Wann ist Klavier spielen wirklich "Klavier spielen?"

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Giiiigiiiiiii
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Hallo,
Ich spiele wegen einem Projekt, an meiner Schule, schon seit sechs Monaten Klavier und wollte mal die Frage stellen.. Wann ist Klavier spielen wirklich " Klavier spielen" also.. wann kann man sagen: "ICH kann Klaver spielen"
Erst wenn man gut Noten lesen und diese gut vom Blatt abspielen kann? Oder muss man überhaupt nicht Noten lesen sondern nur gut improvisieren können? muss man das alles können oder kann man auch sagen ich lerne ein Lied auswendig und kann dann Klavier spielen.. ist es dann nicht eher so ich kann nur dieses eine Lied spielen aber nicht wirklich Klavier?

Ich möchte mal eure Meinung dazu hören wie es euch dabei geht und was ihr im Kopf habt, wenn Jemand oder du sagst: "Ich kann Klavier spielen" und was sollte man alles zum Klavier spielen können?

Ich freue mich auf Eure Antworten!

Damit werdet ihr vielleicht auch in meiner Präsentation über´s Klavier spielen verewigt.

Mfg Giiiiigiiiiiii :)
 
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Bei Instrumenten (und auch vielen anderen Dingen) gibt es meiner Ansicht nach keine Grenze, man entwickelt sich stetig weiter, bzw. sollte das zumindest als Ziel haben. Ich wähle gerne die Formulierung "Ich spiele Klavier", das klingt etwas neutraler. Sicher gibt es gewisse Abstufungen, wenn jemand eine späte Beethovensonate angemessen vorträgt würde wohl niemand aberkennen er "könne Klavier spielen", oder wenn Leute davon leben oder damit zumindest Geld verdienen. Aber einen festen Punkt sehen wohl die wenigsten.
 
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...wenn Jemand oder du sagst: "Ich kann Klavier spielen" und was sollte man alles zum Klavier spielen können?

Hallo Giiiigiiiiiii,

willkommen im Musiker-Board!

Also, das "kann Klavier spielen" sage ich erst, wenn ich Rachmaninov op. 18 drauf habe und mir beim Spielen Marilyn in die Arme sinkt - beides könnte sich noch einige Zeit hinziehen. :D



Es gibt außerhalb der klassischen Musik genügend Musiker, die Klavier spielen, aber nur wenig bis gar nicht Noten lesen können, das "Noten lesen können" sagt offenbar nicht viel aus, zwei Beispiele:

https://de.wikipedia.org/wiki/Erroll_Garner


https://de.wikipedia.org/wiki/John_Lennon


"Kann spielen" würde ich dann zugestehen, wenn jemand in der Lage ist, auf dem Instrument die von ihr/ihm bevorzugte Musik so zu spielen, dass sie/er damit unvoreingenommene Zuhörer emotional erreicht. Virtuosität ist dabei für mich kein Kriterium.

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_McCartney


Gruß Claus
 
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Ich kann kein Klavier spielen. Ich kann aber auf dem Klavier Songs begleiten, mich selbst beim Singen begleiten oder aber auf dem Klavier Songs komponieren, ohne Noten zu können.
Wenn man mich also fragt, ob ich klavierspielen kann, so übe ich mich wie auch bei allen anderen Instrumenten stets im Understatement und sage irgendwas in Richtung " Nee nicht wirklich. Habs mir etwas selbst beigebracht".
 
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Ich spiele das eine oder andere Instrument, auf unterschiedlichem Niveau. Können ist etwas anderes und hat auch erstmal nichts mit Notenlesen zu tun. Welche Fertigkeiten es zum Spielen braucht, ist abhängig vom Einsatzzweck.

Kleine Anekdote, selbst erlebt bei Proben zu einem Jazz-Chorwerk: Der wirklich gut spielende Pianist der Big-Band wurde gebeten, eine Chorstelle mal vorzuspielen, weil es für die Sänger Unklarheiten gab.
- "Wir singen da irgendwas falsch, kannst Du uns den Chorsatz bzw. die Stimmen mal kurz vorspielen?"
- "Ich habe keine Noten" (stimmte tatsächlich, allgemeines Staunen im klassisch sozialisierrten Gesangsensemble)
- "Hier bitteschön, das ist der Chorauszug."
- "Und was soll ich jetzt spielen?"
- "Na das, was in Takt x bis z steht."
- "Ähm, ich kann keine Noten lesen."
 
