Stratocaster Fake erkennen

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In einem anderen Thread habe ich darüber berichtet, dass ein Bekannter Opfer einer Pre CBS Stratocaster Replik wurde.
Die Fälschung war derart authentisch gemacht, dass selbst er als langjähriger Sammler darauf reingefallen ist.

Ich möchte deshalb hier anhand von Beispielen aufzeigen, wie man überhaupt noch eine Chance hat, solch eine Replik zu erkennen. Ich reduziere meine Ausführungen auf wirklich authentische Repliken.
Das umfasst auch Details, die eine CS Strat von einem Original unterscheiden.
1. Der Body :
Stratocaster hatten in jeweiligen Dekaden unterschiedliche Varianten des Body Shapings.
50s 60s 70s unterscheiden sich in der Außen Kontur deutlich. Auch das E Fach hatte in den 50s und 60s Unterschiede. Es gab in den Jahren des Wechsels aber durchaus gemischte Varianten. Die Nailholes sind bekannt, können aber einfach nachgemacht sein.

Was weniger bekannt und ein Anhaltspunkt sein kann :
Die Fräsungen haben deutliche Bearbeitungs Spuren, die sich signifikant von der heutigen CNC
Fertigungstechnik unterscheiden.
Hier genau schauen. Passt der Durchmesser des Fräsers..wurde er in der typischen Form geführt.
IMG_20190916_153322.jpg


Kommen wir zum Tremolo. Einfache Konstruktion läd zum fälschen ein.
Das Pat.Pend muss die korrekte Schriftgröße...Tiefe...und Position haben.
Aufgepasst.....alle Originale haben am oberen Radius deutliche Ziehriefen.
Fehlen die, ist eine eine Reproduktion. Dieses Detail ist auch bei CS nicht vorhanden
IMG_20190916_153646.jpg


Mechaniken:
Kluson no Line...single...und double Line beachten.
Passt die Variante zum Jahrgang?
Es gibt auch heute alle drei Versionen zu kaufen, daher aufs Detail achten.
Originale kann man natürlich an dem Pat. Pend Stamp erkennen. Dafür muss man sie aber abschrauben.
Originale kann man aber auch so erkennen.
Die Höhe des Gehäuses ist geringer, als bei den neueren Fertigungen
IMG_20190916_153905.jpg

Außerdem hatten die Originalen an der unteren Lagerung eine Scheibe aus Metall.
Die Neuen haben dort eine Scheibe aus weißen Kunststoff.
Der CS beachtet diese Details nicht.
Da für die Herstellung von historisch Originalen Werkzeuge, Stanze etc. erforderlich sind, gibt es auch keine auf dem Markt. Jedenfalls ist es mir nicht bekannt.




Der Hals:

Bei historischen Originalen...egal ob Laminated...Curve Rosewood oder Maple ist der Abstand von Einstellmutter zu Oberkante Griffbrett viel geringer, als bei allen Aftermarket Anbieter.
Der CS beachtet das...Fender in den Standard Varianten nicht.
Das ist auch der Grund dafür, dass man bei allen neuen Vintage Modellen mit untenliegenden Trussrodmutter den Hals ohne Demontage nicht....oder nur schwer verstellen kann.
Die Mutter hatte keine Kreuzform, damit man da mit einem Kreuzschraubendreher ran sollte. Bei den historischen Originalen konnte man mit einem kleinen Flachschraubendreher den Hals ohne Demontage verstellen.
Das hat man wohl ab den 80er vergessen, was dazu führt, dass man genötigt würde den Hals zu demontieren.
IMG_20190916_154112.jpg


Nächstes Indiez, welches bestenfalls als Masterbuild im CS zu bekommen ist.

Historische Originale haben einen sehr smoothen Übergang von Hals zur Kopfplatte. Da gibt es keinen sicht oder fühlbaren Volute.
IMG_20190916_154221.jpg


Kopfplatte und Decal :

50s haben stark abgerundete Umlaufradien.
Da wurde noch viel geschliffen.
60s haben das nicht mehr.
Alle 50s bis in die späten 60s hatten Silkscreen Decals, welche auf dem Lack waren. Man kann es sehen und fühlen.
Silkscreen Decals verwendet der CS seit ein paar Jahren auch.
a858dfb061e5fc5c2d99922b7a7edebd.jpg



Ich hoffe das mein Beitrag nicht animiert Blödsinn zu machen.
Das funktioniert, wie in dem Fall meines Bekannten meistens nicht und hat entsprechende Folgen für den Verkäufer.
Außerdem gibt es noch ein paar weitere Details.....

