Verschiedene Einflüsse auf den Tomsound: Schlag- und Resonanzfelle / Holz / Tiefe

ThaInsane88
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Hallo liebe Gemeinde,

immer wieder, aber natürlich in letzter Zeit immer seltener (armes Forum), kommt die Frage auf, wie sich welche Umstände auf den Sound ausüben. Ich weiß, dass hier im Schnitt der Konsens darüber herrscht, dass Holz einen eher geringfügigen Einfluss auf den Sound hat. Aber im Regelfall sprechen wir nur von Erfahrungen. Im Regelfall sind es die Felle, die den Unterschied machen und das wissen wir natürlich, weil wir schon vieles ausprobiert haben. Aber das zu demonstrieren ist für uns natürlich schwierig. Kaum einer hat 10 verschiedene Felle hier herumfliegen und kaum einer hat ein und das selbe Schlagzeug in verschiedenen Ausführungen. Aber zum Glück gibt es die moderne Technik und Plattformen, auf denen die entsprechenden Unterschiede präsentiert werden können.

So habe ich per Zufall einen Kanal auf Youtube gefunden, der einen Teil der Thematik wunderbar abdeckt. Und das auf eine Weise, die hochgradig tauglich ist, weil die Person offensichtlich weiß, was sie tut. Was hat es also auf sich, mit der Holzart, dem Einfluss des Schlag- und des Resonanzfells? Und welchen Einfluss hat vielleicht die Tiefe des Kessels? Ich will mich hier nicht mit den Lorbeeren des Youtubers Giulio Carmassi schmücken sondern analysiere trocken, was wir ohnehin schon wissen. Insofern unterstützt den Kollegen gerne, denn ihm gebührt das Lob - die Vergleiche sind fabelhaft, da die Stimmung exakt identisch ist.

Fangen wir mal mit dem Holz an.


View: https://www.youtube.com/watch?v=eQ1c4aQc2To

Ich wusste schon länger, dass mehr die Dicke bzw. die Ausführung des Kessels einen Einfluss hat, als das Holz selbst. Natürlich hört man die Nuancen aber es sind eben nur genau das: Nuancen. Besonders überrascht haben mich gleich die ersten beiden Kessel, weil ja immer wieder davon gesprochen wird, dass Ahorn so Basslastig sei und Birke eher Attackreich. Und hier hört man nahezu keinen Unterschied. Man muss schon sehr genau hinhören. Und spätestens im musikalischen Kontext wird das komplett untergehen. Tatsächlich finde ich persönlich die Projektion der Ahorn- und Birkenkessel angenehmer, als die restlichen Kessel, aber ich bezweifle, dass das im Gesamtkontext einer Band überhaupt noch heraussticht.


View: https://www.youtube.com/watch?v=vu7DihPrhRY

Was ist also mit der Tiefe der Kessel? Seit seinerzeit die Hyperdrive Kessel aufgetaucht sind, entstehen auch dazu immer wieder mal Diskussionen. Natürlich hält sich das heutzutage wieder stark in Grenzen, zumal die graue Masse an Schlagzeugsets einheitliche Kesselmaße aufweist. Am üblichsten sind heutzutage ja 10"x07" und 12"x08" (hier im Videi) Toms. Eher selten findet man Konfigurationen in 10"x08" und 12"x09". In den 80ern wiederum waren quadratische Toms in Mode, z.B. 12"x12" (wie hier im Vergleich) und es war ein ergonomischer Alptraum. Aber waren diese Kessel wirklich für den legendären 80er Sound verantwortlich? Ich glaube selber, der Einfluss ist nicht unerheblich. Es sind zwar Nuancen, die hier aber deutlicher hervorstechen. Was man hört (ich zumindest), ist ein weniger aggressiver Sound bei der quadratischen Trommel. Ein Vergleich mit Remo CS Fellen wäre hier natürlich witzig gewesen. Aber an und für sich fühle ich bei der quadratischen Tom eher ein Vintage-Feeling. Ich kann nicht wirklich beschrieben, was ich meine, aber die flache Tom klingt für mich deutlich moderner. Durch den größeren Abstand zwischen Schlag- und Resofell entsteht ein anderer Charakter, der Sound ist nicht mehr so direkt da. Dass ausgerechnet Resofelle nämlich einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Sound haben, zeigt das nächste Video:


