Blackmore Interview im Playboy

von meckintosh, 23.11.05.

  1. meckintosh

    meckintosh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.11.05   #1
    Hi,

    für alle Blackmore Fans hab ich mal das Interview mit ihm aus dem aktuellen Playboy hier eingestellt. Ich hoffe ich verstosse nicht gegen ne Forumsregel, denn das ist schon einiges an Text...

    „Man kann leicht den Verstand verlieren"“
    Mit Deep Purple war Ritchie Blackmore ein wilder Gitarrenheld, heute gibt er mit seiner Freundin Candice den Minnesänger. Hier erklären beide, wie das passieren konnte
    Playboy: Herr Blackmore, Sie haben für den Deep-Purple-Song „Smoke on the Water“ das berühmteste Gitarrenriff der Rockmusik erfunden. Wie ist es Ihnen eingefallen?
    Blackmore: Das Riff hat sich ganz beiläufig ergeben. Ich habe den Schlagzeuger „bum ba bum ba“ trommeln lassen und dazu gespielt. Fertig. Ich wollte etwas, das sich die Leute leicht merken können.
    Playboy: Macht Sie der Song stolz?
    Blackmore: Er bringt eine Menge Geld. Für das Management.
    Playboy: Ihnen hoffentlich auch.
    Blackmore: Sie geben mir etwas ab, ja.
    Playboy: Heute machen Sie statt Rock mit Ihrer Freundin Candice Mittelaltermusik und treten mit Blackmore’s Night in Burgen vor 500 Leuten auf. Verstehen Sie, wenn alte Deep-Purple-Fans entsetzt sind?
    Blackmore: Ich liebe Bob Dylan, und als sein Fan mag ich auch nicht, wenn er sich verändert. Aber ich selbst muss mich weiterentwickeln. Ich konnte nicht ewig abgenudelte Rockklassiker spielen, nur weil die Fans das gern hören. Es hätte mich gelangweilt. Ich habe vor 300.000 Leuten gespielt, den Egotrip habe ich hinter mir. Du kannst vier Affen auf eine Bühne in einem Stadion stellen, wenn sie die richtigen Sound- und Lichteffekte haben, und die Massen sind begeistert. Bands wie Kiss haben das bewiesen.
    Playboy: Aber warum Mittelaltermusik?
    Blackmore: Es war schon lange mein Traum, solche Musik zu spielen. Und wenn es vor 100 Leuten ist. Rock’n’Roll spricht meinen Verstand an, Renaissancemusik berührt meine Seele. Das Prunkvolle, Geheimnisvolle, Majestätische. Man merkt, dass solche Musik nicht gemacht wurde, um in die Charts zu kommen, sondern mit dem Herzen.
    Candice: Ritchie macht Musik für sich selbst. Und Renaissancemusik liebt er seit den siebziger Jahren. Da war ich ein Jahr alt – mich trifft also keine Schuld ...
    Blackmore: Ich habe diese Musik zum ersten Mal 1972 in London gehört. Als ich danach mit Deep Purple auf Tour ging, legten alle in ihren Hotelzimmern Rockplatten auf. Ich hörte Renaissancemusik. Alle hielten mich für sonderbar. Dabei ähneln sich Rock und Mittelaltermusik. Eine E-Gitarre klingt wie ein Dudelsack, wenn man will. Vom Harmonieaufbau gleichen Deep-Purple-Songs der Musik des 15. Jahrhunderts. „Smoke on the Water“ hätte man damals bestens zum Einzug einer Königin spielen können. Mit Krummhörnern, Schalmeien und Trombonen.
    Playboy: Stimmt es, dass Sie beide sich beim Fußballspielen kennen gelernt haben?
    Candice: Ja, bei einem Benefizmatch in New York. Ich bat Ritchie danach um ein Autogramm. Er signierte ein Stück Papier für mich und sagte: „Sie sind eine sehr schöne Frau.“
    Blackmore: Und ich war mir sicher, ich hätte damals dein Oberteil signiert.
    Candice: Du verwechselst das mit dem Autogramm auf meinem Dekolleté, das ich mir später eintätowieren ließ. Auf jeden Fall war ich damals ganz glücklich über das Kompliment und ging beseelt nach Hause.
    Blackmore: Ich schickte ihr natürlich sofort einen Mitarbeiter hinterher und ließ sie zum Abendessen einladen. Sie nahm an.
    Candice: Wir redeten bis neun Uhr morgens miteinander. Und stellten fest, dass wir so vieles gemeinsam haben.
    Playboy: Danach waren Sie ein Paar?

