Notenspiel: Wie lange braucht ihr, um ein Stück zu erarbeiten?

von Fred Ericsson, 27.08.10.

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  1. Fred Ericsson

    Fred Ericsson Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.08.10   #1
    Hey liebe Pianisten,
    Wie ich so vor der Chopin-Etüde Nr. 3/Op.10 sitze, und mal wieder leicht am frustriert-sein bin, stellt sich bei mir wie oft die Frage, wie lange das Noten-erarbeiten eigentlich dauern sollte. Provokant gefragt, aber wie lange braucht der gute klassische Pianist eigentlich, bis er die Noten, die da stehen fehlerfrei runterspielen kann? Ich meine damit NICHT die klangliche ausgestaltung!

    Ich bin eigentlich Jazzer und würde jetzt nicht behaupten, dass ich der superschnelle leser-spieler bin. Allerdings versuche ich mich schon ganz gern an schwierigeren klassischen Werken (Beethoven-Sonaten, Bachfugen, Chopin-Etüden...), auch für Prüfungen etc., und vom Klang her und der Spieltechnik stellen die kein Problem dar, nur die "Erarbeitungszeit" nervt mich teilweise echt ab. Bis ich mich bei meiner letzten Chopin-Etude (Op. 25/Nr.1) überhaupt ans "Feintuning" machen konnte, sind locker 2-3 Monate fürs reine Noten-reinziehen draufgegangen.

    Liebes Dr.Sommer-Team, bin ich normal? :D

    Wie geht ihr bei schwierigeren Stücken vor, um schneller voranzukommen?

    Gruß, Fred
     
  2. pheno

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    Erstellt: 30.08.10   #2
    Hmm, das kommt natürlich aufs Stück an, aber 2-3 Monate kann schon mal normal sein. Bei mir läuft es immer darauf hinaus dass ich mich eine Woche lang jeden Abend 4 bis 5 Stunden in die Kirche verkrieche (Der aufmerksame Leser dieses Forums hat mittlerweile eventuell mitbekommen, dass ich Orgel spiele ;-D) und so lange übe bis es zu großen Teilen klappt (allerdings mit etwa 10 Minuten Pause pro Stunde, um keinen Penelope-Effekt zu bekommen und allgemein Schäden durch die teilweise doch recht unbequeme Haltung - kann mich ja nicht mitr den Füßen abstützen :D - zu vermeiden). Danach ist dann noch nicht alles perfekt oder auch nur einigermaßen gut, aber ich habe das Stück dann häufig so weit dass ich es ohne allzu sehr zu stocken durchspielen kann und auf jeden Fall nicht mehr aussetze. Danach nutze ich meine Abende wieder mehr für die anderen Freuden des Lebens und gehe 5 mal die Woche für jeweils 2 Stunden üben. Da kann man dann auf das erarbeitete aufbauen und hat schon Spaß am Stück.

    Das ist vielleicht nicht die beste Methode, aber eine, die für mich recht praktikabel ist (studieren muss ich ja schließlich auch noch :D) und die zum gewünschten Ergebnis führt. Bis ich aber komplett mit einem Stück fertig bin, so dass es aufführungsreif ist, brauch ich auch 3 monate oder wesentlich länger... bei Jugend musiziert hab ich ein Jahr vorher mit der Suite gothique vpn Leon Boellmann angefangen :D
     
  3. HammondToby

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    Erstellt: 30.08.10   #3
    Hm, das kommt auch auf die Zeit an, die du am Tag dafür aufwendest. Ich bin relativ schnell im Noten lernen, weil ich mir angewöhnt habe, erst die Noten auswendig zu lernen und dann erst auf die musikalische Gestaltung einzugehen, damit ich nicht gleichzeitig lesen und denken muss ... das hat natürlich nichts mit der Endgeschwindigkeit des Stückes zu tun ;)

    Ich sitze gerade seit 2 Wochen an der Brahms Rhapsodie g-moll, op. 79, Nr. 2 und kann es fast auswendig mit 4 Stunden am Tag üben. Ich bin auch kein toller klassischer Pianist ... ich BIN nicht mal Pianist, sondern Hammondorgler, zumindest betrachte ich mich so, aber das sollte mich ja nicht hindern, mich dahingehend fortzubilden.

