Songs im Mittelalter-Stil neu arrangieren

  • Ersteller Andurian
  • Erstellt am
A
Andurian
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
10.11.14
Registriert
01.06.11
Beiträge
2
Kekse
0
Hallo zusammen,

zunächst einmal hoffe ich, hier im richtigen Unterforum zu sein und ein wenig Hilfe zu finden.
In meiner Band haben wir uns dazu entschlossen von unserer bisherigen Folk-Rock-Schiene (hauptsächlich selbst geschriebene Songs) ein wenig abzuweichen und Ausflüge in die unverzerrte Mittelalterwelt zu unternehmen. Da es natürlich viel zu einfach wäre, die Mittelalter-Klassiker zu spielen, hatten wir die Idee bekannte Songs zu nehmen und diese in mittelalterlichem Stil zu spielen. Nach einigen Versuchen bei den Proben fiel uns aber auf, das keiner von uns so wirklich eine Ahnung hat, was einen Mittelalter Song genau ausmacht und wie man einen bestehenden Song entsprechend verändern könnte (vor allem so, dass das Original noch erkennbar ist).

Der Vollständigkeit halber: Als Instrumente haben wir (mit insgesamt 6 Mann) folgendes anzubieten:
Schlagzeug, Gitarre, Bass, Geige, Bouzouki, Dudelsack, Schalmei, (2x) Trompete, Drehleier. Dabei sind die Blasinstrumente und die Drehleier auf zwei Mann verteilt (und der Dudelsackspieler spielt aktuell lieber Trompete).

Als konkretes Beispiel hatte ich mir von Madsen "Du schreibst Geschichte" vorgenommen, da es für den Anfang nicht allzu komplex sein sollte. Als Ausgangsbasis hatte ich die Noten verwendet, die man auf Ultimate-Guitar findet (und die ich hier wahrscheinlich nicht verlinken darf). Mit 4 Stimmen: Vocals, zwei Gitarren und Bass sollte das ja nicht so kompliziert sein. Ein möglicher Ansatz wäre, die Akkorde der Gitarren auf die Bläser umzulegen und mit der Geige die Melodie zu umspielen.

Der nächste Abschnitt erläutert ein bisschen, was ich bisher schon versucht habe, um einen mittelalterlicheren Klang zu erzeugen. Er kann aber auch gerne übersprungen werden.

Bevor ich aber so große Umstrukturierungen vornheme dachte ich, dass man doch zumindest die Gitarrenstimme so umschreiben können sollte, dass ein wenig der mittelalter Stimmung rüberkommt. Um das zu erreichen habe ich prinzipiell zwei Variablen: Rhythmus und Tonart. Davon erschien mir ein Tonartwechsel zunächst am plausibelsten. Da gab es mal sowas wie Kirchentonarten: Dorisch, Lydisch, etc. die sich gerade für Mittelalterstücke eignen sollten. Also habe ich nach Anleitungen gesucht, um ein Lied in die entsprechenden Tonarten zu transponieren. Dazu muss ich sagen, dass es bei mit mit Musiktheorie nicht so weit her ist und ich deswegen nicht genau sagen kann, ob die Anleitung die ich verwendet habe bzw. die Art wie ich sie verwendet habe korrekt ist.

Die Seite die ich fand war folgende: http://takecourage.tripod.com/theory5.html
http://takecourage.tripod.com/theory5.html
Die Erklärungen dort sagten mir quasi dies: Dorisch, Lydisch etc. sind verschiedene Modi, die es zu jeder Tonart gibt. Wenn man eine Tonart wie Beispielsweise C-Dur mit der Tonleiter C-D-E-F-G-A-H-C hat, wäre die die Tonleiter für C-Dur dorisch D-E-F-G-A-H-C-D. Also identisch, nur dass sie auf dem 2. Ton der Grundtonleiter anfängt. Für die restlichen Modi fängt man auf dem ebenfalls auf der jeweiligen Tonstufe der Grundtonleiter an. Für Phrygisch auf dem 3., für Lydisch auf dem 4., für Mixolydisch auf dem 5. etc. Das gleiche kann man dann für jede beliebige andere Tonart machen.

Um jetz ein Lied bzw. eine Melodie in einen anderen Modus zu setzen kann man sich nun eine Tabelle bauen. Man schreibt die originale Tonleiter und die Tonleiter im Modus untereinander. Für C-Dur dorisch also
C-D-E-F-G-A-H-C
D-E-F-G-A-H-C-D
Daraus kann man dann ablesen, welcher Ton zu welchem verändert wird. Jedes C wird zu einem D, jedes D zu einem E. Das führt dann dazu, dass manche Töne um einen Ganzton transponiert werden. Dadurch soll das Lied eine andere Klangfarbe bekommen.

So weit die Theorie. Zur Praxis: "Du schreibst Geschichte" ist in F-Moll geschrieben. Der Dudelsack kann aber nur C- oder G-Dur bzw A- oder E-Moll. Also erstmal alles um einen Halbton runter in E-Moll transponieren. Anschließend habe ich verschiedene Modi ausprobiert, die gefielen mir aber alle nicht wirklich, da dadurch die Melodie doch zu sehr abgeändert wurde. Zudem ergaben sich Probleme bei Akkorden: Wie setze ich die in einen anderen Modus? Wenn ich es wie bei der Melodie Ton für Ton mache, ergeben sich dadurch manche sehr schief klingende Akkorde.

Mag sein, dass die Erklärungen an diese Stelle ein bisschen über sind und nicht ganz in dieses Unterforum passen, aber ich wollte zumindest einmal darstellen, was ich bisher so versucht habe. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der mir sagen kann, ob diese Art der Transponierung richtig bzw. sinnvoll ist.