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Ich möchte noch einen weiteren Aspekt in die Runde werfen. Wenn jemand bei den Digitalpianos nach einen "Klavierersatz" fragt, reiten wir in der Beratung ja ziemlich auf der gewichteten Tastatur herum. Und grenzen alles klar zum Keyboard (oder Orgel) ab.

In Analogie dazu wäre Klavier spielen dann, es zu beherrschen auf einer entsprechenden Tastatur Melodien und Akkorde beidhändig und vor allem dynamisch mit variablem Gefühlsausdruck zu Gehör zu bringen.

Da der klassische Klavierunterricht mit Notenmaterial arbeitet, gehört in der landläufigen Meinung dann wahrscheinlich auch das Beherrschen von Noten dazu. Allerdings muss ich bekennen, dass ich mich nach Jahren in der Jazz- und neuerdings auch Soulmusik mit Noten sehr quäle, von einem Leedsheet aber recht flüssig spielen kann.

Dennoch würde ich die Frage ob ich Klavier spielen kann mit "ja" - allerdings auch mit ähnlichem Understatement eher mit "ein wenig" und einem genuschelten "der Unterrricht ist lange her" beantwoten.

Gruß, Wolfgang
 
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Sag doch, wie es ist:

„Ich spiele seit 6 Monaten Klavier“

Fertig

:)
 
Hallo ! Ich habe beobachtet, das je älter jemand wird und je besser er auch spielt, derjenige immer bescheidener wird. Meine Tochter hatte vor einigen Jahren nach noch nicht einmal 2 Jahren Klavierunterricht behauptet "Ich kann Klavier spielen", was damals nicht wirklich gestimmt hatte... Für sie, im damaligen Alter von 9 Jahren, war es aber wohl so dass sie "gefühlt" hat, sie könnte Klavier spielen. Ein älter und erfahrenerer Musiker wird in den seltensten Fällen von sich behaupten das zu "können" eher sagt man dann "ich komme auf dem Klavier zurecht". Die Wahrheit ist es wohl bei beiden nicht - hängt aber natürlich auch von der Perspektive des Betrachters/Hörers ab. Für einen Nichtmusiker kann es der Anfänger schon toll - für einen Profi gibt es auch immer noch Luft nach oben.

cu

Micha
 
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Ich glaube auch, dass das für jeden eine persönliche Einschätzung ist. Für mich persönlich würde ich es so definieren:
1) Fähigkeit, einen Song eigenständig anhand von Noten erlernen (= Noten lesen + Akkordsymbole lesen und umsetzen)
und/oder Fähigkeit, sich einen Song durch Gehör zu erarbeiten (= Wissen über Intervalle und Erfahrung im Gehörtraining)
2) einen Sänger oder ein Instrument begleiten, das die Melodie spielt (= Wissen über Voicings, Ranges)
3) flüssiges Vortragen einiger gelernter Stücke auswendig oder mit Hilfe von Noten
 
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Für mich steht der Aspekt des Spielens im Vordergrund.

Wenn jemand mit den Fähigkeiten, die er sich am Instrument erarbeitet hat, beginnt kreativ zu spielen, dann kann er Klavier spielen. Ich meine das gerade so, wie ein Kind in der Lage ist, z.B. aus Bauklötzen eine mittelalterliche Ritterburg entstehen zu lassen, die dann mit vorgestellten Persönlichkeiten zum Leben erweckt wird. Genauso kann der Musiker aus seinem Gelernten und Geübten eine musikalisch lebendige Welt entstehen lassen, sei es der klassisch Ausgebildete, der in der Lage ist, einem komplett ausnotierten Stück mit seinen Ausdrucksfähigkeiten Leben einzuhauchen, er also mit dem Ausdruck beginnt zu Spielen, sei es der improvisierende Musiker, der in der Lage ist, mit seinen Improvisationsfähigkeiten zu Spielen.

