Welche Essentials, damit eigene Riff- bzw. Akkordfolgen "schön" klingen?

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Moin moin,

bin jetzt schon einige Zeit am Gitarrespielen und das Covern von Songs, die ich ein wenig eingeprobt habe, fällt mir nicht mehr schwer.
Ich bin jetzt noch nicht sehr tief in der Musiktheorie und kann nicht mal alle Noten benennen, darum habe ich immer einen großen Bogen um die Theorie gemacht, hehe...
Natürlich wird bald das stumpfe Nachspielen von Liedern langweilig und ich wollte damit beginnen zu erkennen, warum genau jeweilige Powerchords/leere Saiten aufeinander abgestimmt wurden, um genau so eine schöne Melodie/Abfolge erzeugen.

Ich habe mich daran ausprobiert, mal eigene Riffs "zu komponieren" - meist klingen dann aber nur zwei Akkorde aufeinander gut, bis die Abfolge dann wieder ins Nirvana geht. Langes Ausprobieren ist auch nicht gerade cool!
Deshalb wollte ich hier mal nachfragen, um herauszufinden, was man genau braucht, um ein wohlklingendes Riff/Lied zu komponieren bzw. wie man das "System" eines Liedes analysiert.
Ich weiß gar nicht, wo ich da jetzt speziell anfangen soll - deshalb frage ich hier:

Was sind die Grundkentnisse, womit sollte man beginnen (Essentials)?
Gibt es irgendwelche Tipps, wie man eine Akkordabfolge anhand ihrer Tonarten/Noten erkennen kann (falls man diese Technik überhaupt braucht oder es diese Technik überhaupt gibt- wie gesagt, bin ein Musiktheorie-Newbie)
Wie fängt man an, warum, weshalb klingen Lieder so, wie sie klingen? :ugly:

Würde mich mal über eine Ansammlung von Tipps freuen, erklärt es doch ein wenig für Laien (falls Neueinsteiger das auch mal sehen möchten).

Viele Grüße,

JD
 
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HaraldS
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Für Gitarrenriffs gilt schon das, was sonst überall in der Musik auch gilt: eines der am meisten zustimmungsfähigsten Konstruktionselemente ist Symmetrie. Von Smoke on the water über Highway to Hell bis Eye of the Tiger basieren gute Gitarrenriffs auf symmetrischen Strukturen. Und zwar harmonisch, rhythmisch und melodisch. Nicht immer zu 100% und nicht zwangsläufig, aber bemerkenswert. Aus dieser Erkenntnis kannst du auch eigene Riffs basteln.
Noten musst du dafür nicht lesen können. Aber es hilft, wenn man Worte für das hat, was man macht. Also Notenwerte und Taktpositionen benennen können hilft deutlich.
Powerchords und ihr Verhältnis zu normalen Dreiklängen sind ebenso ein Thema, über das man Klarheit haben sollte.
 
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mal eigene Riffs "zu komponieren"
, bin ein Musiktheorie-Newbie)
Wie fängt man an, warum, weshalb klingen Lieder so, wie sie klingen? :ugly:
Musiktheorie ist ja deine Sache nicht, dann bleibt, nach Gehör vorzugehen. Lieder klingen so, wie sie klingen, weil jemand einfach mal was ausprobiert hat, und es ihm oder ihr gefallen hat. Mit der Musiktheorie kannst du, mMn. im Nachhinein "analysieren", was du da gemacht hast, zwingend nötig ist das aber erstmal nicht.
Also, wenn du etwas für dich neues ausprobierst, vertrau dir einfach selbst, ob das für dich passt oder nicht. Im Grunde stehen dir da alle Wege offen. Im Übrigen, die Musiktheorie kommt mit der Zeit durch die Praxis quasi von selbst, so man sich etwas ernsthafter mit Musik und Instrument beschäftigt. Man muß eben auch (viel;)) Geduld haben, viel Erfolg bei der Umsetzung deiner Ideen.
Micky
 
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Was sind die Grundkentnisse, womit sollte man beginnen (Essentials)?

