Roland D-50: Erster (Proto-)VA-Synthesizer?

  • Ersteller Tolayon
  • Erstellt am
[...] Das nur mal zur Technik der Geräte.

Das klingt, als hättest Du einen D-50 geschlachtet und ausgenommen ;)
Respekt - von der Elektronik hab ich keinen Schimmer; mich interessiert eher das, was man damit machen kann und was der jeweilige Charakter der Instrumente ist.

Zum Realizer:
da würde mich mal brennend interessieren, wie das ganze denn nun klang.
Gibt's da irgendwo Material im Netz? Hab noch nichts gefunden - sicherlich, weil nur 3 (oder waren es 2?) Exemplare existieren. Aber irgendwer wird auch die doch mal aufgenommen und dokumentiert haben!?
 
Ich hab sicher den einen oder Anderen Roland schon auf der Werkbank gehabt, schlachten aber mußte ich noch keinen. Die Infos stammen aus den Servicemanuals der Geräte.

Zum Realizer wird wahrscheinlich Wolfgang Palm selbst noch die meisten Infos haben, ein Gerät steht angeblich noch bei Steinberg, bei denen er ja später arbeitete. Ein weiterer Ansprechpartner wäre Cornel Hecht.
 
Nun habe ich mir doch noch einen PG-1000 Programmer für den D-50 günstig geschossen :)
Definiere günstig. :evil:

[BESSERWISSERMODUS]
Einspruch: bei besseren VAs sind seit mindestens 15 Jahren zwei Filter üblich, die sich seriell oder parallel hinter der Oszillatorsektion schalten lassen. Oder der Signalfluß ist stufenlos zwischen seriell/parallel überblenbar (z.B. Waldorf Q) oder dass Filterrouting lässt sich für alle Klangquellen - also Oszillatoren, Noise, Ringmod, external Input - ebenfalls stufenlos für jeden Filter routen (Alesis ion/micron / Akai MiniAK).
[/BESSERWISSERMODUS]
Das, und Micron und Miniak haben ja nun auch nicht unbedingt ein Bedienfeld wie ein Moog. Nicht mal wie ein Prodigy.

Abgesehen davon: Ist der Roland GAIA ein VA oder ja? Und um bei Roland zu bleiben, wieviele Oszillatoren pro Stimme hatten noch gleich die Junos oder die Silberkiste?


Martman
 
Definiere günstig. :evil:

Mir schwant, dass Deiner günstiger war ;)

101,- bei Ebay, wurde als "keine Ahnung, ob der geht" verkauft. Funktioniert aber 1a und ist in gutem Zustand.
Syntacheles sagt, der Durchschnittspreis liegt bei 250,-.
 
Ist ja interessant, kaum glaubte man die Angelegenheit wäre halbwegs klar und erledigt, kommt Martman und säht wieder Zweifel an Konventionen und Begrifflichkeiten :D

Man kann auf jeden Fall festhalten, dass bei dem Begriff "(Virtuell) Analog" für die meisten die Bedienoberfläche und die Struktur des Signalflusses eine ebenso große Rolle spielen wie die Qualität des Klangs, und in beiden oder vielmehr allen drei Disziplinen weist der D-50 starke Defizite auf.

Nichtsdestotrotz wurde in einer Diskussion im "Sequencer"-Forum die auf den synthetischen Oszillatoren basierende Abteilung des D-50 als "VA-Engine" bezeichnet, und keiner der übrigen dort versammelten Experten hat sich daran gestört.

Obendrein:
Die Matrix-Reihe von Oberheim bietet erstklassige breite Analog-Sounds, aber zum eigenen Schrauben lädt die Bedienoberfläche mit ihren Zahlentastern und dem Mikro-Display nie und nimmer ein.
Dennoch würde wohl kaum einer auf die Idee kommen, einen dieser Matrix-Synths nur als "halben" Analogen zu bezeichnen, oder doch und das allein aufgrund der fehlenden intuitiven Bedienoberfläche?
 
Ich hab's ja weiter oben schon mal geschrieben: Es gibt in vielen Bereichen "Ausreißer", die untypische Eigenschaften aufweisen und mit denen man alles mögliche begründen, widerlegen und nach Belieben in richtige und falsche Schubladen sortieren oder zumindest stopfen kann.
Es gibt ja auch Katzen ohne Schwänze, Delfine, Vögel, die nicht fliegen können, Autos mit 3 Rädern.


Grundsätzlich finde ich nicht, dass man alles in irgendwelche Schubladen sortieren muss. Und habe dazu in diesem Thread auch schon viel zu viel geklugsch... :redface:
Mir ging es halt darum, dass 1 oder 2 technische Parallelen nicht dazu taugen, etwas in bestimmte Schubladen hinein zu "verklären", während der nicht so gut in die Schublade passende Rest ignoriert wird.
Viel wichtiger finde ich das Gesamtbild.
Interessant ist doch die Frage: was bedeuten die Eigenschaften im Kontext?
Im Gegensatz zu: was sind die isoliert für sich betrachteten Eigenschaften?
"Sein" im Sinne von einzelnen Fakten (Funktionen, Messwerte, Datenblatt etc.) ist die oberflächliche Betrachtungsweise,
"Bedeutung" blickt tiefer, weil es den Zusammenhang und den Kontext der Fakten bewertet und einordnet.


...seit wann sind im Sequencer.de-Forum ausschließlich Experten unterwegs?
Dort werden auch ständig lustige Katzendarmwitze gemacht und alle vermeintlich originellen Wörter mit (tm) verziert.
Orgeln und Pianos wird dort gerne die Existenzberechtigung abgesprochen, weil sie außerhalb des eigenen Musikgeschmacks und/oder Spielvermögens liegen :D. Soll heißen: der Blickwinkel ist dort nicht unbedingt der neutralste.