    Candice: Erst fünf Jahre später. Als ich Backgroundsängerin bei Deep Purple war.
    Playboy: Worin unterscheidet sich das Hardrock-Publikum von Ihren heutigen Fans?
    Candice: Bei Deep Purple waren es zu 98 Prozent Männer in Leder. Heute kommen auch viele Frauen.
    Blackmore: Und sie halten alle Händchen. Candy zieht viele lesbische Frauen an.
    Candice: Aber nicht nur! Wenn du früher gewusst hättest, dass diese Musik Frauenherzen aufschließt, hättest du viel schneller eine Minnesang-Combo ge-gründet.
    Blackmore: Das ist wohl wahr. Die meisten Musiker gründen Bands, um Frauen anzulocken. Fotografen werden Fotografen, um Frauen zu fotografieren. Frauen sind immer im Spiel, wenn Männer etwas tun.
    Playboy: Mit Deep Purple sind Sie immerhin von Hugh Hefner in die Mansion in L.A. eingeladen worden.
    Blackmore: Ja, ich habe ihm ein paar Sachen beigebracht.
    Playboy: Was denn?
    Blackmore: Wie man Frauen anmacht. Mit einer Gitarre. Ich habe ihm Lieder dafür gezeigt.
    Playboy: Sie sind ein Verehrer von Franz Beckenbauer. Wie kam das?
    Blackmore: Seine Art, Fußball zu spielen, war wie Musik. Er war unfassbar elegant am Ball, hatte immer den Überblick, wusste immer, wo die Mitspieler stehen, und wenn ihn einer foulen wollte, war er schon längst zur Seite gesprungen. Mir war der deutsche Fußball schon immer näher als der englische. Ich habe als Kind lieber den Ball jongliert, als den Gegner umzuholzen. In meinem englischen Jugendteam haben alle ständig gebrüllt: „Lass sie uns abschlachten!“ Das hat mir den Sport einige Zeit verleidet.
    Playboy: Zu wem halten Sie, wenn England gegen Deutschland antritt?
    Blackmore: Zu Deutschland, keine Frage.
    Candice: Wir kriegen viele böse Anrufe deswegen. Seine Freunde können es einfach nicht fassen, dass er zu Deutschland hält. Aber es ist ja nicht nur der Fußball. Wir lieben die deutschen Burgen und Schlösser.
    Blackmore: Ich habe kurzzeitig sogar erwogen, nach Deutschland umzuziehen. Aber dann kamen mir die hohen Steuern in den Sinn. Deutsche Steuern sind grotesk hoch. Und die Preise haben sich verdoppelt, als der Euro eingeführt wurde, oder? Alles wurde eins zu eins von Mark in Euro umgerechnet. Sehr ärgerlich.
    Playboy: Früher haben Sie Gitarren zertrümmert, wenn Sie wütend waren. Wann kam das zuletzt vor?
    Blackmore: Gestern. Nein, das ist bestimmt 20 Jahre her. Ich habe es auf der Bühne getan, zuerst wirklich aus Wut, aber dann wurde
    es eine vorhersagbare Pose. Eine leere Pose.
    Playboy: Wie wird man vom wütenden Rockgitarristen zum braven Minnesänger?
    Blackmore: Ich fühle mich dem Lebensstil der mittelalterlichen Minnesänger sehr ver--bunden. Sie lebten in der Natur, in der Nähe von Wäldern. Ich habe irgendwann begriffen, dass mich Natur zum Spielen und Komponieren anregt. Städte inspirieren mich nicht, im Gegenteil.
    Candice: Es ist wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Der Tageshimmel zeigt eine falsche Begrenzung auf, und das blockiert Kre-
    ativität. Nachts öffnet sich alles, was uns das Gefühl vollkommener Freiheit gibt. Deshalb schreiben wir unsere Lieder nur nachts.
    Playboy: Spielt deshalb der Mond eine so große Rolle in Ihren Songs?
    Blackmore: Er hat eine gewaltige Macht. Man kann leicht den Verstand verlieren, wenn man ihn zu lange ansieht. Wir waren übrigens noch nie auf dem Mond.
    Playboy: Sie meinen sich und Candice?
    Blackmore: Ich meine die Menschheit. Ich besitze ein Video, das genau das beweist. Alles nur Propaganda gegen die Russen. Wenn wir wirklich oben gewesen wären, gäbe es dort große Reklametafeln.
    Candice: Zum Glück waren wir nie da.
    Playboy: Es gibt ein anderes großes Gerücht: dass die Urbesetzung von Deep Purple für ein letztes großes Konzert zusammenkommt. Wären Sie dabei?
    Blackmore: Ich habe kein Problem mit der Band, ich habe ein Problem mit dem alten Management. Wenn diese Leute bei so einem Konzert Profit machen würden, würde ich ablehnen.
    Candice: Für die Fans würde Ritchie es tun, wenn es eine einmalige Sache bleibt.
    Blackmore: Aber eigentlich will ich ja gar nicht ins 20. Jahrhundert zurück. Wenn, dann lieber gleich ins 15. Jahrhundert.