Sollte man tatsächlich den Wunsch haben eine echte Pre CBS kaufen zu wollen, dann sollte man bei seriösen Händlern schauen.
Oder aber wirklich im Thema sein...
 
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Vielen Dank für den interessanten Beitrag! Werde zwar nicht in Verlegenheit kommen da mir die Zahlungskraft fehlt aber...
 
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Ich eher auch nicht, aber interessant ist es auf jeden Fall. Und sollte ich jemals in die Lage kommen, dass mir so eine Gitarre angeboten wird, erinner ich mich hoffentlich an diesen Thread.
 
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Noch etwas zu den Pickups. Da hat man eigentlich keine Chance und es gibt eigentlich nichts, anhand dessen man einen Originalen von einem Replik unterscheiden kann.
Es gibt mittlerweile Sandcast Polepieces...auch der Punkt ist somit obsolet.
Es sind alle Materialien in Original Qualität zu bekommen.
Von daher believe it or leave it.

Die Originalen CTS Potis gibt es nicht mehr in dem korrekten Gehäuse.
Aber.....CTS hat identische Potis auch für andere Hersteller geliefert. Unter anderem finden sich die selben Potis mit korrektem Date Stamp in Funkanlagen der US Army..etc.
Das macht die Potis nicht weniger wertvoll, nur stammen sie nicht immer aus einer Gitarre.

Pickguards der frühen 50s aus Kunststoff...mit dem Wechsel dann aus Celloloid.
Beides ist korrekter Qualität zu bekommen, wenngleich die Celloloids fast nicht mehr zu finden sind.
Pickguard Shield bei den 60s kam von Kaiser.
Manchmal ist der Aufdruck zu sehen. Ansonsten wird es schwierig.

Zusammengefasst sind die Klusons das größte Problem für die Fälschungen.
Es wird aber wohl nicht lange dauern, bis die ersten aus Fernost auftauchen.

Der CRL Switch. Historische haben die seitlichen Platten aus braunen...fast Pertinax ähnlichem Material.
Neue haben helles fast transparents Material.
Es gibt da leider aber eine Möglichkeit das Material zu färben.
Insgesamt ist es eine Vielzahl von Details, die entweder stimmig sind....oder eben nicht.

Für meinen Bekannten ist es glücklich gelaufen, der Kauf wurde gewandelt.
Wahrscheinlich wusste der Verkäufer auch nicht, was er da hatte.

Vielen Dank für die vielen Kekse:great:
 
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Ich eher auch nicht, aber interessant ist es auf jeden Fall. Und sollte ich jemals in die Lage kommen, dass mir so eine Gitarre angeboten wird, erinner ich mich hoffentlich an diesen Thread.
Das ist das Problem. Eventuell eine ausdruckbare, reduzierte Checkliste noch ergänzen? Kann man eventuell auch bebildern, wenn eine Beschreibung eher schwierig ist. Man könnte solche Checklisten für mehrere Gitarrenmodelle/Firmen machen und sie in einem sticky Thread sammeln.

BauteilOriginalPlagiat
MechanikenSo und soOft mals so und so
[TBODY] [/TBODY]
 
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*** Opfer einer Pre CBS Stratocaster Replik wurde.

Die Fälschung war derart authentisch gemacht, dass selbst er als langjähriger Sammler darauf reingefallen ist.
***


Das ist genau der Punkt, warum ich von "alten Strats" grundsätzlich die Finger lasse. In meinem Umfeld wurde diesbezüglich auch schon viel Geld verbrannt...

Bei alten Gibsons sieht es übrigens keinen Deut besser aus!

Für mich gibt es wesentlich interessantere Hersteller, die (noch) nicht von Betrügern verseucht sind.

Besten Dank an @Günter47 für diese Info!

