Wo steht, dass er Klang rausnimmt? Er ändert ihn, las ich.
Er kann ja selber antworten

aber so habe ich es zumindest verstanden:
Ohne Einbuße bei der Klangqualität geht das natürlich nicht.
"passt Dich nach unten an" interpretiere ich als (unglückliche) Wertung. Das hat für mich etwas von nur Solo ist das wahre, das gefällt mir nicht wirklich. Wenn es Dir keinen Spaß macht, ok, aber bewerten sehe ich hier wirklich als problematisch. Es ist für mich einfach eine andere Technik, nicht besser, nicht schlechter per se, nur passender oder nicht passender für den Einsatz.
Nein gar nicht als Wertung im Sinne von "nur Solo zählt". Es ist einfach der Unterschied zwischen ausgebildeten und unausgebildeten Stimmen. Ein "nicht speziell ambitionierter" Laienchor wo der Grossteil der Stimmen plusminus ohne Ausbildung ist, funktioniert nur durch Masse. Das heisst aber nicht dass die einzelnen Mitglieder im Schnitt dort untalentierter im Singen sind als jemand der seine Stimme jahrelang und intensiv ausbildet. Sie setzen einfach andere Prioritäten: Singen ist für sie vllt nur eines von vielen Hobbys, in das sie deshalb nicht allzu viel Zeit investieren wollen. Oder Familie oder Job erlaubt es ihnen nicht, mehr Zeit in den Gesang zu stecken. Ich habe nie ein Mysterium aus dem erlernen der klassischen Gesangstechnik gemacht: kann jeder lernen mit normaler Musikalität und normalem Körperbewusstsein, gesundem Stimm-Material und einem passenden GL. Aber braucht, um ein gewisses Niveau zu erreichen, sehr viel Fleiss und Durchhaltevermögen (erzähle ja immer das gleiche

!) und das ist halt nicht immer ganz einfach. Ich kenne auch viele Leute, die zwar GU nehmen und das ev auch über recht viele Jahre, aber daneben nicht allzu intensiv üben. Die Stimme verbessert sich, reicht aber, wenn man ehrlich ist, eigentlich nicht um öffentlich solistisch zu singen: der Abstand zu einer professionellen Stimme ist noch zu gross. Das sind aber perfekte Kandidaten für etwas anspruchsvollere Chöre oder Vokalensembles in kleinerer Besetzung. Ich war nach den ersten 4 GU in diesem Zustand und habe damals gern in solchen Ensembles gesungen. Musste mich technisch nicht zurücknehmen, konnte das aussingen was ich bis dahin gelernt hatte und es hat sich trotzdem gut in den Ensembleklang eingefügt. Dann nach dem Wechsel zu einer GL die ansonsten Profis ausbildet ging es auch bei mir professionell weiter: zwar leider nicht was mein gesangliches Talent betraf

aber immerhin meinen Einsatz und Zeitaufwand, und das ist ja auch schon was! Ich glaube mein Talent beim Singenlernen bestand/besteht v.a. darin, zu erkennen was für eine Chance sich mir da geboten hat und diese auch zu nutzen! Und um aufs Thema zurückzukommen: bei dem was ich mir bis anhin aneignen konnte, da bin ich einfach nicht mehr bereit Abstriche zu machen. Falls ich es wieder mal in einem Chor versuche: entweder der CL akzeptiert meine Stimme wie sie ist oder er findet, ich passe nicht in den Gesamtklang, das ist auch ok, dann gehe ich halt wieder. Chorsingen ist schön, ich kann aber auch ohne leben.
Zum Thema Vibrato oder nicht habe ich einen interessanten
Artikel mit Namensnennung zweier Interpreten von Ombra mai Fu gefunden. Der eine davon vertritt so ungefähr alles, was mich am Anfang gehindert hat, die Stimme frei zu lassen
Die zwei Stimmen sind so unterschiedlich, kann man doch kaum vergleichen. Ohne mich bei den Männerstimmen gross auszukennen: Corelli war wohl ein jugendlicher Heldentenor(?) mit (auch) dramatischen Anteilen in der Stimme, ein grösseres Vibrato ist da meiner Ansicht nach ganz passend. Und Scholl ist als Counter ein ganz anderer Stimmtyp. Aber auch er singt natürlich nicht ohne Vibrato, einfach viel weniger ausladend. Aber ev wird mir jetzt klar:
@moniaqua kann es sein, dass du nicht generell das Vibrato nicht magst, sondern einfach die grossen nicht? resp. dass du feinere Schwingungen gar nicht als Vibrato bezeichnest?
Beim "Ombra mai fu" finde ich die Interpretation von Corelli aber schön und eigentlich ganz passend zum Text, gefällt mir besser als die von Scholl (kann auch daran liegen, dass, obwohl hier mit Scholl natürlich ein Könner am Werk ist, ich generell Counter nicht sehr mag). Man könnte jetzt natürlich sagen, dass der Counter besser zu einem Barockstück passt, aber nach meinem eigenen Empfinden: gibt in den Händelopern neben den typischen barocken bewegten und eigentlichen Koloraturstücken, immer wieder Arien mit einem sehr "romantischen Touch" die wie ich finde näher bei Puccini liegen als zB. bei Bach. Das erlebe ich gerade aktuell auch beim erarbeiten der verschiedenen Cleopatra-Arien (Giulio Cesare): da bin ich als Koloratursopran teilweise sehr gefordert was lange Legatolinien betrifft, aber sind wunderschöne "Schmelzstücke" einfach nur zum geniessen!
Wenn ich z.B. meinen kleinen Großneffen (6 Monate alt) herumtrage und ihm vorsinge, dann mache ich das nicht mit volltönender Stimme sondern ganz zart und leise.
Wenn ich mit Kindern singe, würde ich das auch nicht mit klassischer Stimme tun, schon deshalb nicht, weil Kindern mit einer klassisch ausgebildetetn Stimme oft nichts anfangen können, man sie damit mehr erschreckt, als sie zum mitsingen animiert!
Ich muss ja niemanden etwas beweisen wenn ich im Chor oder Ensemble singe.
Nicht beweisen, aber Spass machen sollte es einem schon, sonst wird das auf die Dauer nichts. Und wie gesagt: mich zum klanglich einfügen in der Dynamik zurücknehmen: kein Problem, jederzeit, aber sozusagen die Technik auf ein tieferes Niveau runterfahren, wenn man weiss es ginge auch anders, das wäre nichts für mich.