View: https://www.youtube.com/watch?v=iMaJ_nO8H4Y

Und hier wird insbesondere wegen dem Vergleich zu einer Concert Tom (also ohne Reso-Head) klar, wie relevant ein Resonanzfell ist. Man will nicht glauben, dass es sich um dieselbe Stimmung des Schlagfells handelt. Die unterschiede zeigen sich sehr deutlich in der zweiten Hälfte ohne Rauschen des Snareteppichs. Der Körper des Sounds kommt also recht eindeutig vom Resofell. Und dieses Thema wird gerne mal übersehen. Jetzt sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Resofellen nicht so unfassbar gravierend, aber dennoch entscheiden sie über die Charakteristik der Trommel. Schlagfelle projezieren vor Allem den ersten Anschlag und gemeinsam mit dem Resonanzfell entscheiden sie im Sustain über den eigentlichen Sound der Trommel.


View: https://www.youtube.com/watch?v=LB9CKQnD40E&t=88s


View: https://www.youtube.com/watch?v=t5Rg6Zf4NDc


View: https://www.youtube.com/watch?v=t5Rg6Zf4NDc

Und hier kommen wir zum Schlagfell. Man merkt direkt, dass es einen qualitativen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Video gibt - ich habe das Gefühl, dass das erste etwas ehrlicher ist. Und als Ambassador wurde hier leider ein UT genommen, was jetzt nicht dem original aus den USA entspricht. Aber was für einen Einfluss haben Felle jetzt? Schon bei einlagigen Fellen merkt man die Unterschiede bei den Marken. Es heißt gerne mal, dass der Unterschied zwischen einem Remo Ambassador und Evans G1 vernachlässigbar sei - halte ich aber für falsch, was man hier wohl auch hört. Mich persönlich überrascht haben die Vintagevarianten. Gänzlich unbekannt waren mir bis heute die Attack Felle, welche auf mich einen sehr guten Eindruck machen. Der Vertrieb ist in Deutschland allerdings nicht so stark ausgeprägt- leider. Gear4Music scheint der Hauptvertreiber für Europa und zumindest für Deutschland die einfachste Bezugsquelle zu sein.

Grundsätzlich will ich hier nur wenig persönliche Noten zu den einzelnen Videos hineingeben, da jedes Ohr natürlich anders wahrnimmt. Aber ein Fazit mit meiner eigenen Höchstpersönlichen Meinung erlaube ich mir trotzdem:

Welchen Einfluss hat das Holz? Für mich wirklich einen geringen. Die Nuancen sind zumindest im Vergleich zu den Mischkesseln hörbar. Präferiere ich persönlich Holzarten? Ja. Aber mir geht es dabei darum, das letzte Quäntchen herauszudrücken. Macht es als Amateur oder Semi-Pro wirklich Sinn, sich da zu versteifen? Nein. Ich denke wirklich, dass die Unterschiede eher etwas für Enthusiasten sind. Gerade im Mid- Budget Bereich hat man überwiegend die Wahl zwischen Ahorn und Birke - und gerade dieser Unterschied ist mehr Marketing. Ich halte es für wichtiger, beim Kauf des Schlagzeugs aufs Bauchgefühl zu hören. Die Verarbeitung der Kessel innerhalb einer gewissen Preisklasse ist qualitativ im Regelfall auf demselben Niveau.

