Professioneller Notensatz in 2022. Wo bekommt man den ultimativen Überblick?


Fastel
Fastel
Helpful & Friendly User
HFU
Zuletzt hier
08.08.22
Registriert
11.04.04
Beiträge
6.414
Kekse
20.700
Ort
Tranquility Base
Hey Forum,

ich bin momentan noch am Suchen des für mich perfekten Notationsprogramms und wenn man so im Netz recherchiert ... kommt man irgendwie auch nicht so wirklich weiter.

Meistens stolpert man über Anzeigen und die suchmaschinenoptimierten Seiten der entsprechenden Programme, die sich natürlich selbst ins beste Licht stellen. Erfahrungsberichte (auch hier im Forum) kommen mir immer sehr zufällig vor, bei manchen Einträgen kann man auch davon ausgehen, dass hier Mitarbeiter aktiv sind. Egal...

Das Problem ist ja immer, dass solche Programm teilweise Expertensache sind und die wirkliche Einarbeitung und Durchdringung vielleicht Monate braucht. Um dann diese Programme vergleichen zu können müsste man also viel Zeit investieren. Solche Vergleiche auf Seiten wie Delmar und Backstage Pro usw lesen sich auch sehr oberflächlich und hobbymusikerisch. Na ich will mich nicht beschweren. Mein Workflow mit Sibelius ist inzwischen hervorragend. Aber deren Pricingsystem mit saftigen Monatsgebühren ist für mich langsam einfach ein NoGo. Kundensupport in meinem Fall nie vorhanden. Der Dorico-Verkäufer meint, deren Software ist natürlich viel moderner, weil nicht (wie bei der Konkurrenz) ein altes System aus Mitte der 2000er immer weiterentwickelt wurde und heute an Grenzen stößt (nachvollziehbar, aber auch nicht unbedingt belegbar). Dann lese ich aber von Dritten dass Dorico "einfach noch nicht so weit" sei wie die alteingesessenen... egal

Jetzt bin ich über irgendeine Werbung in der Filterbubble der Noteflight-Entwickler gestoßen. Vorher nie gehört. Laut eigenen Angaben haben sie die größte Musikercommunity (oder Nutzerbase?) der Welt... klar.


Tja was will ich nun von Euch? Eigentlich nichts bestimmte, vielleicht nur mal diesen Gedanken loswerden, dass ich irgendwie feststecke. Wer sind denn nun eigentlich die Big Player am 2022er Markt? Welche die professionellen Ansprüchen gerecht werden. Vielleicht gibt es doch ein neutrales, nicht von Werbeinteressen gesteuerten Beitrag mindestens von 2021 zum Thema, wo die Autoren auch in die Tiefe gehen. Oder Kommentare "ich habe 10 Jahre Sibelius benutzt und Dorico ausprobiert. Nach 2 Tagen wieder aufgegeben weil ich mit dem Workflow nicht klar gekommen bin. Bekommt daher 3 von 5 Sternen".

Musescore ist kostenlos und laut eigenen Angaben, das beste und bekannteste Notationsprogramm. Warum gibt es denn dann noch das teure Dorico und Co? Vielleicht gibt es eine Quelle wo mal die Vor- und Nachteile aufgeschlüsselt sind?

Sibelius, Finale, Dorico, Noteflight, Musescore, Crescendo - "Nimmam besten was Dir besser liegt" (Fianle Meinung in einem Vergleichsposting) - Am Arsch! Na das hilft! Das weiß man bei dieser Einarbeitungszeit doch gar nicht. Nimm am besten einfach was Dir besser liegt - was soll das denn für eine Empfehlung sein? ... warum gibt es so viele unterschiedliche Programme? Nur weil sich eine stabile Nutzerbase so weit reingearbeitet hat, dass sie einen Umstieg auf modernere, oder schlicht andere Programme zu aufwändig anfühlt? Können die nicht alle mehr oder weniger das gleiche?

Wie habt Ihr euer Notationsprogramm gefunden - habt ihr es auch verglichen oder euch einfach eingearbeitet und dann ist auch gut?
So sorry, für diesen unspezifischen Beitrag. Vielleicht bin ich nicht der einzige, der hier etwas orientierungslos ist... steigt gerne ein oder hatet! ;)
 
Claus
Claus
MOD Brass/Keys - HCA Trompete
Moderator
HCA
Zuletzt hier
08.08.22
Registriert
15.12.09
Beiträge
16.939
Kekse
81.601
Musescore ist kostenlos und laut eigenen Angaben, das beste und bekannteste Notationsprogramm.
Ich habe über 20 Jahre lang Makemusic Finale benutzt und mich damals über eine wirklich lange Zeit eingearbeitet.