Wenn also jemand z.B. ein klassisches Stück immer gleich runterdonnert, ohne, daß er in diesen krativen Spielprozeß hineinkommt, kann er technisch noch so gut sein, Klavier spielen kann er aus meiner Sicht nicht. Manchmal aber versinkt ein Kind, das auf dem Klavier nur ein paar Töne spielen kann, so vollständig in seiner Musik, daß es tatsächlich mit den Tönen und Klängen spielt. So ein Kind kann Klavier spielen.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Bei mir (Gitarrist) selbst würde ich so ansetzen: Ich überlege nicht, ob ich Gitarre spielen kann, sondern was ich kann. Wenn Du mit dem was Du kannst zufrieden bist, kannst Du auch sagen, dass Du spielen kannst. Dafür gibt es keinen objektiven Maßstab.

Wenn ich am Synthie stehe und live einen Song mit drei Akkorden begleite und den Leuten das gefällt, wird kein Mensch denken, dass ich nicht Klavier spielen kann... Obwohl ich behaupten würde, dass ich es nicht kann *rofl*
 
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Ich bin der Meinung, dass es drauf ankommt, von welchem Einsatz man redet. Geht es um Klassik-Stücken vom Blatt, Pianobegleitung in der Bigband, liedbegleitung, also z.B. einfachen Gesang begleiten, in einer Band spielen etc.

Mit 6 Jahren begann ich mit Klavierunterricht. Hatte 6 oder 7 Jahre Unterricht. Danach war lange Pause. Mit Ende 20 hab ich dann nochmal 2 Jahre Unterricht gehabt. Danach hatte ich lange Keyboard gespielt - ist ja ein bisschen was anderes als Klavier. Dabei hab ich die linke Hand etwas vernachlässigt. Mittlerweile spiele ich wieder mit beiden Händen, wenn auch nicht ausschließlich Klavierparts. Meiner Tochter helfe ich häufig, wenn sie für ihren Klavierunterricht neue Stücke bekommt, und nicht klar kommt. Da stelle ich fest, dass ich keine großen Probleme habe, auch unbekanntes direkt vom Blatt zu spielen.
Im Prinzip würde ich behaupten, ich kann Klavier spielen, aber mehr Bandtauglich. Für die Bigband würde es nicht reichen, genauso wenig wie für Konzerte als Solo-Pianist zu geben. Auch als Barpianist wäre ich wohl nicht geeignet. Dafür kann ich dich spontan am Gesang begleiten, wenn ich den Song kenne und die Akkorde vorgelegt bekomme.

Ich lese gerade die Biografie von Bruce Springsteen. Der behauptet von seinem Pianisten, er kann keine Noten, man dürfe ihn nicht einmal fragen, was er spielt, wie die Akkorde des Songs sind usw. aber er wäre natürlich einer der großartigsten Pianisten, mit denen er jemals zusammengespielt hat.
 
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man wird geboren, wächst, wächst weiter - wie lange dauert's, bis man groß ist?
 
Analogie: Jemand ist ja auch ein guter Redner, wenn er den Kern trifft, mit wenigen einfachen Worten bewegendes
sagt (i have a dream, ich bin ein Berliner)

Umgekehrt muss man von vielen Rednern / Musikern sagen: er hat viel geredet / gespielt, ausgesagt hat er wenig.

Wenn jemand in einem Jazzpianosolo alles zur Schau stellen moechte, was er kann, kann das auf der Ebene des musikalischen Ausdrucks im schlechtesten Fall gar nichts bis wenig bedeuten ausser: "aha, der zeigt, was er kann, aber es beruehrt mich nicht. "

Ist natürlich auch subjektiv, wie der Hoerer es empfindet.

Mich beruehrt wenig in der ernsten Klassik oder im free jazz. Fuer andere ist es die Welt.

Ein einfacher aber nicht banaler Song oder Klavierstueck hingegen kann mich sehr beeindrucken.
 

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