So ganz grob:

- Mal alle Noten auf der Gitarre benennen zu können wäre vermutlich mal ein Anfang.
- Dann mal die "normalen" Intervalle , also die reinen Intervalle -Prime/Quinte/Oktave und alles, was es "in groß und klein" gibt - Sekunden, Terz, Sexte und Septime, einzig die verminderte Quinte wäre mal noch explizit zu erwähnen, sonst wirds schwierig beim Bilden der:
- Stufenakkorde der Durtonleiter
- und dann allmählich mit viel Gehörbildung mit Kadenzen und Akkordfunktionen beginnen.

Nicht nur lernen, sondern vor allem >spielen und hören<.
Für Punkt 2 noch gitarrenspezifisch machen, also bist du z.B. bei der gr. Terz, nicht nur lernen, wie viele Halbtonschitte usw., sondern sich gleich veranschaulichen, wo ausgehend von einem beliebigen Grundton auf der Gitarre überall eine gr. Terz sitzt, gemeinsam mit 1 ist dass das Grundsetup, welches man verinnerlichen sollte bevor man irgendwas anderes weiter macht, weil sonst denkt man stets "um die Ecke", weil man sich sonst herleiten muss "Ah, jaaaa, ein C#, dass C aus C-Dur ist da, das C# dann einen Bund höher und ich will aber ein höheres, das C# der nächsten oktave liegt.... da" - und je mehr man um die Ecke denkt, umso weniger Raum ist für Erkenntnisgewinn.

Grüße
 
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Viele Riffs lassen sich zwar theoretisch erklären, ob die Musiker allerdings diese Theorie zum Komponieren genutzt haben ... kp.

Nutze zum einen die Nähe zwischen Improvisation und Komposition und probiere einfach mit Powerchords rum. Zum anderen ist ein theoretisches Wissen hilfreich, um an schwierigen Stellen weiter zu kommen. Da gibt es zahlreiche Harmonielehren auf dem Markt, hier im Forum ist Haunschild ein Dauerbrenner. Das Buch von Matthias Löffler hat auch gute Rezensionen bekommen. Ein schnelles Resultat bekommt man da sicherlich nicht, aber wenn du dich 1 Jahr hinhockst wirst du auf jeden Fall Fortschritte merken.
 
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Wenn Du zwei Akkorde hast und Du weitere suchst, die dazu gut passen, wäre der Quintenzirkel ein nicht zu theorielastiges, leicht verstehbares und recht einfach anzuwendendes Hilfsmittel.

x-Riff
 
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Und, alles was man egal wie analysiert spielen und am besten auch singen.
Lernt man z.B. Tonleitern verkommt das schnell zu einer Papierübung wenn man das nicht macht. z.B.,

Wenn man nun aber bei Ton X startet und die Intervalle der Durtonleiter darauf aufbauend spielt, am besten parallel mitsingen, bzw. auch "vorraussingen" und mit dem Instrument kontrollieren. Deswegen Intervalle vor Tonleitern (Tonleitern sind ja nichts anderes als eine Aneinanderreihung bestimmter Intervalle), dass gilt ja auch für Einzelintervalle, nicht nur spielen und irgendwie abstrakt am Instrument "abzählen" können, dass E-G eine kl. Terz ist, sondern eben umgekehrt sich Übungen suchen und wenn da steht E-G das E spielen, das G vorsingen und dann mit dem Instrument kontrollieren. Das baut ein sog. Klanggedächtnis auf, all die Begriffe die einem in der Musiktheorie begegnen sind letztendlich sinnbefreit bzw. taugen nur zum "belesen klingen", wenn sie nicht mit einer Klangvorstellung hinterfüttert sind.