Die Frage ist jetzt logischerweise, was kann ich machen um Liedern allgemein oder "Du schreibst Geschichte" konkret einen mittelalterlichen Touch zu verliehen? Wie sehr hängt das von den verwendeten Instrumenten ab (kann unser Dudelsackspieler auch Trompete spielen)?

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand dazu ein paar Hinweise geben könnte.
 
Eigenschaft
 
H
Hans_3
High Competence Award
HCA
Zuletzt hier
21.01.23
Registriert
09.11.03
Beiträge
16.632
Kekse
60.439
Andurian schrieb:
Um jetz ein Lied bzw. eine Melodie in einen anderen Modus zu setzen kann man sich nun eine Tabelle bauen. Man schreibt die originale Tonleiter und die Tonleiter im Modus untereinander. Für C-Dur dorisch also
C-D-E-F-G-A-H-C
D-E-F-G-A-H-C-D
Daraus kann man dann ablesen, welcher Ton zu welchem verändert wird. Jedes C wird zu einem D, jedes D zu einem E. Das führt dann dazu, dass manche Töne um einen Ganzton transponiert werden. Dadurch soll das Lied eine andere Klangfarbe bekommen.

So weit die Theorie. Zur Praxis: "Du schreibst Geschichte" ist in F-Moll geschrieben. Der Dudelsack kann aber nur C- oder G-Dur bzw A- oder E-Moll. Also erstmal alles um einen Halbton runter in E-Moll transponieren. Anschließend habe ich verschiedene Modi ausprobiert, die gefielen mir aber alle nicht wirklich, da dadurch die Melodie doch zu sehr abgeändert wurde. Zudem ergaben sich Probleme bei Akkorden: Wie setze ich die in einen anderen Modus? Wenn ich es wie bei der Melodie Ton für Ton mache, ergeben sich dadurch manche sehr schief klingende Akkorde.

Mag sein, dass die Erklärungen an diese Stelle ein bisschen über sind und nicht ganz in dieses Unterforum passen, aber ich wollte zumindest einmal darstellen, was ich bisher so versucht habe. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der mir sagen kann, ob diese Art der Transponierung richtig bzw. sinnvoll ist.

Die Frage ist jetzt logischerweise, was kann ich machen um Liedern allgemein oder "Du schreibst Geschichte" konkret einen mittelalterlichen Touch zu verliehen? Wie sehr hängt das von den verwendeten Instrumenten ab (kann unser Dudelsackspieler auch Trompete spielen)?

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand dazu ein paar Hinweise geben könnte.


D-E-F-G-A-H-C-D ist D-dorisch, nicht C-dorisch. Dorisch ist ein Moll-Modus. Das aber nur nebenbei.

Einen mittelalterlichen Touch wirst Du mit dieser Methode in modernere Lieder schwerlich reinbekommen. Wenn, dann musst du alles rausnehmen bis auf die Melodie und diese mit nur 1 oder 2 Akkorden neu unterfüttern. Da das Mittelalter keine Harmonien/Akkorde in unserem Sinne kannte, klingt es eben sonst eben nicht mehr nach MA. Die Instrumente selbst machen nur Klangfarbe und nicht von alleine einen Musikstil aus.

Das "Entharmonisieren" geht aber nur bei Liederm, die eh schon in Moll stehen. Bei anderen ist es machmal möglich, sie zu "vermollen". Einfaches Beispiel Hänschen KLein in D mit kleiner statt großer Terz. Das Lied ist dann aber immer noch zu erkennen:

A F F G E E D E F G A A A

A F F G E E D F A A D

(Akkord Dm) Hänschen klein

(Akkord C-Dur) ging allein

(Dm) in die weite

(C) Welt hinein

(Dm) Stock und Hut

(C) steht ihm gut

(Dm) ist gar

(Akkord C) wohlge- (Dm) mut


Wie gesagt - ene zweischneidige Sache. Viele "heutige" Melodien sind ja so angelegt, dass sie auf eine bestimmte harminische Auflösung nahezu hindrängen. Und wenn die dann nicht kommt, kann das klingen wie gewollt und nicht gekonnt.

Auch im Ohr des Hörers werden bekannte Melodien zu absolut reduzierter Harmonik zweischneidig ankommen. Manche werden das viellicht originell finden, aber bei den meisten wird das krasse "Verletzen" eingeübter Hörgewohnheiten in Bezug auf bekannte Melodienwohl eher ungute Gefühle auslösen.
 
Zuletzt bearbeitet:
BraveSentry
BraveSentry
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
06.04.20
Registriert
31.05.11
Beiträge
69
Kekse
99
ein heutiges lied auf mittelalter umzuschreiben, ist nich einfach, aber es gibt möglichkeiten.

man könnte beispielsweise cantus firmus techniken anwenden, also sich die melodie nehmen und einen kontrapunkt dazu schreiben (wie das geht steht zb in dieter de la mottes buch "kontrapunkt")

für mittelalterliche sounds reicht vielleicht schon eine neuinstrumentierung - die instrumente dazu habt ihr ja.

eine andere möglichkeit wäre quint-organum, also das spielen von quintparallelen über der eigentlichen melodie.

grundsätzlich wäre auch zu eintscheiden, wie wichtig euch tatsächlich mittelalterlicher stil ist. kontrapunkt lernen ist nicht einfach. es könnte also besser sein, wenn ihr euch nicht all zu sehr mit den stilistischen feinheiten aufhaltet, sondern die sachen lieber so spielt, wie sie euch gefallen. wenn dabei dann was mittelaltes rauskommt, gut, wenn nicht, auch gut.
 

Ähnliche Themen


Neue Themen

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Oben