Recording ausschließlich mit virtuellen Instrumenten - welche Software?

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Winona
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Hallo zusammen,

also, um es gleich vorweg zu nehmen, meine Kenntnisse im Bereich Recording, entsprechender Software und Technik und den gefühlt tausend Fachbegriffen bewegen sich aktuell noch auf einem sehr niedrigen Niveau - das soll sich zukünftig aber ändern. Was ich aber weiß, ist, dass ich Songs schreiben und komponieren möchte. Bzw. tue ich das bereits in kleinem Umfang, allerdings sieht das momentan noch so aus, dass ich meine Ideen mit Hilfe meiner Stimme und einer Voice-Recording-App auf meinem Handy festhalte (Einsingen von Melodien, Imitieren der instrumentalen Begleitung und des Beats). Das macht mir zwar wahnsinnigen Spaß, aber auf dem Weg zu einem fertigen Song ist das natürlich nur der erste Schritt und es soll nun eine passende Software her, die es mir ermöglicht, einen kompletten Song zu komponieren. Das Ziel ist ganz klar eine radiotaugliche Qualität - gar nicht mal, um meine Musik irgendwann wirklich dort spielen zu hören (das wäre natürlich ein wahrgenommener Traum), sondern weil ich Perfektionist durch und durch bin und festgestellt habe, dass ich über lange Zeit die Lust an kreativen Arbeiten verliere, wenn ich diese aufgrund technischer Einschränkungen nicht so verwirklichen kann, wie ich sie mir vorstelle (bzw. in diesem Fall in meinem Kopf höre).

Nun bin ich angesichts der vielen Software-Anbieter und eben auch meinem noch fehlenden Verständnis vieler Begrifflichkeiten ein wenig überfordert bei der Einschätzung, ob es das, was ich suche, so überhaupt gibt. Denn nach einer ersten oberflächlichen Recherche scheint es meistens um das Einspielen von Instrumenten zu gehen, die entsprechend an den PC angeschlossen werden - und genau das ist bei mir der Knackpunkt, denn ich spiele kein Instrument. Mein Instrument ist meine Stimme und natürlich möchte ich, neben dem Schreiben von instrumentalen Stücken, auch Titel mit meiner Stimme aufnehmen. Das bedeutet aber auch, dass ich eine Software benötige, die eine große Auswahl an absolut realistisch klingenden, virtuellen Instrumenten beinhaltet, mit denen ich - theoretisch - z.B. "Get on the floor" von MJ's Off The Wall Album oder "Music" von John Miles komplett ohne Instrumente von außerhalb und in fast identischer Qualität wie das Original aufnehmen könnte. Erste Frage: Geht und gibt es sowas überhaupt? Wenn ja, welche Software käme in Frage? Wenn es für meine Wünsche tatsächlich mehrere Lösungen in unterschiedlichen Preisklassen geben sollte, würde ich als Anfängerin (und arme Studentin) zu Beginn gern mit entweder einer abgespeckten Version oder einer günstigen Software starten (mit Einbußen bei der Qualität, klar). Sollte ich feststellen, dass ich dauerhaft Freude am Komponieren am PC entwickle, wovon ich ausgehe, soll es aber langfristig definitiv auf eine hochwertige Software hinauslaufen, die mir genau das bietet, was ich suche und auch entsprechend kosten darf.

Falls das wichtig sein sollte; die Genres, die mich vorrangig interessieren, sind Soul, Disco, Funk, R&B, Blues, Pop-Rock, Beat, Filmmusik, Klassik. Wenn wenigstens ein Teil davon klangtechnisch machbar wäre, wäre das wirklich super (natürlich könnte ich mir auch vorstellen, langfristig mit mehreren Software-Produkten zu arbeiten, denn die eierlegende Wollmilchsau gibt es ja erfahrungsgemäß selten). Ich bin absolut bereit, zu lernen und meine bisherigen Musiktheorie-Kenntnisse zu vertiefen - das möchte ich aber gerne direkt mit der praktischen Arbeit verknüpfen. Ich habe richtig große Lust, wochen- oder sogar monatelang an einer einzigen Komposition zu basteln, immer wieder Details zu verändern, mit allerlei technischen Möglichkeiten zu spielen (z.B. auch sich selbst mehrstimmig aufzunehmen), um dann irgendwann das fertige Ergebnis auf einer CD (ja, da bin ich altmodisch) in den Händen zu halten und es z.B. Freunden vorzuspielen (oder, wenn ich wirklich richtig damit zufrieden wäre, es ggf. auch an eine Plattenfirma zu schicken).