Das singen ist insofern wichtig, weil Mensch nunmal ursprünglich darauf konditioniert ist, kontrollierte Lautäußerungen (dazu zählt eben Sprache wie Musik) mit seinem Mund und Kehlkopf zu machen, das holt quasi die Hirnbereiche mit ins Boot, die eben genau dafür da sind, gehörtes einzuordnen und wiederzugeben; das läuft zu guten Teilen übers Sprachzentrum und das fühlt sich nur mäßig zuständig, wenn man nur seine Hände benutzt.

Grüße
 
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Viele Riffs lassen sich zwar theoretisch erklären, ob die Musiker allerdings diese Theorie zum Komponieren genutzt haben ... kp.

Höchstwahrscheinlich nicht, sehe ich auch so. Allerdings gibt es ja auch nicht die eine Musiktheorie, sondern einen Plan von Musik und ihrer Produktion zu haben kann ja extrem verschiedene Formen annehmen. In jedem Lebensalter hat der Mensch (in der Regel ;)) einen Plan von halbwegs kontrolliert hervorgebrachten Lauten und wie, warum und mit welchem Ziel er welche Geräusche absondert. Und bei Musik gibt es halt einen bewussten Umgang mit Musiktheorie und einen unbewussten und vor allem alle möglichen Abstufungen dazwischen.

Ich denke schon, dass erfolgreiche (Rock-)Musiker und Songwriter irgendeinen Plan von irgendeiner Musiktheorie haben. Auf irgendeiner Stufe zwischen bewusst und unbewusst. Aber da gute Gitarrenriffs bzw. alle Rockmusik vor allem in den Bauch gehen soll und grooven soll, kann man mit Worten und Beschreibungen nur begrenzt was erreichen. Begrenzt, aber immerhin etwas. Eigentlich sogar eine ganze Menge.

Hier in einem Textmedium können wir nicht anders, als mit Begriffen und Bezeichnungen über Musik zu reden. Das ist eine Einschränkung, weil wir den Probenraumgeruch, den Groove, den musikalisch-körperlichen Zugang, das Vormachen auf dem Instrument, aber auch das gemeinsame Livemusik-erleben in einer Gruppe nicht haben. Gleichzeitig ist es ein Vorteil, weil wir hier über Dinge reden können, die viele (Band)Musiker bewegen, die man aber mit Freunden und Mitmusikern am eigenen Ort schlecht klären kann. Hier im Board kommen wir den Geheimnissen guter Riffs und dem Musiktheorieverständnis von Angus Young & Co nicht unbedingt auf die Spur, aber Versuch macht kluch.

Nehmen wir mal Smoke on the water, https://www.notendownload.com/smoke-on-the-water-gesang-deep-purple__7040197.html . @JustDistortion - meinst du solche Riffs?

Es geht hier um ein viertaktiges Riff, dessen Takte 3 und 4 eine Variation der Takte 1 und 2 darstellen: ein dreitöniges aufsteigendes Motiv im ersten Takt auf den Schlägen 1,2,3 wird off-beat auf 4+, 1+ und 3 wiederholt, im zweiten Takt wird auf 2+ ein chromatischer Vorhalt eingefügt. Im Takt 3 wird das dreitönige aufsteigende Motiv wiederholt, in Takt 4 aber mit einem zweitönig absteigenden Motiv zum Ausgangspunkt und zum Abschluss geführt. Das Motiv wird mit Quarten untendrunter angereichert, quasi harmonisiert.

Das sind alles beschreibbare Parameter, mit denen man sowas auch selbst basteln kann.
 
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@HaraldS dieser Verschränkung beider Wissensbereiche kann ich nur zustimmen! Leider scheint es mir hier in manchen Beiträgen im Forum so, dass eben diese Verschränkung negiert wird oder der Nutzen daraus nicht erkannt wird.
 
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Höchstwahrscheinlich nicht, sehe ich auch so. Allerdings gibt es ja auch nicht die eine Musiktheorie, sondern einen Plan von Musik und ihrer Produktion zu haben kann ja extrem verschiedene Formen annehmen. In jedem Lebensalter hat der Mensch (in der Regel ;)) einen Plan von halbwegs kontrolliert hervorgebrachten Lauten und wie, warum und mit welchem Ziel er welche Geräusche absondert. Und bei Musik gibt es halt einen bewussten Umgang mit Musiktheorie und einen unbewussten und vor allem alle möglichen Abstufungen dazwischen.