Letztlich kannte ich mich zwar bestens mit Finale aus, war aber damit unzufrieden, dass die Software nie den Sprung zur Objektprogrammierung geschafft hatte, was sich im Workflow deutlich niederschägt.
Also habe ich auch über den Zaun geschaut und das wesentlich moderner programmierte Sibelius ausprobiert. Das gefiel mir anfangs durchaus, aber letztlich arbeite ich nun seit über einem Jahr ausschließlich mit Musescore und bin damit insgesamt sehr zufrieden.
Auch wenn man es kostenfrei nutzen kann, freut sich der Stab natürlich über eine finanzielle Anerkennung. Ich habe daher das Musescore-Abo für die Noten-Downloads über die Homepage abgeschlossen, obwohl ich dieses Angebot kaum brauchen werde.

Deine Frage "Vielleicht gibt es eine Quelle wo mal die Vor- und Nachteile aufgeschlüsselt sind?" kann ich nicht direkt beantworten.
Sagen kann ich nur, dass Musescore für meinen Zweck Transkription und gelegentlich polyphon-mehrstimmige Notation für ein Soloinstrument ausreicht und dass Musescore ein schöneres Notenbild als Finale hat.
Für Musescore habe ich mir eine Textdatei der häufiger benötigten Funktionen geschrieben, weil die Suche in der Hilfe manchmal schon am Fachbegriff scheitern kann, bei Finale war das aber noch deutlich herber.

Aber auch in der aktuellen Version fehlen Musescore einige fortgeschrittene Funktionen und das Programm hat auch seine Eigenheiten, deren Lösung man erst einmal in der Dokumentation finden muss. Zum Glück ist die Community im Board da sehr hilfsbereit - und schnell. (y)

Die teuren Software-Angebote zeichnen sich m.E. dadurch aus, dass sie bei den fortgeschrittenen Funktionen glänzen, die bei Arrangement und Partiturerstellung oder Spezialaufgaben entgegenkommen. Ich habe solche Anforderungen nicht und könnte bei Bedarf auch den längeren Weg mit Musescore gehen.

Dass sich jemand die Mühe macht, die vielen Funktionen der verschiedenen Programme im Vergleich zu diskutieren, kann ich mir kaum vorstellen.
Mal abgesehen von der vielen Arbeit würden auf der anderen Seite Leser ohne tiefe Einarbeitung ins jeweilige Programm gar nicht unbedingt erkennen, worin der Wert bestimmter Funktionen für die Arbeit liegt bzw. ob ein nicht vorhandenes Feature überhaupt vermisst wird.
Dass auch bei den kommerziellen Apps nicht nur die Sonne scheint, kann man im Board und im Netz nachlesen.

Bei einer Entscheidung bzw. vor einem Kauf würde ich empfehlen, anhand der eigenen konkreten Notationsarbeit eine Liste der tatsächlichen Anforderungen zu schreiben und dabei auch aufzuschreiben, was z.B. mit Musescore ordentlich nervt.

