Unterschied zwischen modal und tonal ?

von Ex-The Maniac, 08.11.05.

  1. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.05   #1
    Hallo, habe da mal ne Frage an euch.....
    also ich war bisher immer davon ausgegangen, dass wenn ich über eine Akkordprogression spiele wie z.B. Am / G / F
    dass ich dann über den Am-Akkord die Am/C-Dur(ionisch) Skala spiele, über den G-Dur Akkord die G-myxolydische-Skala und über das F-Dur die F-lydische-Skala.
    Das sind ja bekanntlich einfach nur die Modes. Wenn ich komponiere oder improvisiere nutze ich eigentlich immer die Modes.
    So, was mich nun aber mal interessieren würde ist, da ich neulich gelesen habe, dass es auch Musik gibt (mal abgesehen von der "atonalen" Musik), die nicht modal sein soll, wie das bitteschön funktionieren soll, z.b. war da von klassicher Musik die Rede, die angeblich nur auf den Dur und Mollskalen basiert. Ja aber wenn das Stück dann z.b. in C - Dur steht und man spielt ne C-Dur Skala über den C-Dur Akkord dann würde das stimmen (klar), aber wenn nun der Wechsel zu nem anderen Akkord kommt, bin ich doch plötzlich automatisch wieder in einem anderen Modus. Also versteh ich nicht wie das gemeint ist, eigentlich benutzt doch "jede" Musikrichtung, bis auf atonale Musik, automatisch Modes oder nicht ? Ich meine sobald man einen Akkord wechlset hat man schon einen anderen Mode, das ist doch automatisch der Fall. Es sei denn die meinen, dass man bei einem Akkordwechsel von A-Moll zu G-Dur z.b, nicht erst die A-Moll-Skala spielt und dann G-myxolidisch, sondern erst die A-Moll Skala spielt und dann die G-Dur Skala, aber dann wechselt man ja die komplette Tonart und das klingt, wenn man ständig die Akkorde wechselt, wie es im Jazz usw. der Fall ist, sehr komisch.
     
  2. whir

    whir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.05   #2
    Was modal wirklich heißt, tät mich auch interessieren. Ich kann dir nur soviel sagen, dass das was du so lapidar "bekanntlich die Modes" nennst, nicht "die Modes" sind, und schon gar nicht machst du modale Musik. Die Akkordskalentheorie ist nur eine andere Herangehensweise an tonale Musik.

    Modale Musik ist z.B. die Musik des Mittelalters. Die Kirchentonarten heißen ja nicht zum Spaß so.
    Es gibt modale Volksmusik.
    Es gibt modale Stücke in der Romantik.
    Es gibt modalen Jazz.

    Nicht alle dieser Vorkommen des Wortes "modal" bezeichnen den gleichen Begriff.
     
  3. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.05   #3
    Aha und worin genau unterscheidet sich dann der modale Jazz, die modale Romantik/Volksmusik usw., von dem was ich als "Modes" beschrieben habe ???
    Das waren ja auch eigentlich meine ursprünglichen Fragen: Was versteht man unter modaler Musik und was unter Dur/Moll Tonalität ?
     
  4. asdfjkl?

    asdfjkl? Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.05   #4
    meine 2 Cents:

    Also wenn Du C-Dur spielst, dann kannst Du über die gesamte Tonleiter Akkorde spielen:
    C-Dur
    D-moll
    E-moll
    F-Dur
    etc.

    Jetzt könntest Du folgendes sagen
    C-Dur --- klar, ist Dur
    D-moll --- hier spiele ich dorisch D
    E-moll --- hier spiele ich phrygisch E
    F-Dur --- hier spiele ich lydisch F
    etc.

    Aber eigentlich bewegst Du dich im C-Dur Bereich.
     
  5. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.11.05   #5
    Ob ich mich in Dur, Moll oder einem Mode befinde hängt also nur von der Tonika ab, bzw. von der harmonischen Kadenz ?
    Wenn die Kadenz auf der Dur-Tonleiter Aufgebaut wird handelt es sich dabei um eine Dur-Tonart, wenn die Kadenz auf einer modalen Skala, wie phrygisch aufgebaut ist, dann handelt es sich um eine modale Tonart. Richtig so ?
     