    von hart zu zart
    >> Bei ihren Konzerten sieht es manchmal aus wie beim „Herr der Ringe“-Casting: Menschen in Mittelalterklamotten jubeln Ritchie Blackmore, dem Ex-Gitarristen von Deep Purple und Rainbow, und seiner singenden Freundin Candice Night zu, einer ehemaligen Background-Sängerin von Deep Purple und Rainbow. Gemeinsam sind sie Blackmore’s Night und spielen einen aufgepeppten Mittelalter-Sound und Renaissancemusik mit historischen Instrumenten und E-Gitarre. Blackmore wurde am 14. April 1945 im englischen Weston-Mare geboren, Candice am 8. Mai 1971 auf Long Island bei New York. Ein Paar sind sie seit den frühen Neunzigern; ihre neue Platte „The Village Lanterne“ erscheint im Januar 2006.

    Das wars...

    Meck
     
  2. Duempi

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    Erstellt: 23.11.05   #2
    hey toll, danke, war da nicht auch ein interview von campino drinn ;) :cool:
     
  3. banino

    banino Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.11.05   #3
    Ich bin rein musikalisch ein Riesenfan von Blackmore
    In Artikeln über Deep Purple wird er immer als das egozentrische Arschloch dargestellt
    das könnte ja auch theoretisch zutreffen
    Aber im Interview meint er ja, dass er kein Problem hat mit den Musikern
    Jedenfalls lässt mich dieses Interwiew wieder etwas besser schlafen,
    zwar nicht so gut wie ein schöner Porno, aber immerhin;)
     
  4. between*the*eyes

    between*the*eyes Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.12.05   #4
    danke fürdas einstellen des artikels.
    er macht doch recht deutlich wie ritchie mit den presseleuten umgeht.
    das thema purple reunion sollte ein für alle mal vom tisch sein.

    play minstrel play!!!


    cheers
     
  5. Hänschenkleinman

    Hänschenkleinman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.12.05   #5
    Danke fürs Reinstellen. Stehen einige interessante Sachen drin.
     
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