Gruß Claus
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 3 Benutzer
R
RaBea
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
07.08.22
Registriert
02.05.15
Beiträge
24
Kekse
725
Ort
Karlsruhe
Interessante Gedanken. Aber ich glaube, einen solchen "objektiven" Vergleich wird es nicht geben. Niemand wird die Zeit haben, sich in alle Notensatzprogramme so einzuarbeiten, dass er/sie die Feinheiten und Unterschiede ausarbeiten kann.
Ich bin vor Jahren vor dem Problem gestanden, dass ich das Setzen von Chorsätzen mit Musescore sehr umständlich fand (das war aber noch mit der Version 2, die gerade erschienen war) und mir das Notenbild dann oft nicht gefiel (Text und Noten). Ich suchte nach einer anderen Lösung. Habe mir verschiedene Programme runtergeladen und tatsächlich sind erstmal die Programme aus der Auswahl rausgeflogen, bei denen ich schon intuitiv nicht mit den mir wichtigen Dingen zurecht kam. Zum Schluss habe ich mich für Finale entschieden. Das hat mir damals am besten gefallen.
Nun zum Punkt, der dann den Umstieg wieder schwerer macht: Meine Noten haben nun das Finale-Dateiformat, wenn ich sie nochmal bearbeiten möchte, ist das in Finale unproblematisch. In anderen Programmen ist das trotz XML-Format mit einem größeren Aufwand verbunden. Und da ich oftmals nicht noch zusätzlich Zeit investieren kann, bleibe ich bei Finale. Auch wenn Musescore enorme Fortschritte gemacht hat.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
scenarnick
scenarnick
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
08.08.22
Registriert
11.06.19
Beiträge
378
Kekse
5.225
Ort
Wiesbaden
bleibe ich bei Finale.
Das ist wohl einer der entscheidenden Punkte. Man baut im Laufe der Zeit nicht nur seine Fertigkeiten in einem Werkzeug aus und lernt, mit den Unzulänglichkeiten umzugehen. Man baut sich auch eine Bibliothek auf, die man nicht „mal eben“ umziehen kann.

Ich hatte das Vergnügen, über sieben Jahre als Product Manager die Entwicklung eines professionellen DVD Authoring Systems zu begleiten. Aus heutiger Sicht war das Programm nicht zeitgemäß, umständlich zu bedienen, aber es sind in den späten 90er und frühen Nullern fast alle großen Produktionen damit abgewickelt worden. Zum Einen, weil es unter den Usern Spezialisten gab und zum Anderen, weil wir mit Support dahinterstanden.

Mit Notensatz Programmen hab ich weniger zu tun, stand aber auch vor der Entscheidung. Grundsätzlich hast Du da den „Community“ Ansatz von Musescore und vielleicht anderen, neueren Tools und dann die alten Hasen mit Finale, Dorico und Sibelius. Bei mir richtete sich die Entscheidung nach dem ersten Eindruck, dem Wissen über die Firma, die dahinter steht und der Doku.

Finale hat sich mir nicht erschlossen, bei Sibelius kenne ich die Firma dahinter gut genug um zu verstehen, dass auch sie eine User Base haben, die auf größere Veränderungen zurückhaltend reagiert. Dorico ist auch „quirky“, kann aber für mich als Gelegenheits-Nutzer mit der Doku punkten. So bin ich für mich dabei geblieben und lerne die Unzulänglichkeiten des Programms zu umschiffen.

Sicher ist meine Entscheidung nicht 1:1 auf die Frage zu übertragen, ich wollte nur meinen Weg zur Entscheidung darstellen in der Hoffnung, er hilft 😉
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
turko
turko
Helpful & Friendly User
HFU
Zuletzt hier
08.08.22
Registriert
30.09.08
Beiträge
4.921
Kekse
20.337
Wie habt Ihr euer Notationsprogramm gefunden - habt ihr es auch verglichen oder euch einfach eingearbeitet und dann ist auch gut?
Ich wurde durch "äußere Umstände" vor fast 20 Jahren auf FINALE gestoßen.

Kurzfassung: Jahrelang habe ich damit wirklich gekämpft und mich "eingearbeitet" (allerdings ohne dafür analoge oder Online-Tutorials zu bemühen ... dafür bin ich einfach nicht der Typ ... ich arbeite lieber nach "trial and error" ...), aber nach einigen (manchmal zermürbenden) Jahren hatte ich endlich den richtigen Workflow gefunden, und bin draufgekommen, WAS das Programm eigentlich alles kann, und wie man es am besten nutzt.

Dazu muß ich sagen: Ich rede hier ausschließlich von Bereich Notensatz und Layout (Auch Text). Der Bereich "Soundwiedergabe" und Onboard-Libraries interessiert mich persönlich nicht, da mir zum probeweisen Abhören der Noten ein 0-8-15-Klaviersound genügt.

Aber ich habe nie mit einem Konkurrenzprogramm verglichen, und ein Wechsel kommt für mich auch nicht in Frage, da ich keine Lust habe, wieder 2-5 Jahre in die Optimierung eines neuen Workflows zu investieren. FINALE kann (jetzt bei mir) alles, was ich will. Und mehr wünsche ich mir nicht.

Ob es objektiv gesehen besser oder schlechter als andere ist, weiß ich weder, noch interessiert es mich.

LG
Thomas
 

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Oben