RJJC
 
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Update
Mir ist am Wochenende die zweite Replik in die Hände geraten. Diese 59er Strat kam aus den Niederlanden und sollte eigentlich nur neu bundiert werden.
Der Besitzer hat die Gitarre bereits zwei Jahre und selbstverständlich als Original 59er gekauft und entsprechend bezahlt.
Tja....man kann sich vorstellen, wie begeistert der Mann nach dieser Info ist.
Ich bin mir sicher, dass diese und die oben genannte aus einer Hand stammen.
Unglaublich gut gemacht.
Ja was soll man sagen. Es ist eine wirklich tolle Strat, die hervorragend klingt.
Wenn der zu hohe Kaufpreis nicht wäre, würde ich dem Besitzer gratulieren, denn da kann sich jeder CS Masterbuilder was abschauen.
Ganz klar.....das ist Betrug, aber derjenige, der die gebaut hat.....hat richtig was drauf....ich kann es anders nicht sagen 🤷🏻‍♂️
 
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Ich bin mir sicher, dass diese und die oben genannte aus einer Hand stammen.

Hey Günter,

wenn Du mal Zeit dazu hast würde es mich freuen zu erfahren an welchen Indizien Du das fest machst.

.
 
Günter47
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An beiden waren Kluson Tuner verbaut, welche tatsächlich mit einer Pat Nummer auf der Rückseite geprägt waren.
Das gab es bis jetzt nicht käuflich zu erwerben.
Ich gehe davon aus, dass das Gehäuse von der Grundplatte getrennt wurde und die Nummer in einer Vorrichtung eingeschlagen wurde. Der Abstand von Zahlen und Ziffern war nicht korrekt. Wahrscheinlich hat Er abgeschliffe Schlagzahlen genommen und die in einem Käfig gespannt.
Erstes Augenmerk waren die Saitenreiter auf denen die obligatorischen Ziehriefen fehlten.
Damit war die Hardware entlarvt.
Der Hals und auch das Neckdate war perfekt. Trussrod Mutter an der korrekten Stelle. Silkscreen Decal alles Top.
Den Hals hätte ich ohne den Rest nicht als Replik verifizieren können.
Body war auch sehr gut gemacht....Shaping passte alles. Nur beim Routing hat er einen etwas zu kleinen Fräser genommen.
Das war der Punkt, an dem für mich auch der Body als Replik zu erkennen war.
Die Potis waren Stackpole Repliken.
Ich weiß, dass die mittlerweile von einem pfiffigen Amerikaner nachgebaut werden.
Der macht auch Centrlab und CTS mit den passenden Date Codes.
Um die zu entlarven muss man sie öffnen.
Also....an diese Teile kommt man nicht so einfach ran.
Die Potis....das Silkscreen Decal und auch das Cellulose Pickguard....kann man ohne passendes Netzwerk nicht bekommen und auch nicht selbst einfach herstellen. Die Pickguards wurden in Japan und Italien hergestellt. Sind aber nicht mehr offiziell erhältlich bzw die Herstellung eingestellt.
Cellulose extrem brennbar...Luftfracht problematisch. Zuletzt kamen noch einzelne aus Japan und wurden von einem bekannten Anbieter in D verkauft.
Die Qualität war aber nicht wirklich perfekt.
Deswegen würde ich auch vermuten, dass die Strat aus den USA kommt. Da gibt es ein paar Kollegen die solche Repliken hinbekommen. Die würden aber nicht solche Fehler machen.....keine Ahnung wer dahinter steckt. 🤷🏻‍♂️🤷🏻‍♂️
 
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Mir brummt nach dem Lesen der Schädel: Eine abgerotzte Gitarre für viel Geld kaufen um dann noch beschissen zu werden...?
 
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@Günter47

Kann es sein, dass ehemalige Mitarbeiter sich noch daran erfreuen, solche Gitarren zu fertigen? Weil du sagst, sie wären unglaublich gut gemacht, da versteht jemand sein Handwerk und die kommen aus den USA.
Wenn es so wäre, könnte man sagen, seis' drum, es ist eine Fender, nicht aus dem "Werk", aber eben sowas wie eine Masterbuild, von einem echten Fender Mitarbeiter.
Nur so eine blöde Idee.
Pensionierte Mitarbeiter dürfen sicher keine Fender offiziell anbieten, vllt aber eben auf diesem Weg.
Das Know How ist vorhanden, sicher auch noch Kontakt zu anderen Kollegen.
 
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@Günter47 Vielen Dank!!!
 
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@Person . naja, man kann jetzt hier spekulieren... aber wenn es für den Fälscher gut läuft, kann er für eine Gitarre 25000 $/€ und mehr bekommen. Dafür kann man schon mal ein paar Tage an Teilen, die es ja schon in hoher Qualität zu kaufen gibt, "feilen", um die auf "vintage-korrekt" zu trimmen. Selbst eine komplette Fender CS Strat in ein "vintage" Instrument zu "verwandeln", ergibt immer noch einen satten Gewinn.