    Grüße vom HammondToby
     
  4. wostschew

    wostschew Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.10   #4
    Zur Zeit bin ich am dritten Satz der Mondschein-Sonate, seit vermutlich etwa vier Monaten. Wenn ich Stücke im Umfang von vier bis sechs Seiten einstudieren soll, die mich technisch fordern, aber im Bereich des Machbaren liegen, rechne ich mit mindestens 3 Monaten, bis sie fliessend und ziemlich sicher vorspielbar sind. Ich übe zur Zeit etwa zwei Stunden täglich, wovon dann für das Stück etwa eine halbe Stunde abfällt. Ich kenne sehr gute Blattspieler, die für schwierige Werke auch mindestens diese Zeit brauchen, wobei sie schwierige Passagen auswendig lernen.

    In einem Interview mit Casals (war zwar Cellist) lese ich: "Enzückt machte ich mich an das Studium der Suiten (Bach) - ein Studium das sich über zwölf Jahre erstrecken sollte, ehe ich mich dazu entschloss, sie öffentlich vorzutragen."

    Andras Schiff sagt in einem Interview in Bezug auf die Goldbergvariationen: "Fünf Jahre habe ich nur geübt, dann erst wagte ich mich ins Konzert damit. Seitdem spiele ich die Variationen regelmässig."

    Man sieht, gut Ding will Weile haben. :)

    es grüsst
    Wostschew
     
  5. stoennes

    stoennes Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.09.10   #5
    Da ist auch die Frage, was Du mit fehlerfrei herunterspielen meinst, fast Endtempo oder langsam aber auswendig.

    Ich hatte einen Kollegen, der nie auswendig gespielt hat. Dafür konnte er sehr gut vom Blatt spielen. Ich spielte immer sehr schlecht vom Blatt (spielte, da es sich nach und nach gebessert hat) dafür konnte ich sehr schnell auswendig spielen (wohl gezwungerenmaßen). Eine Etüde wie die Chopin op. 10 No 4 konnte ich in drei Tagen auswendig, aber natürlich nur laaangsam. Das auf Tempo zu bringen, konnte dann wieder Monate dauern. Habe also eigentlich nichts gewonnen. Heute kann ich besser von Blatt spielen, dafür klappt das Auswendiglernen nicht mehr so schnell. Ist schon komisch. Kann aber natürlich auch der (am Hirn) nagende Zahn der Zeit sein.:D
     
  6. Point Loma

    Point Loma Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.09.10   #6
    Ich bewundere eure Konsequenz, ich wünsche mir, ich könnte so was auch. Bei mir ist es immer so, dass ich schwere Stücke anfange zur Seite lege, was anderes spiele, und dann nach einem Monat wieder aufgreife. So kann das schon mal eine ganze Weile dauern. Außerdem halte ich es nie länger als 30 - 60 Minuten am Klavier aus. :bad:
     
  7. edmund

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    Erstellt: 15.09.10   #7
    Hallo,
    ich habe mich auch schon öfters gefragt, ob es normal ist, wenn man so lange zum Noten lernen braucht.
    Aber ich spiele auch nicht jeden Tag, manchmal eine ganze Woche nicht und dann braucht man natürlich Zeit!
    Gruß Edmund
     
  8. pheno

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    Erstellt: 15.09.10   #8
    ich glaub je länger man schon klavier spielt, desto länger setzt man sich auch dran, wird wie ne sucht :D ist zumindest bei mir so, ich werd richtig unruhig wenn ich kein klavier in der nähe hab
     
  9. Point Loma

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    Erstellt: 16.09.10   #9
    Naja, ich spiele auch schon 13 Jahre lang (naja so richtig erst seit 10) ...
     
  10. pheno

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    Erstellt: 17.09.10   #10
    hmm meintest du damit 30-60 min am stück oder am tag? nicht dass ich dich falsch verstehe :D
     
  11. Point Loma

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    Erstellt: 18.09.10   #11
    Am Tag ;)
     
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