Über Ideen, Tipps und konstruktive Ratschläge würde ich mich wahnsinnig freuen!
 
Eigenschaft
 
Mal von rückwärts angefangen:
die Plattenfirma brauchst du nur, wenn du dich als 'artist' perfekt vermarkten willst.
Dabei ist Sound eher ein zweitrangiges Kriterium, in erster Linie geht es um Stimme und Persönlichkeit.
(für den Rest gibt es Mittel und Wege und ggf Leute, die das übernehmen)

Der einfachste Weg zur Veröffentlichung führt über online-Seiten von YouTube, Bandcamp, CD-Baby und ähnlichem und ist mit sehr geringen Kosten realisierbar.

Die genannten musikalischen Richtungen stellen teilweise recht hohe Anforderungen im rhythmischen Bereich, vor allem bei Bass und Schlagzeug, sowie Gitarre.
Solche Instrumente lassen sich klanglich durchaus (in guter Qualität) virtuell realisieren, aber bei Artikulation und Ausdruck wird das Eis dann oft sehr dünn - weil man eben kein 'Spieler' ist.

Nichts gegen Multi-Instrumentalisten-Ambitionen... aber nur eine solide Basis würde bereits einige Jahre an Erfahrung brauchen. Mit Trillian gibt es (zB) ein sehr leistungsfähiges Programm für virtuelle Bässe, aber ohne die Artikulation des Instruments zu kennen wird das Arrangieren damit vermutlich zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen - bzw zur Spassbremse.

Imho wäre es einfacher, sich auf die Songs (und Stimme) zu konzentrieren und sich den (Backing) Sound selbst zu gestalten. Also mit dem was gefällt und bedienbar ist.
Entscheidend sind Komposition und Arrangement - einspielen mit echten Musikern kann man später immer noch.
Nebenbei: Text und Komposition sind bestimmend für's Urheberrecht - selbst wenn Kommerz nicht das primäre Ziel ist, sollte man das durchaus im Hinterkopf haben.

Beim Smartphone gehe ich (bei dir) mal von Android aus - bei einem aktuellen iPhone gäbe es bereits eine Fülle von Möglichkeiten zumindest einfache Produktionen umzusetzen.
Für den kreativen Aspekt finde ich persönlich mobile Geräte fast unschlagbar und nehme praktisch ausschliesslich über iPad auf.
Arrangieren ist auf Tablets/Mobiltelefonen allerdings nicht die Wucht in Tüten - deswegen wandert das Material dann auf die PC-DAW um sauber ausgerichtet und klanglich auf 'Hochglanz' gebracht zu werden.
Unter Android könntest du aber mal nach Caustic, Oscilab und Audio Evolution Mobile Editor schauen.
Das sind durchaus leistungsfähige Apps.
 
Wenn ich an Deiner Stelle wäre würde ich mit einer Cubase-Variante starten.

1. gibt es da preiswerte Schulversionen (https://www.steinberg.net/de/shop/education.html)
2. sind eine Menge Instrumente schon dabei
3. Upgrade von der einfachsten Versione bis zur Pro ohne Datenverlust
4. Noten und Akorde sind für "schnelle Muster" in vielfältiger Weise spiel und darstellbar
5. Ausbaubar bis zu vollkommenen Orchestern mit Streichern, Pauken usw.
6. Drums in x-fachen Versionen sind mit dabei
7. Verschiedenste Exportmöglichkeiten bis zur fertigen CD möglich
8. Bei ein bisschen Mühe kann auch ein Profi nicht 100%ig sagen ob die Instrumente "echt??" sind.

Wenn Du noch keine Erfahrung hast bleibt Dir ein erheblicher Lernaufwand nicht erspart - egal welche Software Du wählst.

Für Cubase (und andere) gibt es eine Menge Video-Tutorials die den Lernaufwand beschleunigen (z.B. von https://www.audio-workshop.de/)

Natürlich bieten auch andere DAW's ähnliches an. Die kenne ich allerdings nur oberflächlich. Bei Cubase kann ich sagen, daß Du mit hoher Wahrscheinlichkeit nie an Deine Grenzen (zumindest bei der DAW) kommen wirst.
Einen schnellen (kostenlosen) Überblick bzw. Tutorials findest Dua auf https://www.youtube.com/channel/UCcQBdibdDxH2ngu3kNPYOEA
 
Vor einigen Monaten hatte ich auch die Qual der Wahl, welche Software (DAW) es werden sollte. Ich habe mir dann so ziemlich alle Programme, die in Frage kamen, als kostenlose Demo heruntergeladen und mich letztendlich für Studio One entschieden, von dem es auch eine kostenlose Version gibt (Prime). Cubase war bei mir zweite Wahl - von den mitgelieferten Instrumenten/Sounds dürfte die Basisausstattung von Cubase besser zu den von Dir angestrebten Musikstilen passen.

