Preamp Shootout

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Gast68739

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Hallo zusammen.

Ich wollte mir zu meinem Bachelor Abschluss einen schönen Preamp gönnen. Ich suchte einen färbenden Preamp mit Vintage Charakter. Er sollte fett, voll und voluminös klingen und dem Signal einen eigenen Charakter beifügen. Verwenden wollte ich den Preamp primär für Vocals, aber auch als Bass DI sollte er eine gute Figur machen. Musikalisch bewege ich mich im Bereich Rock/Metal.

Folgende Preamps hab ich mir vom Vertrieb meines Vertrauens ausgeliehen:

Edax VTP 100
Arsenal Audio R20
Chandler Limited Germanium Preamp
Universal Audio 710 Twin Finity
Universal Audio LA 610 MKII

Meine persönliche Meinung/Wertung zu den Preamps, gemessen an meinen Bedürfnissen:

Platz 5: Edax VTP 100 (ca. 1200 Sfr.- / ca. 800 Euro)

Ein einkanaliger Röhren Preamp mit zahlreichen Feauters wie regelbarem Low Cut, Input und Output Regler, etc. etc. Der Preamp klang in meinen Ohren sehr neutral und detailiert. Färbung und Vintage suchte ich vergebens. Für eine andere Anwendung wäre der Preamp sicher gut geeignet, aber leider war er nicht das was ich suchte. Klang halt nach nichts, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss…

Platz 4: Arsenal Audio R20 (ca. 1200 Sfr.- / ca. 800 Euro)

Ein zweikanliger solid State Preamp in geilem Army Gewand ;) Nüchterne Ausstattung, nur ein Gain Poti. Da Arsenal Audio ja eine Marke von API ist, erwartete ich eine ähnliche klangliche Richtung… Leider war der R20 aber nicht so charaktervoll wie die API`s. Alles in Allem auch neutral mit einem satten Bass und leicht mehr obere Mitten/Präsenz. Das Signal wirkt dadurch etwas direkter, allerdings auch ein wenig härter, einfach weniger "smooth", wenn ich das mal so beschreiben darf. Auch das wieder ein durchaus cooler Preamp zum erschwinglichen Preis, aber wiederum nicht das was ich suchte.

Platz 3: Universal Audio 710 Twin-Finity


Ein einkanaliger Röhren/Solid State Preamp mit Input- Output Regler, Low Cut, PH 48 und Tone Blend Control. Der Blend Control Knob ermöglicht es einem stufenlos den Anteil von Röhren und Solide State Verstärkung zu regeln, von 100% Röhre bis 100% Solide State. Dieser Preamp war schon eher das, was ich suchte. Je nach Belnd Stellung, begann der Preamp mit einer Färbung des Signals. Wenn der Preamp auf 100% Röhre steht, beginnt er bereits ab ca. der Häfte das IP Gains deutlich zu zerren und produziert klar hörbare Obertöne. Bis zu einem bestimmten Punkt kann diese Verzerrung dem Signal einen erwünschten Klang beifügen, ab der Hälfte geht das Signal allerdings stark in Richtung Gitarrenverstärker… Meiner Meinung nach zu früh. Mit dem Blend Regler lässt sich diese Verzerrung nach oben verschieben, sprich, er beginnt später harmonische zu produzieren. Allerdings geht dann auch der etwas färbende Sound verloren. Was mir bei ihm auffiel, war der relativ stark betonte Präsenz Bereich, der dem Signal einiges an Wärme und Cremigkeit nimmt. Im Bassbereich zeigt sich der 710 eher schlank und definiert. Ein top Preamp zu einem attraktiven Preis. Gerade für Budget Studios eine Überlegung Wert, da er dank des Blendreglers sehr flexibel ist.

Platz 2: Chandler Limited Germanium Preamp / DI


Ein einkanaliger Solide State Preamp mit Germanium Transistoren, Drive und Feedback Regler, Pad, Ph 48 und Thick schalter. Dieser Preamp erfüllte eigentlich alle meine Bedürfnisse. Er färbt das Signal relativ stark mit seinem Vintage Charakter. Der Preamp klingt voll, weich, cremig und zugleich direkt und mit einer gewissen Härte. Ist echt schwer in Worte zu fassen. Wenn der Drive Regler voll aufgedreht wird, hat der Preamp einen wirklich vollen, färbende Sound mit angenehmer Höhenwiedergabe. Klingt 100% vintage das Ding ! Dreht man den Feedback Regler auf, erhöht sich die Total Harmonic Distortion und die Höhenwiedergabe nimmt etwas ab, sprich, der Klang wird etwas dumpfer und härter. Leider wird dadurch auch der Rauschpegel drastisch erhöht. Von daher muss man etwas probieren mit dem Drive und Feedback Regler, bis Klang und Rauschen passt. Der Thick Schalter erhöht den Bassanteil deutlich, laut Chandler Limited sogar runter bis 3 HZ ! Für Vocals und Bass ist dies allerdings zuviel des guten, von daher habe ich keine Anwendung gefunden, wo dieses Feauter nützlich wäre. Etwas enttäuscht bin ich vom DI Input, welcher etwas zu leise geraten ist. Spielt man Gitarre oder Bass direkt ein, muss man den Preamp relativ stark aufdrehen um den erforderten Pegel zu erreichen. Dadurch steigt der Rauschpegel und das Rauschen wird leider deutlich hörbar… Ein etwas empfindlicherer DI IP wäre da wünschenswert. Für Aufnahmen mit Mic`s ist das Ding allerdings Klasse !

