Musicals für tiefe Männerstimmen?

von Apfeltasche, 07.08.08.

  1. Apfeltasche

    Apfeltasche Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.08   #1
    Hallo,

    zu mir: Ich habe jetzt ein Jahr Schulchor (nichts besonderes) und ein halbes Jahr Gesangsunterricht hinter mir. Nicht viel Erfahrung also....dennoch überlege ich mir, wohin's mit mir geht, also auf welchen Bereich ich mich spezialisieren möchte (okay, vielleicht muss ich das auch gar nicht, egal, jedenfalls:)

    Ich habe mich im Internet etwas schlau gemacht und auf Seiten wie diesen: Elisabeth (keine Angst, ich denke nicht, dass ich gleich durchstarte ^^)
    finde ich nur Tenöre bzw. "hohe" Baritone. Im Schulchor war ich aber immer einer von den wenigen Jungs die die tiefsten Töne singen konnten und wurde deshalb schnell als Bass abgestempelt.

    Hat man als Bass überhaupt Chance in der Musicalbranche? Oder bleibt mir nur die Oper? Meine Gesangslehrerin (ja, LehrerIN, ich bin m) hat immer gemeint, ich wäre ein Bassbariton. Die Tiefen des Bass hab ich schon...Kann es sein, dass ich mir die Höhen des Bariton auch an"trainieren" kann? Kann man den Umfang zweier Stimmlagen besitzen?

    Ich weiß, es sind viele Fragen, aber das Thema beschäftigt mich sehr. Ich habe nämlich angefangen meine Stimme nicht zu mögen, weil sie zu tief ist....schließlich wird ja nicht nur im Musical die hohe Stimme gesucht, sondern auch im Pop und Rock, oder? Naja, eigentlich müsste ich drüberstehen und die Stimme so nehmen wie sie ist, es ist nur sehr deprimierend, etwas aus einem Grund nicht machen zu können, an dem man nicht ändern kann.

    Ich hoffe, man kann einigermaßen verstehen, was ich meine ;)
     
  2. moniaqua

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    Erstellt: 07.08.08   #2
    Dass Du tiefe Toene erreichst, muss nicht unbedingt heissen, dass Du Bass bist. Das hat mehr was mit Timbre zu tun und ist eigentlich fuer Rock/Pop und afaik fuer Musical ziemlich egal (bei Musical bin ich mir ned ganz sicher).

    Ich wuerd, wenn Dich Deine Stimmfaerbung interessiert, eher auf die Meinung der GL gehen.

    "Antrainieren" - hmm, also, was ned da ist, kann man ned antrainieren. Es ist aber so, dass sich der Stimmumfang waehrend des Gesangsunterrichtes erweitert, einfach, weil man die Technik optimiert. Da sind oft oben und unten noch ein paar Toenchen drin.

    Und ja, der Stimmumfang kann durchaus ueber zwei "Stimmlagen" gehen. Ich sitz z.B. im Chor im Alt, bin aber eigentlich laut meinem (maennlichen ;) ) GL Mezzo. Ich werd wohl nie die Koenigin der Nacht schaffen, aber dafuer helf ich durchaus auch schon mal im ersten Tenor aus, wenn Not am Mann ist. Stimmumfang hat fuer mich weniger damit zu tun, ob man in die Schublade Bass, Alt oder sonstwas gesteckt wird.
     
  3. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 07.08.08   #3
    Für Musical ist Timbre so wenig irrelevant wie für Oper. Jede Rolle hat auch im Musical ein Klangbild, dem sie entsprechen muss (strahlender Heldentenor oder quäkende Nerv-Sopranette etc...)

    Genaugenommen ist für Musical im heutigen Musical Timbre (fast) wichtiger als Stimmfach, denn die geforderten Tonumfänge der meisten Partien sind so groß nicht.
    Wenn ich an "tief" denke, höre ich mal so spontan den "Papa" aus Starlight Express, "Chagall" und auch den Grafen aus dem Tanz der Vampire. Ich fürchte aber, das sind auch alles Baritöner.
    Tiefer geht es afaik im Muscal kaum. (wobei der Graf schon einen irre tiefen Ton singt ;) einmal halt)
     
  4. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.08   #4
    Hi,

    an den Grafen habe ich mitunter auch gedacht, aaaaber... der hat auch sehr klangvolle Höhen, weiss nicht, obde dich damit arrangieren könntest.
    Ansonsten fällt auch mir auf, dass im Musical meist helle Timbres gefragt sind, man kommt kaum auf tiefere Stimmen.