Musiktheorie ist ja deine Sache nicht, dann bleibt, nach Gehör vorzugehen. Lieder klingen so, wie sie klingen, weil jemand einfach mal was ausprobiert hat, und es ihm oder ihr gefallen hat. Mit der Musiktheorie kannst du, mMn. im Nachhinein "analysieren", was du da gemacht hast, zwingend nötig ist das aber erstmal nicht.


Sprich: Grooven und so lange spielen, bis was vernünftiges dabei rauskommt? Dazu werde ich mir dann mal den Quintenzirkel anschauen, den @x-Riff erwähnt hat. Ich glaube, bei mir ist das große Thema die Rhythmik - vielleicht verläuft hier meine Abfolge ins Nichts...

Nehmen wir mal Smoke on the water, https://www.notendownload.com/smoke-on-the-water-gesang-deep-purple__7040197.html . @JustDistortion - meinst du solche Riffs?

Ja! Eben solche, die jetzt nicht höchst komplex sind, die aber in deren (scheinbar?) simplen Akkordabfolgen, einen tollen Song mit einem guten Riff kreieren können (was man auch schnell bei bspw. bei Rammstein sieht).

- Mal alle Noten auf der Gitarre benennen zu können wäre vermutlich mal ein Anfang.
- Dann mal die "normalen" Intervalle , also die reinen Intervalle -Prime/Quinte/Oktave und alles, was es "in groß und klein" gibt - Sekunden, Terz, Sexte und Septime, einzig die verminderte Quinte wäre mal noch explizit zu erwähnen, sonst wirds schwierig beim Bilden der:
- Stufenakkorde der Durtonleiter
- und dann allmählich mit viel Gehörbildung mit Kadenzen und Akkordfunktionen beginnen.

Dann werde ich mich jetzt mal stufenweise heraufarbeiten. Vielleicht liegts ja letzendlich doch nur an meiner fehlenden Kreativität.
Denkt ihr denn, dass eine Person ohne irgendeine Ahnung von Musik, ein gut strukturiertes Lied schreiben kann? Finde das nämlich schwer vorzustellen!
Ich bedanke mich auch bei allen Anderen, die mir geantwortet haben!
 
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bei mir ist das große Thema die Rhythmik
das ist eben bei Blues, Rock und auch Jazz das grosse Thema:),
Denkt ihr denn, dass eine Person ohne irgendeine Ahnung von Musik, ein gut strukturiertes Lied schreiben kann?
ja, ist ja oft genug passiert, aber wie gesagt, die Ahnung kommt mit der Zeit. Praxis (der Spass) und Theorie (das Verständnis) sollten parallel einhergehen, das entwickelt sich dann schon, in diesem Sinne, good grooves and vibes.
 
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Denkt ihr denn, dass eine Person ohne irgendeine Ahnung von Musik, ein gut strukturiertes Lied schreiben kann? Finde das nämlich schwer vorzustellen!

"Ganz ohne irgendeine Ahnung von Musik" ist niemand, der in dieser Gesellschaft hier rumläuft. Jeder hat zwangsläufig eine musikalische Prägung erhalten, das beginnt schon vor der Geburt. Falls du dich selbst meinst, hast du ja alleine schon durch deine Affinität zu Musik und das Spielen eines Instruments eine extreme Nähe zu Musik und musikalischen Strukturen. Du fällst sicher nicht in die Kategorie "ohne irgendeine Ahnung von Musik". Wenn du jetzt halbwegs auf Zack bist, schaffst du es natürlich, die dir bekannten Strukturen zu reproduzieren.
 
