Musikermythos des Monats
"Eierpappen dämmen den Schall"
Generationen von Rock-Muckern dämpfen ihre Proberäume mit Eierpappen, deren quadratische Form zum Kacheln der Wände einlädt. Das Problem ist immer das selbe: Wo Schlagzeug gespielt wird, ist es laut. Die elektrisch verstärkten Bassisten und Gitarristen passen ihre Lautstärke an und es wird noch lauter. Der Gedanke, die Wände so auszukleiden, dass diese möglichst wenig Schall reflektieren, ist völlig korrekt (wobei die Verminderung der Schallemission nach außen sehr gering ist). Eierpappen sind dazu aber kaum geeignet. In seiner Diplomarbeit für die SAE Zürich hat Audio Engenieer Marco Grementieri die Eigenschaften der Eierpappenuntersucht. In der bauakustisch gut fundierten Facharbeit weist er nach, dass mit Ausnahme einer guten Dämpfung bei 1kHz die Eierpappe auch mit einfachen Akustikbau-Werkstoffen nicht konkurrieren kann. Alle Akustikplatten aus dem Baumarkt sind wesentlich effizienter und klangneutraler. Dabei ist die pyramidale Struktur der Eierpappe ein guter Ansatz: Wäre die Pappe flauschig, porös und schwer genug, könnte sich tatsächlich Schall darin verlieren. Aber die Pyramiden müssen groß sein, damit auch längere Wellenlängen (tiefe Frequenzen) bedämpft werden. Die fachgerechte Verringerung der Reflektivität eines Proberaums oder auch eines Aufnahmeraums ist eine anspruchsvolle Aufgabe.
Grundsätzlich gilt: Was flauschig und schwer herumhängt, hilft - wenn auch frequenzabhängig (die Höhen werden gedämpft). Wir bereiten ein Special vor, in dem wir uns des Themas Proberaumdämpfung näher annehmen werden. Bis dahin kann man die Eierpappen dem Eierhändler zurückgeben und das Sammeln bleiben lassen.