Schlagzeug/Percussion studieren

von jojodrummer, 13.03.17.

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  1. jojodrummer

    jojodrummer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.03.17   #1
    Hallo ihr Lieben!
    Nachdem ich kommendes Jahr meinen Bachelor in Musikwissenschaften ablegen werde, möchte ich mich darauf an einer Musikhochschule zur (ich nenne es mal) praktischen Ergänzung besuchen.
    Musikwissenschaft hat großen Spaß gemacht, jedoch möchte ich meinen späteren beruflichen Schwerpunkt in die Praxis verlagern, daher die Aussicht auf ein Neustudium.
    Nun hätte ich (wie wohl jeder, der sich an einer künstlerischen HS bewirbt) die eine oder andere Frage:

    1.) Der Schwerpunkt: Es gibt ja im Großen und Ganzen einmal "Schlagzeug" (was im engeren Sinne klassische Perkussion (Pauke, kleine Trommel, Stabspiele), zum anderen Jazz und Popularmusik oder Jazz im Instrumentalfach Schlagzeug. Ich möchte im späteren Alltag nicht in einem klassischen Orchester spielen, sondern bei Möglichkeit gerne im populären Bereich bleiben. Ich komme aus der Richtung Jazz/Experimental und Musical und würde letzteres gerne professionell ausüben. Meine eigentliche Frage dazu wäre nun: Was von den beiden oberen würde Sinn machen, wenn man sich später einmal im Musicalorchestergraben bewegen möchte?

    2.) Hauptfachprüfung Schlagzeug: Ich fände es mal interessant von jemandem zu erfahren, wie das bei der Aufnahmeprüfung abläuft, ergo, wie die verschiedenen Anforderungen geprüft werden und wieviel tatsächlich vorgespielt werden muss. Im Allgemeinen steht (in Richtung Jazz (Popular)) dort die Anforderung von gut 4 Stücken, davon zwei Standards und zwei selbst gewählte (Beispiel). Muss man für die Stücke auch Schlagzeugnotation mitbringen? Wie kann ich mich gerade bei den selbst ausgewählten Stücken ausreichend begleiten lassen? Ich habe eines aus dem Musical "The Addams Family" ausgewählt, welches normal von Orchester begleitet wird. Reicht dort dann ein Auszug der Piano-Stimme?

    Weiterhin lese ich oft von vom Blatt spiel. Heißt das, dass mir dort etwas Unbekanntes vorgelegt wird, was ich dann umsetzen soll?

    3.) Klavier Nebenfach: Hier ist wiederum die Rede von Stücken freier Wahl, solange sie diesem und jenem Schwierigkeitsgrad entsprechen. Ich hab mich ein wenig aus dem Fenster gelehnt und im klassischen Bereich etwas Schwierigeres gelernt (Holst: Andante Maestoso aus "Jupiter", Mussorgsky: Promenade aus "Bilder einer Ausstellung"). Mir fällt jedoch populäres Piano super schwer, denkt ihr, da reicht dann für Jazz so ein Standard Standard wie Autumn Leaves und populär ein 5 Akkorde Ding?
    Weiterhin habe ich häufiger von der Vorführung von Tonleitern inklusive zugehöriger Arpeggien gelesen. Ich weiß was Arpeggien sind und wie man Tonleitern spielt. Aber was sind die "zugehörigen Arpeggien zu fis-Moll zum Beispiel?

    Ich danke euch vielmals für eure Hilfe!!!

    Beste Grüße,
    jojodrummer
     
  2. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 18.03.17   #2
    ps: entschuldige meine Rechtschreibung und Satzbau, aber ich habe eilig geschrieben.

    3.) Klavier: Fis moll dreiklang nehme ich an. #Fm heißt ja streng genommen auch ohne Septime, aber zur Sicherheit kann man auch die Septakkorde, die verminderten dazu nehmen.
    Hast Du im Muwi-Studium schon eine Klavierprüfung belegt? Vielleicht reicht das und Du musst nicht mehr vorspielen. Ansonsten ist das "Nebenfach" Klavier nur dann wichtig wenn es Deinem Ego nützt. Du musst denen nur Zeigen, dass Du grundsätzlich Klavierspielen kannst und man mit Dir nicht von vorne anfangen muss. Wenn Du ne 1 haben willst, musst Du natürlich Dir groß Gedanken darüber machen. Eine gute Note in der Klavierprüfung hat letztlich nur einen geringen Ausschlag für die Entscheidung, ob man Dich nimmt, oder einen anderen Bewerber.