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Für Gitarrenriffs gilt schon das, was sonst überall in der Musik auch gilt: eines der am meisten zustimmungsfähigsten Konstruktionselemente ist Symmetrie. Von Smoke on the water über Highway to Hell bis Eye of the Tiger basieren gute Gitarrenriffs auf symmetrischen Strukturen. Und zwar harmonisch, rhythmisch und melodisch.
HaraldS - das meine ich gar nicht mal als Widerspruch, aber ich versteh es wohl nicht:
könntest du weiter ausführen, was du unter dem Begriff Symmetrie verstehst?
 
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Es geht hier um ein viertaktiges Riff, dessen Takte 3 und 4 eine Variation der Takte 1 und 2 darstellen: ein dreitöniges aufsteigendes Motiv im ersten Takt auf den Schlägen 1,2,3 wird off-beat auf 4+, 1+ und 3 wiederholt, im zweiten Takt wird auf 2+ ein chromatischer Vorhalt eingefügt. Im Takt 3 wird das dreitönige aufsteigende Motiv wiederholt, in Takt 4 aber mit einem zweitönig absteigenden Motiv zum Ausgangspunkt und zum Abschluss geführt. Das Motiv wird mit Quarten untendrunter angereichert, quasi harmonisiert.


Genial! :great:
 
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könntest du weiter ausführen, was du unter dem Begriff Symmetrie verstehst?

Immer wenn etwas wiederholt wird, entsteht eine Symmetrie. Das kann harmonisch, melodisch, rhythmisch oder klangfarblich sein. Bei "Smoke..." ( https://www.notendownload.com/smoke-on-the-water-gesang-deep-purple__7040197.html ) ist der 2. Takt melodisch eine Variation (also eine abgeänderte Wiederholung) des 1.Taktes. Der 3. Takt ist nahezu identisch mit dem 1., der 4.Takt ist dann eine andere Variation des 1. . Das Motiv aus den ersten 3 Tönen wird mehrfach variiert, aber immer so, dass der Bezug zum Original erkennbar bleibt - wie bei einer symmetrischen Spiegelung. Das ist formal eine ziemlich strenge Konstruktion.

(BTW: das finde ich bei Rockmusik sowieso ziemlich spannend, dass viele Leute dabei Freiheit, Wildheit, Ungezügeltheit und gesellschaftlichen Protest empfinden, während sie musikalisch engen Strukturen folgen, tradierte Konventionen hundertprozentig einhalten und musikalische Freiheitsgrade unmöglich sind.)

Bei "Smoke" gibt es neben den variierten Motivwiederholungen (entspricht einer vertikalen Spiegelachse, also in der Zeit) auch eine horizontale Symmetrieachse beim b der 1.Oktave. Das ist der Ton der ziemlich genau in der Mitte des Motivs liegt, den die Melodie also bei Auf- und Abwärtsbewegungen immer streift.

Dann gibt es rhythmische Symmetrien: im Dreitonmotiv g-b-c kommen die ersten zwei Töne zunächst auf die Beats, dann in Takt 2 auf die Off-Beats. Der dritte Ton, c, kommt immer auf Schlag 3. Das ist ein rhythmischer "Anker", die anderen sind variabel. Das Riff wirkt rhythmisch dadurch sehr erdig und einfach verständlich. Das unterscheidet es deutlich von den AC/DC-Riffs von "Highway...", das auf der 3+ beginnt oder "Hells Bells", was auf der 4+ beginnt - sowas ist viel komplizierter.

Interessant finde ich auch "Eye of the tiger"-Riff (https://www.musicnotes.com/sheetmusic/mtd.asp?ppn=MN0057501 ). Da kann man sehen, was man aus einer einzelnen "Aussage" machen kann: der erste Akkord Cm steht zunächst alleine, dann wird er mit einem Bb-Dur-Akkord abgewechselt, beim dritten Anlauf geht es Cm-Bb-Ab , also eine gerade Linie abwärts. Also: keine Bewegung - etwas Bewegung - viel Bewegung. Das ist nicht symmetrisch, aber es ist ein logisch gebaute Linie, die der Zuhörer beim allerersten Hören schnell kapieren kann (i.d.R. unbewusst).
 