Neben einer Software benötigst Du aber noch ein Audiointerface, um Deinen Gesang in guter Qualität in den PC zu bekommen (und natürlich ein Mikro). Bei den Interfaces ist meist bereits eine Software dabei. Insofern ist es gut, wenn man sich vor dem Interfacekauf dann bereits für eine Software entschieden hat und dann ein passendes Bundle erwirbt.

Was Du Dir aber direkt abschminken solltest: Dass Du ohne ein "Instrument" auskommst. Wenn Du nicht nur fertige Soundschnipsel neu zusammenkleben willst, musst Du ja Deine erdachten Melodien irgendwie in die virtuellen Instrumente zaubern.

Die PC-Tastatur und/oder die Maus sind da nur sehr eingeschränkt nutzbar. Flüssiger und vor allem natürlicher (Anschlagdynamik/Temposchwankungen etc.) geht das erst mit einem "Keyboard", also einem sog. Midicontroller mit Klaviatur und/oder fürs Finger-Trommeln mit einem Pads.

Da ist meines Erachtens echt Ausprobieren angesagt, denn gerade Nicht-Instrumentalisten müssen erst mal schauen, mit welcher Klaviatur sie wirklich zurecht kommen. Ich hatte zum Beispiel zuerst ein AKAI MPK mini mit Tasten und Drumpads. Aber die Tastatur sagte mir absolut nicht zu, die war mir zu "schwammig", so dass ich letztendlich beim Arturia Keystep gelandet bin und mir fürs Fingertrommeln einen AKDI MPD218 gekauft habe.

Du wirst dann als Perfektionistin schnell merken, ob es Dir reicht, Note für Note einzeln "einzutippen" oder ob Du nicht doch zumindest marginale Fähigkeiten erwerben musst, um z. b. Akkorde spielen zu können oder eine kleine Melodiefolge "am Stück", damit es natürlicher klingt, als an Taktstrichen ausgerichtete Einzelnoten. Gleiches gilt für die Drums, die mit den Fingern eingetrommelt auch natürlicher wirken, als mit der Maus eingezeichnet.

Da ich zum Beispiel - wie oben bereits von @Telefunky beschrieben - die Bassläufe trotz Spiel über die Klaviatur sehr unnatürlich fand, habe ich mir mittlerweile auch einen Bass zugelegt und lerne nun, mit fast 55 auch noch ein Instrument. Gitarre kriege ich eh zugeliefert, so dass ich am Rechner "nur noch" Drums, Keyboards/Synthies, Bläser etc. "einspiele".

Auf Deinem Einkaufszettel sollten also m. E. stehen:
- DAW (Software)
- Audiointerface
- Mikrofon mit Stativ, Kabel, Popschutz
- Gute Kopfhörer (hier braust Du auf jeden Fall ein Paar, das gut nach außen abschirmt, so dass Du, während Du Deinen Gesang aufnimmst, die bereits aufgenommenen Instrumente hören kannst, ohne dass sie durch den Kopfhörer wiederum auf Deiner Gesangsaufnahme landen. Mein Preis-Leistungs-Tipp: https://www.thomann.de/de/superlux_hd_662_bk_evo.htm oder ein anderes Paar aus der 662-Reihe. Später evtl. noch ein Paar offene oder halboffene Kopfhörer fürs Abmischen, sofern Du nicht ausschließlich auf Boxen abmischen kannst).
- Monitorboxen zum Abmischen

Von raumakustischen Maßnahmen etc. will ich hier gar nicht erst anfangen.

Mein Tipp: Probier erstmal die Demoversinen der Software aus, wenn Du Dich entschieden hast, kauf Dir ein Bundle aus Interface/Software. Wenn es Deine präferierte Software mit mehreren Interfaces als Bundle gibt, bitte vorher hier um Beratung.

Gleiches gilt für Mikro, Boxen etc.: Ich würde jeweils einen Einzelthread aufmachen, in dem Du um Hilfe bittest. Vorher die entsprechenden "Ratgeber" hier lesen, z. B. https://www.musiker-board.de/threads/ultimate-audio-interface-guide.636474/ oder https://www.musiker-board.de/thread...krofone-in-der-einstiegsklasse-85-300.530054/



Und dann viel Spaß beim Komponieren/Musizieren.
 

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