    2.) Du kommst rein, baust auf. Dann sagst Du: Hallo meine Name ist Jojodrummer und ich fang dann mal an wenns recht ist? Mein erstes Stück ist der Standard Giant Steps. Ich möchte gerne 2 mal Chorus spielen, und bei Durchgang 3 mache ich ein Solo. Durchgang 4 wieder Thema und dann Ende."
    Im besten Fall nickt die Band ein "alles klar" und dann gehts los. Das wäre ein klassisches Jazzvorspiel. Wenn es um einen Pop-Song geht, kann man zu einem geeigneten Playback spielen (unbedingt InEar Monitoring verwenden). Ich weiß nicht ob eine Klavierkorrepetition so angebracht ist fürs Drumset. Aber in der Regel wird eine Band gestellt, Du musst nur beachten, dass 3 Leute, die Dich begleiten da vielleicht vom Blatt spielen müssen und das kann schrecklich in die Hose gehen. Nicht jeder Student kann das sicher. Daher unbedingt mit dem Studiengangsleiter in Kontakt treten, ihn fragen ob die Band die Stücke vorbereitet, ob es die Möglichkeit gibt mit der Band vorher (am gleichen tag oder einen tag vorher) eine Durchspielprobe zu machen. Du kannst auch eigene Musiker mitbringen.
    Schlagzeugnoten sind so gesehen nicht unbedingt standard. Im Bereich Pop/Jazz reicht ein Lead Sheet. Und wenn Du den Dance of Eternety zum Playback spielen willst, liest das doch auch keiner mit.
    => Lead Sheets sind das wichtigste. Dann heißt es einfach Stilgetreu bleiben. Also bei nem Bossa nicht Samba begleiten, bei nem Rocksong ordentlich reinhauen usw. Die hören eher, als dass sie mitlesen.

    Blattspiel, heißt, dass Du ein Dir unbekanntes Pattern/Stück/Groove vorspielen sollst. Dabei gibt es das Prima Vista Spielen - das heißt, Blatt hinlegen und dann gehts sofort los. Oder man bekommt halt die Chance sich das gemütlich anzugucken. In der Regel ist dieser Part auch nicht ganz so wichtig, als das man in Panik verfallen müsste wenn man das nicht gut kann. Es gilt die Regel: mit Fehlern durchspielen und drin bleiben rockt viel mehr als einen Takt perfekt spielen aber dann immer wieder von vorne ansetzen müssen. Übrigens gibt es manchmal das sehr dankbare - aber erstaunlich selten angenommene - Angebot der Prüfer, das Tempo selbst zu wählen. Ja dann spielt man das eben auf 50 Bpm. Wenn die das schneller haben wollen, werden die es schon sagen.

    Generell gilt: als Schlagzeuger musst Du ein Leader sein. Wenn Du da mit der Band einen Rocksong spielt musst Du die Band einzählen - und zwar mit Eiern. Man zählt einen Bossa ganz anders ein als einen Rocksong. Da ist es wichtig die Attitude zu haben es auch wirklich in die Hand zu nehemen. Das kann ein sehr wichtiger Punkt sein, wenn der eine eher schüchtern ist und ein anderer die Band richtig antreibt. Je nach Stil jedenfalls, aber prinzipiell musst Du als Schlagzeuger den Eindruck erwecken, dass Du der Motor der Band bist. Scheiß auf Fehler, wenn Du einzählst und die Band begint tight mit einem "Bäm" ist das manchmal ungelogen schon 50% der Miete. An Technik kann man schnell arbeiten, aber die Persönlichkeit muss man am besten gleich mitbringen und zeigen. Also lass es knallen!

    ps: wichtiger Punkt: im Bereich Pop und Jazz ist es noch mehr als im klassischen Schlagwerk wichtig über gute kommunikative Skills zu verfügen. Ihr seid in eienr Band halt meistens alles solisten und unmittelbar von der Leistung eines jeden abhäbngig. Es wird sicherlich bei - solltest Du gut genug vorspielen - noch ein Motivationsgespräch geben. Warum willst Du das studieren, warum grade hier, welche Musik hat dich beeinflusst, wo würdest Du Dich am liebsten musikalisch austoben. Wie gesagt im Bereich Pop/Jazz geht einfach sehr viel über Persönlichkeit weil man viel enger zusammen arbeitet, während man zum Beispiel am klassischen Klavier versucht den nächsten Superstar zu züchten, braucht man im Pop Bereich verstärkt den "Teamplayer".

    1.) ich verstehe nicht, was du mit den "beiden" möglichkeiten meinst? Wenn Du Musical machen willst, brauchst Du die Pop/Jazz ausbildung. Wenn Orchester, dann eben klassisch. (?)
     
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  3. jojodrummer

    jojodrummer Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.17   #3
    Ich danke dir über alles für diese guten antworten!
    Im Punkt 1 bezog ich mich mit den "beiden" auf Jazz/Pop und Klassik.
    Der Gedanke scheint eigentlich recht logisch zu sein, dafür die Popularausbildung zu absolvieren, jedoch bekomme ich immer häufiger mit, dass gerade die erreichbareren professionellen Produktionen eben in Theater verlegt werden, deren Orchestren dann dafür verwendet werden. So hat ja auch jedes Haus nicht nur Streicher, Bläser und Co., sondern ebenso Gitarre, Bass usw.. Da scheint es mir eben schwer, mit der Jazzausbildung zu punkten. Da wäre dann auch die Sache, dass einem das normale Repertoire nicht erspart bleibt. Nicht falsch verstehen, ich mag Klassik sehr, aber ewig kleine Trommel etc. zu spielen, nur um dann mal in drei Jahren 4 Musicalshowd zu spielen, naja...
     