Es ist viel mehr die Frage, wann solche Leute auffliegen. Das ist beinharter Betrug und u.U. organisierte Kriminalität. Die Geschädigten (insbesondere die Vintage Händler) werden da einige Energie hinein stecken, den Ursprung der Gitarren aufzudecken und das wird schnell sehr unangenehm für professionelle Fälscher.
 
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Mir brummt nach dem Lesen der Schädel: Eine abgerotzte Gitarre für viel Geld kaufen um dann noch beschissen zu werden...?
Nun.....mich überrascht das nicht wirklich.
Wie bei Antiquitäten und Kunst gibt es offensichtlich auch in dem Bereich Vintage Instrumente "Künstler" die in der Lage sind sehr gut zu fälschen.
Bei der Qualität der Replik kann man den Besitzer auch nicht den Vorwurf machen, dass Er naiv war.
Wenn man eine Affinität zu solchen Instrumenten und den nötigen finanziellen Hintergrund hat.....so what....ich finde das nicht verwerflich.
Ich habe diese Möglichkeiten leider nicht, aber erfreue mich jedes Mal, wenn ich solch ein Instrument in die Hände bekomme.

Tja....wer ist der Schöpfer solcher Repliken und was war seine Intention?
Da kann man wirklich nur spekulieren. Sind seine Instrumente durch zig Hände gegangen und wurden dann als Original deklariert?
Hat Er sie bereits selbst mit dem Vorsatz hergestellt, um damit Geld zu machen?
Eines ist klar. Er muss Zugang zu echten Originalen haben. Es gibt einige Details, die nicht durchs www zu erfahren sind.
Und so, wie es umgesetzt wurde....braucht es entweder Talent und oder eine Menge Erfahrung.
Ehemalige oder vielleicht sogar noch aktive Mitarbeiter von Fender?
Auch denkbar......aber da müsste man wahrscheinlich auf den Bereich CS schauen.
Ein Mitarbeiter, der eine CNC Maschine mit Halsrohlinge bestückt, wird eher weniger in der Lage sein, solche Repliken zu bauen.
Wie auch immer......ich hoffe, dass ich nicht nochmals solch ein Exemplar in die Hand bekomme.
Obwohl.....bitte nicht falsch verstehen....das war schon echtes Masterbuild....wirklich echtes.
Ungeachtet des unschönen Hintergrundes könnte man fast sagen.....egal das Teil ist eine Replik, aber besser als viele Originale und besser als alles was ich aus dem CS kenne....und das konnte den Besitzer auch etwas trösten.
 
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Ich sage nur "Beltracci".

Solche Szenen... man mag sie nun beurteilen oder verurteilen, von "halbseidenem Dunstkreis" bis hin zu "seriös"... von "selbst schuld, hat eh' genug Geld, da trifft#s nicht den Falschen" bis hin zu "um sein letztes Geld betrogen"...

In meinem Bekanntenkreis hat sich jemand einst ganz legal aus USA für viel Geld eine in Würde gealterte Gibson Les Paul anfertigen und dann zusenden lassen. Die sieht sowas von klasse aus und klingt traumhaft. Nur - sie ist eben keine Gibson von Gibson. Der- oder diejenige Handwerker/in dort muss mit Kenntnis unglaublich akribisch gearbeitet haben. Man kann das nun "Kriminell" nennen oder "Begnadet", wenn man mal moralische Aspekte außer Acht lässt und nicht drüber nachdenkt, was wohl der Antrieb ist, so etwas zu schaffen.

Nun ja. Solche Fakes durchdringen den Markt und vermischen sich mit den echten, alten Gegenständen. Da diese Fakes oftmals eben mit einem extremen handwerklichen Aufwand oder Talent angefertigt sind, werden sie spätestens im Falle einer immer schwieriger werdenden Entlarvung irgendwann selbst zum Kunstgegenstand eines separaten Marktes, vermute ich mal. Solange das Geld dafür da ist, solange die Qualität dann (leider sogar - wer legt das fest?) stimmt, wird man wohl diesbezüglich keine moralischen Bedenken haben, sich irgendwann mit dem "Verruchten" zu schmücken, irgendwann zu sagen: "Du spielst eine echte Strat? Pah, das ist doch gar nichts. Ich spiele eine "Beltracci" und das ist doch viel geiler!"

