wir im Grunde alle suchen und was nur wenige haben.
Die meisten ausgebildeten Musiker sind gute Handwerker.... die wirklich Begnadeten sind viel mehr als das.

Und ob es wenig Bedarf an qualitätsvollem Unterricht gibt .... na, ich weiß nicht. Ich habe in den letzten Jahren so einige Schülerinnen mit ziemlich übel zugerichteten Stimmen gehabt, die miesen Gesangsunterricht gehabt hatten (teilweise äußerst stimmschädigend - und, ja, leider bei Amateuren!). Ich erschrecke jedenfalls immer, wenn ein 18jähriges Mädel nur noch mit Ach und Krach das zweigestrichene d erreicht und ansonsten auf dem Material herumdrückt und -kreischt, was das Zeug hält - und ich höre meistens ganz gut raus, daß das noch ein, zwei Jahre hält, und dann ist es aus. Man hat nur 2 Stimmlippen. Wenn die irreversibel geschädigt sind, wird das auch mit dem für lau auf der Bühne stehen nix mehr !
Von daher muß ich dir in dem Punkt vehement widersprechen. Bezüglich Instrumentalunterricht kenne ich mich weniger aus, aber ich könnte mir vorstellen, daß man sich auch da eine Menge ungesunden Scheiß angewöhnen kann, wenn der Lehrer nicht so wirklich einen Plan hat.
Aber um diesen Plan zu haben, braucht es eben Erfahrung, eine gute Ausbildung, Praxis.... warum soll es das umsonst geben ? Ihr zahlt doch für jede andere Dienstleistung auch, und für die meisten nicht zu knapp.
 
Zuletzt bearbeitet:
Glaube dass das Problem sehr viel tiefer und grundlegender ist, als auf Profi vs. Amateur zugespitzt und bleibt auch nicht auf Musiker alleine beschränkt..
Ein "Grundübel", wenn man es so nennen will, ist die "The Winner Takes It All" Mentalität oder Methode, welche in sämtlichen Bereichen unseres Lebens Einzug gehalten hat. Das betrifft so ziemlich alle Bereiche geisteswissenschaftlicher Ausrichtung (wo ich jetzt einmal kurzerhand Musiker hinzuzähle) aber auch viele Bereiche in Naturwissenschaft/Technik. Entweder man steht an der sehr dünnen Spitze und hat für sich und die nächsten 3 Generationen ausgesorgt oder man fährt Taxi. Eine vernünftig (bezahlte) Mittelschicht gibt es ja oft gar nicht mehr, die Ewig-Gratis-Praktikanten und der akademische Mittelbau (der eigentlich die ganze Arbeit macht) können ein garstig Lied davon singen. Von der immer irrwitzigeren Schere zwischen "Oben" und "Unten" vor Allem in großen Industriebetrieben, möchte ich erst gar nicht schreiben.
Dass aus dieser Sicht die musikalische "Mittelschicht", wenn man es so nennen möchte, übrig bleibt, wundert mich indes gar nicht mehr. Dieses aber jetzt den Amateuren in die Schuhe zu schieben würde ich als Fehleinschätzung ansehen.
 
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Willkommen in der Marktwirtschaft! Wenn der Profi etwas anbietet, das viele andere auch anbieten, sieht er sich einer entsprechend großen Konkurrenz ausgesetzt und wird sein Produkt nur über den geringeren Preis verkaufen können. Hat er hingegen genug Alleinstellungsmerkmale, wird der geneigte Kunde (Veranstalter) auch einen entsprechend höheren Preis bezahlen.

Will sagen: Wenn dem Profi nichts Besseres einfällt, als Sweet Home Alabama und Summer of 69 zu spielen, wird er von seine Musik nicht leben können. Schließlich gibt es da etliche Amateure, die das billiger erledigen. Das kann er aber den Amateuren, die ihm "die Gigs wegschnappen", nicht ankreiden. Da muss er den Fehler bei sich selbst suchen. Er muss entweder Marktforschung betreiben und eine Lücke finden, in der er von den Früchten seines Schaffens existieren kann oder seine Profession wechseln.

Ich selbst bin auch Amateur und unsere Band spielt für Bier und Applaus, um überhaupt an Gigs zu kommen. Alle Bandmitglieder verdienen ihren Lebensunterhalt außerhalb des Musikgeschäftes. Neben echten Profis stinken wir natürlich ab, wenn es um die Skills geht. Allerdings finden wir auch nicht auf Bühnen statt, auf denen man Profis erwarten würde. Trotzdem finden wir mit unserer Mischung aus 10% Cover und 90 % Eigenem immer wieder ein Publikum, das uns gern zuhört. Solange es uns Spaß macht, werden wir so weitermachen, so what?
 
Ich sehe es auch so, dass dies hier ein alt bekanntes Thema ist.


Meckert der Ingenieur dass ihm die Techniker die Jobs wegnehmen?
Immerhin verdient ein Ingenieur (der studiert hat) mehr als ein Techniker (der "nur" eine Ausbildung hat) bei gleicher Berufserfahrung.
Also muss sich der Ingenieur auf Arbeitssuche doch auch überlegen, welchen Mehrwert er gegenüber einem Techniker bieten kann, damit ihn jemand einstellt.

Also welchen Mehrwert bietet ein Profi-Musiker gegenüber dem Amateur?
Da gilt es eben eine Nische zu finden und etwas zu tun was der Amateur eben nicht kann.

Wenn ein Profi allerdings so schlecht ist, dass viele ambitionierte Amateure besser sind, muss er natürlich auch hinterfragen ob seine Berufswahl die richtige war.

Ich denke schon, dass es einen deutlichen qualitativen Unterschied zwischen Profi- und Amateur-Musikern gibt.
Und die versierten Amateure die ein entsprechendes Niveau haben und dem Veranstalter und dem Publikum etwas bieten können, spielen auch nicht umsonst.

Die Möglichkeiten sein Geld zu verdienen sind doch wohl immer im Wandel. Man hat heute keinen Anspruch mehr darauf, dass man mit der Tätigkeit die man aktuell ausübt, exakt so die nächsten 40 Jahre bis zu Rente auszuführen.

Haben nicht die Profi-Musiker jeweils über die Einführung von der Schallplatte, der CD und letztendlich der MP3 gemeckert?
Sind nicht DJs auch der größte Feind des Live-Muckers?

Trotzdem dreht sich die Welt weiter um sich selbst.
 

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