Miniak, Micron, Matrix 6, Gaia.

Ja, was sind die denn?
Richtig: Sparversionen. Abkömmlinge von voll ausgestatteten Vertretern ihrer Art (Ion) bzw. dem großen Matrix 12* bzw. dem Xpander*
Denen fehlt das typische Interface ja nicht, weil man das plötzlich für besser hielt oder eine neue "Schublade" aufmachen wollte, sondern damit der Martman sich auch noch einen Ion holt, den er sich in der ursprünglichen Fassung vielleicht verkniffen hätte. Diese Geräte wurden nicht als ideal ausgestattetes Topmodell konzipiert, stattdessen wurde ein Teil des vorher existierenden Konzept weggelassen, um neue Käuferschichten anzusprechen und von der Zweitverwertung der vorhandenen Entwicklung zu profitieren.

Der Gaia ist VA mit untypischer Architektur - sowas soll's geben, siehe oben die Katze.
Das hat in dem Fall bestimmte Vor- und vor allem Nachteile, aber insgesamt kann man doch sagen: der hat die JP-8000-Gene, der versucht, Analog zu klingen, der hat pro Funktion 1 Regler - der ist schon als VA gemeint. Also im Gegensatz zum D-50 z.B...





*und nochmal zum Matrix: der 12er und der Xpander sind ja beide Grenzgänger, die historisch und Inhaltlich genau an der Grenze zwischen analoger und digitaler Ära auftreten: ein typisch Analog-subtraktiver Aufbau und entsprechendes Klangspektrum, aber zusätzlich mit dem neuartigen, digital realisierten Feature "Modulationsmatrix" ausgestattet.
Und genau dieses Feature bedingt in den Fällen eine neuartige Bedienoberfläche, die vom Analog-Klischee abweicht, weil sie relativ wenige Regler und dafür viele Displays aufweist.
Das ist natürlich Futter für die Diskussion um "typisch Analog"...
Ich hoffe, man kann sich hier auf "eindeutig Analog, UI = Sonderlösung, die sich nicht durchgesetzt hat" verständigen.
 
Dort werden auch ständig lustige Katzendarmwitze gemacht und alle vermeintlich originellen Wörter mit (tm) verziert.

Das macht beides eigentlich nur der Moogulator aka der Admin dort. Habe ich auch schon länger nicht mehr gesehen. Inzwischen sieht man dort sowieso immer mehr Leute, die neben Synths auch Gitarren und/oder Bässe haben (siehe Studio Pics).
Gitarre = Brennholz Witze hat auch Bernie aka Aliens Project mal gemacht, der hier auch ab und zu unterwegs ist (glaube unter einem anderen Namen wie ich inzwischen ja auch).

Orgeln und Pianos werden auch nicht die Existenzberechtigung abgesprochen, sondern deren Sounds in Synths/Workstations als unnötig und vor allem der Spruch "wie klingt das Piano?" als Grund für langweilige Klangerzeuger angesehen. So jedenfalls mein Eindruck.
Umgekehrt kann hier eine große Mehrheit nicht viel mit Modularsystemen, Grooveboxen, Synths ohne Programmspeichern und Hardware Sequencern anfangen. D.h. das Klientel ist einfach völlig anders.

Abgesehen davon wird dort viel Blödsinn von Leuten geschrieben denen langweilig ist und die sich einfach nur die Zeit vertreiben und Witze reißen wollen.

@Matrix 12/XPander UI:
Naja, nicht durchgesetzt würde ich jetzt nicht sagen, sowas ähnliches gab es ja später z.B. in abgespeckt beim Microwave II, beim Blofeld und aktuell beim Accelerator, der UltraNova und aufgemöbelt beim Solaris, wobei nur die letzten beiden die Werte direkt bei den Encodern im Display anzeigen.
 
Wer auch immer im Nachbarforum irgendwas von D50 und VA schrieb, hat sich entweder vertippt oder hat wirklich keine Ahnung von dessen Interna. Ein VA imitiert analoge Schaltkreise auf digitalem Wege, sprich: berechnete Wellenformen beim Oszillator und berechnete (Fließkomma) Charakteristiken beim Filter etc. Dazu braucht es einen oder mehrere DSPs, ob nun handelsüblich oder Custom Build. Die Fujitsu-Kundenchips im D50 sind ausschließlich sogenannte Gate Arrays, fassen also Schaltungen aus Logikgattern zusammen, die sonst die Größe einer einzelnen Platine im A4-Format hätten. Nichtmal die beiden Effektchips sind irgendwie DSP-basiert, das hatten erst die späteren D-Modelle drin.

Die Syntheseform des D50 nennt sich LA: "Linear Algorithmic". VA ist dagegen eher Unlinear, weil die analogen Schaltungen ihren jeweiligen Charakter durch genau solches nichtlineares Verhalten erhalten.
 
Hinsichtlich früher digitaler "Analog-Emulationen" ist mir gerade wieder die alte Casio CZ-Serie ins Blickfeld gerückt. Von der Struktur her ist sie noch weiter von den Vorbildern und heutigen VA-Synths entfernt als der D-50, arbeitet die Phasenverzerrungs-Synthese doch gänzlich ohne Filter.
Dafür aber klingen nicht wenige der Sounds, die sich mit diesen Kisten erzeugen lassen erstaunlich "analog", auf jeden Fall analoger als etwa die eines Yamaha-FM-Synthesizers.

Das folgende Video, bei dem alle Sounds aus dem CZ-3000 stammen und nur durch externe Effekte aufgewertet wurden, beweist auf jeden Fall welches Potential in diesem Synthesizer steckt, wenn man ihn entsprechend zu programmieren weiß:

 
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