:gruebel:

@Günter47 , danke!
 
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Ich habe ein paar Fragen zu dem Thema bekommen und antworte jetzt mal hier offen.
Obacht....das ist eine rein objektive Betrachtung der Instrumente.
Also.....von den Vintage Strats, die ich in den Händen hatte, ist die Anzahl derer, die besonders ....also gut klingen, nicht größer oder kleiner, als bei modernen Strats.
Überall auf der Welt werden Vintage Strats grundsätzlich mit Killer Sound angepriesen.
Das ist entweder Mumpitz, oder ich habe außergewöhnlich viel.. gewöhnliche Strats in den Händen gehabt.
Weiterhin darf man nicht vergessen, dass einige....oder auch viele dieser Gitarren nicht besonders gut spielbar sind.
Verzogene, gedrehte Hälse....Halspassungen jenseits von Gut und Böse.....ausgeleirte Tuner etc etc.
Viele dieser Gitarren haben über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich den Besitzer gewechselt.
One Owner Strats sind selten. Wirklich gute Exemplare in fester Hand.....der überwiegende Teil ist teure Handelsware, welche ständig den Besitzer wechseln.
Warum....weil nach dem "will haben" nicht selten die Erkenntnis kommt.....spielt nicht wirklich gut....muss ich ständig drauf aufpassen.....ach vielleicht reiß ich beim Verkauf noch nen Euro und kauf mir nen Auto.
Klar....das fällt nicht so sehr auf, wie bei 59er Les Paul's.....weil eben viel mehr Strats unterwegs sind.
Aber es gibt eine Menge "Wanderhuren" die immer wieder auftauchen und immer wieder als Killer Tone Strat angepriesen werden.
Nicht vergessen, dass sind keine handgebauten Instrumente, sondern amerikanische Massenware aus den 50er und 60er, die billig waren und entsprechend billig hergestellt wurden. Geshimmte Hälse und Katastrophen Passungen ab Werk plus 60 Jahre.
Das ist keine Blasphemie sondern harte Realität.
Lasst Euch nicht täuschen von den wenigen bekannten Musiker, die diese Veteranen noch tatsächlich nutzen und spielen.
Vergesst den ganzen Mumpitz von eingespielten, alten Holz und oder magischen Mojo.
Das wird den Gitarren von den Besitzerin angedichtet insbesondere dann, wenn es um den Verkauf geht.
Will heißen.....für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen sich ein solches Instrument zu kaufen. Damit kann man Geld verdienen, oder auch nicht.
Diejenigen, die ob der phantastischen Preise ein ebenso wertiges Instrument erwarten.....werden in der Regel enttäuscht sein.
All diejenigen, die den Wunsch, aber die finanziellen Möglichkeiten nicht haben.
Euch entgeht kein Traum, sondern wahrscheinlich nur eine Enttäuschung.
 
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Vergesst den ganzen Mumpitz von eingespielten, alten Holz ***
@Günter47 :

Bis auf -> siehe Zitatausschnitt, deckt sich dein Statement zu 100% mit meinen Erfahrungen...

Und was die "alte Holz-Frage" betrifft, ist das natürlich kein grundsätzliches Qualitätsmerkmal und stets vom individuellen Instrument abhängig.

Persönlich präferiere ich im Zweifel allerdings immer die, über Decaden gelagerten alten Hölzer vor den künstlich schnellgetrockneten.

Gruss
RJJC
 
Günter47
Günter47
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@rmb Das ist ein Kunstwort und steht für " eigentlich ist das Teil Brennholz aber ich benutze lieber ein positiv belegtes Wort"
Es gibt in Bordellen in der Regel keine Frauen über 80. Warum?
Weil noch keiner auf die Idee gekommen....Hildegard ob ihrer fehlenden Zähne besonderen Oralverkehr...spich MOJO anzudichten.
 
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sankt augustin
präferiere ich im Zweifel allerdings immer die, über Decaden gelagerten alten Hölzer vor den künstlich schnellgetrockneten.
aber vor der Anfertigung der Gitarre????
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Das ist ein Kunstwort
und wohl auch -Vorstellung, der für einen selbst ideale Klang einer Gitarre dürfte schon sehr individuell sein:rolleyes:, sowohl "damals" als auch "heute".
 

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