(Meine) Optimale Studiovorbereitung

von Xytras, 19.08.08.

  1. Xytras

    Xytras Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 19.08.08   #1
    Ich versuche mal zu beschreiben, wie meine Bands im allgemeinen und ich im speziellen uns auf unsere Studiobesuche vorbereitet haben. Ich bitte darum, diesen Thread als Ergänzung zu folgenden Threads zu verstehen, die ich jedem, der ein Studio besuchen möchte sehr ans Herz legen will:
    https://www.musiker-board.de/vb/sonstiges/164737-workshop-erste-studiobesuch.html
    https://www.musiker-board.de/vb/pla...rster-studioaufenthalt-muss-ich-beachten.html

    Vorbereitung und Planung sind das A und O bei einem Studiobesuch. Das Budget der meisten hier duerfte ziemlich limitiert sein, Studiozeit ist nicht ganz billig und die nervliche Belastung, die der einzelne beim Einspielen verträgt ist auch nicht unbegrenzt gross. Bereitet Euch also gründlich vor und Plant alles so weit wie möglich, um ein möglchst optimales Resultat zu erzielen.

    Was meine ich mit Planen? Damit meine ich, dass die Songs im Großen und Ganzen weit vor dem Studioaufenthalt stehen sollten. Klar, es kann immer sein, dass im Studio der Gitarrist denn noch ne kleine Idee für irgend einen Part hat, wo ne neue Gitarrenlinie dazukommt, oder wo hinterher beim Mixing aus 2 Alternativen ausgewählt werden kann, aber Riffs, Songabläufe und Breaks sollten deutlich vor dem geplanten Studioaufenthalt feststehen.

    Und wie bereite ich mich vor? Da gibt es verschiedene Techniken. Für die Drummer gilt: Wenn ihr mit Klick einspielen wollt, ist ein halbes Jahr vorher Proben mit Klick definitiv Pflicht. Warum Proben? Damit auch die Mitmusiker die gewählten Tempi vorher kennen und sich darauf einstellen können, wenn auf einmal die eine oder andere Schwankung rausfällt!
    Was zwar sehr Zeitaufwändig ist, sich bei uns aber als äußerst praktisch und effektiv herausgestellt hat ist, wenn die Band es schafft, alle Songs vorher einmal als Vorproduktion aufzunehmen. Warum?
    • Ihr simuliert damit quasi die Studiosituation, wo jeder allein auf die Spuren einspielen muss, die er hinterher auch in etwa im Studio zur verfügung hat.
    • Jeder bekommt bei diesem Modus gnadenlos die eigenen Schwächen aufgezeigt, die beim gemeinsamen Proben doch gerne mal von nem Gitarrenfeedback oder nem lauten Drumset übertönt werden
    • Hinterher könnt ihr die Vorproduktion her nehmen und a) gemeinsam die Songs und die Arrangements nochmal kritisch durchhören (beim hören ohne Instrument bekommt man Dinge mit, die im Probenraum manchmal verborgen bleiben) und b) eventuelle unklarheiten (auf welchen Schlag kommt der Auftakt jetzt genau? Welcher Ton kommt an der Stelle nochmal?...) weit genug im Vorfeld klären. Dazu empfielt es sich auch, dass sich jeder Musiker Notizen anfertigt, die er mit ins Studio nimmt, wo eventuelle Unklarheiten draufstehen, denn in der Studiosituation führen diese zu unnötigem Stress und Ärger.
    • Ihr habt Material, das ihr dem Tontechniker/Produzenten vor Aufnahmenbeginn (mind. 1 Monat) in die Hand drücken kann, damit er in etwa weiss, was ihn musikalisch erwartet und sich etvtl. auch schon etwas in das Material reinhören kann (wenn er entsprechend motiviert oder gut bezahlt ist)
    • Ihr könnt hinterher jedem einen eigenen Mix dieser Vorproduktion mitgeben, wo alles das gemutet ist, was er nicht braucht, zu dem dann jeder nochmal üben kann. Als bassist hab ich mir z.B. Drums, 70% Gitarren, 10% Gesang und Klick zusammenmischen lassen und hab dazu geübt.
    • Wenn ihr die Vorproduktion sauber und zum Klick eingespielt habt, dann kann der Drummer sie hinterher im Studio als Guide-Spur nehmen. Dadurch ist er nicht auf die ununterbrochene Anwesenheit eines Gitarristen angewiesen (weniger Leute im Studio=weniger Hektik, weniger Chaos, weniger Stress, mehr Konzentration aufs Wesentliche) und kann sich auch im Studio den vom Üben gewohnten Mix auf die Kopfhörer geben lassen
    Ihr seht also, gerade in unserem Fall war eine Vorproduktion gut investierte Zeit und Nerven, da sie die endgültige Produktion deutlich vereinfacht hat!
    2-3 Wochen vor den Aufnahmen haben wir dann die gemeinsamen Proben deutlich zurückgeschraubt und jeder hat für sich allein zu dem entsprechenden Vorproduktions-Mix geübt. Das geht auch zu Hause wunderbar (für die Nicht-Drummer), weil man selbst mit Open Source Tools wie Audacity die eigene Spur nochmal aufnehmen kann, um zu kontrollieren, ob man's auch wirklich drauf hat...
    Den Zeitplan nicht zu eng stricken: Es wird gerade bei Anfängern und den ersten Paar Aufnahmen immer wieder passieren, dass die Dinge länger brauchen, als geplant. Wir hatten bei der letzten Produktion den unglaublichen Luxus, dass wir zwischen den Instrumentenaufnahmen etwa eine Woche Pause gelassen haben, was sicher nicht immer gehen wird, aber wenn ihr halbwegs planen könnt und wenn das Studio halbwegs flexibel ist, dann plant für ein Demo mindestens 1-2 Tage mehr ein, als ihr ursprünglich denkt. Irgendwas wird immer dazwischen kommen und irgendwas wird immer länger dauern als geplant.
    Direkt vor dem Studioaufenthalt - also 1-2 Tage davor werden nochmal alle Felle und Saiten gewechselt, alle Einstellungen an den Instrumenten überprüft und vor allem alle Mängel (wackelnde Kabelbuchsen, nicht fesetsitzende Gurtpins etc.) behoben. Nichts ist ärgerlicher, als wenn ein halber Studiotag dafür draufgeht, die Klinkenbuchse zu löten, die eigentlich seit 3 Monaten einen Wackelkontakt hat, aber live immer noch durchgehalten hat.