  4. WilliamBasie

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    Erstellt: 19.03.17   #4
    wenn Du nie klass. Schlagwerk gelernt/gespielt hast, dann hast Du sowieso schlechte Chancen für die Aufnahme an der HS, die anderen Bewerber sind Dir dann zu weit voraus. Die Technik ist halt schon teilweise eine andere, außerdem kommen die Stabspiele (Mallets) ja noch dazu, sind Hauptfach - zusätzlich zum Klavier als Nebenfach.

    Zum anderen, Musiker sollten sich verabschieden von dem Wunsch nach Festanstellung, das wird noch wesentlich mehr zurückgefahren, als eh schon momentane Realität.
    Das nächste sind allgemeine Einsparungen, wer kann da noch 2-3-4 Schlagwerker in den Graben stellen, wenn ein Drumset plus ein umfangreich ausgebildeter Percussionist ausreicht.

    In Deiner Situation ist das klass. Studium im günstigen Falle ein Umweg, ich würde die Zeit und das Geld lieber in Management-Ausbildung stecken, mir wirtschaftliche Kompetenzen aneignen.
     
  5. jojodrummer

    jojodrummer Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.17   #5
    Nicht die Fähigkeiten haben ist ein anderer Punkt als es nicht primär spielen zu wollen. Ich hab Percussionerfahrung von über 7 Jahren, daran wird es also nicht mangeln.
     
  6. Fastel

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    Erstellt: 19.03.17   #6
    In Rostock gibt es soweit ich mich erinnere einen Kombinationsstudiengang aus Pop / Jazz und Klassik. Also wo man wirklich beides spielt und Unterricht hat. Google es mal.
     
  7. jojodrummer

    jojodrummer Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.17   #7
    Den hab ich gesehen und werde dort unter anderem auch vorspielen :-)
     
  8. WilliamBasie

    WilliamBasie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.17   #8
    Percussion hätte ich vielleicht besser in Anführungszeichen setzen sollen, das beinhaltet in obigem Zusammenhang auf jeden Fall Pauken und Stabspiele, also an den Klass. Schlagwerker angelehnt, nicht an die Pop/Rock/Latin-Percussions.

    Der "Percussionist" im Orchestergraben muß all das liefern, was ein Drumset soundmäßig/spieltechnisch nicht liefern kann. Oder noch deutlicher, der "Percussioist" ist eher ein "Klassiker" von der Ausbildung her.
     
  9. Fastel

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    Erstellt: 20.03.17   #9
    Ich kenne den Begriff "Percussionist" auch eher aus der Weltmusik / Latin Ecke.
    Drumset / Schlagzeug = Pop / Jazz /musical
    Schlagzeug / Schlagwerk = Klassik
     
  10. jojodrummer

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    Erstellt: 20.03.17   #10
    Ich hab jetzt Percussion einmal ubiquar für die Latin und die klassische Ecke benutzt.
    Die Sache ist halt, dass ich mir unsicher bin, wie groß im Endeffekt der Anteil, gerade an Stabspielen und Co., sein wird.
    Die meisten geben im Modulplan grob Percussion oder gar garnichts in die Richtung an, da ja das in einem späteren musicalbezogenen Job definitiv nützlich, wenn nicht sogar von Nöten ist.
     
  11. WilliamBasie

    WilliamBasie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.03.17   #11
    ich hab mal aus meiner Vergangenheit beschrieben, sehr wahrscheinlich wird sich das auch wandeln - ... lieber einen besser bezahlten Keyboarder mit gr. Besteck, als manches "Sondergerödel" - das wird dann auch Bläser + Streicher treffen.
    Im Zirkus praktiziert man das schon viele Jahrzehnte, daß Kleinstbesetzungen durch geschickte Nutzung der Instrumente richtig "groß" klingen.
    Stabspiele haben dann tatsächlich wenig Bedeutung. Bleiben die Pauken, die Technik ist lernbar, das Stimmen bleibt das Mysterium (mehr oder weniger), auch bei modernen Instrumenten.

    An Theatern, bei denen die Geldmenge das Personal zusammenstellt, wird die Instrumentierung anders aussehen, als bei Häusern, in denen der Dirigent am Pult das Sagen hat.
     
  12. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 20.03.17   #12
    Ja... die großen musical bühnen sparen bereits. eine "Stimmgruppe" ist da nicht selten ein "Solist + Keyboarder mit samples"
     
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