Solmisation

von Schpawn, 10.10.06.

  1. Schpawn

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    Erstellt: 10.10.06   #1
    Pro / Contra?
    Wirklich so gut, wie alle behaupten?
    Wie übt man das am Leichtesten?

    Solmisation - Wikipedia

    danke schonmal :)
     
  2. Colorido

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    Erstellt: 30.11.06   #2
    Die Solmisation kann eine sehr große Hilfe beim Merken bestimmter Tonverhältnise sein. Wenn uns der Text eines bekannten Liedes vorgelegt wird, so fällt uns durch Assoziation meistens sofort die Melodie ein. Lese ich zum Beispiel "Wachet auf...", höre ich innerlich sofort Grundton - große Terz - Quinte (Siehe EG 147).

    Guido von Arezzo hat sich im Mittelalter deshalb eines Liedes bedient, dessen Zeilenanfangssilben er für die verschiedenen Tonstufen verwendet hat.

    Im Prinzip ist es völlig egal, welches System Du verwendest, das eigentlich wichtige ist dabei einerseits, dass das System in sich logisch, konsequent und eindeutig ist und andererseits, dass derjenige, um dessen Fortkommen es geht, das System versteht und den Sinn erkennt (letzteres kann bei bestimmten Schülern essentiell sein, da sie sonst stur blockieren). Ein anderes System ist nicht unbedingt schlechter, jedes System hat seine Stärken und Schwächen.

    Ich bin momentan dabei, mir für die Improvisation und die melodiebezogene Harmonisierung ein System zurechtzulegen, nach dem es für mich funktioniert. Das heißt nicht, dass es für andere auch funktioniert. Da muss man immer offen für andere Systeme sein, auch für die Ideen des Schülers, sofern man einen hat.

    Ich persönlich finde die Solmisation extrem nützlich, um sich die Stufen einer Melodie im Verhältnis zum Grundton bzw. zur Finalis klarzumachen. Ich bevorzuge also klar die relative Solmisation. Sie ist auf alle 12 gleichschwebenden Tonstufen übertragbar, was für die Improvisation später unabdingbar ist.
     
  3. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.11.06   #3
    Um ganz ehrlich zu sein kapiere ich den sinn der sache nicht. kann mich einer aufklären, welchen lerneffekt das haben soll, und wie man das macht? :o
     
  4. daemonica

    daemonica Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.12.06   #4
    Ich brauchs eigentlich nur zum Blattsingen, und kanns auch nur so:
    in C-Dur wäre c=do, d=re, e=mi; f= fa; g=so; a= la; b= ti und c natürlich wieder do.
    Wenn du dann eine Melodie in F zum Beispiel hast, überträgst du einfach die Silben auf die jeweiligen Stufen, du lernst also quasi einmal alle Intervalle und kannst sie danach ganz eifach für jede Tonart anwenden. Bringt's meiner Meinung nach schon noch für prima vista Geschichten. Hope this helps, das tiefe d
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 01.12.06   #5
    Sänger haben keine tasten und keine bünde, woran sollen sie sich festhalten? Dem erwähnten mönch Guido war die idee gekommen, jeder stufe der tonleiter eine silbe zuzuorden, die er einem gebet an den heiligen Johannes mit der bitte um befreiung von heiserkeit entnahm.
    DO-RE-MI-FA-So-LA-TI-Do lassen sich, da meist mit einschwingenden konsonanten und reinen vokalen versehen, auch stimmpflegerisch/bildend einsetzen. Die tonart oder-lage ist dabei unwichtig, man stimmt seinem stimmumfang entsprechend an, alles andere spielt beim singen keine rolle. "Do" ist immer grundton, "So" immer quinte.
    Noch konsequenter und wirklich empfehlenswert ist das system "JA-LE", das logischer aufgebaut ist, halbtonschritte markiert, chromatik erlaubt und mit handzeichen (auch das alte praxis) die tonvorstellung unterstützt.
     
  6. Reaper's Ballz

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    Erstellt: 01.12.06   #6
    Hab's auch nicht verstanden, bin aber auch kein Sänger.
    Geht's darum, dass man mit diesen verschiedenen Silben dann bestimmte Tonhöhe im Gedächtnis verknüpft?
    Mir ist ja klar, dass man sich bestimmte Intwervalle zum Beispiel sehr gut mit den Angängen von Kinderliedern merken kann, aber da geht's ja immer um 2 Töne die in Bezug zueinander stehen.
     
  7. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 01.12.06   #7
    Nein, eben keine bestimmten tonhöhen, es ist ein relatives, kein absolutes system, man lernt, intervalle zu lesen und vom blatt zu singen, entstanden aus dem unbegleiteten (a cappella) gesang. Den sänger interessiert nicht, in welcher tonart er singt, sondern wie er von einem ton zum nächsten kommt, er hat keine weißen und schwarzen tasten und keine irgendwie tonal gebundenen leeren saiten.
    Können wir die letzten klarheiten besa(!)itigen ?

    Do - re - mi - fa - sol - - sol
    Al - le mei- ne ent - -chen

    ja - le - mi -ni - ro - - ro (wobei gleiche vokale einen halbtonschritt angeben)

    und das in jeder tonart, hoch oder tief, auf jeder stufe, ist doch relativ immer das gleiche.
     