    @ IcePrincess: Sopranette? Ist das nicht eine Soubrette? ;) Oder sind beide Namen geläufig?

    Schöne Grüße,

    ...

    ach und PS: Warum haben eigentlich soviele eine Abneigung gegen die Oper? Also al angehender Bass hättest du (falls du aus deiner Stimme wirklich einmal etwas machen möchtest) alle Tore offen, auch an renomierten Staatsopern ständen dir bei stimmlicher Überzeugung alle Türen offen, denn Bässe werden gesucht wie nix.
     
  5. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 07.08.08   #5
    Die Nerv-Sopranette war meine eigene Erfindung. Ich hatte verzweifelt nach was gesucht um das grauenvolle gequäke der Scarlet in "We Will Rock You" zu beschreiben. Die wäre ja schon Sopran, wenn sie denn sänge.

    Gute Frage, nächste Frage. Opern-Bässe finde ich grandios. Opern-Soprane meistens nicht.

    ...wenn die Sänger nach nach Bass aussehen. Eine gewisse Körpergroße und ein gewisser Mange an Spillerigkeit sollte schon gegeben sein. Aber ansonsten hast Du Recht.
     
  6. Apfeltasche

    Apfeltasche Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.08   #6
    Wenig Irrelevant...also sehr relevant, oder ;)?

    Ich habe keine Abneigung gegen die Oper...Ich bin nur einfach fasziniert vom Musical. Ich mag daran genau das, was manche für superfröhlich/oberflächlich halten. Außerdem ist mir der Tanz sehr wichtig.

    Groß bin ich, aber nicht sehr "breit"...

    Naja, schade. Ich werd bei der nächsten Gesangsstunde mit meiner GL mal mein ganzes "Timbre" prüfen. Vielleicht komm ich ja doch bis zum g'.

    Danke für eure schnellen Antworten
     
  7. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 07.08.08   #7
    Bingo. Die Stimmqualität muss zur Rolle exakt passen, damit die Zuschauer möglichst wenig Unterschiede wahrnehmen, wenn die Rolle an Abend A von Sänger X und an Abend B von Sänger Y gesungen wird.
    Deshalb ist auch die Optik beim Musical nicht unwichtig. Hast ja gesehen, dass die auch Altersvorgaben und so weiter geben.

    *Ich* kann das verstehen. Singe doch selbst hauptsächlich Musical. Habe meinerseits halt den Vorteil, dass es in jedem Musical Sopran-Soli gibt und ich im Zweifelsfall auch die Tenorsoli super singen kann.
    Das einzige, was mich an den neueren Musicals stört ist, dass die Sachen eigentlich zu wenig anspruchsvoll sind. Zumindest wenn ich es mit der West Side Story oder My Fair Lady vergleiche.

    Das sollte sich ggf. dann halt noch ändern ;) von einem Bass erwartet man, dass er mit der entsprechenden Masse auf der Bühne steht. Breit bitte nicht als "Dick" falsch verstehen, aber breite Schultern sollten schon sein.

    Daumendrück! Vielleicht bekommen wir ja Rückmeldung, ob's geklappt hat?
     
  8. holyman

    holyman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.08   #8
    Also ich bin selbst auch Bass und habe im Unterricht wie die meisten anderen auch mit Musicals angefangen.
    Viele Bariton Rollen der Musicals lassen sich auch als Bass ganz gut singen:

    "Stars" (Les Miserable), "The Impossible Dream" (Man of La Mancha), "Epiphany" (Sweeney Todd), "Die unstillbare Gier" (Tanz der Vampire), "Pilates Dream" (JCSS)

    Trotzdem ist es auf Dauer ermüdend immer wieder vom C einer Bariton-Tessitur wegzusingen, wo man doch als Bass eher mehr beim A zuhause ist. Du lernst zwar im Unterricht, den ein oder anderen hohen Ton schöner zu singen (das g' mg durchaus drinnen sein), das macht diese hohe Lage aber nicht weniger anstrengend!