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Nein.
Das kannst du noch gar nicht wissen.

Stell dir vor, du würdest eine Kurzgeschichte schreiben wollen. Und in deinem Fall ja auch noch, ohne lesen und schreiben zu können. Soll jetzt nicht darauf hinauslaufen, dass du erst mal Noten wie die Sonntagszeitung lesen lernen sollst, aber stell dir mal vor, all das Zeugs, das du in der Schule gelernt hast, angefangen bei Buchstaben, Wortarten, Rechtschreibung, Grammatik (dazu gibt es eben so ungefähre Entsprechungen in der Musiktheorie), hättest du nicht gelernt, aber du hörst gerne Kurzgeschichten. Und kannst viele deiner Lieblingsgeschichten auch in- und auswendig selbst nachsprechen, sie sozusagen "covern".
Und nimmst dir nun vor, auch mal eine zu kreieren und einzusprechen.

Wie willst du dir das, nach wie vor unterstellt, du bist kompletter Analphabet, vorstellen können?
Man kann das jetzt einerseits abstrakt lösen. Du lernst die Buchstaben, suchst dir Übungen zum lesen, schreibst mal eine dreizeilige Bildbeschreibung, .... (was wir eben alle in der Schule gemacht haben),.. liest viel (was wir auch alle gemacht haben), und die nächsten Geschichtchen gehen schon über eine A4-Seite. Und dann, nachdem du mal ganz zufrieden mit einigen dieser A4-Geschichten bist suchst du Wege, mehrere davon zu einem größeren Ganzen zusammenzubauen. Der erste Versuch ist eher lala, man merkt noch, wie der rote Faden verloren geht, aber zumindest genau die selben Fehler machst du nicht mehr. Aber, das Bild wird immer differenzierter, du lernst immer besser worauf zu achten ist und nochmals ein Jahr später hast du was, mit dem du eigentlich ziemlich zufrieden bist.

Genau so geht das bei Musik auch, allerdings wird das nicht das Mittel der Wahl sein.
Es gibt ja auch einen intuitiven, direkteren Weg: Du kannst das gesamte "Lesen und Schreiben Lernen" mal außen vor lassen, dein Mikro nehmen und mal einfach ein einmütiges Geschichtlein hineinquatschen. Und dann wieder. Und dann mal ein längeres. Usw. Dir wird wohl auffallen: Beide Extreme sind für sich alleine eher unbrauchbar. Notenlesen lernen, Gehörbildung betreiben, Musiktheorie lernen und erfahren ist ein bisschen sehr dicke Kanone um auf Spatzen zu schießen, allerdings komplett intuitiv ohne irgendwelchen abstrakten Grundbegriffen, mit denen man ein wenig kategorisieren kann, was man macht bzw. gemacht hat (man muss es ja reproduzieren können, erst recht für "etwas fertiges", aber auch, um an etwas, was "gerade in Entwicklung ist" arbeiten zu können).

Jedenfalls, du kannst keine Ahnung haben, wie man ein strukturiertes Lied schreibt - wie auch, du bist ja vermutlich weder der Begriffe mächtig, diese Liedstruktur zu beschreiben, noch hast du eine konkrete, differenzierte Klangvorstellung. Das hat aber nix speziell mit deiner Person zu tun. Aber, "Stücke schreiben" kann man eben nicht aus dem Stehgreif beginnen. Sondern du musst deinen Baukasten vorher mit Werkzeugen füllen. Das kann einerseits wie erwähnt erstmal sehr abstrakt sein, du kannst aber genau so gut einfach mal viele Licks lernen. Und Akkordfolgen. Und dann mal ein kleines Riff drüber basteln. Dann mal mit irgendwas experimentieren, was dir gerade zufliegt wenn du dich gerade mit Theorieeinheit XY beschäftigst. Und dann mal ein paar Sachen versuchen aneinander zu hängen. Wird ähnlich sein wie beim Kurzgeschichtenvergleich, irgendwie wirds mal passen, aber noch nicht so ganz. Aber beim nächsten mal wirds besser. Und beim 20. mal beginnt es allmählich, wie ein eigenständiges, zusammenhängendes Stück zu arbeiten. Und beim 50. Mal hast du dann allmählich eine Vorstellung, wie man ein strukturiertes Lied schreibt.
(Zahlenwerte willkürlich gewählt :tongue:)