  6. asdfjkl?

    asdfjkl? Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 09.11.05   #6
    Laß mal ein Stück auf der klassischen Kadenz T-S-D-T bzw T-D-S-T in einer phrygischen Tonart enden.... Das geht in die Hose.

    Dann hättest Du nämlich:
    Tonika: E - G - H
    Subdominante: A - C - E
    Dominante: H - D - F :eek: (= Hdim / Tritonusarlaaaaarm)

    Alternativ könntest Du sagen, daß die Dominante auf dem Rezitations- bzw. Reperkussionston liegen muß. Das wäre in diesem Falle C; die Dominante also ein C-Dur-Akkord, aber das passt ja nun auch nicht; dann hätte Tonika und Dominante zwei gleiche Töne.
     
  7. HëllRÆZØR

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    Erstellt: 09.11.05   #7
    Jaja, mit der Klassik ist das immer so 'ne Sache.
    Ich denke, mit der Aussage ist einfach gemeint, dass Tonarten insgesamt entweder in Dur oder Moll stehen, aber dass man nicht von modalen Tonarten spricht, wenn man sie bloß über einen Akkord spielt.
    Aber man interpretiert klassische Stücke ja auch anders, zum Beispiel gilt der verminderte Dreiklang als verkürzte Dominante, und irgendwie wird ja immer alles auf den Grundton der aktuellen Dur-/Moll-Tonleiter bezogen.

    Speziell zu Beethoven fallen mir einige Beispiele ein, wo (taktweise) auf Lydisch oder Phrygisch zurückgegriffen wird (6./9. Symphonie, 3. Satz der Appassionata).

    Wahrscheinlich ist das ganze (wie so oft) ein Problem der Konventionen, was also in welcher Stil-Richtung als modale Tonart gilt und was nicht (siehe whir).
     
  8. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.11.05   #8
    Wenn ich also einfach wie bisher meine Stücke auf einer Progression aufbaue die ihre Tonika in einer Moll bzw. Dur Tonart hat, und dann nur während der einzelnen Stufen mich in einem Mode befinde, ist das gesamte Stück dennoch tonal bzw. diatonisch und nicht modal, richtig ?
     
  9. Hans_3

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    Erstellt: 14.11.05   #9

    Richtig. Es ist dann nicht modal. Nun kann man zwar einen Modus gezielt einsetzen, z.B. Mixolydisch über das A7 bei einem Blues in A. Doch verbleibt bleibt der Ganze Ablauf (A D G) in der Tonart A.

    Michael Sagmeister hat das seinenm Jazzbuch schön auf den Punkt gebracht:


    Man befreit dabei also Melodien aus einem vorgegebenen, engen harmonische Korsett.

    Früher war das im Jazz so (wie im Pop und Rock etc auch heute noch): Eine bestimmte vorgegeben Reihe von Akkorden bewegte sich in einer Tonart. Diese Struktur zwingt einen, bestimmte Dinge zu spielen und andere nicht spielen zu dürfen. Zum Beispiel wird man über einen E-Moll-Akkord keine Ganztonleiter spielen und über einen Aug-Akkord (Schichtung große Terzen) wiederum keinen Lauf mit kleinen Terzen.

    Bei modal spricht man hingegen von einem tonalen Zentrum. Die einfachste Vorstellung davon:

    Ein Bassist spielt 32 Takte lang nur auf dem Ton E. Dieses E kann jetzt unendlich viel sein.

    Zum Beispiel der (gedachte) Grundton von E7, E7/#9, E vermindert, E-moll 7, E13 und so weiter, die jedoch nicht erklingen.

    bzw. der Grundton jedes der abendländischen 21 Modi plus diverser anderer theoretischer Möglichkeiten (Ganzton/Halbton, Halbton/Ganzton, vermindert, übermäßig, chromatisch, symmetrische Skalen).

    Kurzum: Man hat die Auswahl von einem riesigen Buffet. Die Kunst und Schwierigkeit dabei ist dann wiederum, nicht alles wahllos auf dem Teller anzuhäufen, sondern aus diesen Freiheiten immer wieder neue appetitliche und spannende Einheiten zu machen.

    Aus ein und dem selben Wortschatz macht der eine eben eine mitreißende Rede und der andere einen grottenscheschlechten Aufsatz.


    Hier noch was:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Modaler_Jazz
     
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