Puh, komplexe Sache und zweispältig.
Einerseits bin ich bei manchen kosmetischen Mängeln nicht so penibel. Die Herren Scott Gorham, Peter Frampton, Jeff Beck etc. wären vermutlich heute noch mit der Auswahl des fehlerfreien Modells beschäftigt, wenn sie immer so genau wären wie mancher hier, der nichtmal 1/10 von deren Musik zustande bringt. Einerseits.
Andererseits ... habe ich in meinem Leben so einige LP Standard besessen und da war nicht eine einzige dabei, die wirklich geil war. Alle ganz okay, aber auch nicht mehr. Das ist nicht, was ich für 2.000 + X erwarte, zumal es japanische Paulas gibt, die wirklich toll sind - nicht nur für das Geld irgendwo um 1.000 Euro, sondern absolut.
Custom Shop hab ich noch nie besessen. Keine Ahnung, was da so los ist. Wie gesagt, erwarte ich eine Paula für 2.000 + X als richtig gut, nicht eine für 4.000 + X. Eine "Standard" ist imo nur eine Standard, wenn sie den auch setzt, und nicht bloß eine okaye Gitarre ist.
Was mich eigentlich immer enttäuscht hat, waren die billigeren Modelle. Studio, Junior, Special etc. Die fliegen nach 10 Minuten schon als Budget-Schwindel auf, der nach wenig klingt und wo es an allen Ecken und Enden mangelt. Und das bereits unter Berücksichtigung, dass ich für 800 Euro keine Perfektion erwarte, sondern bloß eine gut spielbare, gern auch etwas raue Gebrauchsgitarre. Aber ob Lack, Griffbrett oder Hardware, das war mir immer zu primitiv. Erst freut man sich über eine echte Gibson, tags drauf fragt man sich schon, warum Griffbrett und Saitenlage und Haptik eigentlich genauso arm sind wie bei einer Kopie Hausmarke Musikhaus Hugendubel für damals 340 D-Mark.
Also hab ich die Konsequenz gezogen und mir eine Nik Huber Krautster gekauft. Das ist eine Junior mal wirklich zu Ende gedacht und gebaut. Kostet allerdings auch das Doppelte bis Dreifache. Das Geld habe ich bei meiner LP Standard wieder eingespart, denn da hab ich eine Orville, von der ich fest überzeugt bin, dass es nicht viele G. für viel Geld gibt, die da mithalten.