Wieviel Bauchgefühl & Intuition einerseits und wieviel "Studium", um genau das richtig einordnen und einsetzen zu können andererseits speziell für dich passen, dass musst du selbst hinaus finden. Aber zumindest soweit, dass du dir unter meinem Post #4 prinzipiell was vorstellen kannst würde ich dir auf jeden Fall empfehlen.

Grüße
 
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Für den Anfang:
1. Töne auf dem Griffbrett benennen können,
2. alle Töne der C-Dur/a-Moll-Tonleiter auf dem Griffbrett lernen, bis zum 12. Bund- dann wiederholt sich's wie Du weißt,
3. Stufenakorde verstehen (I-IV-V)

(Wenn du ein wenig Geld ausgeben kannst und Englisch verstehst, Stive Stine hat Onlinekurse für jedes Level von totaler Anfänger bis Songwritung.)
 
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Ein gutes visuelles Hilfsmittel können auch online- Seiten sein, wo das Griffbrett der Gitarre zu sehen ist.
Man kann sich dann Akkorde in verschiedenen Varianten/Lagen anzeigen lassen. Man kann auch die Töne, die man gerade greift, auf dem Griffbrett aktivieren und sich die Akkordbezeichnung anzeigen lassen.

Einfach Gitarrenakkorde odr guitar chords eingeben und sich mal die Seiten anschauen und die nehmen, mit der man am besten klar kommt.

x-Riff
 
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...Das hat aber nix speziell mit deiner Person zu tun. Aber, "Stücke schreiben" kann man eben nicht aus dem Stehgreif beginnen. Sondern du musst deinen Baukasten vorher mit Werkzeugen füllen. Das kann einerseits wie erwähnt erstmal sehr abstrakt sein, du kannst aber genau so gut einfach mal ...

Wow, erstmal vielen Dank für den Gedankengang!
Denke auch, dass man sich anfänglich gut "ausstatten" soll, bevor man wild drauf loshämmert, deshalb hab ich ja auch den Thread gestartet.
Zugegebenermaßen habe ich der Theorie immer bewusst den Rücken zugedreht, da ich gedacht habe (und das war vielleicht ein Fehler...:engel:), dass ich ohne Probleme - wenn es auch nur zufällig sei- was eigenes gebastelt bekomme. Aber wie schon erwähnt: es funktioniert nicht sonderlich gut. Habe vor kurzem angefangen, mir die Namen aller Powerchords einzutrichtern, da mir diese schon von Beginn an präsenter waren.
Licks habe ich auch nicht wirklich beachtet, jetzt aber mal ein bisschen nachrecherchiert und die "Rock-Licks" schonmal auf meine Lernliste gesetzt!
Wie du schon schön metaphorisch geschrieben hast, werde ich strukturiert anfangen meinen "Werkzeugkasten" zu füllen. :great:
Das war letztendlich mein Ziel: herauszufinden woran ich arbeiten kann, bzw. arbeiten muss, da ich das Gitarrenspiel als mein großes Hobby entdeckt habe.
Und solange ich dabei bin, werdet ihr mich mit zig verschiedenen Fragen nochmal hier im Forum entdecken!
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Ein gutes visuelles Hilfsmittel können auch online- Seiten sein, wo das Griffbrett der Gitarre zu sehen ist. Man kann sich dann...

Hättest du mal gerade ein Link für so eine Seite? Finde zwar Seiten mit Ansichten von Powerchords, aber keine, die man variieren kann.

Grüße!
 
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