    Jetzt steht eurem erfolgreichen Studiobesuch nichts mehr im Weg!

    Soviel zur Vorbereitung, ich hoffe, dass dieser Thread die oben verlinkten sinnvoll ergänzt und bin gespannt auf Meinungen und Kommentare! :)
     
  2. Ripping Angelflesh

    Ripping Angelflesh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.08.08   #2
    Sind super Tipps und sehr schön geschrieben :great:

    Man bin ich froh, dass unser Gitarrist quasi sein eigenes Studio besitzt und wir die Zeitdruck und Stresssituation dann nicht so heftig auf uns lasten haben :D
     
  3. Xytras

    Xytras Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 19.08.08   #3
    Och, irgendwie hat der Druck aber auch sein positives, weil man dadurch zum Abschluss kommen muss. [kenne aus eigener erfahrung auch produktionen in eigenen studios, die sich quasi ewig hinziehen]... Und wenn man sich eben entsprechend vorbereitet und daran arbeitet, dann kann man viel daraus lernen und mit diesem Druck trotzdem ein super Ergebnis erzielen...

    Edit: aber danke fuer's Kompliment :)
     
  4. Sam Razr

    Sam Razr Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.08.08   #4
    Tolle Ergänzungen, klingt alles sehr logisch. Insbesondere das mit der Vorproduktion finde ich eine sehr gute Idee!
     
  5. Xytras

    Xytras Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.08.08   #5
    danke - hat sich bei uns auch wirklich quasi direkt in Bargeld umrechnen lassen, weil es viel Studiozeit gespart hat (dass die Produktion trotzdem alle veranschlagten Kosten weit uebersteigt, das hat andere Gruende und die wollen wir hier mal unter den Tisch fallen lassen...) :)
     
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