könnt Ihr mir erklären, weshalb IIm6 trotz Dominant-Tritonus keine Dominantfunktion übernehmen kann? Oder gibt es Beispiele genau dafür?
Mit 6 wird IIm6 als verkürzte V79 aufgefasst. Aber auch ohne Sext hat die Stufe starke harmonische Wirkung - es muss entweder unmittelbar oder bald kadenziert werden. IIm ist die stärkste Funktion in Dur - neben der III, aber die III ist ja nicht diatonisch. (Kontext IIm : dorisch, III hat Kontext b6b9 => phrygisch-dominant...).
IIm ist instande, die Tonika an sich zu reißen. Deshalb sind Trugschlüsse auf IIm auch so selten, da der Komponist fürchten muss, selbst der Betrogene zu sein.
3.) Oft wird aber auch nach IIm moduliert (Ausweichung, implizierte Modulation) und dann nimmt IIm als momentane Moll-Tonika natürlich m6.
z.B. in
.dito. Deshalb lässt man einer IIm ja auch eine V folgen. "Grundtonklau'" , aus der Folge der beiden Akkorde entsteht ein V79. Das gibt dann eine Kadenz, aber die Kadenz funktioniert nur ganzschlüssig, weil die Tonika vorher schon bekannt war. Z.B, ... VIm II V ... da hat man keinesfalls eine neue Tonika auf der V erhalten, sondern es wird
Tp DD D gehört und die
T wechselt kurzfristig aus der Dur-Diatonik nach lydisch. Die kadenzierende/modulierende Kraft einer IIm V7 I Verbindung ist eher gering, und Komponisten treiben oft beträchtlichen Zusatzaufwand - oder greifen zur Allzweckwaffe dim7.
Fehlt der Quintfall, dann sind der Tritonus und die halbtonweise Grundtonbewegung abwärts oder die halbtonweise Grundtonbewegung aufwärts notwendige, nicht hinreichende Bedingungen für die Dominantfunktion.
Von bVI auf V funktioniert auch ohne die Septime - bVI klingt dann zwar unauffälliger, aber genauso schlüssig. Am besten klingt die Septime (der bVI) wohl, wenn sie im Bass steht.
Quintfall ist eine hinreichende Bedingung für die Dominantfunktion.
Das gilt auch melodisch. Ton 5 auf Ton 1. Ganz ohne Akkorde