    Daher mein Tipp: Beschäftige dich einmal mit den typischen Bass-Arien a la "Votre Toast" (Carmen), "La Calunnia" (Il barbiere di siviglia), "Se vuol ballare" (Le nozze di figaro), "Madamina, il catalogo e questo" (Don Giovanni), "Le veau d'or" (Faust),...

    Ich bin mir sicher, dass du Gefallen daran finden wirst. Ich finde es besser, als im Musical in einer Lage zu singen, in der ich mich nicht zuhause fühle, auch wenn ich alle Töne habe...
     
  9. Gast 23432

    Gast 23432 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.08   #9
    Hallo Apfeltasche

    Das verstehe ich nun gar nicht und finde es sehr schade :(.
    Bezüglich Deiner Frage zu Musical-Besetzungen kann ich Dir zwar leider auch nicht weiterhelfen, aber was wäre zum Beispiel Jesus Christ Superstar ohne den Kaiphas - und der ist ein Baß :great:.
    Und was spricht gegen Oper, wenn Deine dafür Stimme geeignet ist? Da gibt es viele schöne Rollen, der Falstaff in den "Lustigen Weibern von Windsor" und Sarastro in der "Zauberflöte" fallen mir ohne Nachdenken ein.
    Leider gibt es nicht viele wirklich gute Bässe, die Zeiten eines Fjodor Schaljapin sind wohl vorbei :(.

    Mein Geschmack ist da vielleicht ein wenig außerhalb des Mainstream, ich liebe Bässe, finde ich einfach toll. Außerdem bin ich der Meinung, wenn sich ein Mann auf die Bühne stellt und den Mund aufmacht, dann soll er das tun wie ein richtiger Mann und nicht wie ein Fastbeinah-Kastrat (sry an alle Tenöre...;)).

    Mit meinem Beitrag will ich Dir nur Mut machen, stimmlich das zu sein, was Du bist und Dich nicht nach Lagen, die Dir vielleicht gar nicht liegen zu quälen :).

    LG, Peter
     
  10. SingSangSung

    SingSangSung Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.08   #10
    Hallo,

    ich wollte nur mal einwerfen: Die Tonumfänge sind bei einigen Musica-Rollen schon ziemlich groß, speziell im Bariton-Bereich. Das mag bei den Frauen anders sein, da fehlt die große Höhe, die man in der Oper hat. Man denke nur an "Music of the night", das geht vom As bis zum as', mehr Umfang haben die meisten Opernpartien auch nicht. Eines meiner Lieblingsstücke, "Empty chairs at empty tables" hat einen ähnlichen Umfang (A bis g').

    @Apfeltasche: Wenn Du noch jung bist, was ich vermute, dann kann sich am Stimmumfang noch eine ganze Menge ändern. Ich habe im Schulchor auch immer Bass gesungen, und konnte auch sehr gut die Tiefen Töne singen. Die kann ich zwar immer noch, aber von der Tessitur her fühle ich mich im Bariton jetzt wohler, und die hohen Töne habe ich auch.

    Viele Grüße,

    SingSangSung
     
  11. Butze

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    Erstellt: 07.08.08   #11
    Stimmfach im Musical ist eigentlich in Großproduktionen relativ irrelevant. Ne ganz klare Bass-Bariton-Rolle wie Javert wurde in Berlin - wohl wegen der Publikumswirkung - mit "Tenor" Uwe Kröger besetzt (wobei der sich in den letzten zwei Jahren scheinbar endgültig zum Bariton entwickelt hat).

    Hohe Baritöne können von den normalen Anforderungen an den Umfang sehr sehr viel singen ( bin einer).

    Abgesehen davon denke ich muss es mal wieder gesagt werden: von einer Ausbildung zum Musicaldarsteller raten selbst die Ausbildungsstätten (z.b. Konservatorium Wien, Stage School Hamburg) ab! Der Markt ist sehr hart umkämpft und man endet mit höchster Wahrscheinlichkeit als Ensemble-Hupfdohle und wird mit 40 keine Engagements mehr bekommen.
     
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