  8. Reaper's Ballz

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    Erstellt: 01.12.06   #8
    jaja, also dass das system relativ ist und nicht auf ganz bestimmte tonhöhen festgelegt ist, war mir schon klar.
    Die Silben (Do-Re-Mi...) stehen für die einzelnen Intervalle innerhalb einer Tonleiter..Do=Prim, Re = große Sekund usw...soweit isses mir ja klar.
    Okay, dann bekommt der Sänger sein Blatt, guckt dadrauf und sieht zum Beispiel: "aha die ersten beiden Töne meiner Gesangslinie stehen im Abstand einer Quint zueinander".
    In dem Silbensystem hieße das dann: Do - Sol
    Ich verstehe jetzt aber nicht, wie einem das jetzt helfen soll, Intervalle vom Blatt zu singen, weil man ja vorher alle Intervalle können muss (sich gedanklich vorstellen können sollte) und wenn ich sowieso weiß wie sich ne Quinte anhört, wozu dann noch die Silben.
    Ich versteh den Knackpunkt nicht.
     
  9. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 01.12.06   #9
    1.muss ein sänger töne auf irgendeine silbe singen, und bei übungen bieten sich eben die genannten an
    2.hat der sänger nicht eine tastatur oder ein griffbrett vor augen, an dem er sich orientieren kann, er kann nicht abzählen, 1,2,3,4,5; was eine quinte ist, ist ihm egal, aber do -sol kennt er als intervall, weil er es gelernt und eingeschliffen hat. Das ganze kommt aus der italienischen gesangsschule und ist in sich logisch nicht recht schlüssig wie "Ja-le". Heute gehört klavierspiel als pflicht-nebenfach zur gesangs-ausbildung, das war aber nicht immer so, und - das sage ich hinter vorgehaltener hand - stimmbesitz und intelligenz sind nicht immer eng beieinander - - - - ich erspare mir die steigerung, die mit "tenor" als superlativ endet. Am meisten verbreitet ist in der praxis immer noch die papageienmethode.
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  10. Colorido

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    Erstellt: 02.12.06   #10
    @Reaper's Ballz

    Wenn Du weißt, wie sich eine Quinte anhört, ist es gut. Und wenn Du die Intervalle alle so unterscheiden kannst, auch. Die Solmisation ist eben nur ein Weg zum Blattsingen und zur Improvisation. Der Vorteil der Solmisation ist, dass Du die Intervalle in allen Konstellationen singen kannst. Wenn Du Dir zum Beispiel die Quarte mit der "Kleinen Nachtmusik" von Mozart merkst, hast Du zwar eine Quarte, aber nur die Quarte von der Unterquarte zum Grundton der Melodie. Versuchst Du nun, diese Eselsbrücke anzuwenden, um etwa eine Quarte von der kleinen Sexte zur kleinen Terz abwärts zu singen, musst Du die kleine Sexte blitzschnell zum Grundton umdeuten, was für die kurze Strecke meist zu aufwendig ist. Ist so eine Umdeutung trotzdem notwendig, etwa im Falle einer Modulation, kann man sich durch das Austauschen der Tonsilben viel schneller auf die neue Tonart einstellen.

    Ich benutze im Moment das System (chromatisch aufwärts) Do - Ra - Re - Ma - Mi - Fa - Fi/Su - So - Lu - La - Ta - Ti - Do. Mit Hilfe dieser Silben kann ich mir jedes Intervall auf jeder Stufe merken, da es im tonalen Zusammenhang immer ein Unterschied ist, ob ich nun eine Quarte So - Do oder eine Quarte Ma - Lu singe oder spiele.

    Zur Übmethode: Ich übe dieses System im Moment so, dass ich mir bekannte Melodien auf Tonsilben singe. Mit diesem System sehen zum Beispiel die folgenden Melodien so aus:

    "Wachet auf, ruft uns die Stimme" (EG 147)
    Do - Mi - So - So - So - So - La - So - La - So
    So - Do - So - Do - Mi - Re - Mi - Re - So
    So - Do - So - La - Mi - Fa - Re - Do
    et c.

    J.S. Bach - Passacaglia
    Do | So __ Ma | Fa __ So | Lu __ Fa | So __ Re | Ma __ Ti | Do __ Fa | So __ __ | Do

    Findet nun in einem Lied eine Modulation oder Ausweichung statt, so tausche ich an der entsprechenden Stelle die Tonsilbe einfach aus. So weicht das Lied "Du meine Seele singe" (EG 302) an einer Stelle von seiner Grundtonart (im EG B-Dur) zur VI. Stufe (im EG entsprechend g-moll) aus. Das bedeutet: La wird zu Do, Do wird zu Ma, Mi wird zu So. An der entsprechenden Stelle im Lied sieht das dann mit Silben ausgedrückt so aus:

    Do | Do - So - La - La | So __ So ' >Mi/So< | Fa - Ma - Re - Re | Do

    Der Ton, der nun am Ende Do ist, war vorher La, durch die Kadenz ist die Modulation abgeschlossen.