Platz 1: Universal Audio LA-610 MK-II


Ein einkanaliger Röhren Channelstrip mit Preamp, EQ und Kompressor. Extrem viele Feauters und Einstellmöglichkeiten. Beim ersten Hördurchlauf wurde mir schlagartig bewusst, dass dieser Channelstrip ja 5 Röhren im Signalweg hat… Und die hört man gewaltig. Das Signal ist extrem Voluminös, voll, extrem weich und Cremig und klingt dank dem eher etwas dunkleren Klang total nach Vintage. Mit dem IP und OP Regler lassen viele verschiedene verschiedene Sounds erzeugen, welche alle irgendwie überzeugen können. Am meisten Spass macht mir allerdings der Farbabteilung, sprich IP auf Rechtsanschlag :D. Der EQ bestitzt nur einen Low und High Shelf, welcher sehr musikalisch und weich klingt. Der Kompressor ist der Hammer. Ich war zwar zu Beginn etwas skeptisch, da nur Gainreduction und Make up Gain eingestellt werden kann. Doch ich wurde sehr überrascht. Mit dem Gainreduction Regler regelt man das Mass der Kompression, wobei Attack und Release vorprogrammiert ist. Die Attack Zeit beträgt ca. 11ms. Ideal für Vocals und auch Drums, da die Transienten gerade noch durchkommen. Die Release Zeit ist so eingestellt, dass nach 60 ms ein gewisser Teil zurück geregelt wird. Lässt man allerdings einen Ton ausklingen, so erkennt dies der Kompressor und die Releasezeit kann um bis zu 12 Sekunden verlängert werden… Hammer ! Absolut musikalisch, kein Atmen, nichts. Bis und mit 6dB Gainreduction (was übrigens auf dem Meter angezeigt wird) ist die Komprimierung absolut smooth, bei harter Kompression, also von ca. 8 - 15 dB Gainreduction wirkt das Signal überkomprimiert und man nähert sich einem TV Spot… Normal eigentlich. Für Bass ist der DI IP einfach nur Perfekt. Ich hab schon manche DI Bässe gehört, aber solch einen DI Bass kam mir bisher noch nicht unter. Volle kräftige Bässe, 100% Röhriger Sound. Top!

Trotz meiner äusserst positiven Bewertung gibts auch kleine Contras:

1. Der IP regler ist nur in 5 dB Schritten Regelbar, von -10 bis +10. Ein stufenloser Regler (wie z.B. beim Solo 610) wäre noch flexibler und man könnte den Pre noch mehr in die Sättigung fahren.

2. Compressor und Preamp können nur in Serie betrieben werden. Nur den Pre oder nur den Comp. kann man nicht betreiben. Separate Ein- und Ausgänge wäre ein nettes Feauter.

3. Der EQ hat keine parametrische Mitten, nur High und Low Shelf.

Klar, das wäre noch das Sahneheubchen, aber auch so ist der Preamp der absolute Hammer für meine Bedürfnisse. Ich dachte mir bei all meinen Positiven Feedbacks über den Pre müssen auch noch einige negative Platz haben :)

Ach ja, für die Vocals verwendete ich übrigens ein Shure SM7B und ein Uher M537. Absolute Empfehlung für natürliche Gesangsaufnahmen.

Jo, das wärs eigentlich. Gerne beantworte ich euch weitere Fragen, falls ich kann:rolleyes:, oder nehme andere Meinungen entgegen.

Greez Ravine :great:
 
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Steffen Brenner

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Ja, eine ähnliche Wertung hätte ich wahrscheinlich auch vorgenommen.

Übrigens: Universal Audio hat seit heute bis Ende Juli die sehr geile "Analog <-> Digital Hybrid Studio Promotion" am Laufen, bei der es beim Kauf eines LA-610MkII eine UAD-2 Solo gratis dazu gibt.

Universal Audio LA-610 MkII
 
Düsseltier

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Dem stimme ich voll zu. Der Sound von einem Bass am DI Input des Universal 610 ist echt sehr geil. Ich splitte seit dem immer das Bass Signal beim Aufnehmen und schicke die eine Hälfte über einen Ampeg und die andere Hälfte halt durch den UA.

@ Recording Box: Hast du mitlerweile mal den Alten 610 und den Signature 610 im A/B Test verglichen? Würd mich echt interessieren. Noch gibts die Signatur Kiste ja :rolleyes:

Mein nächster Kauf sollen zwei Chandler Germanium Preamps (Plus PSU) sein, finde die Dinger unglaublich genial. Vom Preis her halt gerade noch so ok.
 
Steffen Brenner

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