Welchen Einfluss hat die Kesseltiefe? In meinen Augen viel zu wenig, als dass ich jetzt wegen einem Zoll Unterschied ein Fass aufmachen würde. Hier wäre mir die Optik letztlich wichtiger, als der Klangunterschied. Ich bin selber kein Fan von den aktuell üblichen Kesseltiefen, aber es wäre für mich niemals ein Ausschlusskriterium. Gerade im oben gezeigten Video hört man ja den Umfang des Einflusses bei ganzen 4 Zoll. Das sind etwas mehr als 10 cm. Welchen Einfluss soll da also ein Unterschied von 2,54 cm haben? Naja.

Für mich war der Eindruck bei den Resofellen am stärksten, wobei ich hier einschränkend sagen muss, dass mir die Qualität und die Stimmung des Felles dann mehr am Herzen läge, als das eigentliche Modell. Der Unterschied zu keinem Resofell war für mich sehr bezeichnend. Vorausgesetzt natürlich, dass der Videoersteller da nicht geflunkert hat.

Schlagfelle bleiben mit einer der maßgeblichsten Variablen beim Schlagzeugklang. Man kann sowohl mit der Wahl des Felles als auch mit der Stimmung (welche auch extrem wichtig ist) den größten Unterschied herausholen. und hier kommt für mich schon das nächste wichtige:

Was zeigen die Videos nicht? Welchen Einfluss unterschiedliche Gratungen auf den Trommelklang haben. Mir wäre das persönlich wichtig gewesen, weil ich hier gerne direkte Vergleiche hören würde und die Unterschiede noch nicht gut kenne.

Was das Video auf jeden Fall zeigt, andererseits wiederum nicht: Dass eine gute Stimmung essentiell ist. Es liegt klar auf der Hand, dass man selbst die besten und tollsten Schlagzeuge niemals zum Klingen bringen kann, wenn man nicht weiß, was man tut. Die Trommeln in den Videos sind objektiv gut gestimmt, aber letzten Endes entscheidet auch das Stimmverhältnis zwischen Schlag- und Resofell als auch die Stimmung selbst über den Sound der Trommel. Und gerade das darf durch diese Videos nicht untergehen. Wenn ich das Reso-Video richtig interpretiere, ist das Reso bei dem Kollegen höher gestimmt als das Schlagfell. Es ist aber auch genau so valide Schlag- und Resofell identisch oder das Schlagfell höher zu stimmen. Es kommt immer stark darauf an, welchen Sound man erzielen möchte. Aber dafür sind die Videos auch nicht da, denn der Fokus liegt auf den Einfluss, den eine einzige Variable macht.

Wenn man weiß, womit man es zu tun hat, kann man sicherlich alle Faktoren für ein bestimmtes Ergebnis zusammenlegen. In dem Fall summieren sich die Effekte sicherlich und man kommt leichter zum gewünschten Ergebnis. Aber den Luxus hat man im Regelfall nicht. Man muss schon hart in die Custom-Schiene gehen und da werden Preise abgerufen, die im Grunde den Nutzen nicht rechtfertigen. Das ist so ziemlich genau das, was ich aus diesen Videos mitnehme. Ich könnte 6000 Euro für ein Full-Custom 4-Piece Set ausgeben, das all meine Wünsche erfüllt. Das richtige Holz, die richtige Gratung, die richtige Kesseldicke, die richtigen Felle etc. Und am Ende habe ich ein Set, das gut klingt. Und dann steht da neben mir einer mit seinem Mapex Mars für 1000 Euro und hat einen nahezu genau so guten Sound. Ich will hier kein Reden nach dem Motto "Das lohnt sich ja nicht" schwingen, weil ich mir nicht erlaube, hier für andere ein Urteil zu fällen. Ich bin selber ein Enthusiast und versteife mich manchmal in Nichtigkeiten. Ich persönlich habe mit der Zeit aber gemerkt, dass ein guter und individueller Drumsound nicht irgendwo auf der Range zwischen Mid-und High-End bzw. Ahorn und Birke liegt. Entscheidend ist, dass man weiß, was man tut. Kann ich nicht stimmen, kann ich nicht klingen.
 
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